De docta ignorantia Liber tertius Capitulum XII.
Capitulum XII.
De ecclesia.
[1] Etsi de Christi ecclesia intellectus ex iam dictis haberi possit, subiungam tamen verbum breve, ut nihil operi desit. Quoniam fidem in diversis hominibus in gradu inaequalem esse recipereque ex hoc magis et minus necessarium est, hinc ad maximam fidem, qua nulla potentia maior esse possit, nemo devenire potest, [2] sicut nec pariformiter ad caritatem maximam. Maxima enim fides, qua nulla potentia maior esse posset, si illa in viatore esset, illum et comprehensorem esse simul necesse esset; maximum enim in aliquo genere, sicut est supremus terminus illius, ita est initium altioris. Propter quod fides maxima simpliciter in nullo esse potest, qui non [3] sit simul et comprehensor; ita et caritas simpliciter maxima non potest esse in amante, qui non sit et amatus simul. Propter quod nec [4] fides nec caritas maxima simpliciter alteri quam Iesu Christo, qui viator et comprehensor, amans homo et amatus Deus fuit, competiit. Intra maximum autem omnia includuntur, quoniam ipsum omnia ambit. Hinc in fide Christi Iesu omnis vera fides et in caritate [5] Christi omnis caritas vera includitur, gradibus tamen distinctis semper remanentibus.
Kapitel XII.
Die Kirche
Obwohl man schon aus dem bisher Gesagten eine Einsicht über die Kirche Christi gewinnen kann, will ich dennoch ein kurzes Wort hinzufügen, auf daß dem Werk nichts fehle.
Weil der Glaube in den verschiedenen Menschen in seiner Abstufung ungleich und daher größer oder geringer sein muß, kann niemand zum größten Glauben, über den hinaus keine Macht größer sein kann, oder zur größten Liebe gelangen.
Wenn ein Mensch jenen größtmöglichen Glauben in sich hätte, so müßte er ihn ganz besitzen, denn das Höchste irgendeiner Gattung ist zugleich die äußerste Grenze dieser und der Beginn der höheren. Der größte Glaube kann schlechthin in keinem Glaubenden sein, der nicht zugleich auch der Geglaubte wäre. Und die größte Liebe kann nicht in einem Liebenden sein, der nicht zugleich auch der Geliebte wäre. Deswegen kommt sowohl der größte Glaube als auch die größte Liebe keinem andern zu als Jesus Christus, der Pilger und Ziel des Pilgers, liebender Mensch und geliebter Gott gewesen ist. Im Größten wird alles eingeschlossen, denn es umgreift alles.
Daher ist im Glauben Christi jeder wahre Glaube und in der Liebe Christi jede wahre Liebe eingeschlossen, obwohl sie immer in unterschiedlicher Abstufung bleiben.Et quoniam illi gradus distincti sunt infra maximum et supra minimum, non potest quisquam, etiam si actu – quantum in se – fidem maximam habeat Christi, attingere ad ipsam maximam Christi fidem, per quam comprehendat Christum Deum et [7] hominem. Nec tantum potest quis amare Christum, quod Christus non possit plus amari, cum Christus sit amor et caritas et propterea in infinitum amabilis. Quapropter nemo in hac vita aut futura ita Christum amare potest, ut ipse propterea sit Christus et homo. Omnes enim, qui Christo aut per fidem in hac vita et caritatem aut [8] comprehensionem et fruitionem in alia uniuntur, remanente graduali differentia eo modo uniuntur, quo magis illa remanente differentia uniri non possent, ita ut in se nemo absque ipsa unione subsistat et per unionem a gradu suo non cadat.
