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Werk:De docta ignorantia/19

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Amplius, omnis inaequalitas est ex aequali et excedente. Inaequalitas ergo posterior natura est aequalitate, quod per resolutionem firmissime proba|ri potest. Omnis enim inaequalitas in aequalitatem resolvitur [1] ; nam aequale inter maius et minus est. Si igitur demas, quod maius [2] est, aequale erit; si vero minus fuerit, deme a reliquo, quod maius est, et aequale fiet. Et hoc etiam facere poteris, quousque ad simplicia demendo veneris. Patet itaque, quod omnis inaequalitas demendo ad aequalitatem redigitur. Aequalitas ergo naturaliter praecedit inaequalitatem. .

[3] Sed inaequalitas et alteritas simul sunt natura; ubi enim inaequalitas, ibidem necessario alteritas, et e converso. Inter duo namque ad minus erit alteritas. Illa vero ad unum illorum duplicitatem facient; quare erit inaequalitas. Alteritas ergo et inaequalitas simul erunt natura, praesertim cum binarius prima sit alteritas et prima inaequalitas. [4] Sed probatum est aequalitatem praecedere natura inaequalitatem, quare et alteritatem; aequalitas ergo aeterna.

  • Ferner besteht jede Ungleichheit aus Gleichem und einem darüber Hinausgehenden. Die Ungleichheit ist also von Natur später als die Gleichheit, wie durch Auflösung sicher bewiesen werden kann. Jede Ungleichheit läßt sich in Gleichheit auflösen, denn das Gleiche liegt zwischen Größer und Kleiner. Nimmt man weg, was größer ist, so wird es gleich; ist es aber kleiner, dann nimmt man von dem anderen das weg, um was es größer ist, und es wird wieder gleich. Das könnte man tun, bis man durch dieses Wegnehmen zum Einfachen gelangte.
  • Es ist also offenkundig, daß jede Ungleichheit durch Wegnehmen zur Gleichheit rückgeführt wird und daß darum die Gleichheit von Natur der Ungleichheit vorangeht. Ungleichheit und Andersheit sind von Natur gleichzeitig; dort, wo Ungleichheit herrscht, ist notwendigerweise Andersheit und umgekehrt. Denn zwischen Zweien wird dem Kleineren gegenüber Andersheit sein. Beide aber bewirken Duplizität zu einem von ihnen und deshalb wird Ungleichheit sein. Andersheit und Ungleichheit werden also gleichzeitiger Natur sein, vor allem da die Zweiheit die erste Andersheit und die erste Ungleichheit ist. Da es aber erwiesen ist, daß die Gleichheit von Natur der Ungleichheit und darum auch der Andersheit vorausgeht, ist die Gleichheit also ewig.

Einzelnachweise

  1. ↑ fol.3v
  2. ↑ 15.15
  3. ↑ 15.20
  4. ↑ [p.16]