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Werk:De ven. sap./72

aus AufEinWort, der freien Forschung

72▷Omnia igitur quae sunt, quia ab hac aeterna trinitate – quae sic nominatur, licet minus proprie – id sunt quod sunt, video trinitatem imitari. In quolibet enim video unitatem, entitatem et utriusque nexum, ut sit actu id quod est: Entitas, quae et essendi forma, [1] aequalitas est unitatis. Unitas enim uniens de se generat sui aequalitatem. Aequalitas unitatis non est nisi species seu forma essendi, quae entitas dicitur, quia Graece ‘entitas’[2] ab ‘uno’[3] dirivatur. Non est igitur aliud omne exsistens nisi unitas et eius aequalitas, quae et entitas, et utriusque nexus. Unitas est fluxibilitatis constrictio, aequalitas uniti [4] et constricti formatio, nexus utriusque amorosa conexio. Posse fieri, nisi ab uniente a sua confusa fluxibilitate constringeretur, non esset capax pulchritudinis sive speciei aut formae. Et quia constringitur per unitatem omnia ad finem operantem, ideo generatur forma ab ipsa unitate, quam talis constrictio requirit seu meretur. Quare ex [5] his procedit utriusque nexus amorosus.

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Übs. Sg.

Da folglich alles, was ist, durch diese ewige Dreieinigkeit – eine Bezeichnung, die üblich, aber wenig zutreffend ist – das ist, was es ist, so finde ich in allem eine Nachahmung der Dreieinigkeit. In jedwedem finde ich Einheit, Seiendheit und Verbindung von beidem, damit es wirklich das ist, was es ist: die Seiendheit, die auch Seinsform ist, ist die Gleichheit der Einheit. Die einigende Einheit erzeugt nämlich aus sich die Gleichheit ihrer selbst. Die Gleichheit der Einheit ist nur die Art oder die Seinsform, die man ›Seiendheit‹ nennt, da im Griechischen Seiendheit von ›Eins‹ abgeleitet wird. Alles Seiende ist also nichts anderes als Einheit und ihre Gleichheit, die auch Seiendheit ist, und Verbindung von beidem. Einheit ist die Festlegung der Wandelbarkeit, Gleichheit die Formung des Geeinten und Festgelegten, Verbindung beider liebende Vereinigung. Würde das Werden-Können nicht durch ein Einigendes in seiner ungeordneten Wandelbarkeit festgelegt, so wäre es nicht fähig, die Schönheit, die Art oder die Form aufzunehmen. Und da es festgelegt wird durch die Einheit, die alles zum Ziel lenkt, wird die Form von der Einheit gezeugt, die eine solche Festlegung fordert oder verdient. Deshalb geht aus ihnen hervor beider liebende Vereinigung.

Übs. Dp.

Daher sehe ich, daß alles Seiende, deshalb, weil es von dieser ewigen Dreiheit stammt – die, wenn auch nicht ganz zutreffend, so genannt wird –, das ist, was es ist und diese Dreiheit nachahmt. In jedem beliebigen sehe ich Einheit, Seiendheit und die Verknüpfung beider, so daß jenes tatsächlich das ist, was es ist.

Die Seiendheit, die Gestalt der Wirklichkeit ist, ist die Gleichheit der Einheit. Die einende Einheit nämlich zeugt aus sich ihre Gleichheit. Die Gleichheit der Einheit ist nichts anderes als die Eigengestalt oder Gestalt des Seins, die Seiendheit genannt wird, weil dieses Wort «entitas» im Griechischen von der Bezeichnung des Einen abgeleitet wird. Daran ist alles Seiende nichts anderes als die Einheit, ihre Gleichheit, die auch Seiendheit ist, und die Verknüpfung beider. Die Einheit ist die Zusammenfassung der Wandelbarkeit, die Gleichheit die Gestaltung des Geeinten und Zusammengefaßten, die Verknüpfung die Liebesverbindung beider. Würde das Werden-Können nicht durch das Vereinende von seiner unbestimmten Wandelbarkeit abgehalten, wäre es keiner Schönheit, weder der Eigengestalt noch der Form, fähig. Und weil es von der Einheit, die alles auf ein Ziel zuführt, festgehalten wird, wird die Gestalt von der Einheit, die ein solcher Zusammenschluß braucht oder verdient, selbst gezeugt. Daher geht aus ihnen die Liebesverknüpfung beider hervor.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ cf. Theodericus Carnotensis Commentum II 22; Lectiones II 48; VII 5; Glosa V 18 (75,22sq.; 170,39; 224,47; 297,41).
  3. ↑ cf. Theodericus Carnotensis Commentum II 22; Lectiones II 48; VII 5; Glosa V 18 (75,22sq.; 170,39; 224,47; 297,41).
  4. ↑ Z10
  5. ↑ Z.15