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„Gesetz“ – Versionsunterschied

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[[ge-]][[setz]] {{ahdt.-dt.}} n. eigtl. Gesetzniß; ‘das Festgesetzte’.;  ‘Rechtsvorschrift, Richtschnur’.
[[ge-]][[setz]] [[Sprachstufe::ahd.-deu.]] n. eigtl. [[Gesetzniß]]; ‘das [[Festgesetzte]]’.;  ‘[[Rechtsvorschrift]], [[Richtschnur]]’.


* ahdt. gisezzida „[[Einrichtung]], [[Regelung]], [[Anordnung]], [[Verordnung]]“,  
* ahdt. gisezzida „[[Einrichtung]], [[Regelung]], [[Anordnung]], [[Verordnung]]“,
** ahdt. gisezzidī „Einrichtung, Regelung, [[Zusammensetzung]], [[Struktur]]“), deutsch „Gesetz“.
** ahdt. gisezzidī „Einrichtung, Regelung, [[Zusammensetzung]], [[Struktur]]“), deutsch „Gesetz“.
* Das nur dem Dt.  
* Das nur dem Dt.
** (und aengl. ''ġesetnes'' 'Gesetzniß', von früher ''ġesetednes'', gleichbedeutend mit ''ġeseted'')
** (und aengl. ''ġesetnes'' 'Gesetzniß', von früher ''ġesetednes'', gleichbedeutend mit ''ġeseted'')
** eigene Wort mhd. ''gesetze'', frühnhd. auch ''gesatz'' (15./16. Jh.)  
** eigene Wort mhd. ''gesetze'', frühnhd. auch ''gesatz'' (15./16. Jh.)
** ist Verbalabstraktum zu mhd. ''setzen'' ‘bestimmen, festsetzen, einrichten’ (s. ''[[setzen]]'')  
** ist Verbalabstraktum zu mhd. ''setzen'' ‘bestimmen, festsetzen, einrichten’ (s. ''[[setzen]]'')
** oder Kollektivbildung zu dem unter ''[[Satz]]'' behandelten Hptw. und bedeutet eigentlich ‘das Festgesetzte (das zusammen sitzend Gemachte)’.
** oder Kollektivbildung zu dem unter ''[[Satz]]'' behandelten Hptw. und bedeutet eigentlich ‘das Festgesetzte (das zusammen sitzend Gemachte)’.
* Es verdrängt  
* Es verdrängt
** ahd. ''gisezzida'' (8. Jh.),  
** ahd. ''gisezzida'' (8. Jh.),
** mhd. ''gesetzede''  
** mhd. ''gesetzede''
* sowie die alte wger. Bezeichnung für ‘Gesetz, Recht’ (s. ''[[Ehe]]'').
* sowie die alte wger. Bezeichnung für ‘Gesetz, Recht’ (s. ''[[Ehe]]'').
** ahd. ēwa, ēwī f. (8. Jh.) (s. ''[[ewig]]''),
** ahd. ēwa, ēwī f. (8. Jh.) (s. ''[[ewig]]''),
* Vgl. ''[[ungeschriebenes Gesetz]]'' ‘durch Herkommen entstandene Regel, Gewohnheit’ (18. Jh.),  
* Vgl. ''[[ungeschriebenes Gesetz]]'' ‘durch Herkommen entstandene Regel, Gewohnheit’ (18. Jh.),
** nach griech. ''[[ágraphos]] [[nómos]]'' (''[[ἄγραφος]] νόμος'') ‘nicht aufgeschriebenes, natürliches Gesetz’.
** nach griech. ''[[ágraphos]] [[nómos]]'' (''[[ἄγραφος]] νόμος'') ‘nicht aufgeschriebenes, natürliches Gesetz’.
= Gesetz =
Unter '''Gesetz''' versteht man
*[[inhaltlich (Recht materiell)|inhaltlich]] ''([[materiell]])'' jede [[Rechtsnorm]], welche menschliches [[Sozialverhalten|Verhalten]] regelt.
*[[Form (Recht)|förmlich]] ''([[formell]])'' jeden [[Wille#In der Rechtswissenschaft|Willensakt]], welcher im [[Gesetzgebungsverfahren]] zustande gekommen ist.
Der '''Gesetzestext''' ist der konkrete [[Gesetzeswortlaut|Wortlaut eines Gesetzes]]. Das durch Gesetz geschaffene Recht heißt [[Gesetzesrecht]].
== Begriff ==
Der Wortherkunft gemäß bezeichnet der Ausdruck ''Gesetz'' etwas Gesetztes, etwas Festgelegtes. Ein Gesetz ist also im eigentlichen Sinn des Wortes eine [[Festsetzung|Festlegung]] von [[Regeln]]. Daher bezeichnet man insbesondere den Vorgang der [[Gesetzgebung]], der aus der entsprechenden der [[Legislative]] zugewiesenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzgebung#Gesetzgebungskompetenz Gesetzgebungskompetenz] folgt, auch als ''[[Rechtsetzung]]'' – im Gegensatz zur [[Rechtsprechung]] als der Entscheidung von [[Rechtsstreitigkeiten]] durch die Gerichte ([[Judikative]]) und dem Gesetzesvollzug durch die Verwaltungsbehörden ([https://de.wikipedia.org/wiki/Exekutive Exekutive]). Laut [https://de.wikipedia.org/wiki/Duden Duden] ist das Gesetz „eine vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Staat Staat] festgesetzte, rechtlich bindende Vorschrift“.<ref><span class="reference-text">''Duden, Deutsches Universalwörterbuch.'' 6. Auflage, 2006.</span></ref> Von dem Verb ''setzen'' leitet sich zudem der Begriff des [[positives Recht|positiven Rechts]] ab.
== Allgemeines ==
