Werk:De docta ignorantia/98
Capitulum II.
Quod esse creaturae sit inintelligibiliter ab esse primi.
Docuit nos sacra ignorantia in prioribus nihil a se esse nisi maximum simpliciter, ubi a se, in se, per se et ad se idem sunt: ipsum [1] scilicet absolutum esse; necesseque esse omne, quod est, id quod est – inquantum est –, ab ipso esse. Quomodo enim id, quod a se non est, aliter esse posset quam ab aeterno esse? Quoniam autem ipsum maximum procul est ab omni invidia, non potest esse diminutum ut tale communicare. Non habet igitur creatura, quae ab esse est, omne [2] id quod est: corruptibilitatem, divisibilitatem, imperfectionem, diversitatem, pluralitatem et cetera huiusmodi a maximo aeterno, indivisibili, perfectissimo, indistincto, uno, neque ab aliqua causa positiva.
Kapitel II.
Auf eine Weise, die nicht eingesehen werden kann, stammt das Sein des Geschöpfes vom Sein des Ersten.
Die heilige Unwissenheit hat uns belehrt, daß im Ersten nichts aus sich sei außer dem schlechthin Größten; in ihm sind aus-sich, in-sich, durch-sich und auf-sich hin dasselbe, nämlich das absolute Sein selbst. Sie hat uns ferner gelehrt, daß notwendig alles, was ist, das, was es ist und soweit es ist, von ihm ist.
Denn wie könnte das, was nicht aus sich ist, anders als vom Ewigen sein? Da aber jede Beeinträchtigung dem Größten fern ist, kann es nichts Mangelhaftes als solches mitteilen. Das Geschöpf, das in der Abhängigkeit vom Sein das ist, was es ist, hat Vergänglichkeit, Teilbarkeit, Unvollkommenheit, Verschiedenheit, Vielheit und dergleichen weder vom Größten Ewigen, Unteilbaren, Vollkommensten, Ununterschiedenen, Einen noch von einer anderen, positiven Ursache.== Einzelnachweise ==