Werk:De docta ignorantia/77
Quis enim intelligere possit unitatem infinitam per infinitum [1] omnem oppositionem antecedentem, ubi omnia absque compositione sunt in simplicitate unitatis complicata, ubi non est aliud vel diversum, ubi homo non differt a leone et caelum non differt a terra, et tamen verissime ibi sunt ipsum, non secundum finitatem suam, sed complicite ipsamet unitas maxima? Unde, si quis posset intelligere [2] aut nominare talem unitatem, quae | cum sit unitas, est omnia, [3] et cum sit minimum, est maximum, ille nomen Dei attingeret. Sed cum nomen Dei sit Deus, tunc eius nomen non est cognitum nisi per intellectum, qui est ipsum maximum et nomen maximum. Quare in docta ignorantia attingimus: Licet ‘unitas’ videatur propinquius [4] nomen maximi, tamen adhuc a vero nomine maximi, quod est ipsum maximum, distat per infinitum.
Denn wer könnte die unendliche Einheit verstehen, die jedem Gegensatz unendlich vorausgeht, wo alles ohne Zusammensetzung in der Einfachheit der Einheit eingefaltet ist, wo kein Anderes oder Verschiedenes ist, wo der Mensch nicht vom Löwen, der Himmel nicht von der Erde verschieden ist, wo dennoch alles wahrhaft es selbst ist, nicht seiner Endlichkeit entsprechend, sondern eingefaltet als die größte Einheit selbst. Wenn jemand eine solche Einheit, die, da sie Einheit ist, alles und da sie das Kleinste ist, das Größte ist, verstehen und benennen könnte, dann würde er den Namen Gottes erreichen. Da aber der Name Gottes Gott ist, ist sein Name nur durch jenen Geist, der das Größte selbst und der größte Name ist, bekannt. In wissender Unwissenheit erlangen wir darum dies: Wenn auch die Einheit dem Namen des Größten näher zu sein scheint, so ist sie dennoch vom wahren Namen des Größten, dem Größten selbst, unendlich weit entfernt.