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„Altgriechische Grammatik“ – Versionsunterschied

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<span id="Grammatik">Auszug Altgriechische Sprache</span> https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#Grammatik 8. November 2023 um 01:39 Uhr  
<span id="Grammatik">Auszug Altgriechische Sprache</span> https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#Grammatik 8. November 2023 um 01:39 Uhr  
{{Siehe auch|Altgriechische Flexion}}
Die ersten [[Grammatik]]<nowiki/>lehrbücher des [[Abendland|Abendlandes]] wurden zu [[Hellenismus|hellenistischer]] Zeit in der [[Philologie|philologischen]] Schule von [[Alexandria]] abgefasst. [[Aristarchos von Samothrake|Aristarch von Samothrake]] schrieb eine ''{{lang|grc-Latn|technē grammatikē}}'' des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die ''{{lang|grc-Latn|technē grammatikē}}'' des [[Dionysios Thrax]] (2.&nbsp;Jahrhundert v.&nbsp;Chr.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die [[Syntax]] ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des [[Apollonios Dyskolos]] (2.&nbsp;Jahrhundert n.&nbsp;Chr.). Angeblich im Jahre 169/68 „importierten“ die Römer die griechische Grammatiklehre und adaptierten sie.


<span id="Grammatik">Grammatik</span> <div class="sieheauch" role="navigation"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Flexion Altgriechische Flexion]</div><p>Die ersten [[Grammatiklehrbuch|Grammatiklehrbücher]] des [[Abendland]] wurden im [[Hellenismus]] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philologie philologischen] Schule von [https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandria Alexandria] abgefasst. [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristarchos_von_Samothrake Aristarch von Samothrake] schrieb eine ''technē grammatikē'' des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die ''technē grammatikē'' des [[Dionysios Thrax]] (2.&nbsp;Jahrhundert v.&nbsp;Chr.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Syntax Syntax] ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des [https://de.wikipedia.org/wiki/Apollonios_Dyskolos Apollonios Dyskolos] (2.&nbsp;Jahrhundert n.&nbsp;Chr.). Angeblich im Jahre 169/68 „importierten“ die Römer die griechische Grammatiklehre und adaptierten sie.</p><p>Die Grammatik des [[Altgriechisch]] ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum [[Latein]], was [https://de.wikipedia.org/wiki/Partizip Partizipialkonstruktionen] und sonstige satzwertige Konstruktionen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Accusativus_cum_infinitivo AcI] etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind&nbsp;– und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind bestimmte [https://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_(Wortart) Artikel] im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft&nbsp;– beispielsweise werden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitform Zeitformen] der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen.</p><p>Im Westen und auch in diesem Artikel werden oft lateinisch-basierte Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person&nbsp;…) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die (oft) direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute griechisch-basierte Begriffe aus der ''technē grammatikē'' des Dionysios Thrax verwendet.</p>
Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum [[Latein|Lateinischen]], was [[Partizip|Partizipialkonstruktionen]] und sonstige satzwertige Konstruktionen ([[Accusativus cum infinitivo|AcI]] etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind&nbsp;– und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind bestimmte [[Artikel (Wortart)|Artikel]] im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft&nbsp;– beispielsweise werden die [[Zeitform|Zeitformen]] der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen.
=== <span id="Deklination">Deklination</span> ===
 
<p>Im Altgriechischen werden [https://de.wikipedia.org/wiki/Substantiv Substantive], [https://de.wikipedia.org/wiki/Adjektiv Adjektive], [https://de.wikipedia.org/wiki/Pronomen Pronomina], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_(Wortart) (definite) Artikel] und einige [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Zahlw%C3%B6rter Zahlwörter] [https://de.wikipedia.org/wiki/Deklination_(Grammatik) dekliniert]. Besonders Zahl und Formenreichtum der [https://de.wikipedia.org/wiki/Verbaladjektiv Verbaladjektive] ist hoch.</p>
Im Westen und auch in diesem Artikel werden oft lateinisch-basierte Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person&nbsp;…) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die (oft) direkte Übersetzungen ([[Lehnübersetzung|Lehnübersetzungen]]) der griechischen Begriffe darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute griechisch-basierte Begriffe aus der ''{{lang|grc-Latn|technē grammatikē}}'' des Dionysios Thrax verwendet.
==== <span id="Grammatikalische_Kategorien_der_Nomina">Grammatikalische Kategorien der Nomina</span> ====
 
<p>Die altgriechischen [[Nomina]] (deklinierbaren Wörter) werden in den folgenden grammatischen Kategorien dekliniert:</p>
=== Deklination ===
*in fünf [https://de.wikipedia.org/wiki/Kasus Kasus] (Fällen): [https://de.wikipedia.org/wiki/Nominativ Nominativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Genitiv Genitiv], [https://de.wikipedia.org/wiki/Dativ Dativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Akkusativ Akkusativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Vokativ Vokativ] (Anredefall/-form),
Im Altgriechischen werden [[Substantiv|Substantive]], [[Adjektiv|Adjektive]], [[Pronomen|Pronomina]], der [[Artikel (Wortart)|(definite) Artikel]] und einige [[Griechische Zahlwörter|Zahlwörter]] [[Deklination (Grammatik)|dekliniert]]. Besonders Zahl und Formenreichtum der [[Verbaladjektiv|Verbaladjektive]] ist hoch.
*in drei [https://de.wikipedia.org/wiki/Numerus Numeri] (Zahlen): [https://de.wikipedia.org/wiki/Singular Singular] (Einzahl), [https://de.wikipedia.org/wiki/Dual_(Grammatik) Dual] (Zweizahl), [https://de.wikipedia.org/wiki/Plural Plural] (Mehrzahl), und
 
*in drei [https://de.wikipedia.org/wiki/Genus Genera] (Geschlechtern): [https://de.wikipedia.org/wiki/Maskulinum Maskulinum] (männlich), [https://de.wikipedia.org/wiki/Femininum Femininum] (weiblich), [https://de.wikipedia.org/wiki/Neutrum Neutrum] (sächlich).
==== Grammatikalische Kategorien der Nomina ====
<p>Auch Partizipien, Verbaladjektive und [https://de.wikipedia.org/wiki/Infinitiv Infinitive] werden dekliniert, sie gelten als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Substantive können mit einem Artikel (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ὁ, ἡ, τό</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ho, hē, to</span> „der, die, das“) [https://de.wikipedia.org/wiki/Definitheit_(Linguistik) bestimmt] werden; einen unbestimmten Artikel gibt es nicht.</p><p>'''Kasus'''</p><p>Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Altgriechischen fünf erhalten: [https://de.wikipedia.org/wiki/Nominativ Nominativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Akkusativ Akkusativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Genitiv Genitiv], [https://de.wikipedia.org/wiki/Dativ Dativ] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Vokativ Vokativ] (Anredeform). Nach ihrer Verwendungsweise werden zahlreiche verschiedene Kasusfunktionen unterschieden. Das altgriechische Kasussystem ähnelt in seinen Grundzügen dem deutschen.</p>
Die altgriechischen Nomina (deklinierbaren Wörter) werden in den folgenden grammatischen Kategorien dekliniert:
*Der ''Nominativ'' ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Grammatik) Subjekt] Kasus (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ὁ ὄρνις ᾄδει</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">'''ho ornis''' ādei</span> „''der Vogel'' singt“) und der Kasus des [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikatsnomen Prädikatsnomens] (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ὁ φιλόσοφος σοφός ἐστιν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ho philosophos '''sophos''' estin</span> „der Philosoph ist ''klug''“).
 
*Der ''Genitiv'' drückt in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Zugehörigkeit oder einen Bereich aus. Es lassen sich hierbei zahlreiche Kasusfunktionen unterscheiden, u.&nbsp;a. der Genitivus possessoris, der einen Besitz ausdrückt (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ὁ τοῦ γεωργοῦ ἀγρός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ho '''tou geōrgou'''agros</span> „das Feld ''des Bauern''“), der Genitivus partitivus, der eine Teilmenge angibt (<span class="Grek" lang="grc-Grek">πολλοὶ τῶν ἀνθρώπων</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">polloi '''tōn anthrōpōn'''</span> „viele ''von den Menschen''“), der Genitivus subjectivus, der den Handlungsträger angibt (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἡ τῆς μητρὸς ἀγάπη</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hē '''tēs mētros''' agapē</span> „die Liebe ''der Mutter''“) und der Genitivus objectivus, der das Handlungsziel angibt (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἡ τῆς μητρὸς ἀγάπη</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hē '''tēs mētros''' agapē</span> „die Liebe ''zur Mutter''“). Ferner hat der Genitiv vom indogermanischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Ablativ Ablativ] die Bedeutung einer Herkunft übernommen. Dies drückt sich u.&nbsp;a. als Genitivus separativus, der eine Trennung bezeichnet (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐλεύθερος φόβου</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">eleutheros '''phobou'''</span> „frei ''von Furcht''“), aus. Im klassischen Griechisch sind diese beiden Gebrauchsweisen in vielen Fällen miteinander verschmolzen. Viele altgriechische Verben regieren den Genitiv (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">τυγχάνειν τινός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tynchanein '''tinos'''</span> „''etwas'' erlangen“).
* in fünf [[Kasus]] (Fällen): [[Nominativ]], [[Genitiv]], [[Dativ]], [[Akkusativ]], [[Vokativ]] (Anredefall/-form),
*Der ''Dativ'' ist der Kasus des indirekten [https://de.wikipedia.org/wiki/Objekt_(Grammatik) Objekts] (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἔδωκε αὐτῷ χρυσόν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">edōke '''autō''' chryson</span> „er gab ''ihm'' Gold“). Weiterhin hat er vom indogermanischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentalis Instrumental] die Funktion der Angabe eines Mittels übernommen (Dativus instrumentalis, wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῖς ὀφθαλμοῖς ὁρᾶν</span><span class="Latn" lang="grc-Latn">'''tois ophthalmois''' horān</span> „''mit den Augen'' sehen“), vom indogermanischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Lokativ Lokativ] die Funktion der Angabe eines Ortes oder einer Zeit (Dativus loci bzw. temporis, etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">ταύτῃ τῇ ἡμέρᾳ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">'''tautē tē hēmerā'''</span> „''an diesem Tag''“). Weitere Kasusfunktionen des Dativs sind u.&nbsp;a. der Dativus modi, der die Art und Weise angibt (<span class="Grek" lang="grc-Grek">τούτῳ τῷ τρόπῳ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">'''toutō tō tropō'''</span> „''auf diese Weise'', so“) und der Dativus causae, der den Grund angibt (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἥδομαι τῇ νίκῃ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hēdomai '''tē nikē'''</span> „ich freue mich ''über den Sieg''“).
* in drei [[Numerus|Numeri]] (Zahlen): [[Singular]] (Einzahl), [[Dual (Grammatik)|Dual]] (Zweizahl), [[Plural]] (Mehrzahl), und
*Der ''Akkusativ'' ist der Kasus des direkten Objekts (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ὁρῶ αὐτόν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">horō '''auton'''</span> „ich sehe ''ihn''“). Weiterhin kann er eine räumliche oder zeitliche Ausdehnung (wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">δέκα ἡμέρας ἔμεινε</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">'''deka hēmeras''' emeine</span> „er blieb ''zehn Tage''“) ausdrücken. Der Accusativus limitationis oder respectus drückt eine Beziehung oder Hinsicht aus (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">τὴν ψυχὴν νοσεῖν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">'''tēn psychēn''' nosein</span> „''in Bezug auf die Seele'' krank sein, ''seelisch'' krank sein“).
* in drei [[Genus|Genera]] (Geschlechtern): [[Maskulinum]] (männlich), [[Femininum]] (weiblich), [[Neutrum]] (sächlich).
*Der ''Vokativ'' ist die Anredeform (<span class="Grek" lang="grc-Grek">κύριε ἐλέησον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">'''kyrie''' eleēson</span> „''Herr'', erbarme dich“). Er ist im Plural und bei vielen Substantiven (besonders bei Nomina der 3.&nbsp;Deklination und Feminina) auch im Singular mit dem Nominativ identisch. Dem Vokativ geht oft die [https://de.wikipedia.org/wiki/Interjektion Interjektion] <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ō</span> voran (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ ἄνδρες Ἀθηναῖοι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ō andres Athenaioi</span> „Ihr Männer von Athen!“). Ein Fehlen derselben ist ein Zeichen von sachlicher Kühle oder gar von Geringschätzung: <span class="Grek" lang="grc-Grek">«Ἀκούεις, Αἰσχίνη;»</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">„Akoueis, Aischinē?“</span> „Hörst du, [https://de.wikipedia.org/wiki/Aischines_(Athen) Aischines]?“ fragt etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Demosthenes Demosthenes] seinen verhassten Gegner.
 
<p>'''Numerus'''</p><p>Neben dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Singular Singular] (Einzahl) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Plural Plural] (Mehrzahl) hat das Altgriechische noch in Resten den [https://de.wikipedia.org/wiki/Dual_(Grammatik) Dual] (Zweizahl) behalten. Die Artikel des Duals lauten oft in allen Genera <span class="Grek" lang="grc-Grek">τὼ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tō</span> im Nominativ und Akkusativ und <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῖν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">toin</span> im Genitiv und Dativ. Seltenere Formen des femininen Duals sind entsprechend <span class="Grek" lang="grc-Grek">τὰ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ta</span> und <span class="Grek" lang="grc-Grek">ταῖν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tain</span>. In der o-Deklination (s.&nbsp;u.) hat er die Endungen <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ω</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ō</span> im Nominativ und Akkusativ und <span class="Grek" lang="grc-Grek">-οιν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-oin</span> im Genitiv und Dativ. In der a-Deklination lauten die Endungen entsprechend <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ᾱ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ā</span> und <span class="Grek" lang="grc-Grek">-αιν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ain</span>, in der 3.&nbsp;Deklination <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ε</span><span class="Latn" lang="grc-Latn">-e</span> und <span class="Grek" lang="grc-Grek">-οιν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-oin</span>. Der Dual war schon zu vorklassischer Zeit (vor dem 5.&nbsp;Jahrhundert v.&nbsp;Chr.) im Schwinden begriffen, und die ursprüngliche Verwendungsweise (nur für wirklich in der Zweizahl Zusammengehöriges, wie Zwillinge, die beiden Hände, Augen und so weiter) ging verloren. In der klassischen Literatur wurden vorsichtige Wiederbelebungsversuche unternommen, die den Dual jedoch nicht wieder etablierten und außerdem seiner ursprünglichen, spezifischen Verwendungsweise entfremdeten. Aufgrund seiner Seltenheit ist der Dual in den untenstehenden Deklinationsbeispielen nicht aufgenommen.</p><p>Beispiele:</p>
Auch Partizipien, Verbaladjektive und [[Infinitiv|Infinitive]] werden dekliniert, sie gelten als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Substantive können mit einem Artikel ({{lang|grc|ὁ, ἡ, τό|ho, hē, to}} „der, die, das“) [[Definitheit (Linguistik)|bestimmt]]<nowiki/>werden; einen unbestimmten Artikel gibt es nicht.
*<span class="Grek" lang="grc-Grek">τὼ χώρα</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tō chōrā</span> „die zwei Länder“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῖν χώραιν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">toin chōrain</span> „den zwei Ländern, der zwei Länder“
 
