Nikolaus hatte bis in die 1440er Jahre hinein genug Vertrauen in seine Kentnisse der Astronomie gewonnen, um sich an einem eigenen Beitrag zu versuchen. In einer astronomisch-astrologischen Sammelhandschrift, die er 1444 in Nürnberg zusammen mit einigen astronomischen Instrumenten erworben hatte,[1] findet sich auf der letzten Seite ein kurzer kosmologischer Text von seiner Hand.[2] Der Text ist zwar deutlich jünger als die Schrift De docta ignorantia, knüpft aber vor allem an die noch ältere Abhandlung zur Kalenderreform an, wenn Nikolaus gleich zu Beginn für die Bewegung der Planeten und Fixsternsphäre feststellt, dass diese unter keinen Umständen exakt kreisförmig sein kann, da es eine genau kreisförmige Bewegung [generell] nicht geben kann.[3] Dieser – sicher vorrangig philosophisch motivierte Gedanke – lässt Nikolaus annehmen, dass die Vorstellung eines fixen Himmelspols zurückgewiesen werden muss. Mit diesem Ansatz bringt sich Nikolaus klar in Gegensatz zu den meisten seiner Zeitgenossen, für die die Himmelsachse unveränderlich genau auf der Position von Ursa minor die Sternsphäre durchstoßen sollte. Nikolaus konstatierte demgegenüber – in direkter Nachfolge von Ṯābits Trepidationstheorie – eine kontinuierliche Rotation der Himmelsachse. Zugleich muss für Nikolaus auch die Erde selbst in Bewegung sein, allerdings nicht – und das ist bei der Beurteilung der cusanischen Kosmologie als möglichem Inspirationskeim der copernicanischen Astronomie wichtig – in progressiver Bewegung. Zwei gekoppelte Rotationsvektoren führt Nikolaus ein, um so die veränderlichen Bahnen von Planeten und Sternen zu erklären. Erde und achte Sphäre drehen sich zugleich, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten um eine gemeinsame Äquatorial- und eine gemeinsame Polarachse. Die Sphäre der Sterne dreht sich in zwölf Stunden einmal von Ost nach West, die Erde vollführt die gleiche Bewegung in 24 Stunden – der Effekt für einen erdgebundenen Beobachter ist damit der gleiche, der für eine unbewegte Erde zu erwarten wäre, wenn die Sternensphäre sich mit doppelter Geschwindigkeit über sie hinwegdrehen würde. Nikolaus fasst diesen Grundgedanken auch in eine einfache Skizze ein:
Abbildung und Erläuterung nach Cod. Cus. 211, fol. 55v
Ymaginor enim me esse in medio mundi sub equinocciali. Sit terra ·abcd·; et trahe ·ac·, ·bd· arcus terr[a]e et pone ·e· in puncto seccionis. Dico terram super polis ·ac· fixis interra moveri, et similiter super polis ·e· et opposito ei, simul et semel. Nam super ·ac· movetur de oriente in occidens, et super ·e· et ei opposito movetur in orisonte de occidente in oriens; ita quod quando ·a· pervenit ad ·b·, tunc ·e· pervenit in ·d·, et ita consequenter. Octava spera eodem modo movetur, sed in duplo velocius super polis suis ·ac· quam ·e· et opposito.[Ü. 1]
Die achte Sphäre dreht sich bei Nikolaus genau soviel langsamer um die Äquatorialachse, dass im Verlauf von hundert Jahren jeder Punkt in ihr um soviel zurückbleibt, wie die Sonne in einem Jahr. Die Sonne – hier nun kommen Nikolaus’ Kenntnisse der ptolemäischen Ekliptik aus dem Almagest oder einer ihrer Nachfolgeschriften ins Spiel – ist von den Äquatorialpolen 23° entfernt, und läuft durch die leicht verzögerte Rotation der sie tragenden Sphäre der Drehung der achten Sphäre etwas hinterher, und zwar um genau ihrer Bahn im Verlauf von 24 Stunden. Aus dieser Verzögerung heraus soll dann der Tierkreis (Zodiacus) hervorgehen. Dass Nikolaus dabei den Unterschied zwischen siderischer und solarer Zeit übersieht, hat schon Dreyer angemerkt.[4] Der hieraus resultierende Fehler – zutreffender wäre eine solare Retardation von gewesen – ist aber nicht allzu schwerwiegend.
