Werk:De docta ignorantia/203
Capitulum IV.
Quomodo ipsum est Iesus benedictus, Deus et homo.
Quoniam quidem ad hoc indubia nunc fide hiis talibus ratiocinationibus provecti sumus, ut in nullo haesitantes firmiter teneamus [2] praemissa verissima esse, subiungentes dicimus temporis plenitudinem praeteritam ac Iesum semper benedictum primogenitum omnis creaturae esse.
Nam ex hiis, quae ipse existens homo supra hominem divine operatus est, ac aliis, quae ipse in omnibus verax repertus de seipso [3] affirmavit, testimonium in sanguine suo perhibentes, qui cum ipso conversati sunt, constantia invariabili infinitis dudum infallibilibus probata argumentis iuste asserimus ipsum esse, quem omnis creatura [4] in tempore futurum ab initio exspectavit, et qui per prophetas se in mundo appariturum praedixerat. Venit enim, ut omnia adimpleret, quoniam ipse voluntate cunctos sanitati restituit et omnia occulta et secreta sapientiae tamquam potens super omnia edocuit, peccata [5] tollens ut Deus, mortuos suscitans, naturam transmutans, imperans spiriti|bus, mari et ventis, supra aquam ambulans, legem statuens in [6] plenitudine supplementi ad omnes leges. In quo secundum testimonium illius singularissimi praedicatoris veritatis Pauli desuper in raptu illuminati habemus perfectionem omnem, «redemptionem et [7] remissionem peccatorum; qui est imago Dei invisibilis, primogenitus omnis creaturae, quia in ipso condita sunt universa in caelis et in terra, visibilia et invisibilia, sive throni sive dominationes sive principatus sive potestates: omnia per ipsum et in ipso creata sunt, et ipse est ante omnes, et omnia in ipso constant. Et ipse est caput [8] corporis ecclesiae, qui est principium, primogenitus ex mortuis, ut sit in omnibus ipse primatum tenens; quia in ipso complacuit omnem plenitudinem inhabitare et per eum reconciliari omnia in ipsum.[9]»
Kapitel IV.
Jesus, gepriesen sei er, ist Gott und Mensch
Da wir mit festem Vertrauen in diesen unseren Überlegungen dahin gelangt sind, an der unbedingten Richtigkeit des bisher Gesagten ohne Schwanken festzuhalten, fügen wir nun hinzu, daß die Fülle der Zeit überschritten und Jesus, der Ewig Gepriesene, der Erstgeborene jeder Kreatur ist. Denn auf Grund dessen, was er als wirklicher Mensch, aber über den gewöhnlichen Menschen hinaus, in göttlicher Weise vollbracht hat, und auf Grund des anderen, das er selbst, der in allem wahr befunden wurde, von sich bezeugte – und das von jenen, die mit ihm zusammen waren, mit dem eigenen Blut bestätigt und in unwandelbarer Beständigkeit schon längst durch untrügliche Beweise erhärtet ist –, versichern wir mit Recht, daß er es ist, den alle Kreatur in der Zeit als den Zukünftigen von Anfang an erwartet hat und von dem die Propheten vorausgesagt haben, er werde in der Welt erscheinen.
Er ist gekommen, um alles zu erfüllen, da er selbst alle Menschen durch seinen Willen gesunden ließ als der über alles Gewaltige; der alle verborgene und geheimnisvolle Weisheit lehrte, als Gott die Sünden wegnahm, die Toten erweckte, die Natur verwandelte, den Geistern, dem Meer und den Winden befahl, über das Wasser ging, und ein Gesetz aufstellte, das alle Gesetze erfüllte und ergänzte.
In ihm haben wir alle Vollendung, «Erlösung und Vergebung der Sünden» nach dem Zeugnis des Paulus, jenes einzigartigen Verkünders der Wahrheit, der in einer Entrückung vom Himmel erleuchtet wurde. «Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung, denn in ihm sind alle Dinge grundgelegt, im Himmel und auf Erden, Sichtbares und Unsichtbares, Throne, Herrschaften, Fürstentümer und Mächte; alles ist durch ihn und in ihm geschaffen, er ist vor allem und alles hat in ihm Bestand. Er ist das Haupt der Kirche, er ist der Anfang, der [p.447] Erstgeborene von den Toten und darum in allem der Erste; denn es gefiel ihm, daß in ihm alle Fülle wohne und durch ihn alles auf ihn hin versöhnt werde.»== Einzelnachweise ==