Die [[juristische Fachsprache]] unterscheidet zwischen dem ''[[Gesetz im materiellen Sinn|Gesetz im materiellen Sinne]]'' und dem ''[[Gesetz im formellen Sinne]]''. Der Gesetzesbegriff ist immer mit der politischen Struktur der jeweiligen Gemeinschaft verbunden, für welche das Gesetz gilt.<ref><span class="reference-text">Gregor Kirchhof: [http://books.google.de/books?id=jGOVod5PztkC&pg=PA67&dq=rechtstradition&hl=de&sa=X&ei=-e1nU6aXMeeJywOk4oH4Ag&ved=0CF8Q6AEwCDgK#v=onepage&q=rechtstradition&f=false ''Die Allgemeinheit des Gesetzes.''] 2009, S. 67.</span></ref> Auch Gesetze selbst benutzen das Wort ''Gesetz'', ohne es zu präzisieren. So ist in <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_2.html Art. 2]</span> Abs.&nbsp;2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland GG] ein ''förmliches Gesetz'', in <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html Art. 3]</span> Abs.&nbsp;1 GG jedoch ein ''materielles Gesetz'' gemeint. Der Blick in ein bestimmtes Gesetz erfordert genaue Kenntnis der verfassungsrechtlichen Gesetzgebungskompetenzen (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_70.html Art. 70]</span>&nbsp;ff., <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_105.html Art. 105]</span> GG), woraus sich ergibt, ob eine bestimmte Regelungsmaterie durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesrecht_(Deutschland) Bundes-] oder/und [https://de.wikipedia.org/wiki/Landesrecht Landesrecht] angeordnet werden kann. Das gilt meist auch international bei dezentral organisierten Staaten. Da die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gericht Gerichte] bei der Kontrolle der [https://de.wikipedia.org/wiki/Exekutive Exekutive] an das Gesetz gebunden sind (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20.html Art. 20]</span>Abs.&nbsp;3 GG), dürfen sie ihren Entscheidungen nur materielles Recht (Verfassungsrecht, förmliche Gesetze, Rechtsverordnungen, autonome Satzungen und auch Gewohnheitsrecht) zugrunde legen.<ref><span class="reference-text">BVerfG, Urteil vom 31. Mai 1988, Az.: 1 BvR 520/83, Rdn. 37.</span></ref>
== Geschichte ==
<span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [[Rechtsgeschichte]]''
Als älteste überlieferte [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_historischer_Rechtsquellen&action=edit&redlink=1 Rechtssammlung] gilt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Ur-Nammu Codex Ur-Nammu], der auf etwa 2100 v.&nbsp;Chr. datiert wird. Einer römischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Legende Legende] nach seien um 450 v.&nbsp;Chr. in Rom die [https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lftafelgesetz Zwölftafelgesetze] geschaffen worden, die laut Gregor Kirchhof die erste auf allgemeine Regelungen ausgerichtete Kodifikation gewesen seien, sie sind nicht überliefert oder erhalten.<ref><span class="reference-text">Gregor Kirchhof: ''Die Allgemeinheit des Gesetzes.'' 2009, S. 70.</span></ref> Das [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Recht römische Recht] war in der ausgehenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Sp%C3%A4tantike Spätantike] (533/534 n.&nbsp;Chr.) im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Corpus_iuris_civilis Corpus Iuris Civilis]'' aufgezeichnet worden. Der Begriff des Gesetzes wurde in der Antike von [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] geprägt (''Nomoi'' als [https://de.wikipedia.org/wiki/Tugend Tugend]), für Aristoteles war die Allgemeinheit das Wesensmerkmal eines Gesetzes. Nach weitgehend unbestrittener Ansicht kam es in vielen griechischen Gemeinwesen des Mutterlandes, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kleinasien Kleinasiens], [https://de.wikipedia.org/wiki/Sizilien Siziliens] und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Magna_Graecia Magna Graecia] im 6. Jahrhundert zu einer Feststellung des Rechtes durch schriftliche Fixierung der Gesetze, die öffentlich gemacht und dadurch allgemein zugänglich wurden.<ref><span class="reference-text">Karl-Joachim Hölkeskamp: [http://books.google.de/books?id=VoFh3xcsOsMC&pg=PA280&dq=fr%C3%BChe+gesetze&hl=de&sa=X&ei=2-BnU-fkKcWPyQPB24GoDA&ved=0CEkQ6AEwBA#v=onepage&q=fr%C3%BChe%20gesetze&f=false ''Schiedsrichter, Gesetzgeber und Gesetzgebung im archaischen Griechenland.''] 1999, S. 11.</span></ref>
== Unterscheidung Gesetz und Recht ==
{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=Unterscheidung Gesetz und Recht}}
== Gesetze im materiellen und im formellen Sinn ==
{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=Gesetze im materiellen und im formellen Sinn}}
== Gesetzgebung ==
<span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzgebung Gesetzgebung]''
Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzgebung Gesetzgebungsverfahren] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratie Demokratien] unterscheiden sich nur gering. Meist wird in den zuständigen Parlamenten oder Abgeordnetenhäusern ein Gesetzesantrag eingebracht ''(Gesetzesinitiative)'', welcher von parteiübergreifenden Fachgremien ausgearbeitet und anschließend zur Abstimmung vorgelegt wird. Damit ein Gesetz rechtswirksam ist, muss ein festgelegter Verfahrensweg eingehalten werden.