Und weil diese Abstufungen zwischen dem Größten und Kleinsten liegen, kann niemand, auch wenn er, soweit es auf ihn ankommt, wirklich den größten Glauben Christi hat, den größten Glauben an Christus erreichen, durch den er Christus den Gott und Mensch begreifen würde. Noch kann jemand Christus so sehr lieben, daß er nicht noch mehr geliebt werden könnte, denn Christus ist Liebeskraft und Liebe und deshalb unendlich liebenswürdig. Deshalb kann niemand in diesem oder dem zukünftigen Leben Christus so lieben, daß er selbst Christus und Mensch wäre. Alle nämlich, die Christus entweder in diesem Leben durch Glauben und Liebe oder im anderen durch Ergriffensein und [p.507] Genuß vereint sind, werden – bei Erhalt des stufenweisen Unterschieds – so vereint, daß bei Bestehenbleiben desselben Unterschieds diese Vereinigung nicht stärker werden kann, und niemand in sich ohne die Vereinigung Bestand hat, und auch durch ihre Hilfe seine Stufe nicht verläßt.Quare haec unio est ecclesia sive congregatio multorum in uno, [9] quemadmodum multa membra in uno corpore et quodlibet in gradu suo; ubi unum non est aliud, et quodlibet in corpore uno, mediante quo cum quolibet unitur; ubi nullum sine corpore vitam et subsistentiam habere potest, licet in corpore unum non sit omnia nisi mediante corpore. Quapropter veritas fidei nostrae, dum hic [10] peregrinamur, non potest nisi in spiritu Christi subsistere, remanente ordine credentium, ut sit diversitas in concordantia in uno Iesu. Et dum absolvimur ex hac militanti ecclesia, quando resurgemus, non aliter quam in Christo resurgere poterimus, ut sic etiam sit una triumphantium ecclesia, et quisque in ordine suo. Et tunc veritas [11] carnis nostrae non erit in se, sed in veritate carnis Christi, et veritas [12] corporis nostri in veritate corporis Christi, et veritas spiritus nostri in veritate spiritus Christi Iesu ut palmites in vite, ut sit una Christi humanitas in omnibus hominibus, et unus Christi spiritus in omnibus spiritibus; ita ut quodlibet in eo sit, ut sit unus Christus ex omnibus. [13] Et tunc qui unum ex omnibus, qui Christi sunt, in hac vita recipit, Christum recipit, et quod uni ex minimis fit, Christo fit; sicut laedens manum Platonis Platonem laedit, et qui minimam pedicam offendit, totum hominem offendit, et qui in patria de minimo gaudet, de Christo gaudet et in quolibet videt Iesum, per quem Deum benedictum. [14] Sic erit Deus noster per Filium suum omnia in omnibus, et quisque in Filio, et per ipsum cum Deo et omnibus, ut sit gaudium plenum absque omni invidia et defectu.
Diese Einung ist die Kirche, die Sammlung der Vielen im Einen. Wie in einem Körper viele Glieder sind und jedes an seinem Ort, so ist es auch hier. Hier ist das eine kein anderes und jedes ist mit jedem durch den einen Körper vereint; nichts kann hier ohne ihn leben und Bestand haben, wenn auch im Körper das Eine nur vermittels des Körpers das Ganze sein kann. Daher kann auch während unserer Pilgerschaft auf Erden die Wahrheit unseres Glaubens nur im Geiste Christi Grundbestand haben, wobei die Ordnung der Gläubigen bestehenbleibt, so daß in dem einen Jesus Verschiedenheit in Einheit ist.
