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WTH/Die ideale Sprechsituation

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▶Wenn die (im Anschluß an Toulmin) dargestellte Argumentationsstruktur hinreichen soll, um über theoretische wie praktische Geltungsansprüche rational motivierte Entscheidungen herbeizuführen, muß der Diskurs eine Form haben, die die Revision zunächstgewählter Sprachsysteme erlaubt. Nur dann kann die reflexive Erfahrung mit der Unangemessenheit von Sprachsystemen in die Argumentation selbst eingehen. Was bedeutet diese Forderung für die formalen Eigenschaften von Diskursen? Diese Frage möchte ich erst für theoretische, dann für praktische Diskurse behandeln.

▶Die Form des theoretischen Diskurses muß eine schrittweise Radikalisierung, d.h. Selbstreflexion des erkennenden Subjekts ermöglichen. Der erste Schritt ist der Übergang von problematisierten Behauptungen, die selbst Handlungen darstellen, zu Behauptungen, deren kontroverser Geltungsanspruch zum Gegenstand eines Diskurses gemacht wird (Eintritt in den Diskurs). Der zweite Schritt besteht in der theoretischen Erklärung der problematisierten Behauptung, also in der Angabe (mindestens) eines Arguments innerhalb eines gewählten Sprachsystems (theoretischer Diskurs).[1] Der dritte Schritt ist der Übergang zu einer Modifikation des zunächst gewählten Sprachsystems oder zu einer Abwägung der Angemessenheit alternativer Sprachsysteme (metatheoretischer Diskurs). Der letzte Schritt und eine weitere Radikalisierung besteht im Übergang zu einer Reflexion auf die systematischen Veränderungen der Begründungssprachen. Die Nachkonstruktion des Erkenntnisfortschritts, der sich in Form einer substantiellen Sprachkritik, eben einer sukzessiven Übewindung von unangernessenen Sprach- und Begriffssystemen vollzieht, führt zu einem normativen Begriff von Erkenntnis überhaupt (Kritik der Erkenntnis).[2] Dieser letzte Schritt sprengt interessanterweise die Grenzen des theoretischen Diskurses. Er führt auf eine Ebene des Diskurses, auf der wir uns mit Hilfe der eigentümlich zirkulären Bewegung rationaler Nachkonstruktionen dessen vergewissern, was als Erkenntnis gelten soll: We sollen die kognitiven Leistungen beschaffen sein, die auf den Titel Erkenntnis Anspruch erheben dürfen? In der Rekonstruktion des Erkenntnisfortschritts geben die theoretischen Grundnormen ihren praktischen Kern preis: Erkenntnis bemißt sich gleichermaßen an der Sache wie an dem lnteresse, welches der Begriff der Sache jeweils treffen muß.

▶ln analoger Weise muß auch die Form des praktischen Diskurses eine schrittweise Radikalisierung, d. h. Selbstreflexion des handelnden Subjekts, ermöglichen. Der erste Schritt ist der Übergang von problematisierten Geboten/Verboten, die selber Handlungen darstellen, zu Empfehlungen oder \Warnungen, deren kontroverser Geltungsanspruch zum Gegenstand eines Diskurses gemacht wird (Eintritt in den Diskurs). Der zweite Schritt besteht in der theoretischen Rechtfertigung der problematisierten Gebote/Verbote, also in der Angabe mindestens eines Arguments innerhalb eines gewählten Sprachsystems (praktischer Diskurs). Der dritte Schritt ist der Übergang zu einer Modifikation des zunächst gewählten Sprachsystems oder zu einer Abwägung der Angemessenheit alternativer Sprachsysteme (metaethischer oder metapolitischer Diskurs).[3] Der letzte Schritt und eine weitere Radikalisierung besteht irn Übergang zu einer Reflexion auf die Abhängigkeit unserer Bedürfnisstrukturen vom Stand unseres Wissens und Könnens. Wir einigen uns auf die Interpretationen unserer Bedürfnisse im Lichte der vorhandenen Informationen über Spielräume des Machbaren und des Erreichbaren. Weche Klassen von Informationen wir uns in Zukunft mit Vorrang beschaffen wollen, ist dann wiederum eine praktische Frage, die beispielsweise die Prioritäten der Wissenschaftsförderung betrifft (erkenntnispolitische Willensbildung). Auf dieser Ebene des Diskurses stellt sich die Frage: Was sollen wir erkennen wollen?

