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Werk:De docta ignorantia/204

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Talia quidem et alibi plura perhibentur sanctorum de eo testimonia, quoniam ipse Deus et homo; in quo ipsa humanitas in ipsa [1] divinitate Verbo unita est, ut non in se, sed in ipso subsisteret, postquam humanitas in summo gradu et omni plenitudine aliter esse non potuit nisi in divina Filii persona.

Et ad hoc, ut supra omnem intellectualem nostram comprehensionem quasi in docta ignorantia hanc personam concipiamus, quae [2] hominem sibi univit, ascendentes in nostro intellectu consideremus: Cum Deus per omnia sit in omnibus et omnia per omnia in Deo, ut quodam loco superius ostendimus, tunc, cum ista simul copulative consideranda sint, sic quod Deus sit in omnibus, ita quod omnia in [3] Deo, et cum esse ipsum divinum sit supremae aequalitatis et simplicitatis, hinc Deus, ut est in omnibus, non est secundum gradus in ipsis quasi se gradatim et particulariter communicando. Omnia autem sine diversitate graduali esse non possunt; quapropter in Deo sunt [4] secundum se cum graduum diversitate. Hinc, cum Deus sit in omnibus, ita ut omnia in eo, est manifestum Deum absque sui mutatione in aequalitate essendi omnia esse in unitate cum humanitate Iesu maxima, quoniam maximus homo in ipso non aliter quam maxime esse potest. Et ita in Iesu, qui sic est aequalitas omnia essendi,  [5] tamquam in Filio in divinis, qui est media persona, Pater aeternus et sanctus Spiritus existunt, et omnia ut in Verbo, et omnis creatura in ipsa humanitate summa et perfectissima universaliter omnia creabilia complicanti, ut sit omnis plenitudo ipsum inhabitans.

Solche Zeugnisse von Heiligen – daß er Gott und Mensch ist – werden vielerorts über ihn angeführt. In ihm ist die Menschheit in der Gottheit dem Worte vereint, so daß sie nicht in sich, sondern in ihm Bestand hat, da die Menschheit in höchster Stufe und aller Fülle nur in der göttlichen Person des Sohnes sein konnte.

Um diese Person, die sich dem Menschen vereinte, jenseits unserer Einsicht und unseres Verstehens gleichsam in wissender Unwissenheit zu erfassen, wollen wir in unserer Einsicht emporsteigend uns erheben und folgendes betrachten: Da, wie wir oben gezeigt haben, Gott durch alles in allem und alles durch alles in Gott ist, ist er, da beide Momente zugleich und miteinander verbunden betrachtet werden müssen, dies so, daß Gott in allem ist, weil alles in Gott ist. Und da das göttliche Sein selbst von höchster Gleichheit und Einfachheit ist, ist Gott in allem nicht stufenweise, als ob er sich gradweise und teilweise mitteilen müßte. Ohne stufenweise Verschiedenheit kann aber nichts sein: deshalb ist alles in Gott mit der Verschiedenheit seiner Abstufung gemäß seiner selbst.

Da Gott in allem ist und alles in ihm, ist also offenbar, daß er ohne Veränderung seiner selbst in der Gleichheit allen Seins mit der größten Menschheit, Jesus, geeint ist, da der größte Mensch in ihm nicht anders als auf größte Weise sein kann. So existieren in Jesus als im Göttlichen Sohn, der mittleren Person, der auf diese Weise die Gleichheit alles Seins ist, der ewige Vater und der Heilige Geist, so existiert alles wie im Wort, so besteht auch jede Kreatur in seiner höchsten und vollkommensten Menschheit, die alles Geschöpfliche allgemein und gemeinsam umfaßt; und darum wohnt in ihm alle Fülle.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 130.20
  2. ↑ 130.25
  3. ↑ [p.131]
  4. ↑ 131.5
  5. ↑ 131.10