Wenn wir bei der Auferstehung von der streitenden Kirche gelöst werden, so können wir nicht anders als in Christus auferstehen, damit wir, jeder an seinem Ort, auch eine einzige Kirche der Verherrlichten seien. Und dann wird die Wahrheit unseres Fleisches nicht in sich, sondern in der Wahrheit des Fleisches Christi, und die Wahrheit unseres Leibes in der Wahrheit des Leibes Christi, und die Wahrheit unseres Geistes in der Wahrheit des Geistes Christi sein wie die Zweige am Weinstock, auf daß die eine Menschheit Christi in allen Menschen, und der eine Geist Christi in allen Geistern sei; so, daß jedes in ihm sei, und ein Christus aus allen. Darum hat auch jener, der in diesem Leben einen von denen, die Christus angehören, aufgenommen hat, Christus aufgenommen und darum geschieht, was einem der Geringsten geschieht, Christus selbst. Wer die Hand Platons verwundet, verwundet Platon, wer den kleinsten Teil beleidigt, beleidigt den ganzen Menschen, wer sich aber im Vaterland über den Geringsten freut, freut sich über Christus und sieht in jedem Jesus und durch ihn Gott, gepriesen sei er. So wird unser Gott durch seinen Sohn alles in allem sein und jeder wird im Sohn und durch ihn mit Gott und allen verbunden werden, so daß volle Freude ohne jeden Neid und Mangel herrscht.Et quoniam in nobis continue fides augeri potest, dum hic peregrinamur, similiter et caritas, quamvis actu quisque in gradu esse [15] possit tali, quod in maiori secundum se actu ut tunc esse non possit; tamen, dum est in uno gradu, est in potentia ad alium, licet in infinitum progressio talis fieri non possit per commune fundamentum. Hinc no|stram possibilitatem laborare debemus gratia Domini nostri [16] Iesu Christi ad actum deduci, ut sic simus de virtute in virtutem [17] ambulantes et de gradu ad gradum per ipsum, qui est fides et caritas. Sine quo ex nobis, quantum ex nobis, nihil possumus; sed omnia, quae possumus, in ipso possumus, qui solus potens est implere ea, quae nobis desunt, ut integrum et nobile membrum ipsius inveniamur in die resurrectionis. Et hanc gratiam augmenti fidei et caritatis, [18] credendo et amando ex omnibus viribus, assidua oratione non dubium impetrare possumus, ad eius thronum cum fiducia accedentes, cum ipse piissimus sit et sancto desiderio neminem sinat defraudari.
[19] Während wir hier wandeln, kann in uns der Glaube und ähnlich auch die Liebe ständig vermehrt werden. Obwohl in der Wirklichkeit jeder nur jene Stufe erreichen kann, von der aus er seinen eigenen Fähigkeiten entsprechend zu keiner höheren mehr kommen kann, hat er dennoch die Möglichkeit, von der einen Stufe zu einer anderen zu gelangen, wenn auch durch den gemeinsamen Grund ein Fortschreiten ins Unendliche nicht möglich ist. Daher müssen wir uns darum mühen, durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus unsere Möglichkeit zur Wirklichkeit zu führen, daß wir von einer Kraft in die andere wandeln und durch ihn, der Glaube und Liebe ist, von Stufe zu Stufe gelangen. Ohne ihn können wir, soweit es auf uns ankommt, nichts tun; alles, was wir vermögen, vermögen wir nur in ihm, der allein mächtig ist, das zu erfüllen, was uns fehlt, damit wir am Tage der Auferstehung als unversehrtes und vornehmes Glied seiner selbst erfunden werden. Diese Gnade der Glaubens- und Liebesvermehrung können wir ohne Zweifel durch Mit-allen-Kräften-Glauben und Lieben in unablässigem Gebet erlangen, indem wir vertrauensvoll zu seinem Throne gehen, denn er ist selbst der Heiligste und läßt es nicht zu, daß jemand in heiligem Sehnen getäuscht werde.Si ista, uti sunt, profunda mente meditatus fueris, admiranda dulcedine [20] spiritus perfunderis, quoniam interno gustu inexpressibilem Dei bonitatem quasi in fumo aromaticissimo odorabis, quam tibi transiens ministrabit; de quo satiaberis, cum apparuerit gloria eius. Satiaberis, dico, absque fastidio, quoniam hic cibus immortalis est [21] ipsa vita. Et sicut semper crescit desiderium vivendi, ita cibus vitae semper comeditur, absque hoc quod in naturam comedentis convertatur. Tunc enim fastidiosus cibus esset, qui gravaret et vitam immortalem praestare non posset, cum in se deficeret et in alitum converteretur. Desiderium autem nostrum intellectuale est intellectualiter [22] vivere, hoc est continue plus in vitam et gaudium intrare. Et quoniam illa infinita est, continue in ipsam beati cum desiderio feruntur. Satiantur itaque quasi sitientes de fonte vitae potantes; et quia ista potatio non transit in praeteritum, cum sit in aeternitate, semper sunt beati potantes et semper satiantur, et numquam biberunt [23] aut saturati fuerunt.
