Werk:De docta ignorantia/215
Capitulum VI.
Mysterium mortis Iesu Christi.
Digressionem parvam ad expressionem intenti antemitti convenit, ut mysterium crucis clarius attingamus. Non dubium hominem ex [2] sensu et intellectu atque ratione media, quae utrumque nectit, existere. Ordo autem submittit sensum rationi, rationem vero intellectui. Intellectus de tempore et mundo non est, sed absolutus ab hiis; sensus de mundo sub tempore motibus subiectus existit; ratio quasi in horizonte est quoad intellectum, sed in auge quoad sensum, [3] ut in ipsa coincidant, quae sunt infra et supra tempus.
Kapitel VI.
Das Geheimnis des Todes Jesu Christi
Um das Geheimnis des Kreuzes deutlicher zu erfassen, wird es gut sein, zur Erläuterung unserer Absicht eine kleine Abschweifung vorauszuschicken.
Es gibt keinen Zweifel, daß der Mensch aus Sinnlichkeit und Geist besteht und daß der Verstand, in der Mitte zwischen beiden, diese miteinander verknüpft.
Die Ordnung unterstellt die Sinnlichkeit dem Verstand, den Verstand aber dem Geist.
Der Geist stammt nicht aus Zeit und Welt, sondern ist von diesen unabhängig; die Sinnlichkeit stammt aus der Welt und ist in der Zeit den Bewegungen unterworfen. Der Verstand steht in bezug auf den Geist gleichsam im Horizont, in bezug auf die Sinnlichkeit aber im Zentrum, so daß in ihm das, was innerhalb und das, was außerhalb der Zeit ist, koinzidiert.== Einzelnachweise ==