„Werk:De docta ignorantia/L3/VII.“ – Versionsunterschied
Nikolaos (Diskussion | Beiträge)
Nikolaos (Diskussion | Beiträge) Bürokraten, commentadmin, Benutzeroberflächenadministratoren, PageProperties admin, PageProperties editor, Push-Abonnementverwalter, SMW-Administratoren ◀, SMW-Kuratoren ◀, SMW-Editoren ◀, Oversighter, Administratoren, Kampagnenbearbeiter (Hochladeassistent) 266.489 Bearbeitungen K Textersetzung - „</onlyinclude>“ durch „{{SchaufensterEnde|Auszug}}“ |
Nikolaos (Diskussion | Beiträge) Bürokraten, commentadmin, Benutzeroberflächenadministratoren, PageProperties admin, PageProperties editor, Push-Abonnementverwalter, SMW-Administratoren ◀, SMW-Kuratoren ◀, SMW-Editoren ◀, Oversighter, Administratoren, Kampagnenbearbeiter (Hochladeassistent) 266.489 Bearbeitungen K Textersetzung - „{{:“ durch „{{Schaufenster|Marke=Auszug|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=“ |
||
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
[[Werk:De docta ignorantia/L3/VI.|▲]][[Werk:De docta ignorantia/L3/VIII.|▼]] {{SchaufensterBeginn|Auszug}}[[Werk:De docta ignorantia/L3/VII.|▶]] | [[Werk:De docta ignorantia/L3/VI.|▲]][[Werk:De docta ignorantia/L3/VIII.|▼]] {{SchaufensterBeginn|Auszug}}[[Werk:De docta ignorantia/L3/VII.|▶]] | ||
{{ | {{Schaufenster|Marke=Auszug|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=Werk:De docta ignorantia/221}} | ||
{{ | {{Schaufenster|Marke=Auszug|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=Werk:De docta ignorantia/222}} | ||
{{ | {{Schaufenster|Marke=Auszug|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=Werk:De docta ignorantia/223}} | ||
{{ | {{Schaufenster|Marke=Auszug|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=Werk:De docta ignorantia/224}} | ||
{{ | {{Schaufenster|Marke=Auszug|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=Werk:De docta ignorantia/225}} | ||
{{ | {{Schaufenster|Marke=Auszug|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=Werk:De docta ignorantia/226}} | ||
{{SchaufensterEnde|Auszug}} | {{SchaufensterEnde|Auszug}} | ||
{{Anmrkng Enzlnchws}} | {{Anmrkng Enzlnchws}} | ||
Aktuelle Version vom 8. Dezember 2025, 16:03 Uhr
Capitulum VII.
De mysterio resurrectionis.
Christus homo passibilis et mortalis non aliter ad gloriam Patris pervenire potuit, qui est ipsa immortalitas, quoniam absoluta vita, nisi mortale immortalitatem indueret. Quod fieri nequaquam potuit [2] praeter mortem; quomodo enim mortale aliter induere posset immortalitatem, nisi spoliaretur mortalitate? Quomodo ab illa absolveretur, nisi soluto debito mortis? Propter quod ait ipsa Veritas stultos et tardi cordis eos esse, qui non intelligunt Christum oportere mori et ita in gloriam intrare.
[3] Quoniam autem in prioribus ostendimus Christum propter nos mortuum morte quidem crudelissima, dicendum consequenter: Quoniam aliter humanam naturam ad immortalitatis triumphum quam per mortis victoriam transduci non conveniebat, hinc mortem subiit, ut secum resurgeret humana natura ad vitam perpetuam, et [4] animale mortale corpus fieret spirituale incorruptibile. Non potuit verus homo esse nisi mortalis, et non potuit ad immortalitatem mortalem naturam vehere nisi spoliata mortalitate per mortem.
Kapitel VII.
Das Geheimnis der Auferstehung
Christus als leidensfähiger und sterblicher Mensch konnte in die Herrlichkeit des Vaters, der die Unsterblichkeit selbst und das absolute Leben ist, nur eingehen, wenn das Sterbliche die Unsterblichkeit anzog.
Dies konnte nur durch den Tod geschehen, denn wie könnte das Sterbliche anders die Unsterblichkeit anziehen, wenn es nicht der Sterblichkeit entkleidet würde? Wie sollte es von dieser losgelöst werden, wenn nicht durch die eingelöste [p.467] Todesschuld? Deshalb sagt die Wahrheit selbst, daß die Törichten und Herzensträgen jene seien, die nicht einsehen, daß Christus sterben mußte, um in die Herrlichkeit einzugehen.