Nikolaus verfügte zum Zeitpunkt der Abfassung seines kosmologischen Entwurfs mit Torquetum und Astrolab über technisch anspruchsvolle astronomische Instrumente, die es ihm im Prinzip ermöglicht hätten, die eigenen Ideen auch empirisch zu überprüfen. Auch ein hölzerner Präzessionsglobus, an welchem man dieDeklinationen und wahrscheinlich auch die Rektaszensionen der Gestirne für beliebige Äquinoktien ablesen konnte,[5] ist in Kues erhalten geblieben. Es gibt aber keine schriftlichen Zeugnisse davon, dass Nikolaus diese Instrumente auch tatsächlich eingesetzt hat.[6] Ob er überhaupt ausreichende Kenntnisse in der Astronomie mit bewaffnetem Auge hatte, ist ohnehin zweifelhaft. Man darf auch sicher fragen, als wie wichtig Nikolaus den kurzen kosmologischen Text selbst tatsächlich eingeschätzt hat. Das Ganze ist ein Entwurf, eine Skizze ohne mathematische oder empirische Fundierung, wohlmöglich von Nikolaus selbst nicht als vollständig, geschweige denn der Veröffentlichung für würdig erachtet. Es ist nicht einmal sicher, ob Nikolaus seinen kosmologischen Versuch nicht eher im Sinne der Gedankenexperimente Jean Buridans[7] und Nicole Oresmes[8] zur Erdbewegung unternommen hat, also weniger aus einem echten Reformantrieb heraus als vielmehr zur Exemplifizierung der Möglichkeiten des Geistes, bzw. zur Verunsicherung eines allzu sicheren Buchwissens vor dem Hintergrund des Erkenntnisskeptizimus der docta ignorantia.
Interessant sind aber ohnehin weniger die kosmologischen Details, als die Konsequenz, mit der Nikolaus in wenigen Worten die gesamte Welt in Bewegung gesetzt hat. Der eigentliche Grund für diesen radikalen Standpunkt, der die Existenz jeglichen absoluten Punktes im Raum zurückweist, liegt, das wird der Blick auf die Schrift Über die belehrte Unwissenheit zeigen, im theologisch motivierten Vorbehalt des Absoluten an sich als eines göttlichen ‚Attributs’. Die Welt ist (insofern sie der göttlichen Allmacht nachgeordnet ist) von unendlicher und daher mit menschlichem Verstand nie vollständig erfassbarer Komplexität – was dann auch die Existenz eines hervorgehobenen oder gewissermaßen ‚äußeren‘ menschlichen Blickpunkts ausschließt. Diese Stellung ist allein Gott vorbehalten. Das alles wird besonders deutlich, wenn man die mit Correlaria de motu betitelte Passage aus De docta ignorantia betrachtet, wo Nikolaus ausdrücklich sagt, dass das Universum von unendlichem Umfang sein muss und daher keinen Mittelpunkt haben kann, so dass der Glaube der Menschen, dass sich seine vergöttlichte Natur und die damit einhergehende ontische Ausnahmestellung auch in einer kosmologisch-räumlichen Ausnahmestellung wiederspiegeln müsse, reine Illusion ist.[9] In dem kurzen kosmologischen Text, der der Schrift Über die belehrte Unwissenheit nachfolgte, wird sehr deutlich, dass Nikolaus’ Idee vom kosmischen Relationsgefüge, das keine absoluten Raumpunkte kennen kann, etwas völlig anderes ist als das Konzept der Heliozentrik bei Copernicus und seinen Nachfolgern. Der Text im Cod. Cus. 211 geht unübersehbar von einer relativen Zentralstellung der Erde gegenüber den übrigen sichtbaren Himmelskörpern aus. Was mit der Bemerkung der Mittelpunktlosigkeit des Alls gemeint ist, und welche Konsequenzen diese hat, wird vielleicht klarer, wenn man die Begrifflichkeiten genauer untersucht: Nikolaus bezieht sich bei seiner vermeintlichen Zurückweisung der Geozentrik in De docta ignorantia auf das All in seiner Gesamtheit und dabei vor dem Hintergrund seiner Unendlichkeitsmetaphysik einmal mehr auf die Inkommensurabilität des begrenzten menschlichen Geistes mit der unendlichen Vielfalt der Schöpfung.
