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Werk:Phaidon (Platon)/72

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

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Wäre es also, sagte er,[1] wenn es das Wieder-Lebendig-Werden gibt, nicht eben die Bewegung des Werdens von den Toten zu den Lebenden hin, das Wieder-Lebendig-Werden?

Gewiß.

Wir müssen demnach auch darin zustimmen, daß die Lebenden nicht weniger aus den Toten entstanden sind als die Toten aus den Lebenden. Wenn das aber soist, schien es uns doch ein hinreichendes Zeugnis dafür zu sein, daß die Seelen der Toten notwendig irgendwo sein müssen, von wohersie von neuem entstehen.

Es scheint mir, Sokrates, sagte er, daß es sich von dem her, was wir eingestanden haben, notwendig so verhält.

[2] Sieh nun, Kebes, sprach er, daß wir nicht zu Unrecht zugestimmt haben, wie ich meine. Denn wenn das auf die eine Art[3] Gewordene dem anderen nicht immer entspräche, als ob es gleichsam im Kreis liefe, sondern das Werden gradlinig fortschreiten würde, vom einen nur zum Gegenüberliegenden hin, und es sich nicht wieder zum anderen zurückwendete, keine Wende vollzöge – weißt du, daß dann alles am Ende dieselbe Beschaffenheit haben würde und sich im selben Zustand befände und aufhören würde zu werden?

Wie meinst du das? fragte er.

Es ist nicht schwer zu verstehen, was ich meine; sondern wenn es zum Beispiel das Einschlafen zwar gäbe, das Aufwachen aber entspräche ihm nicht, das aus dem Schlafenden würde, so begreifst du wohl,[4] daß am Ende das Ganze den Endymion[5] als leeres Geschwätz erweisen würde und als etwas Nichtiges, weil auch alles andere dasselbe wie er erlitte, nämlich zu schlafen. Und wenn sich zwar alles vermischen würde, scheiden aber nicht, dann würde wohl bald das Wort des Anaxagoras wahr werden: »Alle Dinge zusammen«,[6] Ebenso aber auch, lieber Kebes, wenn alles zwar sterben würde, was am Leben teilhat, das Tote aber, nachdem es gestorben ist, in derselben Beschaffenheit verbleiben und nicht wieder lebendig würde, würde dann nicht ganz[7] notwendig am Ende alles tot sein und nichts mehr leben? Wenn nämlich aus dem anderen das Lebende würde, das Lebende aber stürbe, welche Einrichtung würde verhindern, daß sich alles im Tot-Sein aufzehrte?

Keine, scheint mir, Sokrates, sagte Kebes, sondern du scheinst mir vollkommen recht zu haben.

Es ist nämlich, wie ich meine, ganz gewiß so, Kebes, und wir stimmen nicht etwa zu, weil wir uns getäuscht haben, sondern es gibt tatsächlich das Wieder-Lebendig-Werden und ein Entstehen der Lebenden aus den Toten und ein Sein der Seelen der Toten,[8] und zwar für die Guten ein besseres, für die Schlechten ein schlechteres.▷

—Übrstzng F.S.

  1. ↑ [72.A]
  2. ↑ 17.
  3. ↑ [B]
  4. ↑ [C]
  5. ↑
  6. ↑
  7. ↑ [D]
  8. ↑ [E]