Die Gesetzgebung ist der Legislative vorbehalten. Sie kann die Exekutive ermächtigen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Untergesetzliche_Normsetzung untergesetzliche Normen] – Rechtsverordnungen und Satzungen – zu erlassen. Je nach Ausformung der Demokratie sind plebiszitäre Elemente („[https://de.wikipedia.org/wiki/Volksgesetzgebung Volksgesetzgebung]“) denkbar.
== Systematik und Inhalt eines Gesetzes ==
International und in Deutschland hat sich der Gesetzgeber für eine numerisch gegliederte Einteilung eines Gesetzes entschieden, die mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Paragraph Paragrafen] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_(Recht) Artikeln] bezeichnet wird. In dieser Form werden dann gesetzliche Bestimmungen im Einzelnen [https://de.wikipedia.org/wiki/Zitat zitiert] (z. B. <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__266.html § 266]</span> BGB). Dabei beginnen die meisten Gesetze häufig mit der Abgrenzung ihres [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgebiet Geltungsbereichs], der durch eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Legaldefinition Legaldefinition] der verwendeten Begriffe näher beschrieben werden kann. Weitere Untergliederungen in detaillierte Sachgebiete können [https://de.wikipedia.org/wiki/Absatz_(Text) Abschnitte], [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberschrift Titel] und Untertitel sein. Gesetze bedienen sich einer Gesetzessprache, die oft nicht mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Umgangssprache Umgangssprache] übereinstimmt. Nach §&nbsp;42 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsame_Gesch%C3%A4ftsordnung_der_Bundesministerien GGO] müssen Gesetze sprachlich richtig und möglichst für jedermann verständlich gefasst sein. Wer Rechtsvorschriften formuliert, muss sie sprachlich so genau fassen, wie es nach der Eigenart der zu ordnenden Lebenssachverhalte mit Rücksicht auf den Normzweck möglich ist. Die Betroffenen sollen auf Grund der gesetzlichen Regelung in der Lage sein, den rechtlichen Rahmen ohne juristische Beratung zu erkennen und ihr Verhalten entsprechend auszurichten. Aber auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Jurist Juristen] müssen häufig im Wege der [https://de.wikipedia.org/wiki/Auslegung_(Recht) Auslegung] den Gesetzesinhalt klären, auch dann, wenn der Gesetzgeber bewusste oder unbewusste [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesl%C3%BCcke Gesetzeslücken] hinterlassen hat. Der systematische Aufbau eines Gesetzes beinhaltet Normen, die durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Verbot Verbote], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebot_(Rechtswissenschaft) Gebote] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Muss-,_Soll-_und_Kann-Vorschrift#Kann-Bestimmung Kann-Bestimmungen] kodifiziert werden. Gesetze befassen sich zunächst mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestand Tatbestand], an den die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfolge Rechtsfolge] anknüpft.
Auch heute noch ist die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ver%C3%B6ffentlichung Veröffentlichung] eines Gesetzes in offiziellen [https://de.wikipedia.org/wiki/Publikation Publikationen] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgesetzblatt_(Deutschland) Bundesgesetzblatt], [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesblatt Bundesblatt] etc.) die Rechtsgrundlage für die deklaratorische [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirksamkeit_(Recht) Rechtswirksamkeit] eines Gesetzes, während die konstitutive Rechtswirksamkeit mit seinem [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzeskraft Inkrafttreten] beginnt. Die Regelung des Inkrafttretens gehört zu den Schlussbestimmungen eines Gesetzes. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgrundsatz Rechtsgrundsatz] [https://de.wikipedia.org/wiki/Nulla_poena_sine_lege Nulla poena sine lege] („Keine Strafe ohne Gesetz“) verbietet die [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckwirkungsverbot Rückwirkung] von Strafvorschriften, so dass solche nur vom Tag des Inkrafttretens an für die Zukunft gelten können.
== Rangfolge (Normenhierarchie) ==