Demgegenüber sind Copernicus’ Überlegungen zur Heliozentrik vor allem auf das gerichtet, was wir heute als das Sonnensystem bezeichnen, also in jedem Falle auf etwas Endliches. Gerade auf den beobachtbaren Teil des Kosmos hat Nikolaus aber seine Vorstellung von der Exzentrik der Erde nicht aufrechterhalten. Noch 1463, ein Jahr vor seinem Tod, schreibt er in seinem Traktat De venatione sapientiae:
Posuit [Sapientia divina (Einfügung des Autors aus dem Zusammenhang][10]terram inmedio, quam gravem esse et ad centrum mundimoverideterminavit, ut sicsemper in medio subsisteret et neque sursum neque lateraliter declinaret.[11]
Also: ‚in medio‘, im Zentrum steht die Erde und sie bewegt sich, allerdings nicht progressiv, nicht auf einer eigenen Bahn, sondern fest verortet ad centrum, womit Nikolaus aller Wahrscheinlichkeit auch hier auf eine Rotationsbewegung des Erdkörpers hinauswollte – die Anklänge an seinen (sicher früheren) Entwurf zur Kosmologie im Cod. Cus. 211 sind unübersehbar.[12] In De venationesapientiae haben wir in Form der begrifflichen Ausdifferenzierung von universum und mundus eine implizite Unterscheidung des Universums als des unendlichen Raumes, der alles Geschaffene einschließt, von der Sphäre der Planeten und (sichtbaren) Sterne als eines endlichen Teilbereichs ebendieses entgrenzten Raumes. Was für das abstrakte Konzept des unendlichen Raumes gilt – die Mittelpunktlosigkeit – ist nun nicht übertragbar auf die endliche Perspektive eines Teilbereichs des Kosmos. Der Kosmologe Cusanus und der Astronom Copernicus unterscheiden sich also nicht nur deutlich im Grad der mathematischen und empirischen Strenge, mit der sie ihre Modelle vorbringen, sie haben tatsächlich sogar widersprechende Ansichten von der grundlegenden Struktur des Planetensystems. Entsprechend gibt es keinerlei zwingenden Grund anzunehmen, dass Copernicus sich, obwohl er einige der cusanischen Schriften sicher kannte, in irgendeiner Weise auf die cusanischen Entwürfe zur Kosmologie bezogen hätte. Erst sehr viel später sollte der Kusaner im Zusammenhang mit der ‚neuen’ Astronomie ausdrückliche Erwähnung finden: Johannes Kepler nennt ihn, in der Einleitung zu seinem Mysterium cosmographicum von 1596 den göttlichen Cusanus.[13] Der Kontext der Anführung ist aber nicht direkt mit der Astronomie verbunden. Dort, wo Kepler auf Nikolaus verweist, geht es ihm noch ganz allgemein um die Einbindung der platonischen Körper in die Kosmologie, also um weitestgehend geometrico-symbolische Inhalte, was allein schon eher auf Nikolaus’ neuplatonische beeinflusste figurative Symbolismen verweist, als auf seine Beiträge zu Kosmologie und Komputistik. Was Kepler hervorhebt, ist dann auch Nikolaus’ trinitätstheologische Auszeichnung der Kreisfigur, wobei sich zugleich offenbart, dass er zumindest von De docta ignorantia – immerhin zweifellos eines der Hauptwerke des Kusaners – keine allzu guten Kenntnisse hatte.[14] Es ist insgesamt nicht sehr wahrscheinlich, dass auch nur einer der direkten astronomietreibenden Nachfolger des Copernicus mit Nikolaus’ kosmologischen Vorstellungen vertraut war. Zuspruch fanden diese Ideen eher von philosophisch-theologischer Warte, mit der größten Nachwirkung sicherlich bei Giordano Bruno (1548‒1600). Dafür war aber der kleine kosmologische Entwurf, sofern man überhaupt Kenntnis von ihm hatte, sicher von keinerlei Bedeutung, denn Verbindungen zu den ihn einrahmenden großen Schriften zur Seins- und Erkenntnislehre lassen sich nur mit großer Mühe ausmachen. Von einer verhaltenen Freude,dass auf der Grundlage der‚vordem unerhörten‘ Lehre des Hauptwerkes [De docta ignorantia (Einfügung. d. Autors)] eine Deutung für die Art der Bewegung der Fixsternsphäre, Sonne undErdezu gewinnen ist,[15] wie sie Klibansky aus dem kurzen Textstück herausgelesen hat, ist in Wahrheit nichts zu spüren. Im Gegenteil: In einer geradezu aristotelischen Beschränkung auf die astronomischen Phänomene selbst fällt der Text sogar hinter die erkenntniskritischen Ansätze aus der Kalenderreformschrift zurück. Das Prinzip der kosmischen Inkommensurabilität wird hier über die Verneinung absoluter Bewegungsvorgänge, im vorliegenden Fall in der Ablehnung präziser Kreisbahnen der Himmelskörper, zwar angeführt. An keiner Stelle geht Nikolaus aber näher auf die sich doch aufdrängende Frage ein, ob diese ‚Ungenauigkeit‘ der Himmelsbewegung