Werk:De docta ignorantia/226
[1] Veritas autem, ut est temporaliter contracta, est quasi signum et imago veritatis supertemporalis. Ita veritas corporis temporaliter contracta est quasi umbra veritatis corporis supertemporalis. Sic et veritas animae contracta est ut umbra animae a tempore absolutae; videtur enim potius sensus aut ratio quam intellectus, dum est in tempore, [2] ubi sine phantasmatibus non apprehendit; et supra tempus elevata [3] intellectus est ab hiis liber et absolutus. Et quoniam ipsa humanitas sursum fuit in incorruptibilitate divina radicata inseparabiliter, tunc completo motu temporali corruptibili non potuit resolutio fieri nisi versus radicem incorruptibilitatis. Quare post finem motus temporalis [4], qui mors fuit, sublatis hiis omnibus, quae temporaliter veritati naturae humanae accesserunt, resurrexit idem Iesus non in corpore gravi, corruptibili, umbroso, passibili et ceteris, quae temporalem compositionem consequuntur, sed in corpore vero, glorioso, impassibili, agili et immortali, ut veritas a conditionibus absoluta [5] temporalibus requirebat.
Et hanc quidem unionem necessario exposcebat ipsa veritas hypostaticae unionis humanae naturae et divinae. Quapropter Iesum benedictum a mortuis resurgere oportebat, ut ipsemet ait dicens: «Oportebat Christum sic pati et tertia die resurgere a mortuis.[6]»
Die Wahrheit aber, wie sie zeitlich verschränkt ist, ist gleichsam Zeichen und Abbild der überzeitlichen Wahrheit. Die zeitlich verschränkte Wahrheit des Körpers ist gleichsam der Schatten der überzeitlichen Wahrheit des Körpers und so ist auch die verschränkte Wahrheit der Seele wie ein Schatten der von der Zeit losgelösten Seele; während sie in der Zeit ist, in der sie ohne Vorstellungsbilder nichts begreift, erscheint sie eher als Sinnlichkeit oder als Verstand, denn als Geist. Über die Zeit erhoben ist sie Geist und von dem andern frei und losgelöst.
Und weil diese Menschheit emporgerichtet und in der göttlichen Unvergänglichkeit untrennbar verwurzelt war, konnte sich, nachdem der vergängliche zeitliche Lauf vollendet war, eine Lösung nur in Richtung auf die Wurzel der Unvergänglichkeit hin vollziehen.
[p.473] Daher erstand derselbe Jesus nach dem Tode d. h. nach Beendigung der zeitlichen Bewegung und nachdem alles, was zur Wahrheit der menschlichen Natur in der Zeit hinzugetreten war, hinweggenommen war, nicht in einem schweren, vergänglichen, schattenhaften, leidensfähigen und mit allem, was einer zeitlichen Verbindung entspricht, behafteten Körper, sondern im wahren, verklärten, nicht mehr leidensfähigen, bewegungsmächtigen und unsterblichen Körper, wie ihn die Wahrheit, von zeitlichen Bedingungen befreit, forderte.
Die Wahrheit der hypostatischen Vereinigung von menschlicher und göttlicher Natur mußte diese Vereinigung fordern. Und darum war es auch notwendig, daß Jesus – gepriesen sei er – von den Toten auferstand, wie er selbst sagt: «Es mußte aber Christus so leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen.»== Einzelnachweise ==