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Werk:Phaidon (Platon)/97

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

◀▷Und jetzt, fragte Kebes, wie scheint es dir jetzt damit?

Weit entfernt, sagte er, bin ich, bei Zeus, davon zu glauben, von diesen Dingen die Ursache zu wissen, der ich es ja nicht einmal mir selbst abnehme, daß, wenn jemand zu einem eins hinzufügt, dann entweder das eine, dem es hinzugefügt wurde, zwei geworden ist oder das Hinzugefügte und das, dem es hinzugefügt wurde, [1] durch die Hinzufügung des einen zum anderen zwei geworden sind. Denn ich wundere mich, wie denn, als jedes von ihnen getrennt vom anderen war, jedes offenbar eins war und sie damals nicht zwei waren, nachdem sie sich aber einander genähert hatten, dies offenbar die Ursache dafür gewesen ist, daß sie zwei geworden sind, die Vereinigung, daß man sie nahe aneinander gesetzt hat. Und auch nicht, wenn jemand eins zerspaltet, kann ich mich noch dazu überreden, daß dieses wiederum, die Spaltung, die Ursache dafür wurde, daß es zwei geworden sind.

[2] Denn das wäre die entgegengesetzte Ursache des Zwei-Werdens zu der damaligen. 04 Damals nämlich, weil sie nahe zueinander gebracht wurden und das eine zum anderen hinzugefügt wurde, nun aber, weil das eine vom anderen weggeführt und getrennt wird. Auch nicht, dais ich weifs, weswegen eins wird, kann ich mich selbst noch zu überreden versuchen, noch irgend etwas anderes, kurz: weswegen etwas entsteht oder vergeht oder besteht, nämlich nach dieser Art der Untersuchung, sondern eine andere Art mische ich mir aufs Geratewohl zusammen, diese aber lasse ich auf keinen Fall zu.

[3] Aber als ich einmal jemanden aus einem Buch, wie er sagte, von Anaxagoras,[4] vorlesen und sagen hörte, [5] daß die Vernunft es ist, die alles ordnet und die die Ursache aller Dinge ist,[6] da freute ich mich über diese Ursache, und es schien mir in gewisser Weise richtig zu sein, daß die Vernunft die Ursache aller Dinge sei; und ich glaubte, daß, wenn sich das so verhält, dann gewiß die ordnende Vernunft alles ordnet und jedes so stellt, wie es am besten ist. Wenn also jemand die Ursache finden wolle, wie jedes entsteht oder vergeht oder besteht, so müsse er dieses von ihm finden, wie es für es am besten wäre zu sein oder irgend etwas sonst zu erleiden oder zu tun.[7] [8] Nach dieser Rede käme es folglich dem Menschen sowohl in bezug auf sich selbst als auch auf alles andere zu, nach nichts anderem Ausschau zu halten als nach dem Zweckmäßigsten und Besten. Notwendig werde derselbe auch das Schlechtere wissen, denn die Erkenntnis von beiden sei dieselbe. Indem ich dies nun bedachte, freute ich mich und glaubte, einen Lehrer für die Ursache des Seienden gefunden zu haben, der nach meinem Sinn[9] wäre, eben den Anaxagoras, und er werde mir zuerst sagen, ob die Erde flach ist oder rund,[10] nachdem er es mir aber gesagt habe, [11] werde er mich ferner über die Ursache und Notwendigkeit davon belehren, indem er sage, was das Bessere ist und daß es für sie besser sei, wenn sie so beschaffen wäre.[12] Und wenn er behauptete, sie sei in der Mitte,[13] werde er mich belehren, daß es besser für sie sei, in der Mitte zu sein. …▷

—Übrstzng F.S.

  1. ↑ [97.A]
  2. ↑ [B]
  3. ↑ 46.
  4. ↑
  5. ↑ [C]
  6. ↑
  7. ↑
  8. ↑ [D]
  9. ↑
  10. ↑
  11. ↑ [E]
  12. ↑
  13. ↑