nun ontologisch oder epistemologisch oder, wie er es in De docta ignorantia dargelegt hat, sowohl von einem kontingenten Seinsmangel, gewissermaßen also von einem Naturphänomen, als auch vom notwendig eingeschränkten menschlichen Erkenntnisvermögen her zu begründen ist, insofern nämlich, als, wie ich bereits angemerkt habe, eine strikte Trennung von Epistemologie und Ontologie für Nikolaus vor dem Horizont seiner Konzeption der belehrten Unwissenheit gar nicht mehr uneingeschränkt denkbar ist. Es ist natürlich möglich, in dem Text lediglich eine Vorarbeit zu einer breiter angelegten Abhandlung zu sehen. Wenn dem aber so ist, so muss man sich zugleich fragen, mit welcher der cusanischen Schriften sich die kurze astronomische Studie schlüssig in Verbindung bringen lässt. Von den bekannten Arbeiten nach der Correctio kalendarii kommt hierfür wohl keine in Frage. Die verschollene Schrift Über die Gestalt der Welt (De figura mundi), die auf den ersten Blick wohl am ehesten als Anknüpfungspunkt geeignet scheint, ist nachweislich erst in Orvieto und damit mit großer Sicherheit zwischen 1460 und 1464 entstanden.[16] Damit gehört De figura mundi zum Spätwerk des Kusaners, was, wie Klibansky zu Recht anmerkt, vermuten lässt, dass der Traktat eher der spekulativen Metaphorik der Schriften Über den Beryll (1458) und Über das Globusspiel (1462/63) folgte, und wohl kaum ein genuin kosmologisches bzw. astronomisches Werk darstellt.[17] Dass man dem Text in Cod. Cus. 211, trotz derartiger Unklarheiten bei der quellengeschichtlichen Einordnung (und nicht zuletzt seiner Kürze), beimaß, in consistenter Form das kosmologische Glaubensbekenntnis des Kardinals wiederzuspiegeln,[18] offenbart, dass die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts intensivierende Cusanus-Rezeption zunächst die philosophischen und theologischen Beiträge des Kusaners weitgehend ignorierte und sein vergleichsweise dürftig überliefertes mathematisch-naturwissenschaftliches Denken in den Vordergrund der Betrachtung rückte. Damit deckt sich im Übrigen auch der wichtige Befund Nagels, dass sich die Hauptträgergruppe der ‚Cusanusrenaissance‘ im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert vorwiegend aus dem Bereich der Mathematikgeschichte rekrutierte.[19] Demgegenüber lässt sich aber zugleich auch feststellen, dass die Rolle der Himmelskunde für die Entwicklung der cusanischen Mathematik in der jüngeren Cusanus-Forschung, wenn überhaupt, dann nicht in gebührendem Maße gewürdigt worden ist. Schon bei Pierre Duhem wurden die kosmologischen Ansätze beim jungen Cusanus nur noch als Vorstufen bei der Entwicklung der erkenntniskritischen Koinzidenzlehre in De docta ignorantia bewertet. Für Duhem liegt in den astronomischen Theorien des 14. Jahrhunderts der Keim (la germe) der cusanischen docta ignorantia und des diese Erkenntniskonzeption bedingenden allgemeinen Skeptizismus.[20] Tatsächlich aber ist Nikolaus, wie wir gesehen haben, auch auf dem Feld der Himmelskunde nicht nur Rezipient, sondern auch Ausführender. Bedeutsam ist an dem kosmologischen Textstück in Kues vielmehr vor allem, dass Nikolaus das in der Correctio kalendarii noch vage formulierte Impräzisionsprinzip für die Bewegung der Himmelskörper nicht mehr in den Dienst einer abstrakten, kosmologischen Grundsatzlehre stellt, sondern am konkreten astronomischen Falle, unter Ausblendung expliziter erkenntniskritischer Diskurse verbildlicht. Klibanskys Forderung, man müsse das Textstück aus dem Kueser Codex erst konsequent mit der cusanischen Erkenntnis- und Gotteslehre kontextualisieren, um seine tatsächliche Bedeutung innerhalb des cusanischen Gesamtwerkes ermessen zu können, ist damit letztlich nicht zwingend.[21] Es wäre natürlich ein Leichtes, in die fragmentarischen Ausführungen aus dem Kueser Codex nur das Diktum von der Mittelpunktlosigkeit des sichtbaren Universums und der unbedingten Relationalität der außergöttlichen Welt hineinzulesen. Der Text selbst gibt dafür aber keine konkreten Anhaltspunkte. Allzu leicht würde man so die so vielseitigen Denkansätze des Kusaners auf jene Formel reduzieren, mit der bereits Günther die mathematischen Bemühungen des Kusaners hinreichend beschrieben zu haben glaubte, nämlich, dass für den Kardinaljedwede Erkenntnis in der Koinzidenz gipfelt.