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Werk:De docta ignorantia/156

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Capitulum XI.

Correlaria de motu.

[1] Fortassis admirabuntur, qui ista prius inaudita legerint, postquam ea vera esse docta ignorantia ostendit. Scimus nunc ex istis universum trinum; et nihil universorum esse, quod non sit unum ex potentia, actu et connexionis motu; et nullum horum sine alio absolute subsistere posse, ita quod necessario illa in omnibus sunt secundum [2] diversissimos gradus adeo differenter, quod nulla duo in universo per omnia aequalia | esse possunt simpliciter. Propter quod machinam [3] [4] mundanam habere aut istam terram sensibilem aut aerem vel ignem vel aliud quodcumque pro centro fixo et immobili variis motibus orbium consideratis est impossibile. Non devenitur enim in motu ad minimum simpliciter, puta fixum centrum, quia minimum cum maximo [5] coincidere necesse est.

Centrum igitur mundi coincidit cum circumferentia. Non habet igitur mundus circumferentiam. Nam si centrum haberet, haberet et circumferentiam, et sic intra se haberet suum initium et finem, et esset ad aliquid aliud ipse mundus terminatus, et extra mundum [6] esset aliud et locus; quae omnia veritate carent. Cum igitur non sit possibile mundum claudi intra centrum corporale et circumferentiam, non intelligitur mundus, cuius centrum et circumferentia sunt Deus. Et cum non sit mundus infinitus, tamen non potest concipi finitus, cum terminis careat, intra quos claudatur.

Kapitel XI.

Bemerkungen zur Bewegung

Nachdem die wissende Unwissenheit dieses bis jetzt Unerhörte als wahr erwiesen hat, werden die Leser vielleicht staunen. Wir wissen nun daraus, daß das Gesamt dreifach ist, und daß es in ihm nichts gibt, das nicht aus Möglichkeit, Wirklichkeit und verknüpfender Bewegung geeint wäre. Wir wissen auch, daß nichts von ihm ohne das andere absolut bestehen kann, daß die Dinge nach verschiedensten Abstufungen in allem von einander verschieden sind und es darum im Gesamt keine zwei Dinge gibt, die in allem vollkommen gleich sein könnten.

[p.391] Nachdem wir die verschiedenen Bewegungen des Weltkreises betrachtet haben, ist es unmöglich anzunehmen, daß der Weltbau diese sichtbare Erde oder die Luft oder das Feuer oder irgendetwas anderes als festes und unbewegliches Zentrum besitzt. Denn man gelangt in der Bewegung nicht zum schlechthin Kleinsten, wie es der feste Mittelpunkt ist, weil das Kleinste mit dem Größten koindizieren muß.

Der Mittelpunkt der Welt koinzidiert also mit ihrem Umfang.

Folglich hat die Welt keinen Umfang. Denn wenn sie einen Mittelpunkt hätte, hätte sie auch einen Umfang und darum in sich ihren Anfang und ihr Ende; sie wäre auf etwas anderes hinbestimmt und außerhalb von ihr wäre Ort und Anderssein. Das alles entspricht nicht der Wahrheit. Da es demnach unmöglich ist, die Welt zwischen körperlichem Mittelpunkt und ihrem Umfang einzuschließen, wird sie, deren Mittelpunkt und Umkreis Gott sind, nicht verstehend begriffen; zwar ist sie nicht unendlich, dennoch kann sie nicht endlich begriffen werden, da sie der Grenzen entbehrt, zwischen die sie eingeschlossen werden könnte.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 99.15
  2. ↑ 99.20
  3. ↑ fol.21r
  4. ↑ [p.100]
  5. ↑ 100.5
  6. ↑ 100.10