<span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Normenhierarchie Normenhierarchie]''<div class="hauptartikel" role="navigation">Zwischen verschiedenen (materiellen) Gesetzen besteht eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Rangordnung Rangfolge] in der Weise, dass das jeweils untergeordnete Gesetz den inhaltlichen Vorgaben des übergeordneten Gesetzes, auf dem es beruht, entsprechen muss (sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsquelle#Kollisionen Normenhierarchie]). Im innerstaatlichen Recht steht die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung Verfassung] an der Spitze; in ihr die Normen, die mit der sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewigkeitsklausel Ewigkeitsgarantie] ausgestattet sind. Unter der Verfassung stehen die formellen Gesetze (so genannte ''einfache Gesetze''), hierunter die Verordnungen und Satzungen. Recht, das den übergeordneten Normen nicht entspricht, ist üblicherweise nichtig (zur Ausnahme in der Schweiz bezüglich [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgesetz_(Schweiz) Bundesgesetzen] siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungsgerichtsbarkeit#Schweiz im Artikel Verfassungsgerichtsbarkeit unter Schweiz]). In Deutschland kann bei nachkonstitutionellen Gesetzen im formellen Sinne die [https://de.wikipedia.org/wiki/Unwirksamkeit#Nichtigkeit_von_Gesetzen Nichtigkeit] nur vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesverfassungsgericht Bundesverfassungsgericht]bzw. dem zuständigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungsgerichtsbarkeit Landesverfassungsgericht] ausgesprochen werden (Verwerfungsmonopol).
== Zahl der Gesetze ==
In der Bundesrepublik Deutschland gab es im Jahr 2022 insgesamt 1.773&nbsp;Bundesgesetze mit 50.738&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Paragraph Paragraphen] und 2.795&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung Bundesrechtsverordnungen] mit 42.590&nbsp;Paragraphen.<ref><span class="reference-text"><span class="cite">Bundesministerium der Justiz: [https://dserver.bundestag.de/btd/20/007/2000721.pdf ''Bundestagsdrucksache 20/721.''] (PDF) Deutscher Bundestag, 15.&nbsp;Februar 2022, S. 2.</span></span></ref> Hinzu kommen die Gesetze und Rechtsverordnungen der sechzehn [https://de.wikipedia.org/wiki/Land_(Deutschland) Länder].
31,5&nbsp;% aller deutschen Gesetze beruhen der Bundestagsverwaltung zufolge auf Vorgaben der Europäischen Union. Dabei ist die Verteilung innerhalb der Ressorts jedoch sehr unterschiedlich. Während im Innenministerium 23&nbsp;% aller Gesetze durch die EU veranlasst waren, kam das Wirtschaftsressort auf 38&nbsp;%.<ref><span class="reference-text">[http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/neue-statistik-eu-macht-weniger-gesetze-als-angenommen-1858607.html ''EU macht weniger Gesetze als angenommen.''] Frankfurter Allgemeine, 3. September 2009.</span></ref>
Auf Ebene der [https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Union Europäischen Union] (EU) bestanden im Jahr 2011 etwa 32.000 Rechtsakte. Davon waren insgesamt 1.844&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_(EU) Richtlinien] oder Rahmengesetze sowie 8.471&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_(EU) Verordnungen].<ref><span class="reference-text">Matthias Klein: [https://www.bpb.de/dialog/europawahlblog-2014/182740/regelt-die-eu-zu-viel ''Regelt die EU zu viel?''] Bundeszentrale für politische Bildung, 8. Mai 2014, abgerufen am 20. Oktober 2016.</span></ref>
== Gesetze in den Wissenschaften außerhalb der Rechtswissenschaft ==
Gesetze im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswesen Rechtswesen] gelten meist lediglich in einem bestimmten nationalen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgebiet_(Geltungsbereich) Rechtsgebiet], ausnahmsweise gibt es auch supranationales Recht wie das [https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Kaufrecht UN-Kaufrecht] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/EU-Recht EU-Recht]. Außerhalb der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswissenschaft Rechtswissenschaft] (hier gibt es formale Gesetze) spricht man in den übrigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft Wissenschaften] von einem Gesetz, wenn aus einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie Theorie] orts-, zeit- und kulturunabhängige allgemeingültige [https://de.wikipedia.org/wiki/Aussage_(Logik) Aussagen] abgeleitet werden, die weltweit dauerhaft gelten. Gesetze sind in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft Naturwissenschaft] ausnahmslos geltende Regeln für den Ablauf des Geschehens,<ref><span class="reference-text">Max Apel, Peter Ludz: ''Philosophisches Wörterbuch.'' 1958, S. 110.</span></ref> sie gelten daher weltweit. Hierzu gehören etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalisches_Gesetz physikalische Gesetze] wie das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gau%C3%9Fsches_Gesetz Gaußsches Gesetz], das [https://de.wikipedia.org/wiki/Faradaysche_Gesetze Faradaysche Gesetze] oder das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ohmsches_Gesetz ohmsche Gesetz](Naturwissenschaften), die jeweils aus einer Theorie abgeleitet wurden. Die reine Form von Gesetzen stellen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturgesetz Naturgesetze]dar.