Nikolaus von Kues/Philosophie und Theologie

Cusanus gehört zu den spekulativen Theologen des Spätmittelalters, auf die Meister Eckhart einen wesentlichen Einfluss ausgeübt hat. Er benutzte nur die lateinischen Schriften Eckharts, nicht die deutschen Predigten. Seine Eckharthandschrift, die er mit eigenhändigen Randnotizen versah, ist erhalten. Da eine Anzahl von Eckharts theologischen Thesen kurz nach seinem Tod durch eine päpstliche Bulle als häretisch verurteilt worden war, pflegte man ihn meist ohne Namensnennung zu zitieren. So verfuhr auch Cusanus. Nur in zweien seiner Werke nahm er ausdrücklich auf Eckhart Bezug: in einer lateinischen Predigt und in der Apologia doctae ignorantiae. In der Apologia verteidigte er sich und Eckhart gegen den Pantheismus-Vorwurf Johannes Wencks. Er schrieb, Eckhart sei zwar rechtgläubig gewesen, doch könnten seine Äußerungen leicht missverstanden werden; daher seien seine Werke für das einfache Volk ungeeignet.[1]
Einen immensen Einfluss übte der spätantike Neuplatoniker Proklos auf Cusanus aus. Proklisches Gedankengut taucht erstmals um 1442 in der Schrift De coniecturis auf. Namentlich erwähnt und direkt zitiert wird Proklos erstmals 1458 in der Schrift De beryllo. In den Werken aus den letzten Lebensjahren des Kusaners kommt Proklos eine zentrale Bedeutung zu; benutzt werden sein Kommentar zu Platons Parmenides sowie ab 1462 auch seine Theologia Platonis, vereinzelt auch die Elementatio theologica.[2]
Gedankengut neuplatonischen Ursprungs bezog Cusanus überdies auch aus Schriften des Pseudo-Dionysius Areopagita und des Albertus Magnus, insbesondere aus Alberts Dionysius-Kommentar, sowie aus Werken seines Freundes Heymericus de Campo, der die Lehren Alberts gegen die Thomisten verteidigte. Dabei ging es vor allem um das Konzept der Koinzidenz der Gegensätze, dem sich Albert bereits genähert hatte.[3]
Wesentliche Anregungen erhielt Cusanus ferner von Raimundus Lullus. Allerdings zitiert er ihn selten und nennt ihn nur zweimal namentlich; diese vorsichtige Haltung dürfte mit der Umstrittenheit der Lehre des Lullus, die an der Theologischen Fakultät der Pariser Universität verboten war, zusammenhängen.[4]
Nikolaus selbst kennzeichnet den Gedanken der Koinzidenz (coincidentia oppositorum), des Zusammenfalls der Gegensätze zu einer Einheit, als Kernelement seiner Betrachtungsweise oder Methode (womit er nicht eine Lehre oder ein System meint). Mit diesem Konzept tritt er als Urheber einer neuen Theorie auf, die der bisherigen Philosophie gefehlt habe. Er meint, alle geistige Anstrengung müsse sich darauf richten, die „einfache Einheit“ zu erreichen, in der alle Arten von Entgegengesetztem (opposita) zusammenfallen, somit paradoxerweise auch die kontradiktorischen (widersprüchlichen) Gegensätze, die einander nach dem aristotelischen Satz vom Widerspruch ausschließen. Die Einbeziehung auch dieser Gegensätze in die allumfassende Einheit ist das Neue gegenüber den früheren Ansätzen.[5]
Im Sinne der neuplatonischen Tradition betrachtet Nikolaus als letztes Ziel aller Erkenntnisbemühungen den einen schöpferischen Urgrund des Werdens, der zugleich Ausgangspunkt und Bestimmung alles Werdens sei. In theologischer Sprache ausgedrückt ist das Gott, doch argumentiert Nikolaus philosophisch. Den Urgrund identifiziert er mit der äußersten Einfachheit. Zugleich schreibt er ihm aber auch Mannigfaltigkeit zu, denn er sieht in dem schlechthin Einfachen die Quelle der gesamten empirisch feststellbaren Vielheit in der Welt. Gäbe es das Viele neben dem Einen, so wäre das Eine nicht wirklich umfassend, sondern vom Vielen begrenzt. Das Eine ist für Nikolaus nur dadurch unendlich, dass es zugleich auch das Viele ist. Gott ist Einfaltung (complicatio) der Welt, die Welt Ausfaltung (explicatio) Gottes. Im Sinne seiner mit mathematischen Analogien arbeitenden Ausdrucksweise handelt es sich um ein absolutes Maximum, das zugleich das absolute Minimum ist (als maximale Kleinheit). Dieses Maximum ist keine besondere Substanz, die neben anderen Substanzen besteht, sondern es ist das, worin die Unterschiedlichkeit der Substanzen und überhaupt aller Einzeldinge gründet. Es ist eine Einheit, die in allem erscheint und alles umfasst, also auch das philosophierende und erkennende Subjekt einschließt. Da die Menschen jedoch in ihrem vom Widerspruchsprinzip beherrschten Denken befangen sind, erkennen sie diese Einheit nicht als Grund der Welt, sondern nähern sich