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„Werk:De docta ignorantia/L1/IX.“ – Versionsunterschied

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Version vom 8. Dezember 2025, 15:41 Uhr


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Capitulum IX.

De connexionis aeterna processione.

| Quemadmodum generatio unitatis ab unitate est una unitatis [2] repetitio, ita processio ab utroque est repetitionis illius unitatis, sive mavis [3] dicere unitatis et aequalitatis unitatis ipsius unitas. Dicitur autem processio quasi quaedam ab altero in alterum extensio; quemadmodum cum duo sunt aequalia, tunc quaedam ab uno in alterum quasi extenditur aequalitas, quae illa coniungat quodammodo et connectat. Merito ergo dicitur ab unitate et ab aequalitate unitatis connexio [4] procedere; neque enim connexio unius tantum est, sed ab unitate in aequalitatem unitas procedit, et ab unitatis aequalitate in unitatem. Merito igitur ab utroque procedere dicitur eo, quod ab altero in alterum quasi extenditur.

Kapitel IX.

Das ewige Hervorgehen der Verknüpfung

Wie die Zeugung der Einheit aus der Einheit eine einzige Wiederholung der Einheit ist, so ist der Hervorgang aus beiden die Einheit jener Wiederholung der Einheit, oder, wenn man es lieber sagen will, die Einung der Einheit und der Gleichheit dieser Einheit.

Ebenso nennt man diesen Hervorgang auch die Ausdehnung von dem einen in das Andere, so wie die Gleichheit, die zwei gleiche Dinge verbindet und verknüpft, gleichsam von dem einen in das andere ausgedehnt wird.

Man sagt also mit Recht, daß die Verknüpfung von der Einheit und der Gleichheit der Einheit ausgehe. Denn sie ist nicht nur die Verknüpfung eines Einzigen, sondern von der Einheit geht diese in Gleichheit und von der Gleichheit der Einheit in Einheit. Folglich sagt man zu Recht, daß sie von beiden ausgehe, da sie sich gleichsam vom Einen ins Andere ausdehnt.

Einzelnachweise

  1. ↑ [p.18]
  2. ↑ fol.4r
  3. ↑ 18.5
  4. ↑ 18.10


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Sed nec ab unitate vel unitatis aequalitate gigni dicimus connexionem [1], quoniam nec ab unitate per repetitionem fit neque per multiplicationem; et quamvis ab unitate gignatur unitatis aequalitas et ab utroque connexio procedat, unum tamen et idem est unitas et unitatis aequalitas et connexio procedens ab utroque, – velut si de eodem dicatur: ‘hoc, id, idem’. Hoc ipsum quidem, quod dicitur id, ad [2] primum refertur; quod vero dicitur idem, relatum connectit et coniungit ad primum. Si igitur ab hoc pronomine, quod est id, formatum esset hoc vocabulum, quod est iditas, ut sic dicere possemus ‚unitas, iditas, identitas’, relationem quidem faceret iditas ad unitatem, identitas vero iditatis et unitatis designaret connexionem, satis [3] propinque Trinitati convenirent.

Aber man sagt nicht, daß die Verknüpfung von der Einheit, noch von der Gleichheit der Einheit gezeugt werde, da sie weder von der Einheit durch Wiederholung entsteht, noch durch Vervielfältigung. Und obwohl die Gleichheit der Einheit von der Einheit gezeugt wird und aus beiden die Verknüpfung hervorgeht, so ist dennoch die Einheit und die Gleichheit der Einheit und die aus beiden hervorgehende Verknüpfung ein und dasselbe – wie wenn man von ebendemselben sagte: Dieses, Das, Dasselbe! Dieses Selbe nämlich, welches Das genannt wird, wird auf das Erste bezogen; was aber Dasselbe genannt wird, verknüpft und verbindet das Bezogene zum Ersten. Wenn also von dem Pronomen Das das Wort Dasheit gebildet würde, so daß wir Einheit, Dasheit, Selbigkeit sagen könnten, dann würde die Dasheit die Relation zur Einheit bilden, die Selbigkeit der Dasheit und der Einheit aber würde die Verknüpfung bezeichnen und alles käme der Dreieinigkeit genügend nahe.

Einzelnachweise

  1. ↑ 18.15
  2. ↑ 18.20
  3. ↑ 18.25


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Quod autem sanctissimi nostri doctores unitatem vocaverunt Patrem, aequalitatem Filium, et connexionem Spiritum sanctum, hoc [1] propter quandam similitudinem ad ista caduca fecerunt. Nam in patre et filio est quaedam natura communis, quae una est, ita quod in ipsa natura filius patri est aequalis. Nihil enim magis vel minus humanitatis est in filio quam in patre, et inter eos quaedam est connexio. [2] Amor enim naturalis alterum cum altero connectit, et hoc propter similitudinem eiusdem naturae, quae in eis est, quae a patre in filium descendit; et ob hoc ipsum filium plus diligit quam alium secum in humanitate convenientem.

Ex tali quidem – licet distantissima – similitudine Pater dicta est [3] unitas, Filius aequalitas, connexio vero amor sive Spiritus sanctus, creaturarum respectu tantum, prout infra etiam suo loco clarius ostendemus. Et haec est meo arbitratu iuxta Pythagoricam inquisitionem trinitatis in unitate et unitatis in trinitate semper adorandae manifestissima inquisitio.

Wenn aber unsere heiligen Lehrer die Einheit Vater, die Gleichheit Sohn und die Verknüpfung Heiliger Geist nannten, so taten sie das wegen einer gewissen Ähnlichkeit zu dem, was dem Vergänglichen angehört.  Im Vater und Sohn ist eine Art gemeinsamer Natur und diese ist eine, so daß der Sohn dem Vater in ihr gleich ist. Denn im Sohn ist die Menschheit in keinem größeren oder geringeren Maße als im Vater, und zwischen diesem besteht eine gewisse Verknüpfung. Der Ähnlichkeit derselben Natur wegen, die in ihnen ist und vom Vater in den Sohn übergeht, verbindet eine natürliche Zuneigung den einen mit dem anderen; und demgemäß liebt er seinen Sohn, mit dem er im Menschsein zusammentrifft, mehr als alles andere.

Nach dieser – wenn auch entfernten – Ähnlichkeit wurde die Einheit Vater, die Gleichheit Sohn, die Verknüpfung aber Liebe oder Heiliger Geist genannt; jedoch, wie wir an entsprechender Stelle noch deutlicher zeigen werden, nur in Hinblick auf die Geschöpfe. Dies ist, wie ich meine, die deutlichste Untersuchung und Darstellung der anbetungswürdigen Einheit in der Dreiheit und Dreiheit in der Einheit gemäß der Forschung des Pythagoras.

Einzelnachweise

  1. ↑ [p.19]
  2. ↑ 19.5
  3. ↑ 19.10

Einzelnachweise