<ref><span class="reference-text">James Drever, Werner D. Fröhlich: ''dtv Wörterbuch zur Psychologie.'' 1970, S. 114 f.</span></ref> Doch auch allgemein anerkannte Naturgesetze wie die [https://de.wikipedia.org/wiki/Keplersche_Gesetze Keplerschen Gesetze] gelten nicht uneingeschränkt, weil komplizierende Einflüsse auch Störungen dieser Gesetze der [https://de.wikipedia.org/wiki/Planetenbewegung Planetenbewegung] mit sich bringen.<ref><span class="reference-text">Erich Becher: [https://books.google.de/books?id=nAdCDwAAQBAJ&pg=PA178&dq=gesetz+geisteswissenschaften&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiNhLT8jZjjAhUEGuwKHSltCyMQ6AEIMDAB#v=onepage&q=gesetz%20geisteswissenschaften&f=false ''Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften.''] 1921, S. 182.</span></ref>In den [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswissenschaft Wirtschaftswissenschaften] ist Gesetz die Bezeichnung für solche Feststellungen über Zusammenhänge, die durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirische_Evidenz empirische Evidenz] als gesichert angenommen werden können. Sie beruhen auf unvollständiger [https://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_(Philosophie) Induktion] oder auf (vorzeitiger) [https://de.wikipedia.org/wiki/Elementarsatz Generalisierung], so dass ihnen eher die Bezeichnung „vorläufige Annahme“ oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Hypothese Hypothese] zukommen würde. Aussagen über Gesetzmäßigkeiten sind wesentlicher Bestandteil von Theorien.<ref><span class="reference-text">Alfred Kuß: [https://books.google.de/books?id=3pcuBAAAQBAJ&pg=PA85&dq=Gesetzm%C3%A4%C3%9Figkeiten+gesetze&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiT3J20wJjjAhWJLVAKHWIuDXYQ6AEIUzAH#v=onepage&q=Gesetzm%C3%A4%C3%9Figkeiten%20gesetze&f=false ''Marketing-Theorie: Eine Einführung.''] 2013, S. 85 f.</span></ref> Gesetze sind (zumindest kurzfristig) unveränderliche Zusammenhänge zwischen bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnissen] nach dem Muster „immer wenn&nbsp;x, dann&nbsp;y“.<ref><span class="reference-text">Bernd Schauenberg: ''Gegenstand und Methoden der Betriebswirtschaftslehre.'' In: Michael Bitz u.&nbsp;a. (Hrsg.): ''Vahlens Kompendium der Betriebswirtschaftslehre'', Band 1. 1998, S. 49.</span></ref> Gesetzmäßigkeiten sind beobachtete Regelmäßigkeiten, die begründet wurden und in einen Theoriezusammenhang eingeordnet werden können.<ref><span class="reference-text">Alfred Kuß: ''Marketing-Theorie: Eine Einführung.'' 2013, S. 85.</span></ref> Zu den wirtschaftswissenschaftlichen Gesetzen gehören unter anderem das [https://de.wikipedia.org/wiki/Bev%C3%B6lkerungsgesetz Bevölkerungsgesetz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ertragsgesetz Bodenertragsgesetz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_der_Massenproduktion Gesetz der Massenproduktion], [https://de.wikipedia.org/wiki/Greshamsches_Gesetz Greshamsches Gesetz] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Wagnersches_Gesetz Wagnersches Gesetz]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_von_Mises Ludwig von Mises] zufolge strebe die [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkswirtschaftslehre Nationalökonomie] „nach allgemeingültigen Gesetzen des menschlichen Handelns“, also „nach Gesetzen, die Geltung beanspruchen ohne Rücksicht auf Ort, Zeit, Rasse, Volkstum oder Klasse der Handelnden“.<ref><span class="reference-text">Ludwig von Mises: ''Grundprobleme der Nationalökonomie.'' 1933, Vorwort, S.&nbsp;X.</span></ref> Gesetz ist, was keine Ausnahmen zulässt, „Regel“ ist, was Ausnahmefälle zu denken erlaubt.<ref><span class="reference-text">Franz Joachim Clauss: ''Synthetische Wissenschaftstheorie: Versuch einer Synthese der falsifikationslogischen, der wahrscheinlichkeitslogischen und der tranzendentallogischen Denkform.'' 1980, S. 225.</span></ref>
[https://de.wikipedia.org/wiki/Denkgesetze Denkgesetze] sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik logische Regeln], [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundsatz Gesetzmäßigkeiten] oder Grundsätze; sie wurden als Naturgesetze des [https://de.wikipedia.org/wiki/Denken Denkens] betrachtet. [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsprechung Rechtsprechung] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Fachliteratur Fachliteratur] gehen davon aus, dass Verletzungen von Denkgesetzen bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidungsgr%C3%BCnde Urteilsbegründung] geeignet sind, das [https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Recht) Gerichtsurteil] anfechtbar zu machen.<ref><span class="reference-text">Ulrich Klug: [https://books.google.de/books?id=hgt9BwAAQBAJ&pg=PA141&dq=Denkgesetze&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjh9bOvid_jAhVH16QKHeeFDkU4ChDoAQhCMAU#v=onepage&q=Denkgesetze&f=false ''Juristische Logik.''] 1966, S. 141.</span></ref>
