De docta ignorantia Liber secundus Prologus
Doctrina ignorantiae taliter circa absoluti maximi naturam expedita per symbolicos quosdam characteres amplius per ipsam aliquantulum in umbra nobis resplendentem eadem via ea inquiramus, quae omne [1] id, quod sunt, ab ipso absoluto maximo sunt.
Cum autem causatum sit penitus a causa et a se nihil et originem atque rationem, qua est id quod est, quanto propinquius et similius potest, concomitetur: patet difficile contractionis naturam attingi exemplari absoluto incognito. Supra igitur nostram apprehensionem [2] in quadam ignorantia nos doctos esse convenit, ut – praecisionem veritatis uti est non capientes – ad hoc saltim ducamur, ut ipsam esse videamus, quam nunc comprehendere non valemus. Hic est mei laboris finis in hac parte. Quem clementia tua iudicet et acceptet.
- Da die Wissenschaft der Unwissenheit hinsichtlich der Natur des absolut Größten in der vorgetragenen Weise vermittels symbolischer Zeichen entwickelt wurde und uns in der Dunkelheit leuchtet, wollen wir nun mit ihrer Hilfe dasjenige, das alles, was es ist, auf Grund seiner Herkunft vom absolut Größten ist, ein wenig erforschen.
- Da jedoch das Verursachte ganz von der Ursache herkommt und von sich aus nichts ist, und da es seinem Ursprung und Bewegungsgrund – durch den es das ist, was es ist – so nahe und so ähnlich wie möglich sein will, ergibt sich, daß es schwierig ist, die Natur der Verschränkung zu erreichen, wenn das absolute Urbild unbekannt ist.
- Wir sollen also jenseits unseres Begriffsvermögens in einer Art Unwissenheit wissend sein, auf daß wir – ohne die genaue Wahrheit, so wie sie ist, zu erfassen – wenigstens zu der Einsicht geführt werden, daß die Wahrheit, die wir jetzt nicht begreifen können, existiert. Dies ist in diesem Teil das Ziel meiner Mühe, die du gütig beurteilen und entgegennehmen mögest.