ihr auf stets einseitige Weise. Erkennen sie das Unbefriedigende dieser Einseitigkeiten, so gelangen sie zur Auffassung, die Wahrheit sei unerreichbar. Dabei betrachtet sich der Wahrheitssucher als Subjekt, das selbst außerhalb der Wahrheit steht und diese daher in etwas anderem suchen muss. Sein Zweifel an der Auffindbarkeit der Wahrheit kann jedoch überwunden werden, wenn er versteht, dass sie nicht im Anderen zu suchen ist. Vielmehr ist sie gerade das Nicht-Andere (non-aliud), denn jedes Einzelne enthält in sich die gesamte Wirklichkeit, mit der es ungeachtet seiner individuellen Separatheit verbunden ist. Das Anderssein kommt nur den Weltdingen zu, insoweit der Verstand sie betrachtet.[6]
Die unendliche Einheit veranschaulicht Nikolaus mit dem Beispiel einer unendlichen Geraden. Diese ist nicht nur Gerade, sondern zugleich auch ein Dreieck (mit größter Grundseite und kleinster zugehöriger Höhe), ein Kreis und eine Kugel (mit unendlich großem Durchmesser).[7]
In De docta ignorantia bekennt sich Nikolaus zur neuplatonischen, besonders von Pseudo-Dionysius betonten negativen Theologie, die alle positiven Aussagen über Gott als unzulänglich und insofern irreführend verwirft. Er wendet sich Gott nicht zu, indem er Wissen über ihn für sich beansprucht, sondern indem er Wissen über sein eigenes Nichtwissen erlangt und damit eine über sich selbst „belehrte Unwissenheit“ (docta ignorantia).[8]

Seiner Terminologie zufolge ist der menschliche Verstand (ratio) die Kraft, welche die Sinneseindrücke ordnet und unter vereinheitlichende Begriffe bringt. Dies geschieht durch Unterscheidung zwischen ihnen, indem der Verstand einschließt und ausschließt und damit auch negiert, wozu die Sinne nicht imstande sind. Der Verstand kann dies, indem er das Unendliche aus seiner Betrachtung fernhält. Alles verstandesmäßige Wissen beruht auf Vergleichen und ist somit auf Relatives bezogen. Daher kann der menschliche Verstand etwas Absolutes wie das Maximum oder das Unendliche nicht erfassen, für ihn besteht zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen keine Proportion. Der Mensch verfügt jedoch noch über eine weitere Fähigkeit, die Vernunft (intellectus), die weit über dem Verstand steht. Sie ist in der Lage, das unterscheidende Negieren des Verstandes zu negieren und damit zum Begriff der Unendlichkeit und unendlichen Einheit zu gelangen. Dieser ist ein Vernunftinhalt und als solcher jenseits des der Verstandestätigkeit Zugänglichen.[9]
Die Vernunft ist zwar endlich und kann daher nach De docta ignorantia ebenso wie der Verstand die Widersprüche nicht übersteigen und die Koinzidenz nicht erreichen; da sie aber zugleich „etwas Göttliches“ ist, kann sie die göttliche Wahrheit gleichsam „sehen“ und „berühren“. Später, in De coniecturis (um 1442) und den im Zeitraum 1445–1447 verfassten kleinen Schriften, gelangt Nikolaus zu einer optimistischeren Einschätzung der Möglichkeiten der Vernunft. Nun traut er ihr zu, gegen den Widerstand des Verstandes die Widersprüche zu überwinden und damit paradoxe Einsichten zu erlangen, etwa das Größte mit dem Kleinsten gleichzusetzen. Darüber hinaus nimmt er nun die Möglichkeit eines „göttlichen“ Denkens des Menschen an, das nicht mehr im Sinne der negativen Theologie die Verneinung als wahrere Ansicht der Bejahung vorziehe. Auch der Gegensatz von Affirmation und Negation wird im Sinne der Koinzidenzidee transzendiert. Nikolaus behauptet, dieses göttliche Denken lasse auch die Vernunft und deren Verständnis der widersprüchlichen Gegensätze hinter sich, um sich der absoluten Einheit und Unendlichkeit zuzuwenden. Gott sei nicht die Koinzidenz der Gegensätze, sondern das Koinzidenzdenken sei nur die der menschlichen Vernunft angemessene Art, sich ihm zu nähern. Daher bezeichnet Nikolaus 1453 in De visione dei die Koinzidenz als „Mauer“ zwischen dem Gottsuchenden und Gott. Diese Mauer hält er aber nicht für prinzipiell unüberwindlich.[10]
In seinem letzten Werk, De apice theoriae, schreibt Nikolaus, er habe sich zu immer größerer Erkenntniszuversicht durchgearbeitet. Sein Optimismus hinsichtlich der Gotteserkenntnis hängt mit seiner Überzeugung von der Gottähnlichkeit des Menschengeistes zusammen. In De coniecturis bezeichnet er den Menschen sogar als geschaffenen „zweiten Gott“ – eine für damalige Verhältnisse kühne Formulierung. So wie der göttliche Intellekt die reale Welt schaffe, schaffe der menschliche Intellekt die Welt der Begriffe.