▶Damit wird der praktische Diskurs auf eine ihrerseits an Argumentation rückgebundene kognitive Entwicklung aus gedehnt. Zugleich sprengt dieser Letzte Schritt die Grenzen praktischer Diskurse, weil die praktische Frage, welche Erkenntnis wir, nachdem wir wissen, was als Erkenntnis gelten soll, wollen sollen, ersichtlich von der theoretischen Frage abhängt, welche Erkenntnis wir wollen können.

▶

Fig. 9: Diskursebenen
Stufen der Radikalisierung theooretischer Diskurs praktischer Diskurs
Handlungern Behauptungen Gebote/Verbote
Begründungen theoretische Erklärungen theoretische Rechtfertigungen
substantielle Sprachkritik methatheoretische metaethische/ metapolitische
Veränderung des Sprach- und Begriffssystems
Selbstreflexion Erkenntniskritik erkenntnispolitische Willensbildung

Das Schema gibt einen Überblick über die Stufen der Radikalisierung, die wir in Diskursen müssen vornehmen können, wenn eine theoretische Erklärung oder eine theoretische Rechtfertigung die Annahme eines kontroversen Geltungsanspruchs rational motivieren soll. Denn die konsenserzielende Kraft des Argumentes beruht dararf, daß wir zwischen den verschiedenen Ebenen des Diskurses so oft hin und hergehen können, bis ein Konsens entsteht. Ein argumentativ erzielter Konsensus ist dann und nur dann ein zureireichendes Kriterium für die Einlösung diskursiver Geltungsansprüche, wenn aufgrund der formalen Eigenschaften des Diskurses Freizügigkeit zwischen den Diskursebenen gesichert ist. Welches sind nun die formalen Eigenschaften, die diese Bedingung erfüllen? Meine These heißt: die Eigenschaften einer idealen Sprechsituation.

▶ldeall nenne ich eine Sprechsituation, in der Kommunikationen nicht nur nicht durch äußere kontingente Einwirkungen, sondern auch nicht durch Zwänge behindert werden, die sich aus der Struktur der Kommunikation selbst ergeben. Die ideale Sprechsituation schließt systematische Verzerrungen der Kommunikation aus. Und zwar erzeugt die Kommunikationsstruktur nur dann keine Zwänge, wenn für alle Diskursteilnehmer eine symmetrische Verteilung der Chancen, Sprechakte zu wählen und auszuführen, gegeben ist. Aus dieser allgemeinen Symmetrieforderung lassen rich für die verschiedenen Klassen von Sprechakten besondere Forderungen nach Gleichverteilung der Chancen, Sprechakte zu wählen und auszuführen, ableiten.

▶Ideale Sprechsituationen müssen zunächst zwei triviale Bedingungen erfüllen:

1. Alle potentiellen Teilnehnner eines Diskurses müssen die gleiche Chance haben, kommunikative Sprechakte zu verwenden, so daß sie jederzeit Diskurse eröffnen sowie durch Rede und Gegenrede, Fage und Antwort perpetuieren können.

2. Alle Diskursteilnehmer müssen die gleiche Chance haben, Deutungen, Behauptungen, Empfehlungen, Erklärungen und Rechtfertigungen aufzustellen und deren Geltungsanspruch zu problematisieren, zu begründen oder zu widerlegen, so daß keine Vormeinung auf Dauer der Thematisierung und der Kritik entzogen bleibt.▶Nicht trivial sind die beiden weiteren Bedingungen, die in idealen Sprechsituationen erfüllt sein müssen, damit die Gewähr besteht, daß die Gesprächsteilnehmer tatsächlich einen Diskurs aufnehmen können und nicht bloß wähnen, einen Diskurs zu führen, während sie in Wahrheit unter Handlungszwang kommunizieren. Überra-schenderweise verlangt die ideale Sprechsituation Bestimmungen, die sich nur mittelbar auf Diskurse, unmittelbar jedoch auf die Organisation von Handlungszusammenhängen beziehen. Die Freisetzung des Diskurses von Handlungszwängen ist nämlich nur im Kontext reinen kommunikativen Handelns möglich:

3. Zum Diskurs sind nur Sprecher zugelassen, die als Handelnde gleiche Chancen haben, repräsentative Sprechakte zu verwenden, d. h. ihre Einstellungen, Gefühle und Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Denn nur das reziproke Zusammenstimmen der Spielräume individueller Äußerungen und das komplementäre Einpendeln von Nähe und Distanz in Handlungszusammenhängen bieten die Garantie dafür, daß die Handelnden auch als Diskursteilnehmer sich selbst gegenüber wahrhaftig sind und ihre innere Natur transparent machen.

