De docta ignorantia Liber primus Capitulum XX.
Capitulum XX.
Adhuc circa Trinitatem, et quod non sit possibilis quaternitas et ultra in divinis. [1]
Amplius, requirit veritas Trinitatis, quae est Triunitas, trinum esse unum, quia dicitur triunum. Hoc autem non cadit in conceptu nisi [2] eo modo, quo correlatio distincta unit et ordo distinguit. Unde, sicut – dum facimus triangulum finitum – primo est angulus unus, secundo alius, tertio tertius ab utroque, et illi anguli ad invicem correlationem habent, ut sit unus ex ipsis triangulus: ita quidem et in [3] infinito infinite. Tamen concipiendum est ita, quod prioritas taliter concipiatur in aeternitate, quod posterioritas non sibi contradicat; aliter enim prioritas et posterioritas in infinito et aeterno cadere non possent. Unde Pater non est prior Filio et Filius posterior; sed ita Pater est prior, quod Filius non est posterior. Ita Pater prima persona, quod [4] Filius non est post hoc secunda; sed sicut Pater est prima absque prioritate, ita Filius secunda absque posterioritate et Spiritus sanctus pariformiter tertia. Sed quia hoc superius dictum est amplius, sufficiat.
Kapitel XX.
Weitere Ausführungen zur Dreiheit Vierheit und alles was darüber hinausgeht ist im Göttlichen nicht möglich
Weiters: Die Wahrheit der Dreiheit, die Drei-Einheit, verlangt, daß das Dreifache das Eine sei, weil es Drei-Eines heißt. Dies ist allein dadurch begreiflich, daß die Korrelation das Unterschiedene eint und die Ordnung unterscheidet.
So wie dann, wenn wir ein endliches Dreieck bilden, zuerst der eine Winkel ist, dann der andere, und endlich der dritte von beiden und diese Winkel zueinander in Wechselbeziehung stehen, so daß aus ihnen ein Dreieck entsteht, so gilt dies auch im Unendlichen auf unendliche Weise. Aber man muß dies so verstehen, daß die Priorität in der Ewigkeit derartig begriffen wird, daß die Posteriorität ihr nicht widerspricht; anders nämlich können Priorität und Posteriorität in das Unendliche und Ewige nicht eingehen.
Daher ist der Vater nicht früher als der Sohn und der Sohn nicht später. Der Vater ist vielmehr so früher, daß der Sohn nicht später ist. So ist der Vater die erste Person, weil der Sohn nicht nach diesem die zweite ist; wie der Vater ohne Priorität die erste ist, so ist der Sohn ohne Posteriorität die zweite und der Heilige Geist in gleicher Weise die dritte. Weil aber darüber oben ausführlicher gesprochen wurde, möge dies hier genügen.Velis tamen circa hanc semper benedictam Trinitatem advertere, [5] quod ipsum maximum est trinum et non quaternum vel quinum et ultra. Et hoc certe est nota dignum; nam hoc repugnaret simplicitati et perfectioni maximi. Omnis enim figura polygonia pro simplicissimo elemento habet triangularem, et illa est minima figura polygonia, qua minor esse nequit. Probatum est autem minimum simpliciter cum [6] maximo coincidere. Sicut igitur se habet unum in numeris, ita triangulus in figuris polygoniis. Sicut igitur omnis numerus resolvitur ad unitatem, ita polygoniae ad triangulum. Maximus igitur triangulus, cum quo minimus coincidit, omnes figuras polygonias complectitur; nam sicut unitas maxima se habet ad omnem numerum, [7] ita triangu|lus maximus ad omnem polygoniam. Quadrangularis [8] autem figura non est minima, ut patet, quia ea minor est triangularis.
Igitur simplicissimo maximo, quod cum solo minimo coincidere potest, quadrangularis, quae absque compositione esse non potest, cum sit maior minimo, nequaquam poterit convenire. Immo [9] implicat contradictionem esse maximum et esse quadrangulare; nam non posset esse mensura triangularium adaequata, quia semper excederet. Quomodo igitur esset maximum, quod non esset omnium [10] mensura? Immo quomodo esset maximum, quod esset ab alio et compositum et per consequens finitum?
Man muß in bezug auf diese immer gepriesene Dreifaltigkeit beachten, daß das Größte dreifach ist und nicht vierfach oder fünffach und dergleichen mehr. Das ist sicherlich bemerkenswert; es widerspräche dem einfachsten und vollkommensten Größten.
Jedes Vieleck hat als einfachstes Bestandteil das Dreieck: und dieses ist das kleinste Vieleck, dem gegenüber keines mehr kleiner sein kann. Dann ist bewiesen worden, daß das schlechthin Kleinste mit dem Größten koinzidiert. Wie die Eins in den Zahlen, so verhält sich das Dreieck in den Vielecken. Wie jede Zahl zur Einheit, so werden die Vielecke zum Dreieck zurückgeführt.