1450 wendet sich Nikolaus im Dialog Idiota de sapientia erneut dem Thema der Vernunfttätigkeit zu, diesmal in schroffer Abgrenzung von der scholastischen, aristotelisch geprägten Universitätsphilosophie des Spätmittelalters. Ein „Laie“, das heißt ein universitätsfremder, scheinbar ungebildeter Mensch, unterhält sich mit einem „Redner“, einem rhetorisch ausgebildeten Gelehrten, der sein Wissen nur aus Büchern bezieht, über die Weisheit. Der Laie übernimmt die Rolle, die Sokrates in den Dialogen Platons spielt. Er erklärt dem Redner, dass dessen Anstrengungen, durch Buchwissen Erkenntnis zu erlangen, vergeblich und auch freudlos seien; die aristotelische Schulwissenschaft mit ihren Autoritäten täusche, das Denken eines darin Befangenen sei „gefesselt“ und ermögliche keinen Zugang zur Wahrheit. Der Laie wendet sich nicht nur gegen die von den Humanisten verachtete spätmittelalterliche Scholastik, sondern ebenso gegen den humanistischen Kult der Rhetorik, die dem Bedürfnis nach überflüssiger Ausschmückung Kürze und Klarheit opfere. Schulwissenschaft sei umständlich und mühselig, Weisheit hingegen leicht und direkt zu finden und voller Freuden. Sie sei dem menschlichen Intellekt von Natur aus als dessen Nahrung zugeordnet. Die Möglichkeit zu ihrer Auffindung sei in ihm angelegt, und dies sei der Grund dafür, dass er sich auf die Suche mache und, wenn er das Gesuchte gefunden habe, auch wisse, dass es das Gesuchte sei. In der Weisheit sei der Intellekt lebendig, aus sich heraus tätig und damit glückselig. Seine Befriedigung erlange er in seiner Bewegung auf sein Urbild hin; dieses sei Gott als der Begriff der Begriffe oder der absolute Begriff (conceptus absolutus). Voraussetzung dafür sei das Üben des Koinzidenzdenkens, das auch zur Fassbarkeit des Unfassbaren führe. Den damit gemeinten Prozess beschreibt der Laie als unendliche Annäherung durch ständiges Fortschreiten ins Unendliche, unablässiges Aufsteigen (continue ascendere).[11]
Eine zentrale Rolle spielt in Nikolaus' staats- und kirchenpolitischem Denken die Frage, wie zwischen verschiedenen Gruppen und Individuen trotz der Unterschiedlichkeit ihrer Ansichten und Ziele ein einträchtiges Zusammenwirken ermöglicht werden kann. Dafür ist erforderlich, dass sie freiwillig ihr Handeln gegenseitig als legitim anerkennen. Für eine solche Konkordanz müssen rechtlich-institutionelle Voraussetzungen geschaffen werden, wobei das Konsensprinzip als Grundlage der Legitimität in den Regelungen zur Geltung kommen soll.