4. Zum Diskurs sind nur Sprecher zugelassen, die als Handelnde die gleiche Chance haben, regulative Sprechakte zu verwenden, d. h. zu befehlen und sich zu widersetzen, zu erlauben und zu verbieten, Versprechen zu geben und abzunehmen, Rechenschaft abzulegen und zu verlangen usf. Denn nur die vollständige Reziprozität der Verhaltenserwartungen, die Privilegierungen im Sinne einseitig verpflichtender Handlungs- und Bewertungsnormen ausschließen, bieten die Gewähr dafür, daß die formale Gleichverteilung der Chancen, eine Rede zu eröffnen und fortzusetzen, auch faktisch dazu genutzt werden kann, Realitätszwänge zu suspendieren und in den erfahrungsfreien und handlungsentlasteten Kommunikationsbereich des Diskurses überzutreten.

▶Die unter 1. und 4. genannten Bedingungen formulieren Voraussetzungen der idealen Sprechsituation, die erfüllt sein müssen, wenn Diskurse überhaupt sollen zustande kommen können. Das in der zweiten Bedingung genannte Postulat der Redegleichheit beschreibt die formale Eigenschaft, die alle Diskurse aufweisen müssen, wenn sie die Kraft rationaler Motivation sollen entfalten können. Das mit der dritten Bedingung genannte Wahrhaftigkeitspostulat beschreibt die formale Eigenschaft reinen kommunikativen Handelns, die ftir die Teilnehmer praktischer Diskurse, soweit diese die Kraft rationaler Motivation sollen entfalten können, gefordert werden muß. (Da sich auf der Ebene, auf der der theoretische Diskurs zur Erkenntniskritik radikalisiert werden kann, die Trennung zwischen theoretischem und praktischem Diskurs nicht streng aufrechterhalten läßt, muß auch das Wahrhaftigkeitspostulat mittelbar für alle Diskurse gelten.)

▶Die Kommunikationsstruktur, durch die die ideale Sprechsituation ausgezeichnet ist, schließt systematische Verzerrungen aus und garantiert insbesondere die Freizügigkeit zwischen Handlung und Diskurs und, innerhalb des Diskurses, zwischen den verschiedenen Diskursebenen. Deshalb darf jeder Konsensus, der argumentativ unter Bedingungen einer idealen Sprechsituarion erzeugt worden ist, als Kriterium für die Einlösung des jeweils thematisierten Geltungsanspruchs angesehen werden. Ein vernünftiger Konsensus kann von einem trügerischen in letzter Instanz allein durch Bezugnahme auf eine ideale Sprechsituation unterschieden werden. Welchen Status kann indessen eine wie immer unvermeidliche Bezugnahme auf eine ideale Sprechsituation haben? Zunächst kann bezweifelt werden, ob sich eine ideale Sprechsituation überhaupt verwirklichen läßt und ob sie nicht eine bloße Konstruktion darrtellt. Jede empirische Rede ist sowohl durch die raumzeitlichen Begrenzungen des Kommunikationsvorgangs wie auch durch die psychischen Belastungsgrenzen der Diskursteilnehmer grundsätzlich Restriktionen unterworfen, die eine vollständige Erfüllung der idealen Bedingungen ausschließen. Eine hinreichende Realisierung der Forderungen, die wir an Diskurse stellen müssen, möchte ich trotzdem nicht apriori für unmöglich halten, weil die erwähnten Beschränkungen durch institutionelle Vorkehrungen entweder kompensiert oder doch in ihren Auswirkungen auf das deklarierte Ziel einer Gleichverteilung der Chancen, Sprechakte zu verwenden, neutralisiert werden können. Schwerer wiegt das andere Bedenken, ob und wie überhaupt empirisch festgestellt werden kann, wann die Bedingungen einer idealen Sprechsituarion erfüllt sind. Die Bedingungen der empirischen Rede sind auch dann, wenn wir der erklärten Absicht, einen Diskurs aufzunehmen, folgen, sehr oft nicht mit denen einer idealen Sprechsituarion identisch. In der Retrospektive können wir haufig genug feststellen, wann wir ideale Sprechsituationen verfehlt haben. Allerdings fehlt ein externes Kriterium der Beurteilung, so daß wir in gegebenen Situationen niemals sicher sein können, ob wir einen Diskurs führen oder ob wir nicht vielmehr unter Handlungszwängen agieren und Scheindiskurse vorführen. Aus diesem Umstand ergibt sich eine interessante Antwort auf unsere Ausgangsfrage.

