Werk:De ven. sap./117
117▷Nec posse fieri terminatur nisi in posse facere; ideo non annihilabitur. Hoc enim si fieret, fieri posset. Quomodo tunc posse fieri annihilaretur? Est igitur perpetuum, cum habeat initium et annihilari non possit, sed terminus eius sit suum initium. Quoniam autem, [1] quae fieri possunt, aliqua sunt prima, aliqua post prima et prima imitantia – in primis cum eorum posse fieri sit actu et completum –, ideo sunt sicut posse fieri perpetua. In sequentibus posse fieri non est completum et perfectum nisi secundum imitationem completi; ideo illa non sunt perpetua, sed imitantur illa quae perpetua sunt. Id vero, [2] quod perpetuum et stabile non est sed mutatur, instabile et temporale est. Haec sint de praeinsertis breviter repetita.
Übs. Sg.
Das Werden-Können findet seine Grenze nur im Machen-Können. Es wird deshalb nicht zunichte werden. Würde das geschehen, so müßte es geschehen, d. h. werden können. Wie sollte dann das Werden-Können zunichte werden? Es ist deshalb immerdauernd, da es zwar einen Anfang hat, aber nicht zunichte werden kann, sondern sein Ende sein Anfang ist. Von dem aber, was werden kann, ist einiges ein Erstes, anderes ist nach dem Ersten und in Nachahmung des Ersten. Da bei den Ersten ihr Werden-Können verwirklicht und vollendet ist, so folgt daraus, daß sie wie das Werden-Können immerdauernd sind. Bei den nachfolgenden Dingen ist das Werden-Können nicht vollendet und vollkommen, es sei denn in Nachahmung des Vollendeten. Deshalb sind diese Dinge nicht immerdauernd, sondern ahmen nur die immerdauernden Dinge nach. Das aber, was nicht immerdauernd und beständig ist, sondern sich verändert, ist unbeständig und zeitlich. So viel zur kurzen Wiederholung des vorher Gesagten.
Übs. Dp.
Auch wird das Werden-Können nicht begrenzt außer im Machen-Können. Also kann dieses nicht zunichte werden. Wenn dies nämlich geschähe, könnte es geschehen – wie könnte dann das Werden-Können vernichtet werden? Es ist also immerwährend, da es einen Anfang hat und nicht zunichte werden kann, weil seine Zielgrenze viel mehr sein Anfang ist.
Weil unter dem, was werden kann, einiges an erster Stelle steht, anderes dieses nachahmend, nach dem Ersten kommt, so ist das Erste, ebenso wie das Werden-Können, immerwährend, da sein Werden-Können wirklich und vollständig ist. In dem Nachfolgenden ist das Werden-Können nicht vollständig und vollkommen außer in bezug auf die Nachahmung des Vollkommenen; folglich ist dies nicht immerwährend, sondern ahmte das Immerwährende nach. Das aber, was nicht immerwährend und beständig ist, sondern dieses nur nachahmt, ist unbeständig und zeitlich. Das ergibt sich als Zusammenfassung aus dem Vorhergesagten.