In seiner konziliaristischen Phase war Nikolaus von Marsilius von Padua beeinflusst. Dessen staatstheoretisches Werk Defensor pacis zitiert er in De concordantia catholica ausgiebig, meist ohne die Quelle zu nennen.[12] Den Gedanken der Konkordanz als Legitimationsprinzip für Herrschaftsausübung vertritt der Kusaner in dieser Schrift sowohl für den weltlichen als auch für den geistlichen Bereich. Nach seiner Ansicht bedürfen Gesetze der Zustimmung der von ihnen Betroffenen, und auch die Obrigkeit ist an sie gebunden. Bei der philosophischen Grundlegung des Rechts beruft er sich auf Cicero und dessen Konzept vom Naturrecht. Das Erstreben des Zuträglichen und Meiden des Schädlichen komme jedem Wesen von Natur aus zu; den Individuen sei ein Sinn gegeben, mit dem sie erkennen können, was für sie nötig ist, und dieser Sinn sei in der Mehrheit der Fälle verlässlich. Diese Denkweise veranlasst Nikolaus zur Befürwortung der Wahlmonarchie, da diese Staatsform dem Naturrecht am meisten entspreche.[13] Er tritt für eine starke Zentralgewalt mit einem stehenden Reichsheer und für ein einheitliches Reichsgesetzbuch und eine Reichssteuer ein. Stellenweise tadelt er die Willkür des Adels, den er als Bürgerlicher generell kritisch betrachtet. Nach seinem Geschichtsverständnis haben sich die Teilgewalten im Reich verselbständigt, auf Kosten des Ganzen die Macht an sich gerissen und das Kaisertum um seine Autorität gebracht. Nun soll das „alte Recht“ wiederhergestellt werden.[14] Der Verwirklichung der Konkordanz soll eine jährlich zusammentretende Ständeversammlung als ständige Einrichtung dienen. Auf den jährlichen Reichsversammlungen sind alle Reichsangelegenheiten zu behandeln. Das Reich soll in zwölf Gerichtsbezirke aufgeteilt werden, deren Gerichte direkt der kaiserlichen Gewalt unterstellt sind und über den landesherrlichen Gerichten stehen. Ferner fordert Nikolaus einen allgemeinen Landfrieden und ein Verbot der Fehde.[15]
Bei der Beurteilung und Lösung von Konflikten erhebt Nikolaus sein Einheitsideal zum obersten Wert; sachliche Meinungsverschiedenheiten betrachtet er als zweitrangig, sie dürfen der Einheit nicht im Wege stehen. So fordert er von den Hussiten Unterwerfung unter die aktuellen Gebräuche der römischen Kirche und verwirft ihre Berufung auf eine biblische Tradition, von der die Kirche später abgewichen sei; die Kirche habe ein Recht, Riten zu ändern und die Bibel nach Zeitumständen auszulegen. Er meint, das Urchristentum sei keine Norm und die kirchliche Auslegung eines Bibeltextes stehe über dessen Wortlaut. Es gebe keine anderen Gebote Christi als diejenigen, welche die römische Kirche als solche anerkennt.[16]
Diese Auffassung von der Unfehlbarkeit der römischen Kirche hat Nikolaus bereits in seiner konziliaristischen Phase vertreten; dabei bezieht er sich aber nicht auf den Papst, sondern auf die Gesamtkirche. Er weist sogar darauf hin, dass Päpste Häretiker waren, und nennt als Beispiele Liberius und Honorius I., der vom dritten Konzil von Konstantinopel nach seinem Tod verflucht wurde. Damit thematisiert er die „Honoriusfrage“, die noch im 19. Jahrhundert in der Diskussion um die päpstliche Unfehlbarkeit eine wichtige Rolle gespielt hat. Da der Papst in Glaubensfragen irren könne, unterstehe er den Glaubensentscheidungen des Konzils der Gesamtkirche. Die „wahre Kirche“ bestehe aus denjenigen Gläubigen, die in der Christenheit die Mehrheit ausmachen und sich mit der cathedra Petri, dem römischen Stuhl, verbinden. Die Gewissheit von Glaubensurteilen betrachtet Nikolaus als graduell; je einvernehmlicher eine Entscheidung in der Kirche getroffen werde, desto gewisser sei ihre Richtigkeit. Ein Konzil beziehe seine Autorität aus dem Konsens seiner Teilnehmer; diese seien Repräsentanten der Gesamtheit der Gläubigen. Alle geistliche und weltliche Gewalt sei im Volk in Verborgenheit als realisierbare Möglichkeit (Potenz) vorhanden.[17]
