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Werk:De docta ignorantia/245

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Potest autem Christi sanissima fides, in simplicitate constanter firmata, gradibus ascensionum extendi et explicari secundum datam ignorantiae doctrinam. Maxima enim et profundissima Dei mysteria [1] in mundo ambulantibus, quamquam sapientibus abscondita, parvulis et humilibus in fide Iesu revelantur, quoniam Iesus est, in quo omnes thesauri sapientiae et scientiarum absconditi sunt, sine quo nemo quidquam facere potest. Nam est Verbum et potentia, per quam Deus fecit et saecula, super omnia, quae in caelo et in terra [2] sunt, potestatem habens solus altissimus. Qui cum in hoc mundo non sit cognoscibilis, ubi ratione ac opinione aut doctrina ducimur in symbolis per notiora ad incognitum, ibi tantum apprehenditur, ubi cessant persuasiones et accedit fides; per quam in simplicitate rapimur, ut supra omnem rationem et intelligentiam in tertio caelo simplicissimae [3] intellectualitatis ipsum in corpore incorporaliter, quia in spiritu, et in mundo non mundialiter, sed caelestialiter contemplemur incomprehensibiliter, ut et hoc videatur, ipsum scilicet comprehendi non posse propter excellentiae suae immensitatem. Et haec est illa [4] docta ignorantia, per quam ipse beatissimus Paulus ascendens vidit se Christum, quem aliquando solum scivit, tunc ignorare, quando ad ipsum altius elevabatur.

Der heilige Glaube an Christus, der in Einfachheit fest begründet ist, kann der dargelegten Lehre der wissenden Unwissenheit gemäß stufenweise immer weiter entwickelt und entfaltet werden. Die größten und tiefsten Geheimnisse Gottes bleiben denen verborgen, die in der Welt wandeln, mögen sie noch so weise sein, und werden den Kleinen und Demütigen im Glauben [p.495] Jesu offenbar: denn Jesus ist es, in dem alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft verborgen sind und ohne den niemand etwas tun kann. Denn er ist das Wort und die Macht, durch die Gott die Zeiten schafft, allein der Höchste und mächtig über alles, was im Himmel und auf Erden ist.

Da er in dieser Welt, in der wir durch Verstand, Meinung oder Wissen in Symbolen von Bekanntem und Unbekanntem geführt werden, nicht erkennbar ist, wird er nur dort begriffen, wo die Wortbeweise aufhören und der Glaube beginnt. Durch diesen werden wir zur Einfachheit emporgeführt, auf daß wir jenseits jedes Verstandes und jeder Einsicht im dritten Himmel einfachster Geistigkeit ihn im Körper, aber unkörperlich, weil im Geiste, und in der Welt, aber nicht weltlich, sondern himmlisch in unbegreiflicher Weise schauen und auch erkennen, daß wir ihn seiner alles überragenden Unermeßlichkeit wegen nicht begreifen können. Dies ist jene wissende Unwissenheit, durch die der heilige Paulus zu der Erkenntnis kam, daß er von Christus, den er einstmals nur kannte, weniger wissen würde, wenn er höher erhoben würde.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 152.20
  2. ↑ 152.25
  3. ↑ [p.153]
  4. ↑ 153.5