Werk:De docta ignorantia/188
188 Et ad infimam speciem infimi generis, qua actu minor non est, [1] et supremam supremi, qua pariformiter actu nulla maior et altior est, quibus tamen minor et maior dari posset, absque processu in infinitum deveniri necesse est; ut sive sursum numeremus sive deorsum, [2] ab unitate absoluta, quae Deus est, ut ab omnium principio, initium sumamus; ut sint species quasi obviantes numeri, de minimo, quod est maximum, et de maximo, cui minimum non opponitur, progredientes; ut nihil sit in universo, quod non gaudeat quadam singularitate, [3] quae in nullo alio reperibilis est, ita quod nullum omnia in omnibus vincat aut diversa aequaliter, sicut cum nullo ullo umquam tempore aequale in quocumque esse potest; etiam si uno tempore minus eo fuerit et alio maius, hunc transitum facit in quadam singularitate, ut numquam aequalitatem praecisam attingat; sicut quadratum [4] inscriptum circulo transit ad magnitudinem circumscripti de quadrato, quod est minus circulo, ad quadratum circulo maius, absque hoc quod umquam perveniat ad aequale sibi, et angulus incidentiae de minori recto ad maiorem ascendit absque medio aequalitatis. Et plura horum in libro Coniecturarum elicientur.
Ohne Fortgang ins Unendliche kommt man also notwendig zur untersten Eigengestalt der untersten Gattung, über die hinaus es tatsächlich keine mehr gibt, und auch zur obersten [p.429] Eigengestalt der obersten Gattung, über die hinaus es gleicherweise in Wirklichkeit keine höherstehende mehr gibt, obwohl eine niedrigere und höhere als diese gegeben werden könnte. Da wir, sei es, daß wir hinauf, sei es, daß wir hinunter zählen, den Anfang von der – als dem Ursprung von allem – absoluten Einheit, die Gott ist, nehmen, gehen die Eigengestalten, ähnlich wie die ihnen entsprechenden Zahlen, vom Kleinsten, das das Größte ist, und vom Größten, dem das Kleinste nicht entgegengesetzt wird, aus. Darum gibt es auch nichts im Gesamt, das sich nicht einer Einzigkeit erfreut, die in keinem andern gefunden werden kann, so daß kein Ding ein anderes in allem übertrifft oder das Verschiedene in gleicher Weise hervortreten läßt, wie es auch niemals mit irgend etwas anderem in irgendeiner Beziehung gleich sein kann.
Auch wenn es zu der einen Zeit kleiner als dieses und zur andern größer sein würde, macht es diesen Übergang in einer gewissen Einzigkeit, so daß es eine präzise Gleichheit nie erreicht; wie z. B. das dem Kreis eingeschriebene Quadrat zur Größe des umschriebenen von jenem Quadrat, das kleiner als der Kreis in jenes, das größer ist, übergeht, ohne daß es dem Kreis jemals gleich würde. Auch ein Einfallswinkel geht von einem spitzen in einen stumpfen über, ohne die Mitte der Gleichheit zu erreichen. Mehr darüber in De coniecturis.== Einzelnachweise ==