[22] Es genügt der Verweis auf die späteren Versuche mit der Waage, um ein Interesse des Kusaners an genuin naturwissenschaftlichen Fragestellungen zu belegen, das die Auseinandersetzung mit physikalischen, chemischen oder biologischen Komplexen nicht ausschließlich zum Vehikel für den Überstieg ins Transzendente deklarierte, sondern auch immer zur Mehrung eines praktischen Fachwissens betrieb.[23] Es reicht deshalb nicht aus, Nikolaus’ Bemühungen um Komputistik und Kosmologie nur in Ausrichtung auf die Erkenntnislehre zu betrachten. Gerade seine Beschäftigung mit dem Quadraturproblem – dem sich Nikolaus auch außerhalb seiner theologischphilosophischen Schriften intensiv widmet – hat seinen Ausgang sicher nicht zuletzt von dort genommen, wo der junge Kleriker mit den Unzulänglichkeiten der Astronomie seiner Zeit in Berührung kam. Es ist zudem ja bezeichnend für Nikolaus’ Schriftwerk, dass Mathematisch-Naturwissenschaftliches mehr oder weniger gleichberechtigt neben Philosophisch-Theologischem steht, ja mehr noch, häufig auch in schriftimmanenter Zusammenführung erscheint. Sicher sind konkrete Fragestellungen aus Mathematik und Naturlehre für Nikolaus zumeist willkommene Metaphern oder Beispielfälle in der Darstellung seiner erkenntniskritischen Grundauffassungen gewesen. Wer aber deshalb annimmt, Mathematik, Arithmetik, Astronomie oder Musik seien – gewissermaßen in Übereinstimmung mit der propädeutischen Funktion, die diese Felder in der klassischen artes-Konzeption einnahmen – bei Nikolaus allein der metaphysischen Spekulation untergeordnet, wird der cusanischen Erkenntnislehre nicht gerecht. Stets zeigt Nikolaus in seinen Referenzen über die Grenzen der Wissenschaftssystematik seiner Zeit Verknüpfungspunkte auf und untermauert damit den eigenen Konkordanzanspruch durch die Verbindung komplementärer Denkbereiche. Oft verstörend wirkt es dabei auf den modernen Betrachter, wenn er, in Nikolaus gerade noch den Vorläufer neuzeitlicher Wissenschaftskonzepte, einen ‚Überwinder der Scholastik’ erblickend, ihm unvermittelt auf den vermeintlich abseitigen Pfaden der Apokalyptik und Astrologie begegnet.
▷ Cod. Cus. 211 enthält auf fol. 1r die Angabe: 1444 Ego Nicolaus de Cusza prepositus monasterii Treverensis dyocesis orator pape Eugenii in dieta nurembergensi, qu[a]eerat ibidem de mense Septembris ob ereccionem antipap[a]e felicis ducis Sabaudi[a]e factam Basile[a]e per paucos sub titulo concilii, in qua dieta erat fridericus romanorum rex cum Electoribus, emi sp[ha]eram solidammagnam, astrolabium et turketum, librum [des Ğābir ibn Aflah (11/12. Jhdt.) (Anm. d. Autors)] super almagesti cum aliis libris 15, pro 38 florenis renensibus. Ausführlich zu den astronomischen Instrumenten im Besitz des Cusanus: Johannes Franz Hartmann: Die astro-nomischen Instrumente des Kardinals Nikolaus Cusanus (= Abhandlungen der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen ‒ Mathematisch Historische Klasse 10, Nr. 6), Berlin 1919. Umfangreiche Einzelbeschreibung der Instrumente findet sich dort auf S. 17‒56, mit daran anschließenden Detailabbildungen auf den Tafeln I‒XII. Emil-Heinz Schmitz hat die Vermutung geäußert, Nikolaus habe diese Instrumente aus dem Nachlaß des Nürnberger Astronomen Nikolaus von Heybech erworben; Emil-Heinz Schmitz: Handbuch zur Geschichte der Optik 1: Von der Antike bis Newton, Bonn 1981, S. 119. Eine Verbindung zwischen Nikolaus und de Heybech lässt sich auch über die Handschrift Cod. Cus. 211, fol. 16r‒26r herstellen. Bei dem Text handelt es sich um einen (in Kues unbetitelten) Text Heybechs zu den Konjunktionen und Oppositionen von Mond und Sonne. Auf diesen Text verweist auch der Sternkatalog in: Paul Kunitzsch: Der Almagest. Die Syntaxis Mathematica desClaudius Ptolemäus in arabisch-lateinischer Überlieferung, Wiesbaden 1974, S. 334.
1444: Ich, Nikolaus von Kues, Propst des Klosters [Münstermaifeld] der Diözese Trier und Gesandter des Papstes Eugen bei dem Nürnberger Reichstag, welcher dort im Monat September wegen der Erhebung des Gegenpapstes Felix, des Herzogs von Savoyen, stattfand – die in Basel von wenigen unter dem Titel eines Konzils durchgeführt worden war –, auf welchem Reichstag Friedrich, der König der Römer, mit den Kurfürsten anwesend war, habe eine große Himmelskugel (feste Sphäre), ein Astrolabium und ein Torquetum sowie das Buch [des Ğābir ibn Aflah] über den Almagest zusammen mit 15 anderen Büchern für 38 rheinische Gulden gekauft.