*<span class="Grek" lang="grc-Grek">τὼ θεώ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tō theō</span> „die zwei Götter“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῖν θεοῖν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">toin theoin</span> „den zwei Göttern, der zwei Götter“
'''Kasus'''
*<span class="Grek" lang="grc-Grek">τὼ παῖδε</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tō paide</span> „die zwei Söhne/Kinder“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῖν παίδοιν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">toin paidoin</span> „den zwei Söhnen/Kindern, der zwei Söhne/Kinder“
 
*<span class="Grek" lang="grc-Grek">τὼ πόλει</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tō polei</span> „die zwei Städte“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῖν πολέοιν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">toin poleoin</span> „den zwei Städten, der zwei Städte“
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Altgriechischen fünf erhalten: [[Nominativ]], [[Akkusativ]], [[Genitiv]], [[Dativ]] und [[Vokativ]] (Anredeform). Nach ihrer Verwendungsweise werden zahlreiche verschiedene Kasusfunktionen unterschieden. Das altgriechische Kasussystem ähnelt in seinen Grundzügen dem deutschen.
<p>'''Genus'''</p><p>Wie die meisten indogermanischen Sprachen kennt das Altgriechische drei Genera: Maskulinum (männlich), Femininum (weiblich) und Neutrum (sächlich). Männliche Personen sind oft maskulin, weibliche oft feminin.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-8 [8]]</sup><sup id="cite_ref-Goodwin-159_9-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-Goodwin-159-9 [9]]</sup> Winde, Flüsse und Monate sind oft maskulin, Länder, Inseln und Städte oft feminin.<sup id="cite_ref-Goodwin-159_9-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-Goodwin-159-9 [9]]</sup> Eine Besonderheit des Neutrums ist, dass bei einem neutralen Subjekt das [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikat_(Grammatik) Prädikat] stets im Singular steht. Dies lässt sich damit erklären, dass das Neutrum Plural sprachhistorisch auf ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektivum Kollektivum] zurückgeht.</p><p>Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Utrum Genus commune] ist bei einigen Vokabeln ebenfalls erhalten, etwa bei <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὁ/ἡ βοῦς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ho/hē bous</span>, das sowohl „Rind“ als auch „Ochse“ oder „Kuh“ heißen kann. Einige Wörter sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Epikoinon Epicöna] wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἡ ἀλώπηξ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hē alōpēx</span> der Fuchs, was sowohl männliche als auch weibliche Füchse einschließt.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-10 [10]]</sup><sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-11 [11]]</sup></p>
 
==== <span id="Deklination_der_Substantive">Deklination der Substantive</span> ====
* Der ''Nominativ'' ist der [[Subjekt (Grammatik)|Subjekts]]<nowiki/>kasus ({{lang|grc|ὁ ὄρνις ᾄδει|'''ho ornis''' ādei}} „''der Vogel'' singt“) und der Kasus des [[Prädikatsnomen|Prädikatsnomens]] ({{lang|grc|ὁ φιλόσοφος σοφός ἐστιν|ho philosophos '''sophos''' estin}} „der Philosoph ist ''klug''“).
<p>Das Altgriechische kennt drei grundlegende Deklinationsklassen: die o-Deklination, die a-Deklination und eine dritte, konsonantische Deklination.</p><p>Zur ''a-Deklination'' (oder ersten Deklination) gehören Feminina auf kurzes <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ᾰ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ă</span> (wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">δόξᾰ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">doxă</span> „Ruhm, Ansicht“), langes <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ᾱ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ā</span> (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">χώρᾱ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">chōrā</span> „Land“) und <span class="Grek" lang="grc-Grek">-η</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ē</span> (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">νίκη</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">nikē</span> „Sieg“) sowie Maskulina auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ᾱς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ās</span> (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">νεανίᾱς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">neaniās</span> „Jüngling“) und <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ης</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ēs</span> (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">ποιητής</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">poiētēs</span> „Dichter“). Endet der Wortstamm auf ein <span class="Grek" lang="grc-Grek">ε</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">e</span>, <span class="Grek" lang="grc-Grek">ι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">i</span> oder <span class="Grek" lang="grc-Grek">ρ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">r</span>, haben die Endungen in allen Formen ein <span class="Grek" lang="grc-Grek">α</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">a</span> (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Alpha_purum Alpha purum]''), andernfalls wird ein langes <span class="Grek" lang="grc-Grek">ᾱ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ā</span> zu einem <span class="Grek" lang="grc-Grek">η</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ē</span> (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Alpha_impurum Alpha impurum]''). Die Maskulina haben im Genitiv die Endung <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ου</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ou</span>, im Vokativ enden sie auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ᾰ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ă</span>, ansonsten werden sie genauso dekliniert wie die Feminina.</p>
* Der ''Genitiv'' drückt in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Zugehörigkeit oder einen Bereich aus. Es lassen sich hierbei zahlreiche Kasusfunktionen unterscheiden, u.&nbsp;a. der Genitivus possessoris, der einen Besitz ausdrückt ({{lang|grc|ὁ τοῦ γεωργοῦ ἀγρός|ho '''tou geōrgou''' agros}} „das Feld ''des Bauern''“), der Genitivus partitivus, der eine Teilmenge angibt ({{lang|grc|πολλοὶ τῶν ἀνθρώπων|polloi '''tōn anthrōpōn'''}} „viele ''von den Menschen''“), der Genitivus subjectivus, der den Handlungsträger angibt ({{lang|grc|ἡ τῆς μητρὸς ἀγάπη|hē '''tēs mētros''' agapē}} „die Liebe ''der Mutter''“) und der Genitivus objectivus, der das Handlungsziel angibt ({{lang|grc|ἡ τῆς μητρὸς ἀγάπη|hē '''tēs mētros''' agapē}} „die Liebe ''zur Mutter''“). Ferner hat der Genitiv vom indogermanischen [[Ablativ]] die Bedeutung einer Herkunft übernommen. Dies drückt sich u.&nbsp;a. als Genitivus separativus, der eine Trennung bezeichnet ({{lang|grc|ἐλεύθερος φόβου|eleutheros '''phobou'''}} „frei ''von Furcht''“), aus. Im klassischen Griechisch sind diese beiden Gebrauchsweisen in vielen Fällen miteinander verschmolzen. Viele altgriechische Verben regieren den Genitiv (etwa {{lang|grc|τυγχάνειν τινός|tynchanein '''tinos'''}} „''etwas'' erlangen“).
{| class="wikitable"
* Der ''Dativ'' ist der Kasus des indirekten [[Objekt (Grammatik)|Objekts]] ({{lang|grc|ἔδωκε αὐτῷ χρυσόν|edōke '''autō''' chryson}} „er gab ''ihm''Gold“). Weiterhin hat er vom indogermanischen [[Instrumentalis|Instrumental]] die Funktion der Angabe eines Mittels übernommen (Dativus instrumentalis, wie {{lang|grc|τοῖς ὀφθαλμοῖς ὁρᾶν|'''tois ophthalmois''' horān}} „''mit den Augen''sehen“), vom indogermanischen [[Lokativ]] die Funktion der Angabe eines Ortes oder einer Zeit (Dativus loci bzw. temporis, etwa {{lang|grc|ταύτῃ τῇ ἡμέρᾳ|'''tautē tē hēmerā'''}} „''an diesem Tag''“). Weitere Kasusfunktionen des Dativs sind u.&nbsp;a. der Dativus modi, der die Art und Weise angibt ({{lang|grc|τούτῳ τῷ τρόπῳ|'''toutō tō tropō'''}} „''auf diese Weise'', so“) und der Dativus causae, der den Grund angibt ({{lang|grc|ἥδομαι τῇ νίκῃ|hēdomai '''tē nikē'''}} „ich freue mich ''über den Sieg''“).
|+ Beispielwort: <span class="Grek" lang="grc-Grek">δόξᾰ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">doxă</span> „Ruhm, Ansicht“<br>(Femininum, mit kurzem Alpha impurum)
* Der ''Akkusativ'' ist der Kasus des direkten Objekts ({{lang|grc|ὁρῶ αὐτόν|horō '''auton'''}} „ich sehe ''ihn''“). Weiterhin kann er eine räumliche oder zeitliche Ausdehnung (wie {{lang|grc|δέκα ἡμέρας ἔμεινε|'''deka hēmeras''' emeine}} „er blieb ''zehn Tage''“) ausdrücken. Der Accusativus limitationis oder respectus drückt eine Beziehung oder Hinsicht aus (etwa {{lang|grc|τὴν ψυχὴν νοσεῖν|'''tēn psychēn''' nosein}} „''in Bezug auf die Seele'' krank sein, ''seelisch'' krank sein“).
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* Der ''Vokativ'' ist die Anredeform ({{lang|grc|κύριε ἐλέησον|'''kyrie''' eleēson}} „''Herr'', erbarme dich“). Er ist im Plural und bei vielen Substantiven (besonders bei Nomina der 3.&nbsp;Deklination und Feminina) auch im Singular mit dem Nominativ identisch. Dem Vokativ geht oft die [[Interjektion]] {{lang|grc|ὦ|ō}} voran (etwa {{lang|grc|ὦ ἄνδρες Ἀθηναῖοι|ō andres Athenaioi}} „Ihr Männer von Athen!“). Ein Fehlen derselben ist ein Zeichen von sachlicher Kühle oder gar von Geringschätzung: {{lang|grc|«Ἀκούεις, Αἰσχίνη;»|„Akoueis, Aischinē?“}} „Hörst du, [[Aischines (Athen)|Aischines]]?“ fragt etwa [[Demosthenes]] seinen verhassten Gegner.
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! colspan="2" | Singular
'''Numerus'''{{Anker|Numerus}}
! colspan="2" | Plural
 
Neben dem [[Singular]] (Einzahl) und [[Plural]] (Mehrzahl) hat das Altgriechische noch in Resten den [[Dual (Grammatik)|Dual]] (Zweizahl) behalten. Die Artikel des Duals lauten oft in allen Genera {{lang|grc|τὼ|tō}} im Nominativ und Akkusativ und {{lang|grc|τοῖν|toin}} im Genitiv und Dativ. Seltenere Formen des femininen Duals sind entsprechend {{lang|grc|τὰ|ta}} und {{lang|grc|ταῖν|tain}}. In der o-Deklination (s.&nbsp;u.) hat er die Endungen {{lang|grc|-ω|-ō}} im Nominativ und Akkusativ und {{lang|grc|-οιν|-oin}} im Genitiv und Dativ. In der a-Deklination lauten die Endungen entsprechend {{lang|grc|-ᾱ|-ā}} und {{lang|grc|-αιν|-ain}}, in der 3.&nbsp;Deklination {{lang|grc|-ε|-e}} und {{lang|grc|-οιν|-oin}}. Der Dual war schon zu vorklassischer Zeit (vor dem 5.&nbsp;Jahrhundert v.&nbsp;Chr.) im Schwinden begriffen, und die ursprüngliche Verwendungsweise (nur für wirklich in der Zweizahl Zusammengehöriges, wie Zwillinge, die beiden Hände, Augen und so weiter) ging verloren. In der klassischen Literatur wurden vorsichtige Wiederbelebungsversuche unternommen, die den Dual jedoch nicht wieder etablierten und außerdem seiner ursprünglichen, spezifischen Verwendungsweise entfremdeten. Aufgrund seiner Seltenheit ist der Dual in den untenstehenden Deklinationsbeispielen nicht aufgenommen.
 
Beispiele:
 
* {{lang|grc|τὼ χώρα|tō chōrā}} „die zwei Länder“, {{lang|grc|τοῖν χώραιν|toin chōrain}} „den zwei Ländern, der zwei Länder“
* {{lang|grc|τὼ θεώ|tō theō}} „die zwei Götter“, {{lang|grc|τοῖν θεοῖν|toin theoin}} „den zwei Göttern, der zwei Götter“
* {{lang|grc|τὼ παῖδε|tō paide}} „die zwei Söhne/Kinder“, {{lang|grc|τοῖν παίδοιν|toin paidoin}} „den zwei Söhnen/Kindern, der zwei Söhne/Kinder“
* {{lang|grc|τὼ πόλει|tō polei}} „die zwei Städte“, {{lang|grc|τοῖν πολέοιν|toin poleoin}} „den zwei Städten, der zwei Städte“
 
'''Genus'''
 
Wie die meisten indogermanischen Sprachen kennt das Altgriechische drei Genera: Maskulinum (männlich), Femininum (weiblich) und Neutrum (sächlich). Männliche Personen sind oft maskulin, weibliche oft feminin.<ref>Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: ''Greek Grammar.'' Harvard University Press, Cambridge 1956, S.&nbsp;45&nbsp;f.</ref><ref name="Goodwin-159">William W. Goodwin: ''A Greek Grammar. Revised and enlarged.'' Boston 1900, S. 35. {{" |Text=''159'' The gender must often be learned by observation. But<br />(1) Names of males are generally masculine, and names of females feminine.<br />(2) Most names of ''rivers, winds'', and ''months'' are masculine; and most names of ''countries, towns, trees'', and ''islands'' are feminine.<br />[…]<br />(4) Diminutive nouns are neuter […]. |Sprache=en}}</ref>Winde, Flüsse und Monate sind oft maskulin, Länder, Inseln und Städte oft feminin.<ref name="Goodwin-159" /> Eine Besonderheit des Neutrums ist, dass bei einem neutralen Subjekt das [[Prädikat (Grammatik)|Prädikat]] stets im Singular steht. Dies lässt sich damit erklären, dass das Neutrum Plural sprachhistorisch auf ein [[Kollektivum]] zurückgeht.
 
Das [[Utrum|Genus commune]] ist bei einigen Vokabeln ebenfalls erhalten, etwa bei {{lang|grc|ὁ/ἡ βοῦς|ho/hē bous}}, das sowohl „Rind“ als auch „Ochse“ oder „Kuh“ heißen kann. Einige Wörter sind [[Epikoinon|Epicöna]] wie {{lang|grc|ἡ ἀλώπηξ|hē alōpēx}} der Fuchs, was sowohl männliche als auch weibliche Füchse einschließt.<ref>Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: ''Greek Grammar.'' Harvard University Press, Cambridge 1956, S.&nbsp;46. Zitat: {{" |Text=''198.&nbsp;Common Gender.''&nbsp;– Many nouns denoting persons are either masculine or feminine. […] |Sprache=en}}</ref><ref>William W. Goodwin: ''A Greek Grammar. Revised and enlarged.'' Boston 1900, S. 35. Zitat: {{" |Text=''158.'' Nouns which may be either masculine or feminine are said to be of the ''common'' gender as {{lang|grc|(ὁ, ἡ) θεός}}, ''God'' or ''Goddess''. Names of animals which include both sexes, but have only one grammatical gender, are called ''epicene'' ({{lang|grc|ἐπίκοινος}}); as […] {{lang|grc|ἡ ἀλώπηξ}}, ''the fox''; […] including males and females. |Sprache=en}}</ref>
 
==== Deklination der Substantive ====
Das Altgriechische kennt drei grundlegende Deklinationsklassen: die o-Deklination, die a-Deklination und eine dritte, konsonantische Deklination.
 
