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Werk:Apologia doctae ignorantiae/12

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Si quis enim supra omnem disciplinam mathematicae, quae terminos et mensuras rebus ponit, et omnem pluralitatem et numerum ac proportionem harmonicam omnia intuetur sine mensura, numero et pondere, profecto ille in quadam simplicissima unitate omnia videt; et sic videre Deum est videre omnia Deum et Deum omnia, – quo modo scimus per doctam ignorantiam eum per nos videri non posse. Sed si quis videt omnia in numero, pondere et mensura, in se experitur sine differentia et concordantia hoc esse non posse. Quoniam autem de regno Dei non potest esse alteritas, ubi est simplicitas et pax, quae omnem sensum exsuperat, – quare nec singularitas eo modo, quo adversarius concipit, sed bene eo modo, quo de Dei singularitate loquitur Avicenna in Metaphysica sua de stabiliendo prophetam, ubi praecipit populo de hac singularitate non esse dicendum, quoniam eum potius averteret quam instrueret. Eo enim modo singularitas,  quo eam occultari mandat, est singularitas singularitatum, et sic Deus dicitur singularis insingulariter sicut finis infinitus et interminus terminus et indistincta distinctio.

Wenn jemand jenseits der ganzen mathematischen Disziplin die den Dingen Maß und Grenze setzt, und jenseits aller Vielheit, Zahl und harmonischen Verhältnisse Betrachtungen ohne Maß, Zahl und Gewicht anstellt, dann wird er sicher alles in irgendeiner einfachsten Einheit sehen. Und Gott so sehen, heißt alles als Gott und Gott als alles sehen – so wie wir vermittels der wissenden Unwissenheit wissen, daß er von uns nicht gesehen werden kann. Aber wenn jemand alles in Zahl, Gewicht und Maß sieht, dann erfährt er in sich selbst, daß dies nicht ohne Unterschied und Übereinstimmung sein kann. Da aber im Reiche Gottes Einfachheit und Friede, der jeden Sinn übertrifft, herrschen, kann in ihm keine Andersheit sein, und die Einfachheit kann daher auch nicht von der Art sein, wie sie der Gegner begriffen hat; sie ist vielmehr von jener Art, wie sie Avicenna in seiner Metaphysik im Kapitel über die Bestätigung des Propheten begreift, wo er über die Einzigkeit Gottes spricht und empfiehlt, nicht zum Volk über die Einzigkeit zu sprechen, weil es dadurch eher abgewendet als belehrt werde. Auf diese Weise, auf die er sie zu verbergen mahnt, ist die Einzigkeit die Einzigkeit der Einzigkeiten und so wird Gott der nichteinzige Einzige genannt, wie das endlose Ende und die unbegrenzte Grenze und die nicht unterschiedene Unterscheidung.

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