▷ Bereits Alexander von Humboldt war auf das Dokument aufmerksam geworden, nachdem die Kueser Handschrift 1843 durch Franz Josef Clemens als Beilage zu dessen Abhandlung Giordano Bruno und Nicolaus von Cusa (Bonn 1847, S. 97ff.) ediert worden war: Alexander von Humboldt: Kosmos. Entwurf einer physikalischen Weltbeschreibung, Stuttgart 21889 (= Gesammelte Werke 2), S. 96 und 317. Eine Neuausgabe der Weltbeschreibung unter Berück-sichtigung der späteren Korrekturen und Zusätze seitens des Autors liefert: Alexander von Humboldt: Kosmos. Entwurf einer physikalischen Weltbeschreibung, Ottmar Ette u. Oliver Lubrich (Hgg.), Frankfurt a. Main 2004. Der Wiederentdeckung ist bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine vergleichsweise bescheidene, aber doch immerhin kontinuierliche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem kurzen Traktat gefolgt, die auch mehrere neue Drucklegungen begleiteten. Diese Veröffentlichungen fallen größtenteils in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, aber auch im 20. Jahrhundert wurde die Schrift mehrfach neu aufgelegt, so etwa von Pierre Duhem (Système, S. 313‒315) und Raimund Klibansky (in: Ernst Hofmann: Das Universum des Nikolaus von Kues, Heidelberg 1930 (= CT 1), S. 44f. (versehen mit einer umfangreichen Einleitung von Klibansky, S. 41‒43) [im Folgenden zitiert als ed. Klibansky]. Klibansky hat zugleich eine Übersicht über die Editionsgeschichte des Textes erstellt (Ebd., S. 41f. Anm. 4.).
▷ Cod. Cus. 211, fol. 55v = ed. Klibansky, S. 44, Z. 1ff.: Consideravi, quomodo non est possibile, quod aliquis motus sit precise circularis. Unde nulla stella describit circulum precisum abortu ad ortum.
▷ Der Satz zeigt perfekt, wie revolutionär Nikolaus von Kues (Cusanus) für seine Zeit gedacht hat. Er nimmt hier im Grunde schon Erkenntnisse vorweg, die erst über ein Jahrhundert später durch Johannes Kepler mathematisch bewiesen wurden.
Deutsche Übersetzung:
„Ich habe bedacht, dass es nicht möglich ist, dass irgendeine Bewegung exakt kreisförmig ist. Daher beschreibt kein Stern von seinem Aufgang bis zu seinem [nächsten] Aufgang einen exakten Kreis.“
Das gesamte mittelalterliche Weltbild basierte auf Aristoteles und Ptolemäus. Dieses besagte, dass das Universum im Jenseits der Erde perfekt sei – und weil der Kreis als die perfekte geometrische Form galt, mussten sich alle Himmelskörper auf perfekten Kreisbahnen bewegen.
Cusanus bricht hier radikal mit diesem Dogma:
Keine perfekte Geometrie in der Physik: Er argumentiert philosophisch-mathematisch, dass es in der materiellen Welt niemals eine hundertprozentige Perfektion oder Exaktheit geben kann. Da der Mensch (und die Natur) die absolute Wahrheit/Perfektion nie ganz erreicht (seine berühmte Lehre von der Docta Ignorantia – dem „belehrtem Nichtwissen“), gibt es auch keinen exakten Kreis in den Planetenbahnen.
Vorläufer Keplers: Erst 1609 bewies Johannes Kepler mit seinen Gesetzen, dass sich Planeten tatsächlich nicht auf Kreisen, sondern auf Ellipsen bewegen. Cusanus hat das rein durch philosophische Überlegung bereits 1444 erkannt.
▷ Hartmann hat immerhin die Frage aufgeworfen, ob Nikolaus sein Astrolab auf der Grundlage seiner Abschrift der Alfonsinischen Tafeln möglicherweise selbst angefertigt hat: Hartmann, S. 42ff. Cod. Cus. 211, fol. 1r weist aber eindeutig den K a u f eines Astrolabs aus, und es ist kaum wahrscheinlich, dass Nikolaus noch über ein zweites, heute verlorenes Astrolab verfügte.