Wenn wir dies genau betrachten, durchströmt uns die wunderbare Wonne des Geistes, denn wir empfinden in unserem Innern die unaussprechliche Güte Gottes, die er uns, wie einen wohlriechenden Duft, im Vorübergehen schenkt. Ohne Überdruß werden wir von ihm gesättigt werden, wenn seine Herrlichkeit erscheint. Denn diese unsterbliche Speise ist das Leben selbst. Wie das Verlangen nach dem Leben ständig wächst, so wird die Lebensspeise ständig verzehrt, doch wandelt sie sich nicht in die Natur dessen, der sie verzehrt. Dann nämlich, wenn sie in sich mangelhaft wäre und in das Ernährte umgewandelt würde, wäre sie widerwärtig und beschwerlich und könnte das unsterbliche Leben nicht gewähren.
Unser geistiges Sehnen aber ist, geistig zu leben, d. h., ohne Aufhören immer tiefer in Leben und Freude einzugehen. Weil dieses Leben unendlich ist, werden die Seligen unaufhörlich voll Sehnsucht zu ihm geführt. Sie werden gestillt [p.511] wie Durstige, die von der Quelle des Lebens trinken. Und weil dieser Trank in Ewigkeit dauert und nicht in Vergangenheit übergeht, trinken die Seligen immer und werden immer gestillt und werden niemals zu Ende getrunken haben oder gestillt worden sein.Benedictus Deus, qui nobis dedit intellectum, qui in tempore satiabilis non est; cuius desiderium cum finem non capiat, seipsum supra incorruptibile tempus immortalem apprehendit ex desiderio temporaliter insatiabili cognoscitque se vita desiderata intellectuali [24] satiari non posse nisi in fruitione optimi maximi boni numquam deficientis, ubi fruitio non transit in praeteritum, quia appetitus in fruitione non decrescit. Quasi, ut corporali exemplo utamur, si quis esuriens ad mensam magni regis sederet, ubi sibi de desiderato cibo ministraretur, ita quod alium non appeteret; cuius cibi natura foret, [25] quod satiando acueret appetitum. Si hic cibus numquam deficeret, manifestum est comedentem semper continue satiari et appetere continue eundem cibum et semper desideriose ferri ad cibum. Semper itaque hic capax esset cibi, cuius virtus esset cibatum continue in cibum inflammato desiderio ferri. Haec est igitur capacitas naturae [26] intellectualis, ut recipiendo in se vitam in ipsam convertatur secundum [27] suam naturam convertibilem, sicut aer recipiendo in se radium solis in lumen convertitur. Propter hoc intellectus, cum sit naturae convertibilis ad intelligibile, non intelligit nisi universalia et in corruptibilia et permanentia, quoniam veritas incorruptibilis est eius [28] obiectum, in quod intellectualiter fertur; quam quidem veritatem in aeternitate quieta pace in Christo Iesu apprehendit.
Gepriesen sei Gott, der uns einen Geist gegeben hat, der in der Zeit nicht stillbar ist, dessen Verlangen kein Ende findet und auf Grund dieses in der Zeit nicht stillbaren Verlangens sich als über die Zeit erhaben und unsterblich begreift, und der erkennt, daß er sich an dem erwünschten geistigen Leben nur im Genuß des besten, höchsten, nie abnehmenden Gutes sättigen kann, indem der Genuß nicht vergeht, weil das Verlangen nicht abnimmt.
Um ein sinnliches Beispiel zu gebrauchen. Ein Hungriger sitzt an der Tafel eines großen Königs: man reicht ihm von der begehrten Speise, so daß er keine andere verlangt; die Natur dieser Speise ist so, daß sie zugleich sättigt und das Verlangen anregt. Es ist klar, daß, falls diese Speise niemals fehlen würde, der Essende stets satt wäre und doch unaufhörlich dieselbe Speise erstrebte und danach verlangte, zu ihr zu gelangen. So wäre er stets fähig, diese Speise zu verzehren, deren Kraft darin bestünde, den Gesättigten in unaufhörlich brennendem Verlangen zur Speise zu drängen.
