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Werk:Apologia doctae ignorantiae/33

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Ad quae praeceptor: «Nonne falsarius iste potius ridendus quam confutandus esset? Cur non dicit locum, ubi in libellis Doctae ignorantiae haec conclusio reperitur?» Et ego: «Quia nusquam reperitur, dicere non potuit. Legi enim ego quam diligenter et non memini umquam repperisse, quod omnia cum Deo coincidunt. Repperi bene in secundo Doctae ignorantiae creaturam non esse Deum nec nihil; neque capio, quid velit adversarius dicere, neque forte ipse se intelligit. Nam omnia attributa divina coincidere in Deo et totam theologiam esse in circulo positam, sic quod iustitia in Deo est bonitas et e converso – ita de reliquis –, necessarium comperi et ita legi; et in hoc concordant omnes sancti, qui ad infinitam Dei simplicitatem respexerunt.»

Dazu sagte der Meister: «Wäre es nicht besser, diesen Lügner auszulachen als zu überführen? Warum gibt er nicht die Stelle an, wo man in der Docta ignorantia diesen Schluß findet?» Ich antwortete: «Weil man sie nicht findet, konnte er sie nicht nennen. Ich habe die Schrift mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit gelesen und erinnere mich nicht, irgendwo die Behauptung entdeckt zu haben, daß alles mit Gott zusammenfalle. Dagegen habe ich wohl im zweiten Buch der Docta ignorantia gefunden, daß das Geschöpf weder Gott noch nichts ist. Darum begreife ich nicht, was der Gegner sagen will; vielleicht versteht er sich selbst nicht. Denn es ist notwendig, daß man erfährt und liest, daß alle göttlichen Attribute in Gott zusammenfallen und daß die ganze Theologie in einem Zirkel steht, und zwar dergestalt, daß die Gerechtigkeit in Gott die Güte ist und umgekehrt – und in allen andern Fällen ebenso. Darin stimmen alle Heiligen, die zur unendlichen Einfachheit Gottes blicken, überein.◀▷