▷ So in: Livredu ciel et du monde (= Publications in Medieval Science), frz.-engl, Albert D. Menut u. Alexander J. Denomy (Hgg.), Madison (Milwaukee) u. London 1968, hier: lib. 2, cap. 25, S. 519‒538 (= fol. 137d ‒ 144c nach der zugrundeliegenden Handschrift des 14. Jhdts., Bibl. Nat., franç. 1082, fol. 1a‒209c). Eine tatsächliche Bewegung der Erde hat Oresme dann später aber in seinen Questiones de spera ausgeschlossen (Handschrift Florenz, Bibl. Riccard. 117, fol. 130r). Die entscheidende Passage wird wiedergegeben in: Marshall C. Clagett: The science of mechanics in the Middle Ages, Madison 21961, S. 608f., Anm. 23.
▷ Ob Nikolaus neben der unter anderem von Duns Scotus (1265/66‒1308) und Albert von Sachsen (um 1316‒1390) vertretenen Auffassung einer Erddrehung im Ganzen auch das Konzept einer partiellen Erdbewegung, wie es Adelhard (um 1090‒um 1150) in den Questiones naturales entworfen hatte, kannte, ist ungewiss. Dort heißt es (zitiert nach der kommentierten Ausgabe: Die Quaestiones naturales des Adelardus von Bath (= Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters. Texte und Untersuchungen 312), Martin Müller (Hg), Münster (Westf.) 1934, S. 1‒69, hier: S. 49f.: Movetur enim terraparticulariter quidem, non universaliter || continentis effectum.
▷ Johannes Kepler: Mysterium cosmographicum de stella nova (= Gesammelte Werke 1), Max Caspar (Hg.), München 1938, cap. 2, S. 23, Z. 13‒18: Hac enim una re diuinus mihiCusanus, alijque videntur: quod Recti, Curuique ad inuicem habitudinem tanti fecerunt, et Curuum Deo, Rectum creaturis ausi sint comparare: ut haud multo vtiliorem operam praestiterint, qui Creatorem creaturis, Deum homini, iudicia diuina humanis: quam qui curuum recto, circulum quadrato aequiparare conati sunt.Übersetzung:
„In dieser einen Sache nämlich scheinen mir der göttliche Cusanus und andere [etwas Großes geleistet zu haben]: dass sie das Verhältnis von Gerade und Krumm zueinander so hoch eingeschätzt und es gewagt haben, das Krumme mit Gott, das Gerade aber mit den Geschöpfen zu vergleichen; sodass jene eine kaum viel nützlichere Arbeit geleistet haben, die den Schöpfer mit den Geschöpfen, Gott mit dem Menschen, die göttlichen Urteile mit den menschlichen gleichzusetzen versuchten, als jene, die versuchten, das Krumme dem Geraden, den Kreis dem Quadrat anzugleichen.“
▷ Kepler schreibt, im Anschluss an die in Anm. 166 zitierte Stelle: Cumque vel in hoc solo satisconstitisset penes Deum quantitatum aptitudo, et curui [curvi] nobilitas: accessit tamen et alterum longe maius: Dei trinuni imago in Sphaerica superficie, Patris scilicet in centro, Filij [filii] in superficie, Spiritus in aequalitate σχέσεως inter punctum et ambitum. NamquaeCusanus circulo, alij [alii] forte globo tribuerunt. . . Die trinitarische Auslegung der (unendlichen) Kugelfigur, die im Mittelalter unter anderen durch Alanus ab Insulis (Regulae de sacra theologia, in: PL Migne 210, Paris 1853, S. 621‒684, hier vor allem: S. 627 sowie der Sermo de sphaera intelligibili, in: Alain de Lille. Textes inédits (= Études de philosophie médiévale 52), Marie-Thérèse D’Alverny (Hg.), Paris 1965, S. 297‒306), Meister Eckhardt (siehe u.a.: Expositio libri Exodi. Sermones et lectiones superecclesiastici cap. 24. Expositio libri sapientiae, Konrad Weiß (Hg.), Stuttgart 1954 (= Meister Eckhardt. Die lateinischen Werke 2), n 20, S. 248) und der anonyme Liber XXIV philosophorum (ediert in: Clemens Baeumker: Das pseudo-hermetische Buch der vierundzwanzigMeister (Liber XXIV philosophorum). Ein Beitrag zur Geschichte des Neupythagoreismus und Neuplatonismus im Mittelalter; in: Ders.: Studien und Charakteristiken zur Geschichteder Philosophie, insbesondere des Mittelalters. Gesammelte Aufsätze und Vorträge (= Beiträge zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters 251‒2), Münster 1927, S. 194‒214, hier insbesondere: S. 208) propagiert wurde, hat demgegenüber auch in die Schrift Über die belehrte Unwissenheit Eingang gefunden, steht also keineswegs der cusanischen Kreismetaphorik