Zur ''a-Deklination'' (oder ersten Deklination) gehören Feminina auf kurzes {{lang|grc|-ᾰ|-ă}} (wie {{lang|grc|δόξᾰ|doxă}} „Ruhm, Ansicht“), langes {{lang|grc|-ᾱ|-ā}} (etwa {{lang|grc|χώρᾱ|chōrā}} „Land“) und {{lang|grc|-η|-ē}} (etwa {{lang|grc|νίκη|nikē}} „Sieg“) sowie Maskulina auf {{lang|grc|-ᾱς|-ās}} (etwa {{lang|grc|νεανίᾱς|neaniās}} „Jüngling“) und {{lang|grc|-ης|-ēs}} (etwa {{lang|grc|ποιητής|poiētēs}} „Dichter“). Endet der Wortstamm auf ein {{lang|grc|ε|e}}, {{lang|grc|ι|i}} oder {{lang|grc|ρ|r}}, haben die Endungen in allen Formen ein {{lang|grc|α|a}} (''[[Alpha purum]]''), andernfalls wird ein langes {{lang|grc|ᾱ|ā}} zu einem {{lang|grc|η|ē}} (''[[Alpha impurum]]''). Die Maskulina haben im Genitiv die Endung {{lang|grc|-ου|-ou}}, im Vokativ enden sie auf {{lang|grc|-ᾰ|-ă}}, ansonsten werden sie genauso dekliniert wie die Feminina.
{| class="wikitable" style="min-width:35em"
|+Beispielwort: {{lang|grc|δόξᾰ|doxă}} „Ruhm, Ansicht“
(Femininum, mit kurzem Alpha impurum)
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! colspan="2" |Singular
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| '''Nominativ'''
|'''Nominativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἡ δόξα</span>
|{{lang|grc|ἡ δόξα}}
| hē doxa
|{{lang|grc-Latn|hē doxa}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">αἱ δόξαι</span>
|{{lang|grc|αἱ δόξαι}}
| hai doxai
|{{lang|grc-Latn|hai doxai}}
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| '''Genitiv'''
|'''Genitiv'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τῆς δόξης</span>
|{{lang|grc|τῆς δόξης}}
| tēs doxēs
|{{lang|grc-Latn|tēs doxēs}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τῶν δοξῶν</span>
|{{lang|grc|τῶν δοξῶν}}
| tōn doxōn
|{{lang|grc-Latn|tōn doxōn}}
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|-
| '''Dativ'''
|'''Dativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τῇ δόξῃ</span>
|{{lang|grc|τῇ δόξῃ}}
| tē doxē
|{{lang|grc-Latn|tē doxē}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ταῖς δόξαις</span>
|{{lang|grc|ταῖς δόξαις}}
| tais doxais
|{{lang|grc-Latn|tais doxais}}
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|-
| '''Akkusativ'''
|'''Akkusativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τὴν δόξαν</span>
|{{lang|grc|τὴν δόξαν}}
| tēn doxan
|{{lang|grc-Latn|tēn doxan}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τὰς δόξας</span>
|{{lang|grc|τὰς δόξας}}
| tas doxas
|{{lang|grc-Latn|tas doxas}}
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| '''Vokativ'''
|'''Vokativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ δόξα</span>
|{{lang|grc|ὦ δόξα}}
| ō doxa
|{{lang|grc-Latn|ō doxa}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ δόξαι</span>
|{{lang|grc|ὦ δόξαι}}
| ō doxai
|{{lang|grc-Latn|ō doxai}}
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<p>Zur ''o-Deklination'' (oder zweiten Deklination) gehören Maskulina auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-os</span> (wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">φίλος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">philos</span> „Freund“) und Neutra auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-on</span> (wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">τέκνον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">teknon</span> „Kind“). Die Deklinationsendungen sind dieselben, außer dass Wörter auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-on</span> wie alle Neutra im Nominativ und Akkusativ Plural auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-α</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-a</span> enden und im Vokativ dieselbe Form wie im Nominativ haben. Ganz vereinzelt kommen auch Feminina auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-os</span> vor (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">νῆσος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">nēsos</span> „Insel“), die ebenso dekliniert werden wie die Maskulina. Dazu kommen als Sonderfälle [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kontraktum&action=edit&redlink=1 Kontrakta] (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">νοῦς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">nous</span> „Sinn“), bei denen der vokalische Stamm mit der Deklinationsendung verschmolzen ist, und die sogenannte ''attische Deklination'' (wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">νεώς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">neōs</span> „Tempel“).</p>
Zur ''o-Deklination'' (oder zweiten Deklination) gehören Maskulina auf {{lang|grc|-ος|-os}} (wie {{lang|grc|φίλος|philos}}„Freund“) und Neutra auf {{lang|grc|-ον|-on}} (wie {{lang|grc|τέκνον|teknon}} „Kind“). Die Deklinationsendungen sind dieselben, außer dass Wörter auf {{lang|grc|-ον|-on}} wie alle Neutra im Nominativ und Akkusativ Plural auf {{lang|grc|-α|-a}} enden und im Vokativ dieselbe Form wie im Nominativ haben. Ganz vereinzelt kommen auch Feminina auf {{lang|grc|-ος|-os}} vor (etwa {{lang|grc|νῆσος|nēsos}} „Insel“), die ebenso dekliniert werden wie die Maskulina. Dazu kommen als Sonderfälle [[Kontraktum|Kontrakta]] (etwa {{lang|grc|νοῦς|nous}} „Sinn“), bei denen der vokalische Stamm mit der Deklinationsendung verschmolzen ist, und die sogenannte ''attische Deklination'' (wie {{lang|grc|νεώς|neōs}} „Tempel“).
{| class="wikitable"
{| class="wikitable" style="min-width:35em"
|+ Beispielwort: <span class="Grek" lang="grc-Grek">φίλος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">philos</span> „Freund“ (maskulinum)
|+Beispielwort: {{lang|grc|φίλος|philos}} „Freund“ (maskulinum)
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| '''Nominativ'''
|'''Nominativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὁ φίλος</span>
|{{lang|grc|ὁ φίλος}}
| ho philos
|{{lang|grc-Latn|ho philos}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">οἱ φίλοι</span>
|{{lang|grc|οἱ φίλοι}}
| hoi philoi
|{{lang|grc-Latn|hoi philoi}}
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| '''Genitiv'''
|'''Genitiv'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῦ φίλου</span>
|{{lang|grc|τοῦ φίλου}}
| tou philou
|{{lang|grc-Latn|tou philou}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τῶν φίλων</span>
|{{lang|grc|τῶν φίλων}}
| tōn philōn
|{{lang|grc-Latn|tōn philōn}}
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| '''Dativ'''
|'''Dativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τῷ φίλῳ</span>
|{{lang|grc|τῷ φίλῳ}}
| tō philō
|{{lang|grc-Latn|tō philō}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῖς φίλοις</span>
|{{lang|grc|τοῖς φίλοις}}
| tois philois
|{{lang|grc-Latn|tois philois}}
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| '''Akkusativ'''
|'''Akkusativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τὸν φίλον</span>
|{{lang|grc|τὸν φίλον}}
| ton philon
|{{lang|grc-Latn|ton philon}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοὺς φίλους</span>
|{{lang|grc|τοὺς φίλους}}
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| '''Vokativ'''
|'''Vokativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ φίλε</span>
|{{lang|grc|ὦ φίλε}}
| ō phile
|{{lang|grc-Latn|ō phile}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ φίλοι</span>
|{{lang|grc|ὦ φίλοι}}
| ō philoi
|{{lang|grc-Latn|ō philoi}}
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<p>Die ''3.&nbsp;Deklination'' umfasst eine Vielzahl von konsonantischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Wortstamm Stämmen]. Je nach Stammauslaut lassen sie sich in Muta-Stämme (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">γύψ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">gyps</span> ''m.'' „Geier“ [Stamm <span class="Grek" lang="grc-Grek">γύπ-</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">gyp-</span>], <span class="Grek" lang="grc-Grek">αἴξ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">aix</span> ''f.'' „Ziege“ [Stamm <span class="Grek" lang="grc-Grek">αἴγ-</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">aig-</span>], <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὄρνις</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ornis</span> ''m.'' „Vogel“ [Stamm <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὄρνιθ-</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ornith-</span>]), Liquida- und Nasalstämme (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">ῥήτωρ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">rhētōr</span> ''m.'' „Redner“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">μήτηρ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">mētēr</span> ''f.'' „Mutter“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">λιμήν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">limēn</span> ''m.'' Hafen), Sigma-Stämme (wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">γένος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">genos</span> ''n.'' „Geschlecht, Art“) und Vokalstämme (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">πόλις</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">polis</span> ''f.'' „Stadt“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">βασιλεύς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">basileus</span> ''m.'' „König“) unterteilen. Aus sprachhistorischen Gründen unterliegt die Deklination der einzelnen Untergruppen Unregelmäßigkeiten, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Zur 3.&nbsp;Deklination gehören Maskulina, Feminina und Neutra. Der Nominativ ist bei den Maskulina und Feminina entweder durch die Endung <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-s</span> oder die Dehnstufe des Stammes (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">ῥήτωρ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">rhētōr</span> zum Stamm <span class="Grek" lang="grc-Grek">ῥητορ-</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">rhētor-</span>) gekennzeichnet, bei den Neutra besteht er aus der Grundstufe des Stammes. Manche Liquidastämme unterliegen dem quantitativen [https://de.wikipedia.org/wiki/Ablaut Ablaut] (so hat <span class="Grek" lang="grc-Grek">μήτηρ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">mētēr</span> im Nominativ die Dehnstufe, im Akkusativ <span class="Grek" lang="grc-Grek">μητέρα</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">mētera</span> die Grundstufe und im Genitiv <span class="Grek" lang="grc-Grek">μητρός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">mētros</span> die Schwundstufe).</p>
Die ''3.&nbsp;Deklination'' umfasst eine Vielzahl von konsonantischen [[Wortstamm|Stämmen]]. Je nach Stammauslaut lassen sie sich in Muta-Stämme (etwa {{lang|grc|γύψ|gyps}} ''m.'' „Geier“ [Stamm {{lang|grc|γύπ-|gyp-}}], {{lang|grc|αἴξ|aix}} ''f.'' „Ziege“ [Stamm {{lang|grc|αἴγ-|aig-}}], {{lang|grc|ὄρνις|ornis}} ''m.''„Vogel“ [Stamm {{lang|grc|ὄρνιθ-|ornith-}}]), Liquida- und Nasalstämme (etwa {{lang|grc|ῥήτωρ|rhētōr}} ''m.'' „Redner“, {{lang|grc|μήτηρ|mētēr}} ''f.'' „Mutter“, {{lang|grc|λιμήν|limēn}} ''m.'' Hafen), Sigma-Stämme (wie {{lang|grc|γένος|genos}} ''n.'' „Geschlecht, Art“) und Vokalstämme (etwa {{lang|grc|πόλις|polis}} ''f.'' „Stadt“, {{lang|grc|βασιλεύς|basileus}} ''m.'' „König“) unterteilen. Aus sprachhistorischen Gründen unterliegt die Deklination der einzelnen Untergruppen Unregelmäßigkeiten, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Zur 3.&nbsp;Deklination gehören Maskulina, Feminina und Neutra. Der Nominativ ist bei den Maskulina und Feminina entweder durch die Endung {{lang|grc|-ς|-s}} oder die Dehnstufe des Stammes (etwa {{lang|grc|ῥήτωρ|rhētōr}} zum Stamm {{lang|grc|ῥητορ-|rhētor-}}) gekennzeichnet, bei den Neutra besteht er aus der Grundstufe des Stammes. Manche Liquidastämme unterliegen dem quantitativen [[Ablaut]] (so hat {{lang|grc|μήτηρ|mētēr}} im Nominativ die Dehnstufe, im Akkusativ {{lang|grc|μητέρα|mētera}} die Grundstufe und im Genitiv {{lang|grc|μητρός|mētros}} die Schwundstufe).
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{| class="wikitable" style="min-width:35em"
|+ Beispielwort Maskulinum: <span class="Grek" lang="grc-Grek">ῥήτωρ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">rhētōr</span> „Redner“<br>(maskulinum, Liquida-Stamm ohne Ablaut)
|+Beispielwort Maskulinum: {{lang|grc|ῥήτωρ|rhētōr}} „Redner“
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(maskulinum, Liquida-Stamm ohne Ablaut)
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| '''Nominativ'''
|'''Nominativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὁ ῥήτωρ</span>
|{{lang|grc|ὁ ῥήτωρ}}
| ho rhētōr
|{{lang|grc-Latn|ho rhētōr}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">οἱ ῥήτορες</span>
|{{lang|grc|οἱ ῥήτορες}}
| hoi rhētores
|{{lang|grc-Latn|hoi rhētores}}
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| '''Genitiv'''
|'''Genitiv'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῦ ῥήτορος</span>
|{{lang|grc|τοῦ ῥήτορος}}
| tou rhētoros
|{{lang|grc-Latn|tou rhētoros}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τῶν ῥητόρων</span>
|{{lang|grc|τῶν ῥητόρων}}
| tōn rhētorōn
|{{lang|grc-Latn|tōn rhētorōn}}
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| '''Dativ'''
|'''Dativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τῷ ῥήτορι</span>
|{{lang|grc|τῷ ῥήτορι}}
| tō rhētori
|{{lang|grc-Latn|tō rhētori}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοῖς ῥήτορσι(ν)</span>
|{{lang|grc|τοῖς ῥήτορσι(ν)}}
| tois rhētorsi(n)
|{{lang|grc-Latn|tois rhētorsi(n)}}
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| '''Akkusativ'''
|'''Akkusativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τὸν ῥήτορα</span>
|{{lang|grc|τὸν ῥήτορα}}
| ton rhētora
|{{lang|grc-Latn|ton rhētora}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">τοὺς ῥήτορας</span>
|{{lang|grc|τοὺς ῥήτορας}}
| tous rhētoras
|{{lang|grc-Latn|tous rhētoras}}
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| '''Vokativ'''
|'''Vokativ'''
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ ῥῆτορ</span>
|{{lang|grc|ὦ ῥῆτορ}}
| ō rhētor
|{{lang|grc-Latn|ō rhētor}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ ῥήτορες</span>
|{{lang|grc|ὦ ῥήτορες}}
| ō rhētores
|{{lang|grc-Latn|ō rhētores}}
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<p>Das eingeklammerte Ny im Dativ Plural wird ''bewegliches Ny'' genannt (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ν ἐφελκυστικόν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">n ephelkystikon</span> bzw. <span class="Grek" lang="grc-Grek">νῦ ἐφελκυστικόν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ny ephelkystikon</span>) und kann unter anderem angefügt werden, wenn das nachfolgende Wort mit einem Vokal beginnt.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-12 [12]]</sup></p>
Das eingeklammerte Ny im Dativ Plural wird ''bewegliches Ny'' genannt ({{lang|grc|ν ἐφελκυστικόν|n ephelkystikon}} bzw. {{lang|grc|νῦ ἐφελκυστικόν|ny ephelkystikon}}) und kann unter anderem angefügt werden, wenn das nachfolgende Wort mit einem Vokal beginnt.<ref>Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: ''Greek Grammar.'' Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 84. Zitat: {{" |Text=''134. Moveable N'' may be added at the end of a word when the next word begins with a vowel. […] '''135''' Moveable ν is usually written at the end of clauses, and at the end of a verse in poetry. To make a syllable long by position (144) the poets add ν before words beginning with a consonant. Prose inscriptions frequently use ν before a consonant. |Sprache=en}}</ref>
==== <span id="Adjektive">Adjektive</span> ====
 