Das größte Dreieck also, mit dem das kleinste koinzidiert, umfaßt alle vieleckigen Gebilde, denn – wie die größte Einheit zu jeder Zahl, so verhält sich das größte Dreieck zu jedem Vieleck. Die vierwinkelige Figur ist aber nicht die kleinste. Das ergibt sich daraus, daß die dreiwinkelige kleiner ist als sie. Daher kann die vierwinkelige Figur, die nicht ohne Zusammensetzung sein kann und größer ist als die kleinste, niemals dem einfachsten Größten entsprechen, das nur mit dem Kleinsten koinzidieren kann. Zugleich das Größte und vierwinkelig sein, schließt sogar einen Widerspruch ein, denn, da es stets darüber hinausginge, könnte es nicht das adäquateste Maß der Dreiecke sein. Wie aber wäre das das Größte, das nicht aller Dinge Maß wäre? Und wäre das das Größte, das von einem andern stammte, zusammengesetzt und folglich auch endlich?Et iam patet, quare primo ex potentia lineae simplicis oritur triangulus simplex – quoad polygonias –, deinde circulus simplex, [11] deinde sphaera simplex, et non devenitur ad alias quam istas elementales figuras ad invicem in finitis improportionales, omnes figuras intra se complicantes. Unde, sicut si nos vellemus concipere mensuras omnium quantitatum mensurabilium: primo pro longitudine necesse esset habere lineam infinitam maximam, cum qua coincideret [12] minimum; deinde pariformiter pro latitudine rectilineali triangulum maximum; et pro latitudine circulari circulum maximum; et pro profunditate sphaeram maximam; et cum aliis quam cum istis quattuor omnia mensurabilia attingi non possent. Et quia istae omnes mensurae necessario essent infinitae et maximae, cum quo minimum [13] coincideret, et cum plura maxima esse non possint: hinc ipsum unicum maximum, quod esse debet omnium quantorum mensura, dicimus esse illa, sine quibus maxima mensura esse non posset, licet in se consideratum – absque respectu ad mensurabilia – nullum istorum sit aut dici possit veraciter, sed per infinitum et improportionabiliter [14] supra. Ita maximum simpliciter cum sit omnium mensura, ipsum illa esse dicimus, sine quibus ipsum omnium metrum posse esse non intelligimus. Unde maximum, licet sit super omnem trinitatem per infinitum, trinum dicimus, quia aliter ipsum rerum, quarum unitas essendi est trinitas – sicut in figuris unitas triangularis in trinitate [15] angulorum consistit –, causam simplicem, metrum et mensuram esse non intelligeremus; licet in veritate et nomen et conceptus noster trinitatis, semoto isto respectu, maximo nequaquam conveniat, sed per infinitum ab illa maxima et incomprehensibili veritate deficiat.
Deutlich ergibt sich aus der Möglichkeit der einfachen Linie zuerst das einfache Dreieck – und daraus die Vielecke –, dann der einfache Kreis, dann die einfache Kugel. Und man gelangt zu keinen andern Grundfiguren als zu diesen, die im Endlichen in keinem Bezugsverhältnis zueinander stehen und alle Figuren in sich einschließen.
Wenn wir daher die Maßeinheiten aller meßbaren Quantitäten begreifen wollen, müssen wir an erster Stelle für die Länge eine unendliche, größte Linie haben, mit der das Kleinste koinzidiert; dann brauchen wir gleicherweise für die gradlinige Breite das größte Dreieck, für die kreisförmige Breite den größten Kreis und für die Tiefe die größte Kugel. Mit anderen Maßen als diesen vier kann nichts Meßbares erreicht werden. All diese Maßeinheiten sind notwendig unendlich und die größten, mit denen das Kleinste koinzidiert. Da es nicht mehrere Größte geben kann, sagen wir, daß jenes einzige Maß, das jeder Ausdehnung Maß sein muß, jenes ist, ohne das das größte Maß nicht sein kann, wenn es auch in sich betrachtet, ohne Bezug auf das Meßbare, keines von dem ist oder wahrhaft genannt werden kann, sondern unendlich und ohne Verhältnisbezug darüber steht.
So sagen wir, daß das schlechthin Größte als Maß von allem dies selbst sei, ohne das wir nicht einsehen, daß es die Maßgabe aller Dinge sein kann. Daher nennen wir das Größte, auch wenn es über jeder Dreiheit unendlich erhaben ist, das Dreifache, da wir nicht einsehen können, daß es anders der einfachste Grund, Maßgabe und Maß der Dinge ist, deren Einheit des Seins die Dreiheit ist – wie in den Figuren die Einheit des Dreiecks in der Dreiheit der Winkel besteht. Aber in Wahrheit kommt sowohl unser Name als auch unser Begriff der Dreiheit – wenn man von dieser Beziehung absieht – dem Größten keineswegs zu, sondern weicht von jener größten und unbegreiflichen Wahrheit unendlich weit ab.Habemus itaque maximum triangulum omnium triniter subsistentium [16] mensuram simplicissimam, quemadmodum sunt operationes actiones in potentia, obiecto, actu triniter subsistentes; similiter visiones, intellectiones, volitiones, similitudines, dissimilitudines, [17] pulchritudines, proportiones, correlationes, appetitus naturales et cetera omnia, quorum essendi unitas consistit in pluralitate, sicuti est principaliter esse et operatio naturae consistens in correlatione agentis, patientis et communis ex illis resultantis.
Wir haben also das größte Dreieck als das einfachste Maß alles dessen, was dreifach Bestand hat, wie es die Tat-Handlungen sind, die in Möglichkeit, Gegenstand und Wirklichkeit dreifach bestehen; ähnlich ist es mit Schau, Einsicht, Wollen, Ähnlichkeit, Unähnlichkeit, Schönheit, Verhältnisbeziehung, Korrelation, natürlicher Bestrebung und allem anderen, dessen Seinseinheit in Vielheit besteht, wie es grundsätzlich Sein und Tätigkeit der Natur sind, die in der Korrelation des Handelnden, Leidenden und des aus beiden gemeinsam Entspringenden entstehen.