Das Ideal der Eintracht strebt Nikolaus nicht nur in Kirche und Staat an, sondern er möchte es auch im Verhältnis zwischen Anhängern verschiedener Glaubensrichtungen verwirklicht sehen. Den Weg dazu sieht er im Dialog über die Glaubensinhalte. Daher setzt er sich wiederholt intensiv mit der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der verschiedenen Religionen bzw. Konfessionen auseinander: Judentum, antikes „Heidentum“, Islam, katholisches Christentum, Lehren der „Böhmen“ (Hussiten), der Perser (Zoroastrismus), Chaldäer usw. Er meint, jede Religion habe ein berechtigtes Anliegen und einen bestimmten Zugang zur Wahrheit und sei insofern besser, als ihre Gegner wahrhaben wollen, doch nur im Christentum seien alle diese Anliegen verwirklicht und Teilerkenntnisse vereint. So habe das Judentum mit Recht Gott als absolut, von allem sinnlich Wahrnehmbaren abgelöst erkannt und verehrt. Die Heiden hingegen hätten Gottes Wirken in seinen verschiedenen sichtbaren Werken wahrgenommen und ihm daher gemäß deren Verschiedenheit je verschiedene Namen gegeben; das sei nur scheinbar Polytheismus. Im Christentum sei beides zu finden, einerseits die Transzendenz Gottes, andererseits aber auch ein göttlicher Aspekt des sinnlich Wahrnehmbaren, denn der Mensch und Gott Christus habe beides in sich vereint. Daher verleugne ein Jude, der Christus ablehnt, damit den wahren Kern seiner eigenen Religion. Im Unterschied zur traditionellen christlichen Auffassung stellt Nikolaus die Juden nicht über die Heiden, sondern billigt beiden Religionen gleichermaßen eine gewisse Berechtigung zu, die jedoch dann hinfällig werde, wenn ihre Vertreter sich weigern, die richtig verstandene Verehrung Christi als die eigentliche Verwirklichung des von ihnen Angestrebten zu erkennen.[18]
In De pace fidei („Über den Glaubensfrieden“) bedient sich Nikolaus zur Darlegung seiner Auffassung einer literarischen Fiktion. Geschildert wird eine Vision eines Mannes – gemeint ist der Autor selbst –, der eine Versammlung im Himmel miterlebt. Unter der Leitung Gottes beraten die Engel und die Seligen über das Elend auf der Erde, das durch gewaltsame religiöse Konflikte verursacht wird. Die weisesten Vertreter der einzelnen Völker werden – wie in Ekstase entrückt – herangezogen. Vor dem Wort Gottes sowie den Aposteln Petrus und Paulus legen sie ihre Standpunkte dar und werden von ihnen über die göttliche Wahrheit belehrt. Die Belehrung erfolgt nicht autoritativ, sondern mittels philosophischer Argumentation; die Weisen treten als Philosophen auf.[19] Sie erhalten den Auftrag, zu ihren Völkern zurückzukehren und in Jerusalem eine Versammlung einzuberufen, auf der ein ewiger weltweiter Glaubensfrieden beschlossen werden soll.
In dieser Einkleidung präsentiert Nikolaus seine Meinung über die religiösen Streitigkeiten und deren mögliche Beendigung. Danach hat Gott den einzelnen Völkern zu verschiedenen Zeiten Könige und Propheten geschickt, die das rohe, ungebildete Volk unterwiesen und religiöse Vorschriften und kultische Riten einführten. Die Menschen haben dann jedoch diese „Gewohnheiten“ mit der absoluten Wahrheit verwechselt. Auch weiterhin sind sie der irrigen Überzeugung, ihre religiösen Sitten seien die Umsetzung direkter, wörtlicher Anweisungen Gottes. Daher meinen sie, sie müssten ihren besonderen Glauben, den sie aus Gewohnheit für allein wahr halten, auch mit Waffengewalt gegen die anderen durchsetzen bzw. verteidigen.[20] Damit glauben sie den göttlichen Willen zu erfüllen. In Wahrheit sind aber aus Nikolaus’ Sicht die Verehrungsformen der verschiedenen Religionen und die unterschiedlichen christlichen Riten nur besondere Ausprägungen einer einzigen schlechthin wahren Universalreligion. In dieser kommt Christus die zentrale Funktion des Vermittlers zwischen Gott und den Menschen zu, weil in ihm die göttliche und die menschliche Natur auf die beste überhaupt mögliche Weise vereint sind. Nikolaus versucht zu zeigen, dass die Existenz eines solchen vollkommenen Vermittlers eine notwendige Konsequenz aus Gottes Vollkommenheit sei.[21]