<p>Adjektive werden entweder nach der o/a-Deklination oder nach der 3.&nbsp;Deklination dekliniert. Erstere enden im Maskulinum auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-os</span>, im Femininum auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-α</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-a</span> oder <span class="Grek" lang="grc-Grek">-η</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ē</span> und im Neutrum auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-on</span> (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">νέος, νέα, νέον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">neos, nea, neon</span> „neu“). Manche (vor allem zusammengesetzte) Adjektive sind auch zweiendig, d.&nbsp;h., sie enden sowohl im Maskulinum als auch im Femininum auf <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-os</span> (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">εὔκολος, εὔκολον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">eukolos, eukolon</span> „leicht“). Adjektive der 3.&nbsp;Deklination werden teils im Femininum nach der a-Deklination dekliniert (wie <span class="Grek" lang="grc-Grek">πᾶς, πᾶσα, πᾶν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">pas, pasa, pan</span> „ganz“), teils sind sie auch zweiendig (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">σαφής, σαφές</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">saphēs, saphes</span> „klar, deutlich“).</p><p>Adjektive können [https://de.wikipedia.org/wiki/Komparation gesteigert] werden ([https://de.wikipedia.org/wiki/Positiv_(Grammatik) Positiv] <span class="Grek" lang="grc-Grek">σοφός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">sophos</span> „klug“, [https://de.wikipedia.org/wiki/Komparativ Komparativ] <span class="Grek" lang="grc-Grek">σοφώτερος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">sophōteros</span> „klüger“, [https://de.wikipedia.org/wiki/Superlativ Superlativ] <span class="Grek" lang="grc-Grek">σοφώτατος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">sophōtatos</span> „am klügsten“). Der Superlativ kann als ''absoluter Superlativ'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Elativ Elativ]) auch nur eine absolute Herausgehobenheit („sehr klug“) bezeichnen. Die Endungen des Komparativs und des Superlativs sind meist <span class="Grek" lang="grc-Grek">-τερος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-teros</span> und <span class="Grek" lang="grc-Grek">-τατος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-tatos</span>, bei einigen Adjektiven auch <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ίων</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-iōn</span> und <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ιστος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-istos</span> (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">κακός, κακίων, κάκιστος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">kakos, kakiōn, kakistos</span> „schlecht, schlechter, am schlechtesten“).</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Adverb Adverbien] werden von den Adjektiven mit der Endung <span class="Grek" lang="grc-Grek">-ως</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">-ōs</span> abgeleitet (vergleiche <span class="Grek" lang="grc-Grek">σοφός ἐστιν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">sophos estin</span> „er ist klug“ [[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikatsnomen Prädikatsnomen], Adjektiv] und <span class="Grek" lang="grc-Grek">σοφῶς λέγει</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">sophōs legei</span> „er spricht klug“).</p>
==== Adjektive ====
==== <span id="Pronomina">Pronomina</span> ====
Adjektive werden entweder nach der o/a-Deklination oder nach der 3.&nbsp;Deklination dekliniert. Erstere enden im Maskulinum auf {{lang|grc|-ος|-os}}, im Femininum auf {{lang|grc|-α|-a}} oder {{lang|grc|-η|-ē}} und im Neutrum auf {{lang|grc|-ον|-on}} (etwa {{lang|grc|νέος, νέα, νέον|neos, nea, neon}} „neu“). Manche (vor allem zusammengesetzte) Adjektive sind auch zweiendig, d.&nbsp;h., sie enden sowohl im Maskulinum als auch im Femininum auf {{lang|grc|-ος|-os}} (etwa {{lang|grc|εὔκολος, εὔκολον|eukolos, eukolon}} „leicht“). Adjektive der 3.&nbsp;Deklination werden teils im Femininum nach der a-Deklination dekliniert (wie {{lang|grc|πᾶς, πᾶσα, πᾶν|pas, pasa, pan}} „ganz“), teils sind sie auch zweiendig (etwa {{lang|grc|σαφής, σαφές|saphēs, saphes}} „klar, deutlich“).
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Personalpronomen Personalpronomina] gibt es in der 1., 2. und 3.&nbsp;Person.<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-13 [13]]</sup><sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-14 [14]]</sup> Die Nominativformen der Personalpronomina (attisch: <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐγώ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">egō</span> „ich“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">σύ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">sy</span> „du“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἡμεῖς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hēmeis</span> „wir“, <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὑμεῖς</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hymeis</span> „ihr“) sind stets betont, weil die Person im Normalfall schon durch das Verb angegeben ist. In den übrigen Kasus wird zwischen den [https://de.wikipedia.org/wiki/Klitika enklitischen] unbetonten Formen (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">με</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">me</span>) und nicht-enklitischen Formen (<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐμέ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">eme</span> „mich“), die in betonter Stellung und nach Präpositionen stehen, unterschieden. Als Ersatz für die Personalpronomina der 3.&nbsp;Person werden im Nominativ auch die Formen des Demonstrativpronomens <span class="Grek" lang="grc-Grek">οὗτος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">houtos</span> („dieser“), in den übrigen Kasus die Formen des Wortes <span class="Grek" lang="grc-Grek">αὐτός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">autos</span> („selbst“) verwendet. In allen drei Personen gibt es [https://de.wikipedia.org/wiki/Reflexivpronomen reflexive] und nichtreflexive Formen des Personalpronomens, je nachdem, ob sie sich auf das Subjekt des Satzes beziehen (etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐμέ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">eme</span> „mich“&nbsp;– <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐμαυτόν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">emauton</span> „mich [selbst]“). In der 3.&nbsp;Person wird zudem zwischen direkt und indirekt reflexiven Pronomina unterschieden, wobei sich die indirekt reflexiven Pronomina auf das Subjekt des übergeordneten Satzes beziehen. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Possessiv Possessivpronomen] lautet <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐμός, σός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">emos, sos</span>. Es existiert im klassischen Griechisch nur in der 1.&nbsp;und der 2.&nbsp;Person.</p><p>An [https://de.wikipedia.org/wiki/Demonstrativpronomen Demonstrativpronomina] kommen <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὅδε, ἥδε, τόδε</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hode, hēde, tode</span> („dieser“, wie lateinisch ''hic, haec, hoc''), <span class="Grek" lang="grc-Grek">οὗτος, αὕτη, τοῦτο</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">houtos, hautē, touto</span> („dieser“, wie lateinisch ''is, ea, id'') und <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐκεῖνος, ἐκεῖνη, ἐκεῖνο</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">ekeinos, ekeinē, ekeino</span> („jener“, wie lateinisch ''ille, illa, illud'') vor. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Relativpronomen Relativpronomen] <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὅς, ἥ, ὅ</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hos, hē, ho</span> wird durch Anhängung des Indefinitpronomens zum verallgemeinernden Relativpronomen <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὅστις, ἥτις, ὅτι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hostis, hētis, hoti</span>. Das verallgemeinernde Relativpronomen ähnelt dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Indirekte_Frage indirekten] [https://de.wikipedia.org/wiki/Fragepronomen Fragepronomen]. Das direkte Fragepronomen <span class="Grek" lang="grc-Grek">τίς, τί</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tis, ti</span> („wer, was“) trägt stets den Akut. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Indefinitpronomen Indefinitpronomen] <span class="Grek" lang="grc-Grek">τις, τι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tis, ti</span> („irgendjemand, irgendetwas“) entspricht dem direkten Fragepronomen, ist aber enklitisch.</p>
 
=== <span id="Konjugation">Konjugation</span> ===
Adjektive können [[Komparation|gesteigert]] werden ([[Positiv (Grammatik)|Positiv]] {{lang|grc|σοφός|sophos}} „klug“, [[Komparativ]] {{lang|grc|σοφώτερος|sophōteros}} „klüger“, [[Superlativ]] {{lang|grc|σοφώτατος|sophōtatos}} „am klügsten“). Der Superlativ kann als ''absoluter Superlativ'' ([[Elativ]]) auch nur eine absolute Herausgehobenheit („sehr klug“) bezeichnen. Die Endungen des Komparativs und des Superlativs sind meist {{lang|grc|-τερος|-teros}} und {{lang|grc|-τατος|-tatos}}, bei einigen Adjektiven auch {{lang|grc|-ίων|-iōn}} und {{lang|grc|-ιστος|-istos}} (etwa {{lang|grc|κακός, κακίων, κάκιστος|kakos, kakiōn, kakistos}} „schlecht, schlechter, am schlechtesten“).
==== <span id="Grammatische_Kategorien_des_Verbsystems">Grammatische Kategorien des Verbsystems</span> ====
 
<p>'''Tempus- und Aspektsystem'''</p><p>Das altgriechische Tempussystem unterscheidet sich grundlegend von dem deutschen oder lateinischen. Die in der Grammatik übliche Einteilung in sechs Tempora (sieben bei Berücksichtigung des seltenen [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Perfektfutur&action=edit&redlink=1 Perfektfuturs]) ist genau genommen irreführend, da nicht die zeitliche Bedeutung, sondern der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aspekt_(Linguistik) Aspekt] im Vordergrund steht. Im Altgriechischen gibt es drei Tempusstämme, die einen bestimmten Aspekt ausdrücken. Zu jedem Tempusstamm gehört im Indikativ ein Haupttempus mit Gegenwarts- und ein Nebentempus mit Vergangenheitsbedeutung. (Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aorist Aorist]stamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Zum Beispiel drückt der Indikativ Präsens eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Durativ_(Grammatik) durative] Handlung der Gegenwart, der Indikativ Imperfekt eine durative Handlung der Vergangenheit aus. Dazu kommt der sprachhistorisch jüngere Futurstamm, der kein Nebentempus kennt und tatsächlich eine rein zeitliche Bedeutung hat.</p><p>Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende durch Flexionsaffixe die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das [https://de.wikipedia.org/wiki/Futur Futur]: siehe unten).</p><p>Die Vergangenheit wird im Indikativ mit Hilfe der Nebentempora gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das [https://de.wikipedia.org/wiki/Plusquamperfekt Plusquamperfekt] und im Aoriststamm der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aorist Aorist].</p><p>Die Tempora (<span class="Grek" lang="grc-Grek">χρόνοι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">chronoi</span>) des Altgriechischen lassen sich nach folgendem Schema darstellen:</p>
[[Adverb|Adverbien]] werden von den Adjektiven mit der Endung {{lang|grc|-ως|-ōs}} abgeleitet (vergleiche {{lang|grc|σοφός ἐστιν|sophos estin}} „er ist klug“ [<nowiki/>[[Prädikatsnomen]], Adjektiv] und {{lang|grc|σοφῶς λέγει|sophōs legei}} „er spricht klug“).
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==== Pronomina ====
! Tempusstamm
[[Personalpronomen|Personalpronomina]] gibt es in der 1., 2. und 3.&nbsp;Person.<ref>Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: ''Greek Grammar.'' Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 90.</ref><ref>William W. Goodwin: ''A Greek Grammar. Revised and enlarged.'' Boston 1900, S. 82.</ref> Die Nominativformen der Personalpronomina (attisch: {{lang|grc|ἐγώ|egō}} „ich“, {{lang|grc|σύ|sy}} „du“, {{lang|grc|ἡμεῖς|hēmeis}} „wir“, {{lang|grc|ὑμεῖς|hymeis}} „ihr“) sind stets betont, weil die Person im Normalfall schon durch das Verb angegeben ist. In den übrigen Kasus wird zwischen den [[Klitika|enklitischen]] unbetonten Formen (etwa {{lang|grc|με|me}}) und nicht-enklitischen Formen ({{lang|grc|ἐμέ|eme}}„mich“), die in betonter Stellung und nach Präpositionen stehen, unterschieden. Als Ersatz für die Personalpronomina der 3.&nbsp;Person werden im Nominativ auch die Formen des Demonstrativpronomens {{lang|grc|οὗτος|houtos}} („dieser“), in den übrigen Kasus die Formen des Wortes {{lang|grc|αὐτός|autos}} („selbst“) verwendet. In allen drei Personen gibt es [[Reflexivpronomen|reflexive]] und nichtreflexive Formen des Personalpronomens, je nachdem, ob sie sich auf das Subjekt des Satzes beziehen (etwa {{lang|grc|ἐμέ|eme}} „mich“&nbsp;– {{lang|grc|ἐμαυτόν|emauton}} „mich [selbst]“). In der 3.&nbsp;Person wird zudem zwischen direkt und indirekt reflexiven Pronomina unterschieden, wobei sich die indirekt reflexiven Pronomina auf das Subjekt des übergeordneten Satzes beziehen. Das [[Possessiv|Possessivpronomen]] lautet {{lang|grc|ἐμός, σός|emos, sos}}. Es existiert im klassischen Griechisch nur in der 1.&nbsp;und der 2.&nbsp;Person.
! Haupttempus
 
! Nebentempus
An [[Demonstrativpronomen|Demonstrativpronomina]] kommen {{lang|grc|ὅδε, ἥδε, τόδε|hode, hēde, tode}}(„dieser“, wie lateinisch ''{{lang|la|hic, haec, hoc}}''), {{lang|grc|οὗτος, αὕτη, τοῦτο|houtos, hautē, touto}} („dieser“, wie lateinisch ''{{lang|la|is, ea, id}}'') und {{lang|grc|ἐκεῖνος, ἐκεῖνη, ἐκεῖνο|ekeinos, ekeinē, ekeino}} („jener“, wie lateinisch ''{{lang|la|ille, illa, illud}}'') vor. Das [[Relativpronomen]] {{lang|grc|ὅς, ἥ, ὅ|hos, hē, ho}} wird durch Anhängung des Indefinitpronomens zum verallgemeinernden Relativpronomen {{lang|grc|ὅστις, ἥτις, ὅτι|hostis, hētis, hoti}}. Das verallgemeinernde Relativpronomen ähnelt dem [[Indirekte Frage|indirekten]] [[Fragepronomen]]. Das direkte Fragepronomen {{lang|grc|τίς, τί|tis, ti}} („wer, was“) trägt stets den Akut. Das [[Indefinitpronomen]] {{lang|grc|τις, τι|tis, ti}} („irgendjemand, irgendetwas“) entspricht dem direkten Fragepronomen, ist aber enklitisch.
! Aspekt
 
! [https://de.wikipedia.org/wiki/Aktionsart Aktionsart]
=== Konjugation ===
==== Grammatische Kategorien des Verbsystems ====
'''Tempus- und Aspektsystem'''
 
Das altgriechische Tempussystem unterscheidet sich grundlegend von dem deutschen oder lateinischen. Die in der Grammatik übliche Einteilung in sechs Tempora (sieben bei Berücksichtigung des seltenen [[Perfektfutur|Perfektfuturs]]) ist genau genommen irreführend, da nicht die zeitliche Bedeutung, sondern der [[Aspekt (Linguistik)|Aspekt]] im Vordergrund steht. Im Altgriechischen gibt es drei Tempusstämme, die einen bestimmten Aspekt ausdrücken. Zu jedem Tempusstamm gehört im Indikativ ein Haupttempus mit Gegenwarts- und ein Nebentempus mit Vergangenheitsbedeutung. (Der [[Aorist]]<nowiki/>stamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Zum Beispiel drückt der Indikativ Präsens eine [[Durativ (Grammatik)|durative]] Handlung der Gegenwart, der Indikativ Imperfekt eine durative Handlung der Vergangenheit aus. Dazu kommt der sprachhistorisch jüngere Futurstamm, der kein Nebentempus kennt und tatsächlich eine rein zeitliche Bedeutung hat.
 
Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende durch Flexionsaffixe die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das [[Futur]]: siehe unten).
 
Die Vergangenheit wird im Indikativ mit Hilfe der Nebentempora gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das [[Plusquamperfekt]] und im Aoriststamm der [[Aorist]].
 
