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Werk:De ven. sap./116

aus AufEinWort, der freien Forschung

116▷Sed posse fieri est in omnibus quae facta sunt id quod factum est, nam nihil factum est actu nisi id quod fieri potuit; sed alio essendi modo: imperfectiori modo in potentia et perfectiori in actu. Non igitur posse fieri et posse factum in essentia sunt differentia. [1] Sed posse facere, licet non sit aliud, tamen, cum sit causa essentiae, non est essentia. Essentia enim est suum causatum.

Quoniam autem posse fieri non est posse factum, non est posse fieri de posse fieri factum, sed ante posse fieri nihil est nisi posse facere. De nihilo igitur dicitur posse fieri factum. Sic dicimus posse [2] facere praecedere nihil, sed non posse fieri. De nihilo igitur posse fieri, cum sit per posse facere productum et non factum, creatum dicimus.

Cum autem ipsum absolutum posse facere nominemus omnipotentem, dicimus omnipotentem aeternum nec factum nec creatum [3] et qui nec annihilari aut aliter fieri potest quam est, quia ante nihil et posse fieri. Et omnia de ipso negamus quae nominabilia sunt, quoniam illa posse fieri sequuntur. Nominabile enim posse fieri, scilicet quod nominetur, praesupponit.

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Übs. Sg.

Das Werden-Können aber ist in allen gewordenen Dingen das, was geworden ist, denn nichts ist Wirklichkeit geworden, was nicht werden konnte. Aber es ist dort in verschiedener Seinsweise: in unvollkommenerer Weise in der Möglichkeit und in vollkommenerer Weise in der Wirklichkeit. Demnach sind Werden-Können und Geworden-Sein-Können dem Wesen nach nicht verschieden. Das Machen-Können aber ist, obwohl nicht ein anderes, dennoch als Ursache der Wesenheit eben nicht die Wesenheit. Die Wesenheit ist ja von ihm verursacht.

Das Werden-Können ist nicht das Geworden-Sein-Können. Daraus folgt, daß das Werden-Können nicht aus dem Werden-Können geworden ist; vielmehr ist vor dem Werden-Können nichts als das Machen-Können. Man sagt daher, daß das Werden-Können aus dem Nichts geworden ist. So sagen wir, daß das Machen-Können dem Nichts vorangehe, nicht aber das Werden-Können. Aus dem Nichts, so sagen wir deshalb, ist das Werden-Können erschaffen, da es durch das Machen-Können erzeugt und nicht gemacht ist.

Das absolute Machen-Können nennen wir den Allmächtigen, deshalb nennen wir den Allmächtigen den Ewigen, Ungewor- denen und Unerschaffenen, der nicht zunichte werden noch anders werden kann, als er ist, da er vor dem Nichts und dem Werden-Können ist. Darum verneinen wir alle Benennungen von ihm, da diese dem Werden-Können nachfolgen. Das Benennbare nämlich setzt das Werden-Können, d. h. das Benannt-Werden-Können, voraus.

Übs. Dp.

Das Werden-Können dagegen ist in jedem Gewordenen das, was geworden ist. Denn nur das ist tatsächlich geworden, was auch werden konnte, aber auf andere, unvollkommenere Seinsweise in der Möglichkeit und auf vollkommenere in der Wirklichkeit.

Werden-Können und Gewordensein-Können sind in ihrer Wesenheit nicht gegensätzlich. Dagegen ist das Machen-Können, wenn es auch das Nicht-Andere ist, dennoch weil es der Grund der Wesenheit ist, nicht die Wesenheit. Die Wesenheit nämlich ist das von ihm Begründete.

Da aber das Werden-Können nicht das Gemachtsein-Können ist, ist das Werden-Können nicht aus dem Werden-Können geworden. Doch ist vor dem Werden-Können außer dem Machen-Können nichts. Darum heißt es, das Werden-Können sei aus dem Nichts geworden. So sagen wir, das Machen-Können ginge dem Nichts voran, nicht aber das Werden-Können. Wir halten also fest, daß das Werden-Können, da es durch das Machen-Können hervorgebracht und nicht gemacht worden ist, aus dem Nichts geschaffen ist.

Da wir aber das absolute Machen-Können den Allmächtigen nennen, sagen wir, daß der Ewig-Allmächtige weder geworden noch geschaffen ist; und da er weder getilgt noch anders werden kann als er ist – da er vor dem Nichts und dem Werden-Können ist –, glauben wir, daß jede nennbare Aussage über ihn abgelehnt werden muß, da das Nennbare dem Werden-Können folgt.

Das Nennbare setzt freilich das Werden-Können voraus, damit es genannt werde.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15