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[1]
Capitulum II.
Elucidatio praeambularis subsequentium.
Tractaturus de maxima ignorantiae doctrina ipsius maximitatis naturam aggredi necesse habeo. Maximum autem hoc dico, quo nihil [2] maius esse potest.
Habundantia vero uni convenit. Coincidit itaque maximitati unitas, quae est et entitas; quod si ipsa talis unitas ab omni respectu et contractione universaliter est absoluta, nihil sibi opponi manifestum est, cum sit maximitas absoluta.
Maximum itaque absolutum unum est, quod est omnia; in quo omnia, quia maximum. [3]
Et quoniam nihil sibi opponitur, secum simul coincidit minimum; quare et in omnibus; et quia absolutum, tunc est actu omne possibile esse, nihil a rebus contrahens, a quo omnia.
Hoc maximum, quod et Deus omnium nationum fide indubie creditur, primo libello supra humanam rationem incomprehensibiliter inquirere eo duce, qui solus [4] lucem inhabitat inaccessibilem, laborabo.
Kapitel II.
Vorschau auf das Folgende
Da ich die Wissenschaft des Nichtwissens, die ich für die größte halte, behandeln will, halte ich es für notwendig, die Natur der Größe selbst zu untersuchen. Das Größte nenne ich das, über das hinaus nichts größer sein kann.
Die Überfülle jedoch kommt dem Einen zu. Es koinzidiert also die Einheit, die auch die Seiendheit ist, mit der Größe. Wenn diese Einheit von jeder Beziehung und Verschränkung völlig losgelöst ist, dann ist es, da sie die losgelöste Größe ist, offenkundig, daß ihr nichts entgegengesetzt werden kann.
Das absolute Größte ist also das Eine, das alles ist; alles ist in ihm, weil es das Größte ist. Und da ihm nichts entgegengesetzt wird, koinzidiert mit ihm zugleich das Kleinste, welches darum auch in allem ist. Und weil es absolut ist, ist es als Wirklichkeit jedes mögliche Sein; da alles von ihm stammt, zieht es nichts von den Dingen an sich.
Dieses Größte, das im Glauben aller Völker ohne jeden Zweifel für Gott gehalten wird, werde ich mich im ersten Buch jenseits menschlicher Vernunft unter der Führung dessen, der allein im unzugänglichen Lichte wohnt, auf unbegreifliche Weise zu erforschen bemühen.
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Secundo loco, sicut absoluta maximitas est entitas absoluta, per quam omnia id sunt, quod sunt, ita et universalis unitas essendi ab illa, quae maximum dicitur ab absoluto, et hinc contracte existens uti universum; cuius quidem unitas in pluralitate contracta est, sine qua [5] esse nequit. Quod quidem maximum, etsi in sua universali unitate omnia complectatur, ut omnia, quae sunt ab absoluto, sint in eo et ipsum in omnibus, non habet tamen extra pluralitatem, in qua est, subsistentiam, cum sine contractione, a qua absolvi nequit, non existat. De hoc maximo, universo scilicet, in secundo libello pauca [6] quaedam adiciam.
An zweiter Stelle werde ich folgendes zeigen: Wie die absolute Größe die absolute Seiendheit ist, durch die alles das ist, was es ist, so ist sie auch die allgemeine Einheit des Seienden, das das vom Absoluten abhängige Größte genannt wird und das daher in Verschränkung als Gesamt besteht. Seine Einheit ist nämlich in der Vielheit, ohne die es nicht sein kann, verschränkt. Wenn dieses Größte auch in seiner allgemeinen Einheit alles umfaßt, so daß alles, was vom Absoluten stammt, in ihm und es selbst in allem ist, hat es dennoch außerhalb der Vielfalt, in der es ist, keinen Grundbestand, da es ohne Verschränkung, von der es nicht losgelöst werden kann, nicht existiert. Über dieses Größte, d. h. über das Gesamt, werde ich im zweiten Buch einiges hinzufügen.
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Tertio loco maximum tertiae considerationis subsequenter manifestabitur.[7] Nam cum universum non habeat nisi contracte subsistentiam in pluralitate, in ipsis pluribus inquiremus unum maximum, in quo universum maxime et perfectissime subsistit actu ut in fine. Et quoniam tale cum absoluto, quod est terminus universalis, unitur, [8] quia finis perfectissimus supra omnem capacitatem nostram, de illo maximo, quod simul est contractum et absolutum, quod Iesum semper benedictum nominamus, nonnulla, prout et ipse Iesus inspiraverit, subiciam.
An letzter Stelle wird das Größte nach einer dritten Betrachtungsweise folgerichtig verdeutlicht werden. Denn da das Gesamt nur in der Vielfalt auf verschränkte Weise Bestand hat, suchen wir im Vielen nach dem Einen Größten, in dem das Gesamt als in seinem Ziel wirklich am größten und vollkommensten besteht. Und weil dieses mit dem Absoluten, der allgemeinen Zielgrenze, vereint ist, ist es das unser Fassungsvermögen überschreitende, vollkommenste Ziel. Ich werde über dieses Größte, das zugleich verschränkt und absolut ist, und das wir Jesus, den immer Gepriesenen nennen, einiges sagen, soweit er selbst mich erleuchten wird.
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Oportet autem attingere sensum volentem potius supra verborum [9] vim intellectum efferre quam proprietatibus vocabulorum insistere, quae tantis intellectualibus mysteriis proprie adaptari non possunt. Exemplaribus etiam manuductionibus necesse est transcendenter uti, linquendo sensibilia, ut ad intellectualitatem simplicem expedite lector ascendat; ad quam viam quaerendam studui communibus ingeniis [10] quanto clarius potui aperire, omnem stili scabrositatem evitando, radicem doctae ignorantiae in inapprehensibili veritatis praecisione statim manifestans.
Jener, der den Sinn erreichen will, muß, statt auf den Eigentümlichkeiten der Wörter, die derartigen, geistigen Geheimnissen nicht vollkommen angepaßt werden können, zu verharren, mit seinem Geist über die Bedeutung der Worte hinaus vordringen. Auch muß man, um den Weg zu weisen, Beispiele im übertragenen Sinn gebrauchen, wobei das Sinnliche zu verlassen ist, damit der Leser ohne Schwierigkeit zu einem einfachen Verstehen gelangt. Ich habe mich bemüht, die Suche dieses Weges, soweit ich es vermochte, dem allgemeinen Verstand zu eröffnen, indem ich alle Rauheit des Stils vermied und auch die Wurzel der wissenden Unwissenheit vermittels der unbegreiflich genauen Abgrenzung der Wahrheit sogleich aufwies.
Einzelnachweise
- ↑ [p.7]
- ↑ 7.5
- ↑ 7.10
- ↑ 7.15
- ↑ 7.20
- ↑ 7.25
- ↑ [p.8]
- ↑ 8.5
- ↑ 8.10
- ↑ 8.15