Die Tempora ({{lang|grc|χρόνοι|chronoi}}) des Altgriechischen lassen sich nach folgendem Schema darstellen:
{| class="wikitable" style="max-width:70em;"
!Tempusstamm
!Haupttempus
!Nebentempus
!Aspekt
![[Aktionsart]]
|-
|-
| Präsensstamm
|Präsensstamm
| Präsens<br>(<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐνεστὼς χρόνος, ἐνεστώς</span><br>enestōs chronos, enestōs)
|Präsens
| Imperfekt<br>(<span class="Grek" lang="grc-Grek">παρατατικὸς χρόνος</span><br>paratatikos chronos)
({{lang|grc|ἐνεστὼς χρόνος, ἐνεστώς}}
| [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Imperfektiv&action=edit&redlink=1 imperfektiv]
{{lang|grc-Latn|enestōs chronos, enestōs}})
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Durativ_(Grammatik) durativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Frequentativ frequentativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Frequentativ iterativ],<br>[https://de.wikipedia.org/wiki/Habituativ habituativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Konativ konativ]
|Imperfekt
({{lang|grc|παρατατικὸς χρόνος}}
{{lang|grc-Latn|paratatikos chronos}})
|[[imperfektiv]]
|[[Durativ (Grammatik)|durativ]], [[frequentativ]], [[Frequentativ|iterativ]],
[[habituativ]], [[konativ]]
|-
|-
| Aoriststamm
|Aoriststamm
| –
|–
| Aorist<br>(<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἀόριστος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">aoristos</span>)
|Aorist
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Perfektiv perfektiv]/<br>[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Aoristisch&action=edit&redlink=1 aoristisch]
({{lang|grc|ἀόριστος|aoristos}})
| [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Punktuell&action=edit&redlink=1 punktuell], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Egressiv_(Aktionsart)&action=edit&redlink=1 egressiv], [https://de.wikipedia.org/wiki/Resultativ effektiv],<br>[https://de.wikipedia.org/wiki/Inchoativ inchoativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ingressiv ingressiv], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnomisch gnomisch]
|[[perfektiv]]/
[[aoristisch]]
|[[punktuell]], [[Egressiv (Aktionsart)|egressiv]], [[Resultativ|effektiv]],
[[inchoativ]], [[ingressiv]], [[gnomisch]]
|-
|-
| Perfektstamm
|Perfektstamm
| Perfekt<br>(<span class="Grek" lang="grc-Grek">παρακείμενος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">parakeimenos</span>)
|Perfekt
| Plusquamperfekt
({{lang|grc|παρακείμενος|parakeimenos}})
| [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Perfektisch&action=edit&redlink=1 perfektisch]
|Plusquamperfekt
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Resultativ resultativ]
|[[perfektisch]]
|[[resultativ]]
|-
|-
| Futurstamm
|Futurstamm
| Futur<br>(<span class="Grek" lang="grc-Grek">μέλλων</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">mellōn</span>)
|Futur
| –
({{lang|grc|μέλλων|mellōn}})
| –
|–
| –
|–
|–
|}
|}
<p>Die übrigen Modi werden jeweils dem Haupttempus des Tempusstammes (wenn vorhanden, sonst dem Nebentempus) zugeordnet. Sie haben aber keinerlei zeitliche Bedeutung. Dadurch erklärt sich auch die auf den ersten Blick paradox wirkende Tatsache, dass mit dem Imperativ Aorist eine Befehlsform zu einem Vergangenheitstempus existiert.</p><p>Das altgriechische Verb bildet also vier Tempusstämme:</p><p>Der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sensstamm Präsensstamm]''&nbsp;– auch ''linearer'' oder ''paratatischer Stamm'' genannt&nbsp;– ist besser als Imperfektivstamm zu behandeln. Er übernimmt die Funktionen der durativen, iterativen, habituativen und konativen Aktionsart. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt u.&nbsp;a. der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt.</p><p>Beispiele:</p>
Die übrigen Modi werden jeweils dem Haupttempus des Tempusstammes (wenn vorhanden, sonst dem Nebentempus) zugeordnet. Sie haben aber keinerlei zeitliche Bedeutung. Dadurch erklärt sich auch die auf den ersten Blick paradox wirkende Tatsache, dass mit dem Imperativ Aorist eine Befehlsform zu einem Vergangenheitstempus existiert.
*<span class="Grek" lang="grc-Grek">νοσεῖν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">nosein</span> „krank sein“ („krank darniederliegen“„“)
 
*<span class="Grek" lang="grc-Grek">(ἀπο)θνῄσκειν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">(apo)thnēskein</span> „sterben“ („im Sterben liegen“)
Das altgriechische Verb bildet also vier Tempusstämme:
<p>Der ''Aoriststamm'' bezeichnet Punktuelles. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung ''punktuell'' wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen sogenannten Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ''ohne'' ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (resultativ) oder der Beginn ([https://de.wikipedia.org/wiki/Ingressiv ingressiv], [https://de.wikipedia.org/wiki/Inchoativ inchoativ]) einer Handlung.</p><p>Beispiele:</p>
 
*ingressiv: <span class="Grek" lang="grc-Grek">νοσῆσαι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">nosēsai</span> „krank werden“ oder „erkranken“
Der ''[[Präsensstamm]]''&nbsp;– auch ''linearer'' oder ''paratatischer Stamm'' genannt&nbsp;– ist besser als Imperfektivstamm zu behandeln. Er übernimmt die Funktionen der durativen, iterativen, habituativen und konativen Aktionsart. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt u.&nbsp;a. der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt.
*effektiv: <span class="Grek" lang="grc-Grek">(ἀπο)θανεῖν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">(apo)thanein</span> „(ver)sterben“ (als Moment des Dahinscheidens)
 
<p>Die Formen des ''Perfektstamms'' haben vorzeitig-ergebnisbezogene Bedeutung. Das heißt: Da, wo andere Sprachen Verben resultativer Aktionsart setzen, steht im Altgriechischen eine Perfektform. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.</p><p>Beispiele:</p>
Beispiele:
*<span class="Grek" lang="grc-Grek">τεθνηκέναι (τεθνάναι)</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">tethnēkenai (tethnanai)</span> „(gestorben und nun) tot sein“
 
*<span class="Grek" lang="grc-Grek">πεποιθέναι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">pepoithenai</span> „vertrauen“
* {{lang|grc|νοσεῖν|nosein}} „krank sein“ („krank darniederliegen“)
*vergleiche auch das klassische Zitat des Läufers von Marathon: [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_griechischer_Phrasen/Ny#%CE%9D%CE%B5%CE%BD%CE%B9%CE%BA%CE%AE%CE%BA%CE%B1%CE%BC%CE%B5%CE%BD. <span class="Grek" lang="grc-Grek">Νενικήκαμεν</span>] Nenikēkamen („Wir haben gesiegt“).
* {{lang|grc|(ἀπο)θνῄσκειν|(apo)thnēskein}} „sterben“ („im Sterben liegen“)
<p>Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der ''Futurstamm'', ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.</p><p>'''Modussystem'''</p><p>Es gibt im Altgriechischen (nach Ansicht moderner Linguisten)<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-15 [15]]</sup> vier Modi: [https://de.wikipedia.org/wiki/Indikativ Indikativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Optativ Optativ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Konjunktiv Konjunktiv], [https://de.wikipedia.org/wiki/Imperativ_(Modus) Imperativ]. Die Funktionen, welche diese Formen syntaktisch und semantisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.</p><p>Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zum Ausdruck:</p>
 
*Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real), gegeben erscheint. Allerdings wird auch der Indikativ verwendet, wenn etwas fast Geschehenes bezeichnet wird.
Der ''Aoriststamm'' bezeichnet Punktuelles. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung ''punktuell'' wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen sogenannten Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ''ohne'' ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (resultativ) oder der Beginn ([[ingressiv]], [[inchoativ]]) einer Handlung.
*In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt, modal eingeschränkt, gilt:
 
**Der Imperativ drückt einen Befehl, eine Aufforderung, aus, etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">Φέρε μοὶ τόδε.</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">'''Phere''' moi tode.</span> „''Bring'' mir das her!“
Beispiele:
**Der Konjunktiv drückt einen Willen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Voluntativ Voluntativ]) oder eine Erwartung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Prospektiv_(Grammatik) Prospektiv]) aus (er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt), ähnelt aber auch dem Konjunktiv des Lateinischen, etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">Ἴωμεν.</span><span class="Latn" lang="grc-Latn">Iōmen.</span> „Lasst uns gehen!“ (Vergleiche lateinisch (coniunctivus hortativus): ''eamus!''.)
 
**Der Optativ drückt einen Wunsch ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kupitiv Kupitiv]) oder eine Möglichkeit ([https://de.wikipedia.org/wiki/Potentialis Potentialis]) aus, etwa <span class="Grek" lang="grc-Grek">Εἴθε τις λύοι.</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">Eithe tis '''lyoi'''</span> „''Möge'' [das] jemand ''lösen''“.
* ingressiv: {{lang|grc|νοσῆσαι|nosēsai}} „krank werden“ oder „erkranken“
<p>'''Diathese, Genus verbi'''</p><p>Von den drei [https://de.wikipedia.org/wiki/Diathese_(Linguistik) Diathesen] sind zwei ([https://de.wikipedia.org/wiki/Aktiv_(Grammatik) Aktiv] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Medium_(Grammatik) Medium]) aus dem Indogermanischen geerbt. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Passiv_(Grammatik) Passiv] ist eine jüngere Entwicklung.</p><p>Das Aktiv ist die unmarkierte Struktur.</p><p>Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium).<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-16 [16]]</sup> Der Begriff Medium (lateinisch ''medius'' „der Mittlere“) soll ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich noch morphologisch richtig.<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#cite_note-17 [17]]</sup> Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:</p><p>Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)</p><p>''Beispiele:''</p>
* effektiv: {{lang|grc|(ἀπο)θανεῖν|(apo)thanein}} „(ver)sterben“ (als Moment des Dahinscheidens)
*Aktiv: <span class="Grek" lang="grc-Grek">παιδεύσει</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">paideusei</span> „er wird [jemanden] erziehen“
 
*transitives Medium: <span class="Grek" lang="grc-Grek">παιδεύσεται</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">paideusetai</span> „er wird sich [jemanden] erziehen“
Die Formen des ''Perfektstamms'' haben vorzeitig-ergebnisbezogene Bedeutung. Das heißt: Da, wo andere Sprachen Verben resultativer Aktionsart setzen, steht im Altgriechischen eine Perfektform. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.
*intransitives Medium: <span class="Grek" lang="grc-Grek">παιδεύσεται</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">paideusetai</span> „er wird sich erziehen, er wird sich erziehen lassen“
 
*Passiv: <span class="Grek" lang="grc-Grek">παιδευθήσεται</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">paideuthēsetai</span> „er wird [von jemandem] erzogen werden“
Beispiele:
<p>'''Numerus- und Personsystem'''</p><p>Aufgrund der Personalflexion des altgriechischen Verbs werden die Personalpronomina des [https://de.wikipedia.org/wiki/Nominativ Nominativs] wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen (so auch im Lateinischen) meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont&nbsp;– etwa in [https://de.wikipedia.org/wiki/Adversativsatz Adversativsätzen]&nbsp;– werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort ([https://de.wikipedia.org/wiki/Pronomen Pronomen] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Substantiv Substantiv]) beim Verb stehen&nbsp;– die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren. Das Altgriechische ist also eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Pro-Drop-Sprache Pro-Drop-Sprache].</p><p>Das Altgriechische kennt beim Verb einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Singular Singular], einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Plural Plural] und einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Dual_(Grammatik) Dual] (als [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schwundform&action=edit&redlink=1 Schwundform]). Der Dual mit eigenen Endungen wird nur für die ''2.&nbsp;und 3.&nbsp;Person'' gebildet, während die 1.&nbsp;Person des Duals mit der ersten Person Plural zusammenfällt. In den folgenden Beispielen wird nur das Aktiv behandelt.</p>
 
*Präsens Indikativ
* {{lang|grc|τεθνηκέναι (τεθνάναι)|tethnēkenai (tethnanai)}} „(gestorben und nun) tot sein“
**Singular 2. Person: <span class="Grek" lang="grc-Grek">παιδεύεις</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">paideueis</span> „du erziehst“
* {{lang|grc|πεποιθέναι|pepoithenai}} „vertrauen“
**Dual 2. Person: <span class="Grek" lang="grc-Grek">παιδεύετον</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">paideueton</span> „ihr zwei erzieht“
* vergleiche auch das klassische Zitat des Läufers von Marathon: [[Liste griechischer Phrasen/Ny#Νενικήκαμεν.|{{lang|grc|Νενικήκαμεν}}]] {{lang|grc-Latn|Nenikēkamen}}(„Wir haben gesiegt“).
**Plural 2. Person: <span class="Grek" lang="grc-Grek">παιδεύετε</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">paideuete</span> „ihr erzieht“
 
*Aorist Indikativ
Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der ''Futurstamm'', ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.
**Singular 3. Person: <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐπαίδευσε(ν)</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">epaideuse(n)</span> „er erzog“
 
**Dual 3. Person: <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐπαιδευσάτην</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">epaideusatēn</span> „sie zwei erzogen“
'''Modussystem'''
**Plural 3. Person: <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐπαίδευσαν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">epaideusan</span> „sie erzogen“
 
Es gibt im Altgriechischen (nach Ansicht moderner Linguisten)<ref>Herbert Weir Smyth: ''A Greek Grammar For Colleges''. 1920, §.357: „The infinitive […] is sometimes classed as a mood.“</ref> vier Modi: [[Indikativ]], [[Optativ]], [[Konjunktiv]], [[Imperativ (Modus)|Imperativ]]. Die Funktionen, welche diese Formen syntaktisch und semantisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.
 
Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zum Ausdruck:
 
* Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real), gegeben erscheint. Allerdings wird auch der Indikativ verwendet, wenn etwas fast Geschehenes bezeichnet wird.
* In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt, modal eingeschränkt, gilt:
** Der Imperativ drückt einen Befehl, eine Aufforderung, aus, etwa {{lang|grc|Φέρε μοὶ τόδε.|'''Phere''' moi tode.}} „''Bring'' mir das her!“
** Der Konjunktiv drückt einen Willen ([[Voluntativ]]) oder eine Erwartung ([[Prospektiv (Grammatik)|Prospektiv]]) aus (er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt), ähnelt aber auch dem Konjunktiv des Lateinischen, etwa {{lang|grc|Ἴωμεν.|Iōmen.}} „Lasst uns gehen!“ (Vergleiche lateinisch (coniunctivus hortativus): ''{{lang|la|eamus!}}''.)
** Der Optativ drückt einen Wunsch ([[Kupitiv]]) oder eine Möglichkeit ([[Potentialis]]) aus, etwa {{lang|grc|Εἴθε τις λύοι.|Eithe tis '''lyoi'''}} „''Möge'' [das] jemand ''lösen''“.
 
'''Diathese, Genus verbi'''
 
Von den drei [[Diathese (Linguistik)|Diathesen]] sind zwei ([[Aktiv (Grammatik)|Aktiv]] und [[Medium (Grammatik)|Medium]]) aus dem Indogermanischen geerbt. Das [[Passiv (Grammatik)|Passiv]] ist eine jüngere Entwicklung.
 
Das Aktiv ist die unmarkierte Struktur.
 
Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium).<ref>{{Literatur |Autor=[[Günther Zuntz]] |Titel=[[Griechischer Lehrgang]] |Band=Band 3: ''Appendix grammatica, Summa grammatica, Sachregister'' |Verlag=[[Vandenhoeck & Ruprecht]] |Ort=Göttingen |Datum=1983 |ISBN=3-525-25320-6 |Seiten=114f. |Online=https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00049374_00112.html |Abruf=2019-04-15}}</ref> Der Begriff Medium (lateinisch ''{{lang|la|medius}}'' „der Mittlere“) soll ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich noch morphologisch richtig.<ref>{{Literatur |Autor=Martin Holtermann |Titel=Medio tutissimus ibis. Zur Didaktik der Diathesen im Griechischunterricht |Sammelwerk=Forum Classicum |Nummer=3 |Datum=2019 |Seiten=180–192 |Online=https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fc/article/view/68356 |Abruf=2019-12-16}}</ref> Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:
 
Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)
 
''Beispiele:''
 
* Aktiv: {{lang|grc|παιδεύσει|paideusei}} „er wird [jemanden] erziehen“
* transitives Medium: {{lang|grc|παιδεύσεται|paideusetai}} „er wird sich [jemanden] erziehen“
* intransitives Medium: {{lang|grc|παιδεύσεται|paideusetai}} „er wird sich erziehen, er wird sich erziehen lassen“
* Passiv: {{lang|grc|παιδευθήσεται|paideuthēsetai}} „er wird [von jemandem] erzogen werden“
 
'''Numerus- und Personsystem'''
 
Aufgrund der Personalflexion des altgriechischen Verbs werden die Personalpronomina des [[Nominativ|Nominativs]] wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen (so auch im Lateinischen) meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont&nbsp;– etwa in [[Adversativsatz|Adversativsätzen]]&nbsp;– werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort ([[Pronomen]] oder [[Substantiv]]) beim Verb stehen&nbsp;– die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren. Das Altgriechische ist also eine [[Pro-Drop-Sprache]].
 
Das Altgriechische kennt beim Verb einen [[Singular]], einen [[Plural]] und einen [[Dual (Grammatik)|Dual]] (als [[Schwundform]]). Der Dual mit eigenen Endungen wird nur für die ''2.&nbsp;und 3.&nbsp;Person'' gebildet, während die 1.&nbsp;Person des Duals mit der ersten Person Plural zusammenfällt. In den folgenden Beispielen wird nur das Aktiv behandelt.
 
* Präsens Indikativ
** Singular 2. Person: {{lang|grc|παιδεύεις|paideueis}} „du erziehst“
** Dual 2. Person: {{lang|grc|παιδεύετον|paideueton}} „ihr zwei erzieht“
** Plural 2. Person: {{lang|grc|παιδεύετε|paideuete}} „ihr erzieht“
* Aorist Indikativ
** Singular 3. Person: {{lang|grc|ἐπαίδευσε(ν)|epaideuse(n)}} „er erzog“
** Dual 3. Person: {{lang|grc|ἐπαιδευσάτην|epaideusatēn}} „sie zwei erzogen“
** Plural 3. Person: {{lang|grc|ἐπαίδευσαν|epaideusan}} „sie erzogen“
 
==== Konjugationstabellen ====
Konjugationstabelle für das regelmäßige Verb {{lang|grc|λύω|lyō}} (Infinitiv {{lang|grc|λύειν|lyein}} „lösen“) im Aktiv.


==== <span id="Konjugationstabellen">Konjugationstabellen</span> ====
Der Dual wurde aufgrund seiner Seltenheit nicht berücksichtigt.
<p>Konjugationstabelle für das regelmäßige Verb <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύω</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">lyō</span> (Infinitiv <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύειν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">lyein</span> „lösen“) im Aktiv.<br>Der Dual wurde aufgrund seiner Seltenheit nicht berücksichtigt.</p>
{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
!
!Haupttempora des Indikativs
!Nebentempora des Indikativs
![[Konjunktiv]]
![[Optativ]]
![[Imperativ (Modus)|Imperativ]]
|-
|-
! <br>
|[[Präsens]]/
! Haupttempora des Indikativs
[[Imperfekt]]
! Nebentempora des Indikativs
|{{lang|grc|λύω, λύεις, λύει,<br />λύομεν, λύετε, λύουσι(ν)}}
! [https://de.wikipedia.org/wiki/Konjunktiv Konjunktiv]
<!--Absicht: Sichtbarer Umbruch muss vermeiden werden.-->{{lang|grc-Latn|lyō, lyeis, lyei,<br />lyomen, lyete, lyousi(n)}}
! [https://de.wikipedia.org/wiki/Optativ Optativ]
|{{lang|grc|ἔλυον, ἔλυες, ἔλυε(ν),<br />ἐλύομεν, ἐλύετε, ἔλυον}}
! [https://de.wikipedia.org/wiki/Imperativ_(Modus) Imperativ]
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|elyon, elyes, elye(n),<br />elyomen, elyete, elyon}}
|-
|{{lang|grc|λύω, λύῃς, λύῃ,<br />λύωμεν, λύητε, λύωσι(ν)}}
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sens Präsens]/<br>[https://de.wikipedia.org/wiki/Imperfekt Imperfekt]
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lyō, lyējs, lyēj,<br />lyōmen, lyēte, lyōsi(n)}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύω, λύεις, λύει,<br>λύομεν, λύετε, λύουσι(ν)</span><br>lyō, lyeis, lyei,<br>lyomen, lyete, lyousi(n)
|{{lang|grc|λύοιμι, λύοις, λύοι,<br />λύοιμεν, λύοιτε, λύοιεν}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἔλυον, ἔλυες, ἔλυε(ν),<br>ἐλύομεν, ἐλύετε, ἔλυον</span><br>elyon, elyes, elye(n),<br>elyomen, elyete, elyon
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lyoimi, lyois, lyoi,<br />lyoimen, lyoite, lyoien}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύω, λύῃς, λύῃ,<br>λύωμεν, λύητε, λύωσι(ν)</span><br>lyō, lyējs, lyēj,<br>lyōmen, lyēte, lyōsi(n)
|{{lang|grc|—, λῦε, λυέτω,<br />—, λύετε, λυόντων}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύοιμι, λύοις, λύοι,<br>λύοιμεν, λύοιτε, λύοιεν</span><br>lyoimi, lyois, lyoi,<br>lyoimen, lyoite, lyoien
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|—, lye, lyetō,<br />—, lyete, lyontōn}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">—, λῦε, λυέτω,<br>—, λύετε, λυόντων</span><br>—, lye, lyetō,<br>—, lyete, lyontōn
|-
|-
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Futur Futur]
|[[Futur]]
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύσω, λύσεις, λύσει,<br>λύσομεν, λύσετε, λύσουσι(ν)</span><br>lysō, lyseis, lysei,<br>lysomen, lysete, lysousi(n)
|{{lang|grc|λύσω, λύσεις, λύσει,<br />λύσομεν, λύσετε, λύσουσι(ν)}}
| —
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lysō, lyseis, lysei,<br />lysomen, lysete, lysousi(n)}}
| —
| style="text-align:center" |—
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύσοιμι, λύσοις, λύσοι,<br>λύσοιμεν, λύσοιτε, λύσοιεν</span><br>lysoimi, lysois, lysoi,<br>lysoimen, lyseite, lysoien
| style="text-align:center" |—
| —
|{{lang|grc|λύσοιμι, λύσοις, λύσοι,<br />λύσοιμεν, λύσοιτε, λύσοιεν}}
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lysoimi, lysois, lysoi,<br />lysoimen, lyseite, lysoien}}
| style="text-align:center" |—
|-
|-
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Aorist Aorist]
|[[Aorist]]
| —
| style="text-align:center" |—
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἔλυσα, ἔλυσας, ἔλυσε(ν),<br>ἐλύσαμεν, ἐλύσατε, ἔλυσαν</span><br>elysa, elysas, elyse(n),<br>elysamen, elysate, elysan
|{{lang|grc|ἔλυσα, ἔλυσας, ἔλυσε(ν),<br />ἐλύσαμεν, ἐλύσατε, ἔλυσαν}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύσω, λύσῃς, λύσῃ,<br>λύσωμεν, λύσητε, λύσωσι(ν)</span><br>lysō, lysējs, lysēj,<br>lysōmen, lysēte, lysōsi(n)
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|elysa, elysas, elyse(n),<br />elysamen, elysate, elysan}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λύσαιμι, λύσαις, λύσαι,<br>λύσαιμεν, λύσαιτε, λύσαιεν</span><br>lysaimi, lysais, lysai,<br>lysaimen, lysaite, lysaien
|{{lang|grc|λύσω, λύσῃς, λύσῃ,<br />λύσωμεν, λύσητε, λύσωσι(ν)}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">—, λῦσον, λυσάτω,<br>—, λύσατε, λυσάντων</span><br>—, lyson, lysatō,<br>—, lysate, lysantōn
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lysō, lysējs, lysēj,<br />lysōmen, lysēte, lysōsi(n)}}
|{{lang|grc|λύσαιμι, λύσαις, λύσαι,<br />λύσαιμεν, λύσαιτε, λύσαιεν}}
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lysaimi, lysais, lysai,<br />lysaimen, lysaite, lysaien}}
|{{lang|grc|—, λῦσον, λυσάτω,<br />—, λύσατε, λυσάντων}}
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|—, lyson, lysatō,<br />—, lysate, lysantōn}}
|-
|-
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Perfekt Perfekt]/<br>[https://de.wikipedia.org/wiki/Plusquamperfekt Plusquam-<br>perfekt]
|[[Perfekt]]/
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λέλυκα, λέλυκας, λέλυκε(ν),<br>λελύκαμεν, λελύκατε, λελύκασι(ν)</span><br>lelyka, lelykas, leluke(n),<br>lelykamen, lelykate, lelykasi(n)
[[Plusquamperfekt|Plusquam-]]
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐλελύκειν, ἐλελύκεις, ἐλελύκει,<br>ἐλελύκεμεν, ἐλελύκετε, ἐλελύκεσαν</span><br>elelykein, elelykeis, elelykei,<br>elelykemen, elelykete, elelykesan
[[Plusquamperfekt|perfekt]]
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λελύκω, λελύκῃς, λελύκῃ,<br>λελύκωμεν, λελύκητε, λελύκωσι(ν)</span><br>lelykō, lelykējs, lelykēj,<br>lelykōmen, lelykēte, lelykōsi(n)
|{{lang|grc|λέλυκα, λέλυκας, λέλυκε(ν),<br />λελύκαμεν, λελύκατε, λελύκασι(ν)}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">λελύκοιμι, λελύκοις, λελύκοι,<br>λελύκοιμεν, λελύκοιτε, λελύκοιεν</span><br>lelykoimi, lelykois, lelykoi,<br>lelykoimen, lelykoite, lelykoien
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lelyka, lelykas, leluke(n),<br />lelykamen, lelykate, lelykasi(n)}}
| ''Zusammengesetzt:''<br><span class="Grek" lang="grc-Grek">—, λελυκὼς ἴσθι, λελυκὼς ἔστω,<br>—, λελυκότες ἔστε, λελυκότες ἔστων</span><br>—, lelykōs isthi, lelykōs, estō,<br>—, lelykotes este, lelykotes estōn
|{{lang|grc|ἐλελύκειν, ἐλελύκεις, ἐλελύκει,<br />ἐλελύκεμεν, ἐλελύκετε, ἐλελύκεσαν}}
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|elelykein, elelykeis, elelykei,<br />elelykemen, elelykete, elelykesan}}
|{{lang|grc|λελύκω, λελύκῃς, λελύκῃ,<br />λελύκωμεν, λελύκητε, λελύκωσι(ν)}}
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lelykō, lelykējs, lelykēj,<br />lelykōmen, lelykēte, lelykōsi(n)}}
|{{lang|grc|λελύκοιμι, λελύκοις, λελύκοι,<br />λελύκοιμεν, λελύκοιτε, λελύκοιεν}}
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|lelykoimi, lelykois, lelykoi,<br />lelykoimen, lelykoite, lelykoien}}
|''Zusammengesetzt:''
{{lang|grc|—, λελυκὼς ἴσθι, λελυκὼς ἔστω,<br />—, λελυκότες ἔστε, λελυκότες ἔστων}}<!--Absicht-->
{{lang|grc-Latn|—, lelykōs isthi, lelykōs, estō,<br />—, lelykotes este, lelykotes estōn}}
|}
|}
<p>Entsprechende Tabelle für das wichtige unregelmäßige Hilfsverb <span class="Grek" lang="grc-Grek">εἰμί</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">eimi</span> (Infinitiv <span class="Grek" lang="grc-Grek">εἶναι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">einai</span> „sein“).</p>
Entsprechende Tabelle für das wichtige unregelmäßige Hilfsverb {{lang|grc|εἰμί|eimi}} (Infinitiv {{lang|grc|εἶναι|einai}} „sein“).
{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
!
!Haupttempora des Indikativs
!Nebentempora des Indikativs
![[Konjunktiv]]
![[Optativ]]
![[Imperativ (Modus)|Imperativ]]
|-
|-
! <br>
|[[Präsens]]/
! Haupttempora des Indikativs
[[Imperfekt]]
! Nebentempora des Indikativs
|{{lang|grc|εἰμί, εἶ, ἐστί(ν),<br />ἐσμέν, ἐστε, εἰσί(ν)}}
! [https://de.wikipedia.org/wiki/Konjunktiv Konjunktiv]
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|eimi, ei, esti(n),<br />esmen, este, eisi(n)}}
! [https://de.wikipedia.org/wiki/Optativ Optativ]
|{{lang|grc|ἦ, ἦσθα, ἦν,<br />ἦμεν, ἦτε, ἦσαν}}
! [https://de.wikipedia.org/wiki/Imperativ_(Modus) Imperativ]
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|ē, ēstha, ēn,<br />ēmen, ēte, ēsan}}
|-
|{{lang|grc|ὦ, ᾖς, ᾖ,<br />ὦμεν, ἦτε, ὦσι(ν)}}
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sens Präsens]/<br>[https://de.wikipedia.org/wiki/Imperfekt Imperfekt]
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|ō, ēs, ē,<br />ōmen, ēte, ōsi(n)}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">εἰμί, εἶ, ἐστί(ν),<br>ἐσμέν, ἐστε, εἰσί(ν)</span><br>eimi, ei, esti(n),<br>esmen, este, eisi(n)
|{{lang|grc|εἴην, εἴης, εἴη,<br />εἴημεν, εἴητε, εἴησαν}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἦ, ἦσθα, ἦν,<br>ἦμεν, ἦτε, ἦσαν</span><br>ē, ēstha, ēn,<br>ēmen, ēte, ēsan
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|eiēn, eiēs, eiē,<br />eiēmen, eiēte, eiēsan}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὦ, ᾖς, ᾖ,<br>ὦμεν, ἦτε, ὦσι(ν)</span><br>ō, ēs, ē,<br>ōmen, ēte, ōsi(n)
|{{lang|grc|—, ἴσθι, ἔστω,<br />—, ἔστε, ἔστων}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">εἴην, εἴης, εἴη,<br>εἴημεν, εἴητε, εἴησαν</span><br>eiēn, eiēs, eiē,<br>eiēmen, eiēte, eiēsan
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|—, isthi, estō,<br />—, este, estōn}}
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">—, ἴσθι, ἔστω,<br>—, ἔστε, ἔστων</span><br>—, isthi, estō,<br>—, este, estōn
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| [https://de.wikipedia.org/wiki/Futur Futur]
|[[Futur]]
| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἔσομαι, ἔσῃ, ἔσται,<br>ἐσόμεθα, ἔσεσθε, ἔσονται</span><br>esomai, esē, estai,<br>esometha, esesthe, esontai
|{{lang|grc|ἔσομαι, ἔσῃ, ἔσται,<br />ἐσόμεθα, ἔσεσθε, ἔσονται}}
| —
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|esomai, esē, estai,<br />esometha, esesthe, esontai}}
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| <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἐσοίμην, ἔσοιο, ἔσοιτο,<br>ἐσοίμεθα, ἔσοισθε, ἔσοιντο</span><br>esoimēn, esoio, esoito,<br>esoimetha, esoisthe, esointo
| style="text-align:center" |—
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|{{lang|grc|ἐσοίμην, ἔσοιο, ἔσοιτο,<br />ἐσοίμεθα, ἔσοισθε, ἔσοιντο}}
<!--Absicht-->{{lang|grc-Latn|esoimēn, esoio, esoito,<br />esoimetha, esoisthe, esointo}}
| style="text-align:center" |—
|}
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<p>Die restlichen Tempora sind für die Benutzung als Hilfsverb irrelevant. Sie werden eigentlich aus dem Stamm des Verbs <span class="Grek" lang="grc-Grek">γίγνομαι</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">gignomai</span> („werden“; gleichbedeutend mit englisch ''to become'') abgeleitet.</p>
Die restlichen Tempora sind für die Benutzung als Hilfsverb irrelevant. Sie werden eigentlich aus dem Stamm des Verbs {{lang|grc|γίγνομαι|gignomai}} („werden“; gleichbedeutend mit englisch ''{{lang|en|to become}}'') abgeleitet.<!--=== Syntax ===
== <span id="Heutige_Bedeutung">Heutige Bedeutung</span> ==
<p>Im deutschsprachigen Raum ist das Griechische neben [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein Latein] seit dem ausgehenden Mittelalter bis heute eine wichtige [https://de.wikipedia.org/wiki/Bildungssprache Bildungssprache].</p><p>In Deutschland wird vorwiegend an humanistischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gymnasium Gymnasien] (meist ab Klasse&nbsp;8 oder&nbsp;9) [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechischunterricht Griechischunterricht] erteilt, zudem wird dort [https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%A4zistik Gräzistik] im Rahmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Philologie Klassischen Philologie] an zahlreichen Universitäten als Lehrfach angeboten. Auch in [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich Österreich] und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schweiz Schweiz] wird Altgriechisch nur an Gymnasien sowie an der Universität gelehrt. Altgriechisch ist neben Latein Pflichtfach im ''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liceo_Classico&action=edit&redlink=1 Liceo Classico]'' (vergleichbar einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Humanistisches_Gymnasium Humanistischen Gymnasium]) in [https://de.wikipedia.org/wiki/Italien Italien].</p><p>Für Studiengänge wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Latinistik Latinistik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Arch%C3%A4ologie Klassische Archäologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Geschichte Alte Geschichte] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] ist das Griechisch-Examen, das sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Graecum Graecum], bis heute oft Voraussetzung. Grundlage für das in Schulen gelehrte Altgriechisch bildet das Attische des 5.&nbsp;und 4.&nbsp;Jahrhunderts v.&nbsp;Chr., aber auch Autoren anderer Dialekte werden behandelt.</p><p>Griechisch-Gymnasiasten können ihre Fähigkeiten im internationalen [https://de.wikipedia.org/wiki/Exploring_the_Ancient_Greek_Language_and_Culture Exploring-the-Ancient-Greek-Language-and-Culture]-Wettbewerb messen.</p><p>Zahlreiche deutsche Ausdrücke ([https://de.wikipedia.org/wiki/Gefl%C3%BCgeltes_Wort geflügeltes Wort], [https://de.wikipedia.org/wiki/Schwanengesang Schwanengesang]) und Sprichwörter („Im Wein liegt Wahrheit“, „Eine Hand wäscht die andere“) stammen ursprünglich aus altgriechischen Quellen und sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Lehn%C3%BCbersetzung Lehnübersetzungen]. Viele exemplarische [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_griechischer_Phrasen Redewendungen altgriechischer Autoren] sind bis heute berühmt und werden vielfach zitiert.</p><p>Aus dem Altgriechischen entlehnte Wörter finden sich in zahlreichen wissenschaftlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Fachsprache Fachsprachen], besonders in Gebieten, die bereits durch altgriechische Autoren bearbeitet wurden. Insbesondere im Bereich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geometrie Geometrie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft Naturwissenschaften], [https://de.wikipedia.org/wiki/Medizin Medizin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhetorik Rhetorik] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Theaterwissenschaft Theaterwissenschaft] haben [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_griechischer_Wortst%C3%A4mme_in_deutschen_Fremdw%C3%B6rtern griechische Wortstämme] das Fachvokabular geprägt.</p><p>Anders als etwa ältere Formen des Deutschen in der deutschen Sprache, spielt das Altgriechische auch im aktiven Wortschatz der neugriechischen Sprache eine Rolle: So werden antike Zitate und Redewendungen stets unübersetzt benutzt, Wortneubildungen und zusammengesetzte Wörter sind direkt aus dem Altgriechischen abgeleitet.</p>
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Grammatik Altgriechische Grammatik]
== Wortschatz ==-->
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Phonologie_der_Koine Phonologie der Koine]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Polytonische_Orthographie Polytonische Orthographie]
*[[Liste griechischer Präfixe]]
*[[Liste griechischer Suffixe]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Gr%C3%A4zismen Liste von Gräzismen (Griechische Lehnwörter in der deutschen Sprache)]

