Werk:De docta ignorantia/257
Et quoniam in nobis continue fides augeri potest, dum hic peregrinamur, similiter et caritas, quamvis actu quisque in gradu esse [1] possit tali, quod in maiori secundum se actu ut tunc esse non possit; tamen, dum est in uno gradu, est in potentia ad alium, licet in infinitum progressio talis fieri non possit per commune fundamentum. Hinc no|stram possibilitatem laborare debemus gratia Domini nostri [2] Iesu Christi ad actum deduci, ut sic simus de virtute in virtutem [3] ambulantes et de gradu ad gradum per ipsum, qui est fides et caritas. Sine quo ex nobis, quantum ex nobis, nihil possumus; sed omnia, quae possumus, in ipso possumus, qui solus potens est implere ea, quae nobis desunt, ut integrum et nobile membrum ipsius inveniamur in die resurrectionis. Et hanc gratiam augmenti fidei et caritatis, [4] credendo et amando ex omnibus viribus, assidua oratione non dubium impetrare possumus, ad eius thronum cum fiducia accedentes, cum ipse piissimus sit et sancto desiderio neminem sinat defraudari.
[5] Während wir hier wandeln, kann in uns der Glaube und ähnlich auch die Liebe ständig vermehrt werden. Obwohl in der Wirklichkeit jeder nur jene Stufe erreichen kann, von der aus er seinen eigenen Fähigkeiten entsprechend zu keiner höheren mehr kommen kann, hat er dennoch die Möglichkeit, von der einen Stufe zu einer anderen zu gelangen, wenn auch durch den gemeinsamen Grund ein Fortschreiten ins Unendliche nicht möglich ist. Daher müssen wir uns darum mühen, durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus unsere Möglichkeit zur Wirklichkeit zu führen, daß wir von einer Kraft in die andere wandeln und durch ihn, der Glaube und Liebe ist, von Stufe zu Stufe gelangen. Ohne ihn können wir, soweit es auf uns ankommt, nichts tun; alles, was wir vermögen, vermögen wir nur in ihm, der allein mächtig ist, das zu erfüllen, was uns fehlt, damit wir am Tage der Auferstehung als unversehrtes und vornehmes Glied seiner selbst erfunden werden. Diese Gnade der Glaubens- und Liebesvermehrung können wir ohne Zweifel durch Mit-allen-Kräften-Glauben und Lieben in unablässigem Gebet erlangen, indem wir vertrauensvoll zu seinem Throne gehen, denn er ist selbst der Heiligste und läßt es nicht zu, daß jemand in heiligem Sehnen getäuscht werde.== Einzelnachweise ==