▶Wenn es zutrifft, daß wir einen vernünftigen, d. h. argumentativ erzielten und zugleich wahrheitsverbürgenden Konsensus von einem bloß erzwungenen oder täuschenden Konsensus letztlich nur durch Bezugnahme auf eine ideale Sprechsituation unterscheiden können; wenn wir weiterhin davon ausgehen dürfen, daß wir uns faktisch jederzeit zutrauen und auch zutrauen müssen, einen vernünftigen von einem trügerischen Konsensus zu unterscheiden, weil wir sonst den vernünftigen Charakter von Rede preisgeben würden; und wenn gleichwohl in keinem empirischen Fall eindeutig festgestellt werden kann, ob eine ideale Sprechsituation gegeben ist oder nicht – dann bleibt die folgende Erklärung: Die ideale Sprechsituation ist weder ein empirisches Phänomen noch bloßes Konstrukt, sondern eine in Diskursen unvermeidliche, reziprok vorgenommene Unterstellung. Diese Unterstellung kann, sie muß nicht kontrafaktisch sein; aber auch wenn sie kontrafaktisch gemacht wird, ist sie eine im Kommunikationsvorgang operativ wirksame Fiktion. Ich spreche deshalb lieber von einer Antizipation, von einem Vorgriff auf eine ideale Sprechsituation. Dieser Vorgriff allein ist Gewähr dafür, daß wir mit einem faktisch erzielten Konsens den Anspruch eines vernünftigen Konsenses verbinden dürfen; zugleich ist er ein kritischer Maßstab, an dem ieder faktisch erzielte Konsensus auch in Frage gestellt und daraufhin überprüft werden kann, ob er ein hinreichender Indikator für einen begründeten Konsens ist.[4]

▶Es gehört zu den Argumentationsvoraussetzungen, daß wir im Vollzug der Sprechakte kontrafaktisch so tun, als sei die ideale Sprcchsituation nicht bloß fiktiv, sondern wirklich – eben das nennen wir eine Unterstellung. Das normative Fundament sprachlicher Verständigung ist mithin beides: antizipiert, aber als antizipierte Grundlage auch wirksam. Die formale Vorwegnahme des idealisierten Gesprächs (als einer in Zukunft zu realisierenden Lebensform?) garantiert das "letzte" tragende und keineswegs erst herzustellende kontrafaktische Einverständnis, das die potentiellen Sprecher/Hörer vorgängig verbinden muß und über das eine Verständigung nicht erforderlich sein darf, wenn anders Argumenten überhaupt konsenserzielende Kraft soll zukommen können. Insofern ist der Begriff der idealen Sprechsituation nicht bloß ein regulatives Prinzip im Sinne Kants; denn wir müssen mit dem ersten Akt sprachlicher Verständigung diese Unterstellung faktisch immer schon vornehmen. Andererseits ist der Begriff der idealen Sprechsituation auch nicht existierender Begriff im Sinne Hegeis; denn keine historische Gesellschaft deckt sich mit der Lebensform, die wir mit Bezugnahme auf die ideale Sprechsituation grundsätzlich charakterisieren können.[5] Die ideale Sprechsituation wäre am ehesten mit einem transzendentalen Schein zu vergleichen, wenn nicht dieser Schein, statt sich einer unzulässigen Übertragung (wie beim erfahrungsfreien Gebrauch der Verstandeskategorien) zu verdanken, zugleich konstitutive Bedingung vernünftiger Rede wäre. Der Vorgriff auf die ideale Sprechsituation hat für jede mögliche Kommunikation die Bedeutung eines konstitutiven Scheins, der zugleich Vorschein einer Lebensform ist. A priori können wir freilich nicht wissen, ob jener Vorschein bloße, wie immer aus unvermeidlichen Suppositionen stammende Vorspiegelung (Subreption) ist – oder ob die empirischen Bedingungen für die, sei es auch annähernde, Verwirklichung der supponierten Lebensform praktisch herbeigeführt werden können. Die in die Universalpragmatik eingebauten Grundnormen vernünftiger Rede enthalten unter diesem Gesichtspunkt eine praktische Hypothese.

