Werk:De docta ignorantia/224
[1] Non igitur mortuus fuit Christus, quasi persona eius defecisset, sed absque etiam locali divisione quoad centrum, in quo humanitas suppositabatur, remansit divinitati hypostatice unitus; et secundum naturam inferiorem, quae divisionem animae a corpore secundum suae naturae veritatem pati potuit, temporaliter et localiter divisio [2] facta est, ut eodem loco et eodem tempore non essent simul mortis hora anima et corpus. Quare in corpore et anima non fuit corruptibilitas possibilis, cum unita essent aeternitati. Sed temporalis nativitas morti et separationi temporali subdita fuit, ita quod completo circulo reditionis ad solutionem de compositione temporali absolutoque [3] amplius corpore ab hiis motibus temporalibus veritas humanitatis, quae supra tempus est, ut divinitati unita incorrupta remanens, prout eius requirebat veritas, veritatem corporis veritati animae adunaret; ut sic dimissa umbrosa imagine veritatis hominis, qui in tempore apparuit, | verus homo ab omni temporali passione absolutus [4] [5] resurgeret; ut idem Iesus supra omnes temporales motus, amplius non moriturus, verissime resurgeret per unionem animae ad corpus supra omnem motum temporalem. Sine qua quidem unione veritas humanitatis incorruptibilis verissime absque confusione naturae [6] divinae personae hypostatice unita non fuisset.
Christus ist also nicht so gestorben, als hätte seine Person an Kraft verloren, sondern bleibt auch ohne örtliche Trennung in bezug auf den Mittelpunkt, in dem sein Mensch-Sein Bestand hat, der Gottheit hypostatisch vereint. Der niederen Natur gemäß, die ihrem Wesen nach eine Trennung der Seele vom Körper erleiden konnte, vollzog sich diese zeitlich und räumlich, so daß Seele und Leib in der Todesstunde nicht zugleich an demselben Ort und in derselben Zeit waren.
In Leib und Seele war darum keine Vergänglichkeit möglich, da beide der Ewigkeit vereint waren, aber die zeitliche Geburt war dem Tod und zeitlicher Trennung unterworfen; so hat, nachdem der Kreislauf zur Lösung der zeitlichen Zusammenfügung vollendet und ferner der Körper von der zeitlichen Bewegung losgelöst war, die Wahrheit der Menschheit, die jenseits der Zeit liegt und als der Gottheit vereinte, unvergänglich bleibt, so wie es ihre Wahrheit verlangte, die Wahrheit des Körpers der Wahrheit der Seele vereint. Nachdem das Schattenbild der Wahrheit des Menschen, der in der Zeit erschien, verschwunden war, erstand auf diese Weise der wahre, von allem zeitlichen Leiden losgelöste Mensch; so erstand wahrhaft und jenseits aller zeitlichen Bewegung, derselbe Jesus – der fernerhin nicht mehr sterben wird – durch die über alle zeitliche Bewegung erhabene Vereinigung der Seele mit dem Körper. Ohne sie wäre die Wahrheit der unvergänglichen Menschheit nicht wahrhaft und unvermischt mit der Natur der göttlichen Person hypostatisch vereint gewesen.== Einzelnachweise ==