Da wir im vorhergehenden gezeigt haben, daß Christus unseretwegen den grausamsten Tod gestorben ist, so muß folgerichtig gesagt werden: Da die menschliche Natur nur durch den Sieg des Todes zum Triumphe der Unsterblichkeit geführt werden konnte, unterwarf er sich dem Tode, auf daß die menschliche Natur mit ihm zum ewigen Leben auferstehe und der sterbliche und tierische Körper ein unvergänglicher und geistiger werde. Er konnte nur dann wahrer Mensch sein, wenn er sterblich war, und er konnte die sterbliche Natur nur dann zur Unsterblichkeit führen, wenn er sie durch den Tod von der Sterblichkeit löste.Audi, quam pulchre nos instruit ipsa Veritas de hoc loquens, cum ait: «Nisi granum frumenti in terram cadens mortuum fuerit, ipsum [5] solum manet; si vero mortuum fuerit, multum fructum affert.[6]» Christus igitur si semper mortalis remansisset, etiamsi numquam mortuus fuisset, quomodo naturae humanae immortalitatem praestitisset mortalis homo? Etsi ipse mortuus non fuisset, solus remansisset mortalis sine morte. Oportebat ergo ipsum a possibilitate [7] moriendi per mortem liberari, si multum fructum afferre debuit, [8] ut sic exaltatus ad se omnia traheret, quando eius potestas non tantum esset in mundo ac terra corruptibili, sed et in caelo incorruptibili. Hoc autem aliqualiter in nostra ignorantia attingere poterimus, si ea, quae saepe dicta sunt, menti habuerimus:
Höre, wie schön uns die Wahrheit darüber belehrt, wenn sie sagt: «Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, wird es allein bleiben; wenn es aber stirbt, wird es viele Frucht bringen.»
Nie hätte Christus, wäre er sterblich geblieben, als sterblicher Mensch der menschlichen Natur die Unsterblichkeit gewährt, auch wenn er niemals gestorben wäre. Wenn er aber selbst nicht gestorben wäre, wäre er allein ohne Tod sterblich geblieben. Wenn er viele Frucht tragen sollte, war es also notwendig, daß er von der Möglichkeit des Sterbens durch den Tod befreit wurde, damit er – so erhöht –, alles an sich ziehe, weil seine Macht nicht nur in der Welt und auf der vergänglichen Erde, sondern auch im unvergänglichen Himmel besteht. Das aber werden wir irgendwie in unserer Unwissenheit erreichen können, wenn wir uns das schon oft Gesagte vor Augen halten.[9] Ostendimus in antehabitis hominem Iesum maximum in se separatim a divinitate personam subsistendi habere non posse, quia maximus. Et ob hoc communicatio idiomatum admittitur, ut humana coincidant divinis, quoniam humanitas illa inseparabilis a divinitate propter supremam unionem, quasi per divinitatem induta et assumpta [10], seorsum personaliter subsistere nequit. Homo vero ex corpore et anima unitus est, quorum separatio mors est. Quia igitur ipsa maxima humanitas in divina suppositatur persona, non erat possibile aut animam aut corpus etiam post divisionem localem mortis tempore separari a persona divina, sine qua homo ille non subsistebat.
Wir haben im vorhergehenden gezeigt, daß der Mensch Jesus, der Größte, nicht eine von der Gottheit getrennt in sich bestehende Person haben konnte, eben weil er der Größte war. Da diese Menschheit um der höchsten Einung willen von der Gottheit untrennbar, gleichsam von ihr angezogen [p.469] und aufgenommen war, und außerhalb nicht auf personale Weise existieren konnte, nimmt man eine gegenseitige Verbindung und Mitteilung der Eigentümlichkeiten an, so daß das Menschliche mit dem Göttlichen koinzidiert. Der Mensch aber ist aus Körper und Seele geeint; deren Trennung ist der Tod. Weil das höchste Mensch-Sein in der göttlichen Person Bestand hat, war es nicht möglich, daß die Seele oder der Leib nach der räumlichen Trennung während der Zeit des Todes von der göttlichen Person, ohne die dieser Mensch nicht bestand, getrennt werde.[11] Non igitur mortuus fuit Christus, quasi persona eius defecisset, sed absque etiam locali divisione quoad centrum, in quo humanitas suppositabatur, remansit divinitati hypostatice unitus; et secundum naturam inferiorem, quae divisionem animae a corpore secundum suae naturae veritatem pati potuit, temporaliter et localiter divisio [12] facta est, ut eodem loco et eodem tempore non essent simul mortis hora anima et corpus. Quare in corpore et anima non fuit corruptibilitas possibilis, cum unita essent aeternitati. Sed temporalis nativitas morti et separationi temporali subdita fuit, ita quod completo circulo reditionis ad solutionem de compositione temporali absolutoque [13] amplius corpore ab hiis motibus temporalibus veritas humanitatis, quae supra tempus est, ut divinitati unita incorrupta remanens, prout eius requirebat veritas, veritatem corporis veritati animae adunaret; ut sic dimissa umbrosa imagine veritatis hominis, qui in tempore apparuit, | verus homo ab omni temporali passione absolutus [14] [15] resurgeret; ut idem Iesus supra omnes temporales motus, amplius non moriturus, verissime resurgeret per unionem animae ad corpus supra omnem motum temporalem. Sine qua quidem unione veritas humanitatis incorruptibilis verissime absque confusione naturae [16] divinae personae hypostatice unita non fuisset.
