Werk:De docta ignorantia/97
Solum igitur absolute maximum est negative infinitum; quare [1] solum illud est id, quod esse potest omni potentia. Universum vero cum omnia complectatur, quae Deus non sunt, non potest esse negative infinitum, licet sit sine termino et ita privative infinitum; et hac consideratione nec finitum nec infinitum est. Non enim potest esse maius quam est; hoc quidem ex defectu evenit; possibilitas enim sive [2] materia ultra se non extendit. Nam non est aliud dicere ‚universum posse semper actu esse maius’ quam dicere ‘posse esse transire | in [3] actum infinitum esse’; quod est impossibile, cum infinita actualitas, quae est absoluta aeternitas, ex posse exoriri nequeat, quae est actu [4] omnis essendi possibilitas. Quare, licet in respectu infinitae Dei potentiae, quae est interminabilis, universum posset esse maius: tamen resistente possibilitate essendi aut materia, quae in infinitum non est actu extendibilis, universum maius esse nequit; et ita interminatum, [5] cum actu maius eo dabile non sit, ad quod terminetur; et sic privative infinitum. Ipsum autem non est actu nisi contracte, ut sit meliori quidem modo, quo suae naturae patitur conditio. Est enim creatura, quae necessario est ab esse divino simpliciter absoluto, prout consequenter in docta ignorantia – quanto clarius et simplicius fieri [6] poterit – quam breviter ostendemus.
Allein das in Absolutheit Größte ist also das Unendliche auf negative Weise. Darum ist es allein das, was es sein kann in unendlicher Machtvollkommenheit. Das Gesamt dagegen aber kann, da es alles, was nicht Gott ist, umfaßt, das Unendliche nicht auf negative Weise sein, wenn es auch ohne Begrenzung ist; so ist es das Unendliche auf privative Weise. In dieser Betrachtung ist es weder endlich noch unendlich. Es kann nicht größer sein als es ist. Dies käme aus einem Mangel; die Möglichkeit oder die Materie erstreckt sich nämlich nicht über sich selbst hinaus. Zu sagen: «Das Gesamt kann als Wirklichkeit stets größer sein» bedeutet nichts anderes, als: «Es kann in die unendliche Seinswirklichkeit übergehen». Da die unendliche Wirklichkeit, die die absolute Ewigkeit ist, nicht aus dem Können entstehen kann, ist dies unmöglich. Sie ist als Wirklichkeit die Möglichkeit jedes Seins.
Wenn daher das Gesamt zwar in Hinblick auf die unendliche, unbegrenzbare Macht Gottes größer sein kann, so kann es dennoch nicht in sich größer sein, da die Möglichkeit der Wirklichkeit oder die Materie, die nicht wirklich ins Unendliche ausdehnbar ist, Widerstand leistet. Und da es außer ihm kein wirklich Größeres, auf das hin gesehen es begrenzt würde, gibt, ist es unbegrenzt und auf privative Weise unendlich. Es selbst ist nur verschränkt wirklich, so daß es auf die relativ beste Weise, zu der ihm die Natur die Bedingung bietet, besteht. Es ist nämlich Geschöpf, das notwendig vom göttlichen, schlechthin absoluten Sein stammt, wie wir folgerichtig in wissender Unwissenheit möglichst kurz zeigen werden – soweit dies deutlicher und einfacher werden kann.== Einzelnachweise ==