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Werk:De docta ignorantia/86

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Capitulum XXVI.

De theologia negativa.

Quoniam autem cultura Dei, qui adorandus est in spiritu et veritate, necessario se fundat in positivis Deum affirmantibus, hinc omnis [2] religio in sua cultura necessario per theologiam affirmativam ascendit, Deum ut unum | ac trinum, ut sapientissimum, piissimum, lucem [3] inaccessibilem, vitam, veritatem et ita de reliquis adorando, semper culturam per fidem, quam per doctam ignorantiam verius attingit, dirigendo; credendo scilicet hunc, quem adorat ut unum, esse uniter [4] omnia; et quem ut inaccessibilem lucem colit, non quidem esse lucem, ut est haec corporalis, cui tenebra opponitur, sed simplicissimam et infinitam, in qua tenebrae sunt lux infinita; et quod ipsa infinita lux semper lucet in tenebris nostrae ignorantiae, sed tenebrae eam comprehendere nequeunt. Et ita theologia negationis adeo necessaria est [5] quoad aliam affirmationis, ut sine illa Deus non coleretur ut Deus infinitus, sed potius ut creatura; et talis cultura idolatria est, quae hoc imagini tribuit, quod tantum convenit veritati. Hinc utile erit adhuc parum de negativa theologia submittere.

Kapitel XXVI.

Die negative Theologie

Da sich die Verehrung Gottes, der im Geist und in der Wahrheit anzubeten ist, auf bejahende Aussagen über ihn gründen muß, erhebt sich jede Religion in ihrer Verehrung notwendigerweise dazu, Gott als den Einen und Dreieinen, den Weisesten, Gütigsten, das unzugängliche Licht, Leben und Wahrheit anzubeten; hierbei lenkt sie stets diese Verehrung durch den Glauben, den sie durch die wissende Unwissenheit in tieferer Wahrheit berührt. Sie glaubt, daß der, den sie als den Einen anbetet, alles Seiende in Einheit ist; daß der, den man als unzugängliches Licht verehrt, nicht ein körperliches Licht ist, dem die Dunkelheit entgegengesetzt wird, sondern ein einfaches und unendliches, in dem auch die Schatten dieses unendliche Licht sind; und daß dieses unendliche Licht im Dunkel unserer Unwissenheit immer leuchtet, die Dunkelheit es jedoch nicht begreifen kann.


Darum ist die negative Theologie für die affirmative so notwendig, daß ohne sie Gott nicht als der Unendliche, sondern eher als Geschöpf verehrt würde. Und eine Verehrung, in der das auf das Bild übertragen wird, was allein der Wahrheit zukommt, ist Götzendienst. Darum wird es gut sein, noch einiges über die negative Theologie hinzuzufügen.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ [p.54]
  2. ↑ 54.5
  3. ↑ fol.12r
  4. ↑ 54.10
  5. ↑ 54.15