Die Einheit unter den Religionsgemeinschaften (lateinisch sectae), die Nikolaus analog zu seinem Bemühen um Einheit innerhalb der Christenheit erstrebt, läuft jedoch nicht auf ein Nebeneinander aller ihrer Lehren in Gleichberechtigung hinaus. Vielmehr tritt er dafür ein, den Nichtchristen christliche Glaubensinhalte wie Trinität, Menschwerdung Gottesund Sakramente so zu erläutern, dass die Andersgläubigen die richtig verstandene Verehrung Christi als die eigentliche Grundlage ihres eigenen Glaubens erkennen. Somit sollen die Anhänger anderer Religionen faktisch Christen werden, auch wenn sie an ihren Riten und Gebräuchen wie etwa der Beschneidung festhalten, was Nikolaus ihnen zugesteht.[22]
Nikolaus hält sogar eine Vielfalt von Bräuchen und Riten für wünschenswert. Er lässt den Apostel Paulus einen Wettstreit der Völker (nationes)befürworten. Jedes Volk solle seine besondere religiöse Tradition pflegen, um die anderen im Wettstreit zu übertreffen. Eine solche Konkurrenz könne die Frömmigkeit fördern.[23] Nikolaus lässt sogar seinen Christus erklären, die Verehrung einer Mehrzahl von Göttern im Polytheismus gelte implizit der allem zugrunde liegenden einen Gottheit und brauche daher nicht abgeschafft zu werden. Es solle nur zusätzlich der Kult der einen Ursache aller Dinge explizit in die religiöse Praxis (religio manifesta) der Polytheisten aufgenommen werden. Sie könnten dann ihre Götter weiterhin verehren so wie die Christen ihre Heiligen, sollten aber die Anbetung dem einen Schöpfer vorbehalten. So könne der Konflikt zwischen ihnen und den Monotheisten beigelegt werden.[24]
Nikolaus ist der Meinung, das Universum könne nicht als begrenzt vorgestellt werden, da es keine auffindbaren Grenzen habe, doch folgt für ihn aus dieser Unbegrenztheit nicht eine Unendlichkeit in einem absoluten Sinn. Er stellt fest, die Erde sei nicht im Mittelpunkt der Welt, und es sei offenkundig, dass sie sich nicht in Ruhe befinde, wie der Augenschein vortäusche, sondern sich bewege.[25] Sie sei ein „edler Stern“ und als solcher nicht von geringerem Rang als die Sterne am Himmel.[26] Ihre Form sei nur annähernd die einer Kugel, und die Bahnen der Himmelskörper seien keine genauen Kreisbahnen. Außerdem trägt er die Hypothese einer Vielheit von Welten vor. Die Welten bestehen nicht zusammenhanglos nebeneinander, sondern sind in das System des einen Universums integriert, das sie alle umfasst. Mit diesen Ideen vollzieht Nikolaus einen radikalen Bruch mit dem geozentrischen Weltbild der damaligen Kosmologie, das von den Vorstellungen des Ptolemaios und des Aristotelesbestimmt war. Er verwirft den Gedanken eines hierarchischen Aufbaus der Welt mit der Erde als Unterstem und dem Fixsternhimmel als Oberstem sowie die Vorstellung von unbeweglichen Himmelspolen. Das geozentrische Weltbild ersetzt er nicht durch ein heliozentrisches, vielmehr hat für ihn die Welt weder einen Mittelpunkt noch einen Umfang. In einer solchen Welt kann es keine absolute Bewegung geben, da es kein ruhendes Bezugssystem gibt; alle Bewegung ist relativ. Nikolaus argumentiert nicht empirisch und astronomisch, sondern metaphysisch; insofern ist er kein Vorläufer des Nikolaus Kopernikus. So ist seine Überzeugung, nichts in der Natur befinde sich in vollkommener Ruhe, eine Konsequenz seiner Koinzidenzlehre: Gegensätze wie Ruhe und Bewegung können in der Natur nie in reiner Form vorkommen, denn Absolutes ist nur im schlechthin Unendlichen, in dem die Gegensätze zusammenfallen, gegeben.[27]
Nikolaus fasst die Welt nicht als Ansammlung von selbständigen Substanzen auf, sondern geht von einer in jedem Einzelding auf jeweils spezifische Weise anwesenden Allnatur aus. In seinem Naturkonzept bilden Einheit und Vielheit keinen ausschließenden Gegensatz, sondern ein sich wechselseitig durchdringendes Gegensatzpaar; daher ist in jedem Einzelding auch die Einheit und damit die gesamte Wirklichkeit gegeben.[28]