== International ==
In anderen Ländern mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsstaat rechtsstaatlicher] [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung Verfassung] erfüllen Gesetze ([https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache englisch] act/statute/law, [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Sprache französisch] loi, [https://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Sprache italienisch] legge, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neugriechische_Sprache griechisch] <span lang="el-Grek" class="Grek">νόμος</span> <span lang="el-Latn" class="Latn">nómos</span>) materiell und formell dieselben Voraussetzungen. Sie beruhen allerdings auf unterschiedlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtskreis Rechtskreisen]. Zum deutschen Rechtskreis gehören [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich Österreich], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Schweiz Schweiz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein Liechtenstein], [https://de.wikipedia.org/wiki/Luxemburg Luxemburg]sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechenland Griechenland]. Das französische Recht basiert auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Code_civil Code civil], das angelsächsische (insbesondere Großbritannien und die USA) auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Common_Law Common Law], das islamische fußt auf der [https://de.wikipedia.org/wiki/Scharia Scharia], einer rein religiös begründeten Gesetzgebung. Wo unterschiedliche Rechtskreise und Gesetzesnormen bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Auslandsber%C3%BChrung Auslandsberührung] kollidieren, kommt das [https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Privatrecht Internationale Privatrecht]zum Einsatz.
== Lit. ==
*Florian Schmidt-Gabain: <cite>Die Seelen der Gesetze. Eine Untersuchung über Zweckbestimmungen in den Gesetzen der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs vom 18. Jahrhundert bis heute</cite>. Nomos, Baden-Baden 2014, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783848706358 ISBN 978-3-8487-0635-8].
*Pio Caroni: <cite>Gesetz und Gesetzbuch. Beiträge zu einer Kodifikationsgeschichte</cite>. Helbing & Lichtenhahn, Basel/Genf/München 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783719021535 ISBN 978-3-7190-2153-5].
== Webl. ==
'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Gesetz Wikiquote: Gesetz]'''&nbsp;– Zitate
'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Gesetz Wiktionary: Gesetz]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
</div>
*[https://www.gesetze-im-internet.de/ https://www.gesetze-im-internet.de/] nahezu das komplette aktuelle deutsche Bundesrecht, Herausgeber: [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesministerium_der_Justiz_und_f%C3%BCr_Verbraucherschutz Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz] in Zusammenarbeit mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Juris juris]
*[http://www.buzer.de/ http://www.buzer.de/] nahezu das komplette aktuelle deutsche Bundesrecht, alle Änderungsvorschriften seit 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Synopse Synopsen] zu jeder Änderung, vollständig verlinkt, Herausgeber: buzer.de
*[http://www.dejure.org/ http://www.dejure.org/] sämtliche Gesetze des deutschen Bundesrechts und sämtliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidung_(Gericht) gerichtliche Entscheidungen], Herausgeber: [https://de.wikipedia.org/wiki/Dejure.org dejure.org]
*[https://www.ris.bka.gv.at/ https://www.ris.bka.gv.at/] [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsinformationssystem_des_Bundes Rechtsinformationssystem] von Österreich
*[https://www.fedlex.admin.ch/ https://www.fedlex.admin.ch] Zugriff auf das Schweizer Bundesrecht
*[https://eur-lex.europa.eu/ https://eur-lex.europa.eu/] Zugriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/EUR-Lex EUR-Lex] und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Amtsblatt_der_Europ%C3%A4ischen_Union Amtsblatt der Europäischen Union], Herausgeber: [https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_f%C3%BCr_Ver%C3%B6ffentlichungen_der_Europ%C3%A4ischen_Union Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union]
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Aktuelle Version vom 8. Dezember 2025, 17:15 Uhr