Version vom 15. Juli 2026, 09:46 Uhr

Auszug Altgriechische Sprache https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache#Grammatik 8. November 2023 um 01:39 Uhr

Die ersten Grammatiklehrbücher des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samothrake schrieb eine 'technē grammatikē' des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die 'technē grammatikē' des Dionysios Thrax (2. Jahrhundert v. Chr.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jahrhundert n. Chr.). Angeblich im Jahre 169/68 „importierten“ die Römer die griechische Grammatiklehre und adaptierten sie.

Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige satzwertige Konstruktionen (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind bestimmte Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen.

Im Westen und auch in diesem Artikel werden oft lateinisch-basierte Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person …) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die (oft) direkte Übersetzungen (Lehnübersetzungen) der griechischen Begriffe darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute griechisch-basierte Begriffe aus der 'technē grammatikē' des Dionysios Thrax verwendet.

Deklination

Im Altgriechischen werden Substantive, Adjektive, Pronomina, der (definite) Artikel und einige Zahlwörter dekliniert. Besonders Zahl und Formenreichtum der Verbaladjektive ist hoch.

Grammatikalische Kategorien der Nomina

Die altgriechischen Nomina (deklinierbaren Wörter) werden in den folgenden grammatischen Kategorien dekliniert:

Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Substantive können mit einem Artikel (ὁ, ἡ, τό ho, hē, to „der, die, das“) bestimmtwerden; einen unbestimmten Artikel gibt es nicht.

Kasus

Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Altgriechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ (Anredeform). Nach ihrer Verwendungsweise werden zahlreiche verschiedene Kasusfunktionen unterschieden. Das altgriechische Kasussystem ähnelt in seinen Grundzügen dem deutschen.

Numerus

Neben dem Singular (Einzahl) und Plural (Mehrzahl) hat das Altgriechische noch in Resten den Dual (Zweizahl) behalten. Die Artikel des Duals lauten oft in allen Genera τὼ tō im Nominativ und Akkusativ und τοῖν toin im Genitiv und Dativ. Seltenere Formen des femininen Duals sind entsprechend τὰ ta und ταῖν tain. In der o-Deklination (s. u.) hat er die Endungen -ω -ō im Nominativ und Akkusativ und -οιν -oin im Genitiv und Dativ. In der a-Deklination lauten die Endungen entsprechend -ᾱ -ā und -αιν -ain, in der 3. Deklination -ε -e und -οιν -oin. Der Dual war schon zu vorklassischer Zeit (vor dem 5. Jahrhundert v. Chr.) im Schwinden begriffen, und die ursprüngliche Verwendungsweise (nur für wirklich in der Zweizahl Zusammengehöriges, wie Zwillinge, die beiden Hände, Augen und so weiter) ging verloren. In der klassischen Literatur wurden vorsichtige Wiederbelebungsversuche unternommen, die den Dual jedoch nicht wieder etablierten und außerdem seiner ursprünglichen, spezifischen Verwendungsweise entfremdeten. Aufgrund seiner Seltenheit ist der Dual in den untenstehenden Deklinationsbeispielen nicht aufgenommen.

Beispiele:

Genus

Wie die meisten indogermanischen Sprachen kennt das Altgriechische drei Genera: Maskulinum (männlich), Femininum (weiblich) und Neutrum (sächlich). Männliche Personen sind oft maskulin, weibliche oft feminin.[1][2]Winde, Flüsse und Monate sind oft maskulin, Länder, Inseln und Städte oft feminin.[2] Eine Besonderheit des Neutrums ist, dass bei einem neutralen Subjekt das Prädikat stets im Singular steht. Dies lässt sich damit erklären, dass das Neutrum Plural sprachhistorisch auf ein Kollektivum zurückgeht.

Das Genus commune ist bei einigen Vokabeln ebenfalls erhalten, etwa bei ὁ/ἡ βοῦς ho/hē bous, das sowohl „Rind“ als auch „Ochse“ oder „Kuh“ heißen kann. Einige Wörter sind Epicöna wie ἡ ἀλώπηξ hē alōpēx der Fuchs, was sowohl männliche als auch weibliche Füchse einschließt.[3][4]

Deklination der Substantive

Das Altgriechische kennt drei grundlegende Deklinationsklassen: die o-Deklination, die a-Deklination und eine dritte, konsonantische Deklination.

Zur a-Deklination (oder ersten Deklination) gehören Feminina auf kurzes -ᾰ -ă (wie δόξᾰ doxă „Ruhm, Ansicht“), langes -ᾱ -ā (etwa χώρᾱ chōrā „Land“) und -η -ē (etwa νίκη nikē „Sieg“) sowie Maskulina auf -ᾱς -ās (etwa νεανίᾱς neaniās „Jüngling“) und -ης -ēs (etwa ποιητής poiētēs „Dichter“). Endet der Wortstamm auf ein ε e, ι i oder ρ r, haben die Endungen in allen Formen ein α a (Alpha purum), andernfalls wird ein langes ᾱ ā zu einem η ē (Alpha impurum). Die Maskulina haben im Genitiv die Endung -ου -ou, im Vokativ enden sie auf -ᾰ -ă, ansonsten werden sie genauso dekliniert wie die Feminina.

Beispielwort: δόξᾰ doxă „Ruhm, Ansicht“ (Femininum, mit kurzem Alpha impurum)
  Singular Plural
Nominativ ἡ δόξα hē doxa αἱ δόξαι hai doxai
Genitiv τῆς δόξης tēs doxēs τῶν δοξῶν tōn doxōn
Dativ τῇ δόξῃ tē doxē ταῖς δόξαις tais doxais
Akkusativ τὴν δόξαν tēn doxan τὰς δόξας tas doxas
Vokativ ὦ δόξα ō doxa ὦ δόξαι ō doxai

Zur o-Deklination (oder zweiten Deklination) gehören Maskulina auf -ος -os (wie φίλος philos„Freund“) und Neutra auf -ον -on (wie τέκνον teknon „Kind“). Die Deklinationsendungen sind dieselben, außer dass Wörter auf -ον -on wie alle Neutra im Nominativ und Akkusativ Plural auf -α -a enden und im Vokativ dieselbe Form wie im Nominativ haben. Ganz vereinzelt kommen auch Feminina auf -ος -os vor (etwa νῆσος nēsos „Insel“), die ebenso dekliniert werden wie die Maskulina. Dazu kommen als Sonderfälle Kontrakta (etwa νοῦς nous „Sinn“), bei denen der vokalische Stamm mit der Deklinationsendung verschmolzen ist, und die sogenannte attische Deklination (wie νεώς neōs „Tempel“).

Beispielwort: φίλος philos „Freund“ (maskulinum)
  Singular Plural
Nominativ ὁ φίλος ho philos οἱ φίλοι hoi philoi
Genitiv τοῦ φίλου tou philou τῶν φίλων tōn philōn
Dativ τῷ φίλῳ tō philō τοῖς φίλοις tois philois
Akkusativ τὸν φίλον ton philon τοὺς φίλους tous philous
Vokativ ὦ φίλε ō phile ὦ φίλοι ō philoi

Die 3. Deklination umfasst eine Vielzahl von konsonantischen Stämmen. Je nach Stammauslaut lassen sie sich in Muta-Stämme (etwa γύψ gyps m. „Geier“ [Stamm γύπ- gyp-], αἴξ aix f. „Ziege“ [Stamm αἴγ- aig-], ὄρνις ornis m.„Vogel“ [Stamm ὄρνιθ- ornith-]), Liquida- und Nasalstämme (etwa ῥήτωρ rhētōr m. „Redner“, μήτηρ mētēr f. „Mutter“, λιμήν limēn m. Hafen), Sigma-Stämme (wie γένος genos n. „Geschlecht, Art“) und Vokalstämme (etwa πόλις polis f. „Stadt“, βασιλεύς basileus m. „König“) unterteilen. Aus sprachhistorischen Gründen unterliegt die Deklination der einzelnen Untergruppen Unregelmäßigkeiten, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Zur 3. Deklination gehören Maskulina, Feminina und Neutra. Der Nominativ ist bei den Maskulina und Feminina entweder durch die Endung -ς -s oder die Dehnstufe des Stammes (etwa ῥήτωρ rhētōr zum Stamm ῥητορ- rhētor-) gekennzeichnet, bei den Neutra besteht er aus der Grundstufe des Stammes. Manche Liquidastämme unterliegen dem quantitativen Ablaut (so hat μήτηρ mētēr im Nominativ die Dehnstufe, im Akkusativ μητέρα mētera die Grundstufe und im Genitiv μητρός mētros die Schwundstufe).

Beispielwort Maskulinum: ῥήτωρ rhētōr „Redner“ (maskulinum, Liquida-Stamm ohne Ablaut)
  Singular Plural
Nominativ ὁ ῥήτωρ ho rhētōr οἱ ῥήτορες hoi rhētores
Genitiv τοῦ ῥήτορος tou rhētoros τῶν ῥητόρων tōn rhētorōn
Dativ τῷ ῥήτορι tō rhētori τοῖς ῥήτορσι(ν) tois rhētorsi(n)
Akkusativ τὸν ῥήτορα ton rhētora τοὺς ῥήτορας tous rhētoras
Vokativ ὦ ῥῆτορ ō rhētor ὦ ῥήτορες ō rhētores

Das eingeklammerte Ny im Dativ Plural wird bewegliches Ny genannt (ν ἐφελκυστικόν n ephelkystikon bzw. νῦ ἐφελκυστικόν ny ephelkystikon) und kann unter anderem angefügt werden, wenn das nachfolgende Wort mit einem Vokal beginnt.[5]

Adjektive

Adjektive werden entweder nach der o/a-Deklination oder nach der 3. Deklination dekliniert. Erstere enden im Maskulinum auf -ος -os, im Femininum auf -α -a oder -η -ē und im Neutrum auf -ον -on (etwa νέος, νέα, νέον neos, nea, neon „neu“). Manche (vor allem zusammengesetzte) Adjektive sind auch zweiendig, d. h., sie enden sowohl im Maskulinum als auch im Femininum auf -ος -os (etwa εὔκολος, εὔκολον eukolos, eukolon „leicht“). Adjektive der 3. Deklination werden teils im Femininum nach der a-Deklination dekliniert (wie πᾶς, πᾶσα, πᾶν pas, pasa, pan „ganz“), teils sind sie auch zweiendig (etwa σαφής, σαφές saphēs, saphes „klar, deutlich“).