Christus ist also nicht so gestorben, als hätte seine Person an Kraft verloren, sondern bleibt auch ohne örtliche Trennung in bezug auf den Mittelpunkt, in dem sein Mensch-Sein Bestand hat, der Gottheit hypostatisch vereint. Der niederen Natur gemäß, die ihrem Wesen nach eine Trennung der Seele vom Körper erleiden konnte, vollzog sich diese zeitlich und räumlich, so daß Seele und Leib in der Todesstunde nicht zugleich an demselben Ort und in derselben Zeit waren.
In Leib und Seele war darum keine Vergänglichkeit möglich, da beide der Ewigkeit vereint waren, aber die zeitliche Geburt war dem Tod und zeitlicher Trennung unterworfen; so hat, nachdem der Kreislauf zur Lösung der zeitlichen Zusammenfügung vollendet und ferner der Körper von der zeitlichen Bewegung losgelöst war, die Wahrheit der Menschheit, die jenseits der Zeit liegt und als der Gottheit vereinte, unvergänglich bleibt, so wie es ihre Wahrheit verlangte, die Wahrheit des Körpers der Wahrheit der Seele vereint. Nachdem das Schattenbild der Wahrheit des Menschen, der in der Zeit erschien, verschwunden war, erstand auf diese Weise der wahre, von allem zeitlichen Leiden losgelöste Mensch; so erstand wahrhaft und jenseits aller zeitlichen Bewegung, derselbe Jesus – der fernerhin nicht mehr sterben wird – durch die über alle zeitliche Bewegung erhabene Vereinigung der Seele mit dem Körper. Ohne sie wäre die Wahrheit der unvergänglichen Menschheit nicht wahrhaft und unvermischt mit der Natur der göttlichen Person hypostatisch vereint gewesen.Adiuva ingenii parvitatem ac ignorantiam tuam exemplo Christi in frumenti grano, ubi numerus grani corrumpitur remanente essentia specifica sana, qua mediante natura multa grana resuscitat; quod si ipsum granum esset maximum atque perfectissimum, tale in terra [17] optima atque fecundissima moriens, non tantum centesimum aut millesimum fructum afferre posset, sed tantum, quantum natura speciei in sua possibilitate amplecteretur. Hoc est quidem, quod ait Veritas, quomodo fructum multum afferret; multitudo enim finitas est sine numero.
[18] Intellige itaque acute: Humanitas enim Iesu eo ipso, quod ad hominem Christum contracta consideratur, eo ipso etiam divinitati unita simul intelligatur. Cui ut unita est, plurimum absoluta est; ut consideratur Christus verus homo ille, contracta est, ut per humanitatem homo sit. Et ita humanitas Iesu est ut medium inter pure [19] absolutum et pure contractum. Secundum hoc itaque non fuit corruptibilis nisi secundum quid, et simpliciter incorruptibilis. Fuit igitur secundum temporalitatem, ad quam contracta fuit, corruptibilis, et secundum hoc, quod fuit absoluta a tempore et supra tempus et divinitati unita, incorruptibilis.
Man könnte unserer Unwissenheit und der Beschränktheit unserer geistigen Fassungskraft durch das Gleichnis Jesu [p.471] vom Getreidekorn zu Hilfe kommen. Dort geht die Individualität des Kornes zugrunde, während die eigengestaltliche Wesenheit erhalten bleibt und die Natur durch sie viele Körner entstehen läßt. Wäre nun jenes Korn das größte und vollkommenste und stürbe es in der besten und der fruchtbarsten Erde, dann könnte es nicht nur hundert- oder tausendfältige Frucht tragen, sondern soviel, wie die Natur der Eigengestalt in ihrer Möglichkeit umfaßt.
