-nen
Erscheinungsbild
-nen, an sich Kürzung aus -enen
-nen[1]
-nèn[2], eine Ableitungssylbe,
- vermittelst deren neue Zeitwörter aus andern Zeitwörtern gebildet werden,
- welche vornehmlich eine doppelte Bedeutung haben.
1. Eine factitive, thätige Zeitwörter aus Neutris zu bilden.
Dergleichen sind
- öffnen, von dem veralteten offen, offen stehen,
- gähnen, von dem noch im Isländ. üblichen gia, Latein. hiare,
- erwähnen, von dem alten wahen,
- sich erinnern, gleichsam erinnern machen,
- entfernen, von fahren,
- ob es gleich auch von fern abstammen kann, und alsdann hierher nicht gehöret,
- warnen, wahren, d.i. sehen machen,
- das Oberdeutsche flehnen, heimlich wegschaffen, von fliehen,
- das veraltete festnen, von festen,
- lehnen, liegen machen,
- zeichnen, nennen, ordnen, dehnen,
- seifenen im Bergbaue,
- vielleicht auch fröhnen und andere mehr.
2. In andern Fällen
werden bloß Intensiva daraus,
- einen verstärkten innern Grad der Handlung zu bezeichnen,
- und in den meisten Fällen
- ist das erste ursprüngliche Zeitwort verloren gegangen
- und nur das Intensivum in dessen Bedeutung üblich geblieben.
- Dergleichen sind
- mahnen, von dem veralteten mähen,
- bewegen, obgleich auch dieses eine factititve Erklärung leidet,
- wohnen, von bauen, manere,
- das veraltete bibenen von beben,
- wähnen, meinen, lernen, weinen, greinen, flennen, läugnen, meinen,
- waffnen, welches aber auch zum vorigen Falle gehören kann,
- zürnen, höhnen,
- belehnen von beleihen,
- sehnen von sehen,
- stöhnen, rechnen, staunen, dienen, regnen, segnen,
- und andere mehr.
- Besonders in solchen Fällen,
3. Verschiedene Wortforscher
legen den Zeitwörtern auf -nen
- auch eine inchoative Bedeutung bey.
- Allein im Deutschen hat sich dieselbe bisher noch nicht wollen finden lassen.
- Denn das einzige lehnen, anfangen zu liegen,
- in welchem Verstande es besonders im Oberdeutschen üblich ist,
- kann auch bloß intensiv oder factititv seyn.
- In einigen verwandten Sprachen
- Denn das einzige lehnen, anfangen zu liegen,
Anm. 1.
Hierher gehören diejenigen Zeitwörter nicht,
- welche vermittelst der Endung -en von Nennwörtern und Partikeln gebildet worden,
- welche sich auf ein -n endigen,
- wie z.B. bahnen von Bahn,
- bannen von Bann,
- begegnen von gegen,
- ermannen und entmannen von Mann,
- erkühnen von kühn,
- fernen, in der Ferne schön scheinen, von fern,
- grünen von grün,
- harnen von Harn,
- hörnen von Horn,
- körnen und kernen von Korn und Kern,
- kapaunen von Kapaun,
- krönen von Krone,
- schienen von Schiene,
- trocknen von trocken,
- zäunen von Zaun,
- eignen von eigen,
- zwirnen von Zwirn
- u.s.f.
- welche sich auf ein -n endigen,
- Von einigen ist es indessen noch zweifelhaft,
- ob nicht das Nennwort vielmehr von[3] dem Zeitworte abstammet,
- welches denn in diesem Falle zu einer der vorigen Bedeutungen gehören würde.
- ob nicht das Nennwort vielmehr von[3] dem Zeitworte abstammet,
Anm. 2.
Diese Endung
- ist sehr alt,
- und findet sich nicht
- sondern schon im Latein.
- wo das veraltete stinare in destinare u.s.f.
- auf solche Art von stare gebildet ist,
- wie monere, venire, minuere, minari u.s.f.
- von ähnlichen obgleich längst veralteten Zeitwörtern abstammen;
- wo das veraltete stinare in destinare u.s.f.
- noch mehr im Griechischen,
- wo κλινειν, lehnen, clinare, χαινειν, gähnen, κρινειν,
- und tausend andere Zeitwörter auf ähnliche Art gebildet sind.
- Ihre glaubt, daß diese Endsylbe von dem Schwed. na, nå, nehmen, abstamme;
- allein dieser Begriff möchte sich ohne großen sichtbaren Zwang wohl nur auf sehr wenige der angeführten Zeitwörter anwenden lassen.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 465-466. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000033717X; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 465 | 466; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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