▶Der Umstand, daß wir niemals definitive Gewißheit darüber haben können, ob wir uns über uns selbst täuschen, wenn wir in einen Diskurs einzutreten meinen, läßt mindestens einen Leitfaden als nötig erscheinen, anhand dessen wir die Schranken systematisch verzerrter Kommunikation, wenn sie bestehen, methodisch überwinden können. Soweit wir gegen solche Behinderungen von Diskursen die Kraft des Diskurses selber aufbieten wollen, können wir eine Form der Kommunikation wählen, die eine eigentümliche Struktur hat und etwas Einzigartiges leistet. Sie läßt sich am Muster des analytischen Gesprächs zwischen Arzt und Patient erläutern. Denn das analytische Gespräch beansprucht, einer Form der Kommunikation zu genügen, die gestattet, zugleich mit einem Wahrheitsanspruch einen Wahrhaftigkeitsanspruch diskursiv einzulösen.

Vorlage:WTH/Die ideale Sprechsituation/14

  1. ↑ Ich verwende hier den Ausdruck "theoretische Erklärung" extensiv; er soll ebenso die Erklärung von Phänomenen mit Hilfe von beobachteten Regelmäßigkeiten, einzelnen Hypothesen oder geschlossenen Theorien, wie auch die Erklärung von theoretischen Sätzen und Theorien mit Hilfe anderer Theorien umfassen, solange es sich um Argumente innerhalb eines gegebenen Sprachsystems handelt.
  2. ↑ Der systematische Zusammenhang von Theorie der Wissenschaften und theoretischer Wissenschaftsgeschichte stellt sich in den Diskussionen zwischen Kuhn und Popper und anderen Beteiligten (wie vor allem Lakatos und Toulmin) immer deutlicher heraus. Vgl. dazu auch die interessanren Bemerkungen von R. Bubner, Dialektische Elemente einer Forschungslogik, in: Dialektik und Wissenschaft, Frankfurt a. M. 1972, S. 129 ff.
  3. ↑ Vgl. O. Schwemmer, Philosophie der Praxis, Frankfurt a.M. 1971.
  4. ↑ W. Schulz schließt sich (Philosophie in der veränderten Welt, a. a. O., S. 173 ff.) Bedenken gegen die "erschreckende Irrealität" der Unterstellungen der idealen Sprechsituation (oder des reinen kommunikativen Handelns) an. Wenn dieser Einwand prinzipiell gemeint ist, drückt er den Zweifel daran aus, ob ich die Beweislast für den quasitranszendentalen Charakter, den ich dem universalpragmatischen Regelsystem zuschreibe, auch tragen kann. Um zu zeigen, daß wir, indem wir in einen Diskurs eintreten, jene zugleich unvermeidlichen und allgemeinen Präsuppositionen vornehmen, die ideale Sprechsituationen erfüllen müssen, wähle ich in dem vorliegenden Aufsatz den Weg der Verteidigung einer Konsenstheorie der Wahrheit. Gewisse Parallelen ergeben sich übrigens zwischen idealer Sprechsituation und der Struktur der "original position", die John Rawls (A Theory of Justice, Oxford 1972, S. 118 ff.) für seine vertragstheoretische Begründung der Ethik in Anspruch nimmt. Soweit der Einwand von Schulz aber pragmatisch gemeint ist, she ich meinerseits keinen Grund zum Widerspruch: die Institutionalisierung von Diskursen gehört offensichtlich zu den schwierigsten und gefährdetsten Innovationen der Menschheitsgeschichte. Vgl. meine Einleitung zur Neuausgabe von "Theorie und Praxis", Frankfurt/Main 1971, S. 31 ff. und meine Replik auf R. Spaemann, jetzt in der Aufsatzsammlung "Kritik und Kultur", Frankfurt/Main 1973, S. 378 ff.
  5. ↑ Nämlich eine kommunikative Lebensform, die dadurch charakrerisiert ist, daß die Gcltung aller politisch folgenreichen Handlungsnormen von diskursiven Willensbildungsprozessen abhängig gemacht werden kann. Zusatz 1983: vgl. dagegen oben S. 126, Fußnote 94.