Hinsichtlich der Naturerkenntnis betont Nikolaus den Aspekt des Quantifizierens, der mathematischen Messbarkeit. Durch Erfassung von Unterschieden im spezifischen Gewicht seien Erkenntnisse über materielle Substanzen zu gewinnen. Krankheiten sollen messbar gemacht werden, damit durch Vergleiche zwischen Messergebnissen auf die richtige Arznei oder den Ausgang der Krankheit geschlossen werden kann. Ebenso sei es möglich, Geschwindigkeiten, Tages- und Jahreszeiten, den Feuchtigkeitsgehalt der Luft, geographische und astronomische Gegebenheiten usw. zu messen. Die Anziehungskraft eines Magneten sei mittels einer Waage messbar. So könne das Verborgene in der Natur gefunden werden. Unbekannt ist allerdings, ob die experimentelle Umsetzung eines oder mehrerer der Messungsvorschläge im Dialog Idiota de staticis experimentis jemals ausprobiert worden ist. Die dort vorgeschlagenen Versuche sind nur zum Teil ausführbar.[29]
Nikolaus beschränkt sich nicht darauf, die Nützlichkeit des Abmessens zu betonen. Er behauptet, die erkennbaren Dinge seien um der erkennenden Seele willen da; die Welt sei so konstruiert, wie sie ist, damit sie vom Menschen erkannt werde. Daher betrachtet er den messenden Menschen, der allem Geschaffenen ein Maß setzt, als das Maß aller Dinge. Im Gegensatz zur scholastischen Tradition, der zufolge die menschliche Vernunft nur das ermessen kann, was ihren eigenen Rang nicht übersteigt, behauptet er, der menschliche Intellekt messe auch den göttlichen (mensurat divinum intellectum).[30]
Nikolaus zieht mathematische Gegebenheiten heran, um zu metaphysischen Aussagen hinzuführen und diese symbolhaft zu veranschaulichen, wobei es ihm insbesondere um Transzendenz und Unendlichkeit geht. Seine theologisch motivierten Versuche, mathematisch Endliches zur mathematischen Unendlichkeit zu führen, um den Weg zur Unendlichkeit Gottes bildlich zu erläutern, gehören zu den Vorstufen der Entwicklung der Infinitesimalrechnung.[31]
- ↑ Zum Einfluss Eckharts auf Cusanus siehe Herbert Wackerzapp: Der Einfluss Meister Eckharts auf die ersten philosophischen Schriften des Nikolaus von Kues (1440–1450), Münster 1962, Rudolf Haubst: Nikolaus von Kues als Interpret und Verteidiger Meister Eckharts. In: Udo Kern (Hrsg.): Freiheit und Gelassenheit, München 1980, S. 75–96 und den vierten Band des Meister-Eckhart-Jahrbuchs: Harald Schwaetzer, Georg Steer (Hrsg.): Meister Eckhart und Nikolaus von Kues, Stuttgart 2011.
- ↑ Hans Gerhard Senger (Hrsg.): Cusanus-Texte. III. Marginalien. 2. Proclus Latinus. Die Exzerpte und Randnotizen des Nikolaus von Kues zu den lateinischen Übersetzungen der Proclus-Schriften. 2.1 Theologia Platonis, Elementatio theologica, Heidelberg 1986, S. 11–28.
- ↑ Rudolf Haubst: Zum Fortleben Alberts des Großen bei Heymerich von Kamp und Nikolaus von Kues. In: Studia Albertina, Münster 1952, S. 420–447.
- ↑ Eusebio Colomer: Nikolaus von Kues und Raimund Llull, Berlin 1961, S. 68 ff.
- ↑ Gerhard Schneider: Gott – das Nichtandere, Münster 1970, S. 70–81; Hermann Schnarr: Modi essendi, Münster 1973, S. 6–9; Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 46 f.
- ↑ Gerhard Schneider: Gott – das Nichtandere, Münster 1970, S. 81–83, 87–170; Mariano Alvarez-Gómez: Die verborgene Gegenwart des Unendlichen bei Nikolaus von Kues, München 1968, S. 51–53.
- ↑ Nikolaus von Kues, De docta ignorantia I 13–16. Siehe dazu Marco Böhlandt: Verborgene Zahl – verborgener Gott, Stuttgart 2009, S. 89–103.
- ↑ Gerhard Schneider: Gott – das Nichtandere, Münster 1970, S. 65–70; Christian Ströbele: Performanz und Diskurs: Religiöse Sprache und negative Theologie bei Cusanus, Münster 2015.
- ↑ Zur Rolle von Vernunft und Verstand in der Erkenntnistheorie des Cusanus siehe Theo van Velthoven: Gottesschau und menschliche Kreativität. Studien zur Erkenntnislehre des Nikolaus von Kues, Leiden 1977, S. 17–47; Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 153–164, 302–306.