ge-setz ahd.-deu. n. eigtl. Gesetzniß; ‘das Festgesetzte’.;  ‘Rechtsvorschrift, Richtschnur’.

  • ahdt. gisezzida „Einrichtung, Regelung, Anordnung, Verordnung“,
  • Das nur dem Dt.
    • (und aengl. ġesetnes 'Gesetzniß', von früher ġesetednes, gleichbedeutend mit ġeseted)
    • eigene Wort mhd. gesetze, frühnhd. auch gesatz (15./16. Jh.)
    • ist Verbalabstraktum zu mhd. setzen ‘bestimmen, festsetzen, einrichten’ (s. setzen)
    • oder Kollektivbildung zu dem unter Satz behandelten Hptw. und bedeutet eigentlich ‘das Festgesetzte (das zusammen sitzend Gemachte)’.
  • Es verdrängt
    • ahd. gisezzida (8. Jh.),
    • mhd. gesetzede
  • sowie die alte wger. Bezeichnung für ‘Gesetz, Recht’ (s. Ehe).
    • ahd. ēwa, ēwī f. (8. Jh.) (s. ewig),
  • Vgl. ungeschriebenes Gesetz ‘durch Herkommen entstandene Regel, Gewohnheit’ (18. Jh.),

Gesetz

Unter Gesetz versteht man

Der Gesetzestext ist der konkrete Wortlaut eines Gesetzes. Das durch Gesetz geschaffene Recht heißt Gesetzesrecht.

Begriff

Der Wortherkunft gemäß bezeichnet der Ausdruck Gesetz etwas Gesetztes, etwas Festgelegtes. Ein Gesetz ist also im eigentlichen Sinn des Wortes eine Festlegung von Regeln. Daher bezeichnet man insbesondere den Vorgang der Gesetzgebung, der aus der entsprechenden der Legislative zugewiesenen Gesetzgebungskompetenz folgt, auch als Rechtsetzung – im Gegensatz zur Rechtsprechung als der Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten durch die Gerichte (Judikative) und dem Gesetzesvollzug durch die Verwaltungsbehörden (Exekutive). Laut Duden ist das Gesetz „eine vom Staat festgesetzte, rechtlich bindende Vorschrift“.[1] Von dem Verb setzen leitet sich zudem der Begriff des positiven Rechts ab.

Allgemeines

Die juristische Fachsprache unterscheidet zwischen dem Gesetz im materiellen Sinne und dem Gesetz im formellen Sinne. Der Gesetzesbegriff ist immer mit der politischen Struktur der jeweiligen Gemeinschaft verbunden, für welche das Gesetz gilt.[2] Auch Gesetze selbst benutzen das Wort Gesetz, ohne es zu präzisieren. So ist in Art. 2 Abs. 2 GG ein förmliches Gesetz, in Art. 3 Abs. 1 GG jedoch ein materielles Gesetz gemeint. Der Blick in ein bestimmtes Gesetz erfordert genaue Kenntnis der verfassungsrechtlichen Gesetzgebungskompetenzen (Art. 70 ff., Art. 105 GG), woraus sich ergibt, ob eine bestimmte Regelungsmaterie durch Bundes- oder/und Landesrecht angeordnet werden kann. Das gilt meist auch international bei dezentral organisierten Staaten. Da die Gerichte bei der Kontrolle der Exekutive an das Gesetz gebunden sind (Art. 20Abs. 3 GG), dürfen sie ihren Entscheidungen nur materielles Recht (Verfassungsrecht, förmliche Gesetze, Rechtsverordnungen, autonome Satzungen und auch Gewohnheitsrecht) zugrunde legen.[3]

Geschichte

Hauptartikel: Rechtsgeschichte Als älteste überlieferte Rechtssammlung gilt der Codex Ur-Nammu, der auf etwa 2100 v. Chr. datiert wird. Einer römischen Legende nach seien um 450 v. Chr. in Rom die Zwölftafelgesetze geschaffen worden, die laut Gregor Kirchhof die erste auf allgemeine Regelungen ausgerichtete Kodifikation gewesen seien, sie sind nicht überliefert oder erhalten.[4] Das römische Recht war in der ausgehenden Spätantike (533/534 n. Chr.) im Corpus Iuris Civilis aufgezeichnet worden. Der Begriff des Gesetzes wurde in der Antike von Platon und Aristoteles geprägt (Nomoi als Tugend), für Aristoteles war die Allgemeinheit das Wesensmerkmal eines Gesetzes. Nach weitgehend unbestrittener Ansicht kam es in vielen griechischen Gemeinwesen des Mutterlandes, Kleinasiens, Siziliens und der Magna Graecia im 6. Jahrhundert zu einer Feststellung des Rechtes durch schriftliche Fixierung der Gesetze, die öffentlich gemacht und dadurch allgemein zugänglich wurden.[5]

Unterscheidung Gesetz und Recht

Gesetze im materiellen und im formellen Sinn

Gesetzgebung

Hauptartikel: Gesetzgebung

Die Gesetzgebungsverfahren in Demokratien unterscheiden sich nur gering. Meist wird in den zuständigen Parlamenten oder Abgeordnetenhäusern ein Gesetzesantrag eingebracht (Gesetzesinitiative), welcher von parteiübergreifenden Fachgremien ausgearbeitet und anschließend zur Abstimmung vorgelegt wird. Damit ein Gesetz rechtswirksam ist, muss ein festgelegter Verfahrensweg eingehalten werden.

