Werk:Phaidon (Platon)/Anm.6
6. Erste Erwähnung des Namens ›Apollon‹, der sich leitmotivisch durch den ganzen Dialog zieht. Apollon ist der Gott der Seherkunst und der Musik, der Lichtgott, Anführer der Musen, Hirtengott, aber auch der todbringende Gott. Ebenso wurden ihm heilende und reinigende Kräfte zugesprochen. In der Nennung des Apollon findet ein Motivvorverweis statt. Die Themen ›Sehergabe‹, ›Harmonie‹, ›Musenkunst‹, ›Gott‹ als ›Hirte‹, ›Tod‹, ›Reinigung der Seele‹ und »Heilung von den menschlichen Übeln‹ sind bereits angedeutet. Außerdem ist Apollon Vater des Asklepios, dem Sokrates' letzter Satz im Phaidon gilt. Die besondere Verbindung des Sokrates zum delphischen Apollon – Sokrates bezeichnet sich in 85b als Diener des Gottes – beruht auf der Verbindlichkeit des apollinischen Gebots »Erkenne dich selbst!‹ für das sokratische Philosophieren. Selbsterkenntnis, das Wissen um den eigenen Seelenzustand, ist Voraussetzung für die philosophische Existenz, Voraussetzung auch für die Erkenntnis des Guten. Vgl. auch ›Apologie‹ 20eff.