- ↑ Zur Entwicklung der Erkenntnistheorie des Cusanus siehe Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 150–164, 433–439. Zur Mauer-Metapher siehe João Maria André: Die Metapher der „Mauer des Paradieses“ und die Kartographie des Erkennens bei Nikolaus von Kues. In: João Maria André u. a. (Hrsg.): Intellectus und Imaginatio. Aspekte geistiger und sinnlicher Erkenntnis bei Nicolaus Cusanus, Amsterdam 2006, S. 31–42; Rudolf Haubst: Die erkenntnistheoretische und mystische Bedeutung der „Mauer der Koinzidenz“. In: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 18, 1989, S. 167–195; Walter Haug: Die Mauer des Paradieses. In: Theologische Zeitschrift 45, 1989, S. 216–230.
- ↑ Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 251–269.
- ↑ Zur Marsilius-Rezeption des Cusanus siehe Werner Krämer: Konkordanz und Konsens in Kirche und Respublica Christiana. In: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 21, 1994, S. 231–273, hier: 258 f.; Gregorio Piaia: Marsilius von Padua († um 1342) und Nicolaus Cusanus († 1464): eine zweideutige Beziehung? In: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft24, 1998, S. 171–193.
- ↑ Zu Cusanus' Ausführungen über die Königswahl siehe Erich Meuthen: Modi electionis. Entwürfe des Cusanus zu Wahlverfahren. In: Karl-Dietrich Bracher u. a. (Hrsg.): Staat und Parteien, Berlin 1992, S. 3–11; Günter Hägele, Friedrich Pukelsheim: Das Königswahlsystem der Concordantia catholica. In: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 29, 2005, S. 81–94.
- ↑ Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 87–90.
- ↑ Zur Staatsphilosophie des Cusanus siehe Werner Krämer: Konkordanz und Konsens in Kirche und Respublica Christiana. In: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 21, 1994, S. 231–273, hier: 255–264; Johannes Bärmann: Cusanus und die Reichsreform. In: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 4, 1964, S. 74–103.
- ↑ Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 72–75.
- ↑ Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 75–86.
- ↑ Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 332–357. Zum Wahrheitsgehalt der einzelnen Religionen bei Cusanus und zu seinem Konzept der religiösen Pluralität siehe den Forschungsbericht von Markus Riedenauer: Pluralität und Rationalität, Stuttgart 2007, S. 121–126. Zu seiner Überzeugung, dass das islamische Verständnis des Wesens und der Rolle Christi mit der Trinitätslehre eines richtig verstandenen Christentums vereinbar und darin enthalten ist und dass die Trinitätslehre auch den Juden vermittelbar ist, siehe Nikolaus von Kues, De pace fidei IX 25 f.; XII 39; XII 41; XIV 47–49.
- ↑ Zum philosophischen Charakter des Religionsgesprächs siehe Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 340–345.
- ↑ Nikolaus von Kues, De pace fidei I 2; I 4–6; II 7.
- ↑ Nikolaus von Kues, De pace fidei XIII 42–44. Zur Argumentation siehe Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 360–368.
- ↑ Zur Beschneidung Nikolaus von Kues, De pace fidei XVI 60; Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 350.
- ↑ Nikolaus von Kues, De pace fidei XIX 67; vgl. I 6. Siehe dazu Markus Riedenauer: Geschichtliche und kulturelle Relativierung der Religion bei Nikolaus Cusanus. In: Harald Schwaetzer (Hrsg.): Nicolaus Cusanus: Perspektiven seiner Geistphilosophie, Regensburg 2003, S. 35–50, hier: 42–47.
- ↑ Nikolaus von Kues, De pace fidei VI 18.
- ↑ Nikolaus von Kues, De docta ignorantia II 11.
- ↑ Nikolaus von Kues, De docta ignorantia II 12.
- ↑ Nikolaus von Kues: De docta ignorantia II 11. Siehe dazu Albert Zimmermann: „Belehrte Unwissenheit“ als Ziel der Naturforschung. In: Klaus Jacobi (Hrsg.): Nikolaus von Kues. Einführung in sein philosophisches Denken, Freiburg 1979, S. 121–137, hier: 131–133; Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 100.
- ↑ Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 101.
- ↑ Siehe dazu Fritz Nagel: Nicolaus Cusanus und die Entstehung der exakten Wissenschaften, Münster 1984, S. 83–85; Tom Müller: Perspektivität und Unendlichkeit, Regensburg 2010, S. 155–168.
- ↑ Kurt Flasch: Nikolaus Cusanus, München 2001, S. 66 f., 77–80.
- ↑ Fritz Nagel: Nicolaus Cusanus und die Entstehung der exakten Wissenschaften, Münster 1984, S. 68 f.