entgegen. Sie ist für Nikolaus allerdings nur ein Anschauungsbeispiel unter vielen für die Koinzidenzlehre (Doct. ign., h 1, lib. 1, cap. 12, n. 34, Z. 5‒12): Alii peritissimi Trinitati superbenedictae triangulum trium aequalium et rectorum angulorum compararunt; et quoniam talis triangulus necessario est ex infinitibus lateribus, ut ostendetur, dici poterit triangulus infinitus; et hos etiam sequemur. Alii, qui unitatem infinitam figurare nisi sunt, Deum circulum dixerunt infinitum. Illi vero, qui actualissimam Dei existentiam considerarunt, Deum quasi sphaeram infinitam affirmarunt. Nos autem istos omnes simul de maximo´ recte concepisse et unam omnium sententiam ostendemus. Es ist natürlich prinzipiell denkbar, dass Kepler diese Stelle bei Cusanus kannte, aber die an späterer Stelle aus der Symbolik der unendlichen Kugel gewonnenen Aussagen zur Unendlichkeit des Raumes zurückweisen musste. Diesen Zusammenhang zwischen sphaera infinita und universum infinitum impliziert Nikolaus unter anderem an der Stelle Doct. ign., h 1, lib. 1, cap. 23, n. 72, Z. 6‒10 durch den indirekten Verweis auf das Koinzidenzprinzip: Videmus nunc clare,cum maximum sit ut sphaera maxima, quomodo totius universi et omnium in universo existentium est unica simplicissima mensura adaequatissima, quoniam in ipso non estmaius totum quam pars, sicut non est maior sphaera quam linea infinita. Ausführlich zur Geschichte der Kugelsymbolik in mittelalterlicher Theologie und Kosmologie: Dietrich Mahnke: Unendliche Sphäre und Allmittelpunkt. Beiträge zur Genealogie der mathematischen Mystik, Halle 1937 (unv. Nachdr.: Stuttgart 1966).
▷ In De venatione sapientiae von 1462/63 findet sich der einzige bis heute bekannte Hinweis auf die verlorene Schrift. Dort (Ven. sap., h 12, cap. 22, n 67, S. 65, Z. 17) heißt es: [...] in libello, quem de figura mundi nuperrime in Urbe Veteri compilavi. Auch Faber Stapulensis, der Herausgeber der Pariser Druckausgabe, verweist im Vorwort seiner Edition auf sein vergebliches Bemühen, der Schrift habhaft zu werden.
▷ Siegmund Günther, Studien zur Geschichte der mathematischen und physikalischen Geographie, Halle 1879, S. 29, zit. n.: Einleitung zu ed. Klibansky, S. 42.
▷ Nagel, S. 166‒172. Bedeutsam sind in diesem Zusammenhang vor allem die folgenden Abhandlungen, die sich alle mehr oder minder ausführlich den fachmathematischen Beiträgen des Kusaners widmen: Abraham Gotthelf Kästner: Geschichte der Mathematik. Seit der Wiederherstellung der Wissenschaften bis an das Ende des achtzehnten Jahrhunderts, Bd. 1 Göttingen 1796 [repr. Nachdr.: Hildesheim 1970], S. 40f.; Georg Simon Klügel: Mathematisches Wörterbuch (oder Erklärung der Begriffe, Lehrsätze, Aufgaben und Methoden der Mathematik mit den nöthigen Beweisen und litterarischen Nachrichten begleitet inalphabetischer Ordnung), Bd. 4, Leipzig 1823, S. 77‒81; Michel Chasles: Geschichte derGeometrie(hauptsächlich mit Bezug auf die neueren Methoden), Brüssel 1837 [unveränd. Nachdr.: Vaduz/Liechtenstein 1988], S. 622f., Paul Schanz: Der Cardinal Nicolaus von Cusaals Mathematiker; Rottweil 1872 [unv. Nachdr.: Wiesbaden 1976].
▷ Pierre Duhem: Nicholas de Cues; in: Histoire des doctrines cosmologiques de Platon à Copernic (= Le système du monde 10), Paris 1950, S. 247‒347, hier: S. 312.
↑„Ich stelle mir nämlich vor, ich befinde mich in der Mitte der Welt unter dem Äquator. Die Erde sei [a,b,c,d]; und ziehe die Erdbögen [a,c] und [b,d] und setze [e] in den Schnittpunkt. Ich sage, dass sich die Erde über den in der Erde fixierten Polen [a,c] bewegt, und ebenso über den Polen [e] und dem ihm gegenüberliegenden [Pol], und zwar gleichzeitig und auf einmal.
Denn über [a,c] bewegt sie sich von Osten nach Westen, und über [e] und seinem Gegenpol bewegt sie sich am Horizont von Westen nach Osten; und zwar so, dass, wenn [a] bei [b] ankommt, dann [e] bei [d]ankommt, und so folgerichtig weiter.
Die achte Sphäre [die Fixsternsphäre] bewegt sich auf dieselbe Weise, aber über ihren Polen [a,c] doppelt so schnell wie über [e] und dem Gegenpol.“