Die Gesetzgebung ist der Legislative vorbehalten. Sie kann die Exekutive ermächtigen, untergesetzliche Normen – Rechtsverordnungen und Satzungen – zu erlassen. Je nach Ausformung der Demokratie sind plebiszitäre Elemente („Volksgesetzgebung“) denkbar.

Systematik und Inhalt eines Gesetzes

International und in Deutschland hat sich der Gesetzgeber für eine numerisch gegliederte Einteilung eines Gesetzes entschieden, die mit Paragrafen oder Artikeln bezeichnet wird. In dieser Form werden dann gesetzliche Bestimmungen im Einzelnen zitiert (z. B. § 266 BGB). Dabei beginnen die meisten Gesetze häufig mit der Abgrenzung ihres Geltungsbereichs, der durch eine Legaldefinition der verwendeten Begriffe näher beschrieben werden kann. Weitere Untergliederungen in detaillierte Sachgebiete können Abschnitte, Titel und Untertitel sein. Gesetze bedienen sich einer Gesetzessprache, die oft nicht mit der Umgangssprache übereinstimmt. Nach § 42 Abs. 5 Satz 1 GGO müssen Gesetze sprachlich richtig und möglichst für jedermann verständlich gefasst sein. Wer Rechtsvorschriften formuliert, muss sie sprachlich so genau fassen, wie es nach der Eigenart der zu ordnenden Lebenssachverhalte mit Rücksicht auf den Normzweck möglich ist. Die Betroffenen sollen auf Grund der gesetzlichen Regelung in der Lage sein, den rechtlichen Rahmen ohne juristische Beratung zu erkennen und ihr Verhalten entsprechend auszurichten. Aber auch Juristen müssen häufig im Wege der Auslegung den Gesetzesinhalt klären, auch dann, wenn der Gesetzgeber bewusste oder unbewusste Gesetzeslücken hinterlassen hat. Der systematische Aufbau eines Gesetzes beinhaltet Normen, die durch Verbote, Gebote und Kann-Bestimmungen kodifiziert werden. Gesetze befassen sich zunächst mit dem Tatbestand, an den die Rechtsfolge anknüpft.

Auch heute noch ist die Veröffentlichung eines Gesetzes in offiziellen Publikationen (Bundesgesetzblatt, Bundesblatt etc.) die Rechtsgrundlage für die deklaratorische Rechtswirksamkeit eines Gesetzes, während die konstitutive Rechtswirksamkeit mit seinem Inkrafttreten beginnt. Die Regelung des Inkrafttretens gehört zu den Schlussbestimmungen eines Gesetzes. Der Rechtsgrundsatz Nulla poena sine lege („Keine Strafe ohne Gesetz“) verbietet die Rückwirkung von Strafvorschriften, so dass solche nur vom Tag des Inkrafttretens an für die Zukunft gelten können.

Rangfolge (Normenhierarchie)

Hauptartikel: Normenhierarchie

Einzelnachweise

  1. ↑ Bundesministerium der Justiz: Bundestagsdrucksache 20/721. (PDF) Deutscher Bundestag, 15. Februar 2022, S. 2.
  2. ↑ EU macht weniger Gesetze als angenommen. Frankfurter Allgemeine, 3. September 2009.
  3. ↑ Matthias Klein: Regelt die EU zu viel? Bundeszentrale für politische Bildung, 8. Mai 2014, abgerufen am 20. Oktober 2016.
  4. ↑ Max Apel, Peter Ludz: Philosophisches Wörterbuch. 1958, S. 110.
  5. ↑ James Drever, Werner D. Fröhlich: dtv Wörterbuch zur Psychologie. 1970, S. 114 f.
  6. ↑ Erich Becher: Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften. 1921, S. 182.
  7. ↑ Alfred Kuß: Marketing-Theorie: Eine Einführung. 2013, S. 85 f.
  8. ↑ Bernd Schauenberg: Gegenstand und Methoden der Betriebswirtschaftslehre. In: Michael Bitz u. a. (Hrsg.): Vahlens Kompendium der Betriebswirtschaftslehre, Band 1. 1998, S. 49.
  9. ↑ Alfred Kuß: Marketing-Theorie: Eine Einführung. 2013, S. 85.
  10. ↑ Ludwig von Mises: Grundprobleme der Nationalökonomie. 1933, Vorwort, S. X.
  11. ↑ Franz Joachim Clauss: Synthetische Wissenschaftstheorie: Versuch einer Synthese der falsifikationslogischen, der wahrscheinlichkeitslogischen und der tranzendentallogischen Denkform. 1980, S. 225.
  12. ↑ Ulrich Klug: Juristische Logik. 1966, S. 141.