Adjektive können gesteigert werden (Positiv σοφός sophos „klug“, Komparativ σοφώτερος sophōteros „klüger“, Superlativ σοφώτατος sophōtatos „am klügsten“). Der Superlativ kann als absoluter Superlativ (Elativ) auch nur eine absolute Herausgehobenheit („sehr klug“) bezeichnen. Die Endungen des Komparativs und des Superlativs sind meist -τερος -teros und -τατος -tatos, bei einigen Adjektiven auch -ίων -iōn und -ιστος -istos (etwa κακός, κακίων, κάκιστος kakos, kakiōn, kakistos „schlecht, schlechter, am schlechtesten“).

Adverbien werden von den Adjektiven mit der Endung -ως -ōs abgeleitet (vergleiche σοφός ἐστιν sophos estin „er ist klug“ [Prädikatsnomen, Adjektiv] und σοφῶς λέγει sophōs legei „er spricht klug“).

Pronomina

Personalpronomina gibt es in der 1., 2. und 3. Person.[6][7] Die Nominativformen der Personalpronomina (attisch: ἐγώ egō „ich“, σύ sy „du“, ἡμεῖς hēmeis „wir“, ὑμεῖς hymeis „ihr“) sind stets betont, weil die Person im Normalfall schon durch das Verb angegeben ist. In den übrigen Kasus wird zwischen den enklitischen unbetonten Formen (etwa με me) und nicht-enklitischen Formen (ἐμέ eme„mich“), die in betonter Stellung und nach Präpositionen stehen, unterschieden. Als Ersatz für die Personalpronomina der 3. Person werden im Nominativ auch die Formen des Demonstrativpronomens οὗτος houtos („dieser“), in den übrigen Kasus die Formen des Wortes αὐτός autos („selbst“) verwendet. In allen drei Personen gibt es reflexive und nichtreflexive Formen des Personalpronomens, je nachdem, ob sie sich auf das Subjekt des Satzes beziehen (etwa ἐμέ eme „mich“ – ἐμαυτόν emauton „mich [selbst]“). In der 3. Person wird zudem zwischen direkt und indirekt reflexiven Pronomina unterschieden, wobei sich die indirekt reflexiven Pronomina auf das Subjekt des übergeordneten Satzes beziehen. Das Possessivpronomen lautet ἐμός, σός emos, sos. Es existiert im klassischen Griechisch nur in der 1. und der 2. Person.

An Demonstrativpronomina kommen ὅδε, ἥδε, τόδε hode, hēde, tode(„dieser“, wie lateinisch 'hic, haec, hoc'), οὗτος, αὕτη, τοῦτο houtos, hautē, touto („dieser“, wie lateinisch 'is, ea, id') und ἐκεῖνος, ἐκεῖνη, ἐκεῖνο ekeinos, ekeinē, ekeino („jener“, wie lateinisch 'ille, illa, illud') vor. Das Relativpronomen ὅς, ἥ, ὅ hos, hē, ho wird durch Anhängung des Indefinitpronomens zum verallgemeinernden Relativpronomen ὅστις, ἥτις, ὅτι hostis, hētis, hoti. Das verallgemeinernde Relativpronomen ähnelt dem indirekten Fragepronomen. Das direkte Fragepronomen τίς, τί tis, ti („wer, was“) trägt stets den Akut. Das Indefinitpronomen τις, τι tis, ti („irgendjemand, irgendetwas“) entspricht dem direkten Fragepronomen, ist aber enklitisch.

Konjugation

Grammatische Kategorien des Verbsystems

Tempus- und Aspektsystem

Das altgriechische Tempussystem unterscheidet sich grundlegend von dem deutschen oder lateinischen. Die in der Grammatik übliche Einteilung in sechs Tempora (sieben bei Berücksichtigung des seltenen Perfektfuturs) ist genau genommen irreführend, da nicht die zeitliche Bedeutung, sondern der Aspekt im Vordergrund steht. Im Altgriechischen gibt es drei Tempusstämme, die einen bestimmten Aspekt ausdrücken. Zu jedem Tempusstamm gehört im Indikativ ein Haupttempus mit Gegenwarts- und ein Nebentempus mit Vergangenheitsbedeutung. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Zum Beispiel drückt der Indikativ Präsens eine durative Handlung der Gegenwart, der Indikativ Imperfekt eine durative Handlung der Vergangenheit aus. Dazu kommt der sprachhistorisch jüngere Futurstamm, der kein Nebentempus kennt und tatsächlich eine rein zeitliche Bedeutung hat.

Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende durch Flexionsaffixe die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur: siehe unten).

Die Vergangenheit wird im Indikativ mit Hilfe der Nebentempora gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist.

Die Tempora (χρόνοι chronoi) des Altgriechischen lassen sich nach folgendem Schema darstellen:

Tempusstamm Haupttempus Nebentempus Aspekt Aktionsart
Präsensstamm Präsens

(ἐνεστὼς χρόνος, ἐνεστώς enestōs chronos, enestōs)

Imperfekt

(παρατατικὸς χρόνος paratatikos chronos)

imperfektiv durativ, frequentativ, iterativ,

habituativ, konativ

Aoriststamm – Aorist

(ἀόριστος aoristos)

perfektiv/

aoristisch

punktuell, egressiv, effektiv,

inchoativ, ingressiv, gnomisch

Perfektstamm Perfekt

(παρακείμενος parakeimenos)

Plusquamperfekt perfektisch resultativ
Futurstamm Futur

(μέλλων mellōn)

– – –

Die übrigen Modi werden jeweils dem Haupttempus des Tempusstammes (wenn vorhanden, sonst dem Nebentempus) zugeordnet. Sie haben aber keinerlei zeitliche Bedeutung. Dadurch erklärt sich auch die auf den ersten Blick paradox wirkende Tatsache, dass mit dem Imperativ Aorist eine Befehlsform zu einem Vergangenheitstempus existiert.

Das altgriechische Verb bildet also vier Tempusstämme:

Der Präsensstamm – auch linearer oder paratatischer Stamm genannt – ist besser als Imperfektivstamm zu behandeln. Er übernimmt die Funktionen der durativen, iterativen, habituativen und konativen Aktionsart. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt u. a. der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt.

Beispiele:

Der Aoriststamm bezeichnet Punktuelles. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen sogenannten Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (resultativ) oder der Beginn (ingressiv, inchoativ) einer Handlung.

Beispiele:

Die Formen des Perfektstamms haben vorzeitig-ergebnisbezogene Bedeutung. Das heißt: Da, wo andere Sprachen Verben resultativer Aktionsart setzen, steht im Altgriechischen eine Perfektform. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.

Beispiele:

Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.

Modussystem

Es gibt im Altgriechischen (nach Ansicht moderner Linguisten)[8] vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, welche diese Formen syntaktisch und semantisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.

Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zum Ausdruck:

  • Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real), gegeben erscheint. Allerdings wird auch der Indikativ verwendet, wenn etwas fast Geschehenes bezeichnet wird.
  • In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt, modal eingeschränkt, gilt:
    • Der Imperativ drückt einen Befehl, eine Aufforderung, aus, etwa Φέρε μοὶ τόδε. Phere moi tode. „Bring mir das her!“
    • Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus (er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt), ähnelt aber auch dem Konjunktiv des Lateinischen, etwa Ἴωμεν. Iōmen. „Lasst uns gehen!“ (Vergleiche lateinisch (coniunctivus hortativus): 'eamus!'.)
    • Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus, etwa Εἴθε τις λύοι. Eithe tis lyoi „Möge [das] jemand lösen“.

Diathese, Genus verbi

Von den drei Diathesen sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung.

Das Aktiv ist die unmarkierte Struktur.

Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium).[9] Der Begriff Medium (lateinisch 'medius' „der Mittlere“) soll ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich noch morphologisch richtig.[10] Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:

Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)

Beispiele:

Numerus- und Personsystem

Aufgrund der Personalflexion des altgriechischen Verbs werden die Personalpronomina des Nominativs wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen (so auch im Lateinischen) meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont – etwa in Adversativsätzen – werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren. Das Altgriechische ist also eine Pro-Drop-Sprache.

Das Altgriechische kennt beim Verb einen Singular, einen Plural und einen Dual (als Schwundform). Der Dual mit eigenen Endungen wird nur für die 2. und 3. Person gebildet, während die 1. Person des Duals mit der ersten Person Plural zusammenfällt. In den folgenden Beispielen wird nur das Aktiv behandelt.

Konjugationstabellen

Konjugationstabelle für das regelmäßige Verb λύω lyō (Infinitiv λύειν lyein „lösen“) im Aktiv.

Der Dual wurde aufgrund seiner Seltenheit nicht berücksichtigt.

Haupttempora des Indikativs Nebentempora des Indikativs Konjunktiv Optativ Imperativ
Präsens/

Imperfekt

λύω, λύεις, λύει,
λύομεν, λύετε, λύουσι(ν)

lyō, lyeis, lyei,
lyomen, lyete, lyousi(n)

ἔλυον, ἔλυες, ἔλυε(ν),
ἐλύομεν, ἐλύετε, ἔλυον

elyon, elyes, elye(n),
elyomen, elyete, elyon

λύω, λύῃς, λύῃ,
λύωμεν, λύητε, λύωσι(ν)

lyō, lyējs, lyēj,
lyōmen, lyēte, lyōsi(n)

λύοιμι, λύοις, λύοι,
λύοιμεν, λύοιτε, λύοιεν

lyoimi, lyois, lyoi,
lyoimen, lyoite, lyoien

—, λῦε, λυέτω,
—, λύετε, λυόντων

—, lye, lyetō,
—, lyete, lyontōn

Futur λύσω, λύσεις, λύσει,
λύσομεν, λύσετε, λύσουσι(ν)

lysō, lyseis, lysei,
lysomen, lysete, lysousi(n)

— — λύσοιμι, λύσοις, λύσοι,
λύσοιμεν, λύσοιτε, λύσοιεν

lysoimi, lysois, lysoi,
lysoimen, lyseite, lysoien

—
Aorist — ἔλυσα, ἔλυσας, ἔλυσε(ν),
ἐλύσαμεν, ἐλύσατε, ἔλυσαν

elysa, elysas, elyse(n),
elysamen, elysate, elysan

λύσω, λύσῃς, λύσῃ,
λύσωμεν, λύσητε, λύσωσι(ν)

lysō, lysējs, lysēj,
lysōmen, lysēte, lysōsi(n)

λύσαιμι, λύσαις, λύσαι,
λύσαιμεν, λύσαιτε, λύσαιεν

lysaimi, lysais, lysai,
lysaimen, lysaite, lysaien

—, λῦσον, λυσάτω,
—, λύσατε, λυσάντων

—, lyson, lysatō,
—, lysate, lysantōn

Perfekt/

Plusquam- perfekt

λέλυκα, λέλυκας, λέλυκε(ν),
λελύκαμεν, λελύκατε, λελύκασι(ν)

lelyka, lelykas, leluke(n),
lelykamen, lelykate, lelykasi(n)

ἐλελύκειν, ἐλελύκεις, ἐλελύκει,
ἐλελύκεμεν, ἐλελύκετε, ἐλελύκεσαν

elelykein, elelykeis, elelykei,
elelykemen, elelykete, elelykesan

λελύκω, λελύκῃς, λελύκῃ,
λελύκωμεν, λελύκητε, λελύκωσι(ν)

lelykō, lelykējs, lelykēj,
lelykōmen, lelykēte, lelykōsi(n)

λελύκοιμι, λελύκοις, λελύκοι,
λελύκοιμεν, λελύκοιτε, λελύκοιεν

lelykoimi, lelykois, lelykoi,
lelykoimen, lelykoite, lelykoien

Zusammengesetzt:

—, λελυκὼς ἴσθι, λελυκὼς ἔστω,
—, λελυκότες ἔστε, λελυκότες ἔστων
—, lelykōs isthi, lelykōs, estō,
—, lelykotes este, lelykotes estōn

Entsprechende Tabelle für das wichtige unregelmäßige Hilfsverb εἰμί eimi (Infinitiv εἶναι einai „sein“).

Haupttempora des Indikativs Nebentempora des Indikativs Konjunktiv Optativ Imperativ
Präsens/

Imperfekt

εἰμί, εἶ, ἐστί(ν),
ἐσμέν, ἐστε, εἰσί(ν)

eimi, ei, esti(n),
esmen, este, eisi(n)

ἦ, ἦσθα, ἦν,
ἦμεν, ἦτε, ἦσαν

ē, ēstha, ēn,
ēmen, ēte, ēsan

ὦ, ᾖς, ᾖ,
ὦμεν, ἦτε, ὦσι(ν)

ō, ēs, ē,
ōmen, ēte, ōsi(n)

εἴην, εἴης, εἴη,
εἴημεν, εἴητε, εἴησαν

eiēn, eiēs, eiē,
eiēmen, eiēte, eiēsan

—, ἴσθι, ἔστω,
—, ἔστε, ἔστων

—, isthi, estō,
—, este, estōn

Futur ἔσομαι, ἔσῃ, ἔσται,
ἐσόμεθα, ἔσεσθε, ἔσονται

esomai, esē, estai,
esometha, esesthe, esontai

— — ἐσοίμην, ἔσοιο, ἔσοιτο,
ἐσοίμεθα, ἔσοισθε, ἔσοιντο

esoimēn, esoio, esoito,
esoimetha, esoisthe, esointo

—

Die restlichen Tempora sind für die Benutzung als Hilfsverb irrelevant. Sie werden eigentlich aus dem Stamm des Verbs γίγνομαι gignomai („werden“; gleichbedeutend mit englisch 'to become') abgeleitet.

  1. ↑ Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: Greek Grammar. Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 45 f.
  2. ↑ a b William W. Goodwin: A Greek Grammar. Revised and enlarged. Boston 1900, S. 35. “159 The gender must often be learned by observation. But
    (1) Names of males are generally masculine, and names of females feminine.
    (2) Most names of
    rivers, winds, and months are masculine; and most names of countries, towns, trees, and islands are feminine.
    […]
    (4) Diminutive nouns are neuter […].
    ”
  3. ↑ Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: Greek Grammar. Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 46. Zitat: “198. Common Gender. – Many nouns denoting persons are either masculine or feminine. […]”
  4. ↑ William W. Goodwin: A Greek Grammar. Revised and enlarged. Boston 1900, S. 35. Zitat: “158. Nouns which may be either masculine or feminine are said to be of the common gender as (ὁ, ἡ) θεός, God or Goddess. Names of animals which include both sexes, but have only one grammatical gender, are called epicene (ἐπίκοινος); as […] ἡ ἀλώπηξ, the fox; […] including males and females.”
  5. ↑ Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: Greek Grammar. Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 84. Zitat: “134. Moveable N may be added at the end of a word when the next word begins with a vowel. […] 135 Moveable ν is usually written at the end of clauses, and at the end of a verse in poetry. To make a syllable long by position (144) the poets add ν before words beginning with a consonant. Prose inscriptions frequently use ν before a consonant.”
  6. ↑ Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: Greek Grammar. Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 90.
  7. ↑ William W. Goodwin: A Greek Grammar. Revised and enlarged. Boston 1900, S. 82.
  8. ↑ Herbert Weir Smyth: A Greek Grammar For Colleges. 1920, §.357: „The infinitive […] is sometimes classed as a mood.“
  9. ↑ Günther Zuntz: Griechischer Lehrgang. Band 3: Appendix grammatica, Summa grammatica, Sachregister. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1983, ISBN 3-525-25320-6, S. 114 f. (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 15. April 2019]).
  10. ↑ Martin Holtermann: Medio tutissimus ibis. Zur Didaktik der Diathesen im Griechischunterricht. In: Forum Classicum. Nr. 3, 2019, S. 180–192 (uni-heidelberg.de [abgerufen am 16. Dezember 2019]).