Das ist es, was die Wahrheit mit dem Wort meint, es bringe viele Frucht, denn Vielheit ist Endlichkeit ohne Zahl.
Man verstehe also genau: Die Menschheit Jesu wird, wenn sie als die zum Menschen Christus verschränkte betrachtet wird, zugleich auch als die mit der Gottheit vereinte begriffen. Sofern sie dieser vereint ist, ist sie in höchstem Maße absolut, sofern Christus als dieser bestimmte wahre Mensch betrachtet wird, ist sie verschränkt, so daß er durch die Menschheit Mensch ist. Und so ist die Menschheit Jesu die Mitte zwischen dem rein Absoluten und dem rein Verschränkten. Dementsprechend war sie nur in bezug darauf vergänglich, einfachhin betrachtet aber unvergänglich; der Zeitlichkeit entsprechend, zu der sie verschränkt war, vergänglich, und in bezug darauf, daß sie von der Zeit gelöst, jenseits dieser und der Gottheit vereint war, unvergänglich.[20] Veritas autem, ut est temporaliter contracta, est quasi signum et imago veritatis supertemporalis. Ita veritas corporis temporaliter contracta est quasi umbra veritatis corporis supertemporalis. Sic et veritas animae contracta est ut umbra animae a tempore absolutae; videtur enim potius sensus aut ratio quam intellectus, dum est in tempore, [21] ubi sine phantasmatibus non apprehendit; et supra tempus elevata [22] intellectus est ab hiis liber et absolutus. Et quoniam ipsa humanitas sursum fuit in incorruptibilitate divina radicata inseparabiliter, tunc completo motu temporali corruptibili non potuit resolutio fieri nisi versus radicem incorruptibilitatis. Quare post finem motus temporalis [23], qui mors fuit, sublatis hiis omnibus, quae temporaliter veritati naturae humanae accesserunt, resurrexit idem Iesus non in corpore gravi, corruptibili, umbroso, passibili et ceteris, quae temporalem compositionem consequuntur, sed in corpore vero, glorioso, impassibili, agili et immortali, ut veritas a conditionibus absoluta [24] temporalibus requirebat.
Et hanc quidem unionem necessario exposcebat ipsa veritas hypostaticae unionis humanae naturae et divinae. Quapropter Iesum benedictum a mortuis resurgere oportebat, ut ipsemet ait dicens: «Oportebat Christum sic pati et tertia die resurgere a mortuis.[25]»
Die Wahrheit aber, wie sie zeitlich verschränkt ist, ist gleichsam Zeichen und Abbild der überzeitlichen Wahrheit. Die zeitlich verschränkte Wahrheit des Körpers ist gleichsam der Schatten der überzeitlichen Wahrheit des Körpers und so ist auch die verschränkte Wahrheit der Seele wie ein Schatten der von der Zeit losgelösten Seele; während sie in der Zeit ist, in der sie ohne Vorstellungsbilder nichts begreift, erscheint sie eher als Sinnlichkeit oder als Verstand, denn als Geist. Über die Zeit erhoben ist sie Geist und von dem andern frei und losgelöst.
Und weil diese Menschheit emporgerichtet und in der göttlichen Unvergänglichkeit untrennbar verwurzelt war, konnte sich, nachdem der vergängliche zeitliche Lauf vollendet war, eine Lösung nur in Richtung auf die Wurzel der Unvergänglichkeit hin vollziehen.
[p.473] Daher erstand derselbe Jesus nach dem Tode d. h. nach Beendigung der zeitlichen Bewegung und nachdem alles, was zur Wahrheit der menschlichen Natur in der Zeit hinzugetreten war, hinweggenommen war, nicht in einem schweren, vergänglichen, schattenhaften, leidensfähigen und mit allem, was einer zeitlichen Verbindung entspricht, behafteten Körper, sondern im wahren, verklärten, nicht mehr leidensfähigen, bewegungsmächtigen und unsterblichen Körper, wie ihn die Wahrheit, von zeitlichen Bedingungen befreit, forderte.
Die Wahrheit der hypostatischen Vereinigung von menschlicher und göttlicher Natur mußte diese Vereinigung fordern. Und darum war es auch notwendig, daß Jesus – gepriesen sei er – von den Toten auferstand, wie er selbst sagt: «Es mußte aber Christus so leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen.»