Eben demselben entspricht die Fähigkeit der geistigen Natur; sie nimmt das Leben in sich auf und wird entsprechend ihrer Wandlungsfähigkeit in dieses verwandelt, so wie sich die Luft, die den Strahl der Sonne aufnimmt, in Licht verwandelt. Deshalb sieht die Einsicht, welche fähig ist, sich zum Erkennbaren zu wandeln, nur das Allgemeine, Unvergängliche und Bleibende; die unvergängliche Wahrheit ist ihr Gegenstand, zu ihr wird sie auf geistige Weise gedrängt. Diese Wahrheit begreift sie im ruhigen Frieden der Ewigkeit in Jesus Christus.Haec est triumphantium ecclesia, in qua est Deus noster in saecula benedictus; ubi suprema unione Christus Iesus verus homo Dei Filio unitus est tanta unione, ut humanitas ipsa in ipsa divinitate tantum [29] subsistat, in qua ita est unione ineffabili hypostatica, quod remanente veritate naturae humanitatis non possit altius et simplicius uniri. Deinde omnis rationalis natura Christo Domino, remanente cuiuslibet personali veritate, si ad Christum in hac vita summa fide et spe atque caritate conversa fuerit, adeo unita existit, ut omnes, tam [30] angeli quam homines, non nisi in Christo subsistant; per quem in Deo, veritate corporis cuiusque per spiritum absorpta et attracta; ut quilibet beatorum, servata veritate sui proprii esse, sit in Christo Iesu Christus, et per ipsum in Deo Deus, et quod Deus eo absoluto maximo remanente sit in Christo Iesu ipse Iesus, et in omnibus [31] omnia per ipsum.
Dies ist die Kirche der Verherrlichten, in der unser Gott – in Ewigkeit sei er gepriesen – wohnt. Dort ist Christus Jesus als wahrer Mensch in so vollkommener Einung mit dem Sohn Gottes vereint, daß die Menschheit in unaussprechlicher, hypostatischer Einung nur in der Gottheit selbst [p.513] Grundbestand hat. Und sie kann, während die Wahrheit der menschlichen Natur erhalten bleibt, nicht stärker und einfacher vereint werden. Jede vernünftige Natur ist so sehr mit Christus dem Herrn vereint, daß sie, so sie ihm in diesem Leben in höchstem Glauben und größter Hoffnung und Liebe zugewandt war, in ihm allein, während ihre persönliche Wahrheit erhalten bleibt, so begründet ist, daß alle, Engel wie Menschen, in Christus allein bestehen. Durch ihn sind sie in Gott, wenn der Geist den wahren Körper eines jeden aufgenommen und an sich gezogen hat; jeder Selige bewahrt die Wahrheit seines eigenen Seins, aber er ist Christus in Christus Jesus und durch ihn Gott in Gott; und weil Gott, das absolut Größte in Christus Jesus dieser selbst ist, ist er auch durch ihn in allem alles.Nec potest ecclesia esse alio modo magis una. Nam ecclesia unitatem plurium, salva cuiusque personali veritate, dicit absque confusione naturarum et graduum. Quanto autem ecclesia magis est una, tanto maior. Ista igitur ecclesia est maxima, ecclesia aeternaliter [32] triumphantium, quoniam maior ecclesiae unio possibilis non est. Hic igitur contempla|re, quanta est haec unio, ubi unio maxima absoluta [33] divina et unio in Iesu deitatis et humanitatis et unio ecclesiae triumphantium deitatis Iesu et beatorum reperitur. Nec unio absoluta est maior vel minor unione naturarum in Iesu vel beatorum in patria, [34] quoniam est unio maxima, quae est unio omnium unionum, et id, quod est omnis unio, non recipiens magis nec minus, ex unitate et aequalitate procedens, ut in primo libro ostenditur. Nec unio naturarum in Christo est maior aut minor unitate ecclesiae triumphantium, [35] quoniam, cum sit maxima unio naturarum, tunc in hoc non recipit magis et minus.
Auch kann die Kirche auf keine andere Weise mehr eins sein. Denn Kirche heißt, die persönliche Wahrheit eines Jeden bewahren und ohne Vermischung der Naturen und Gradstufen die Einheit vieler sein. Je mehr aber die Kirche eine Einheit ist, um so größer ist sie. Also ist jene Kirche der ewig Verherrlichten die größte; denn eine größere Einung der Kirche ist nicht mehr möglich.
Nunmehr ist zu betrachten, wie groß diese Einung ist, wenn man die größte, absolute, göttliche Einung und die Einung in der Gottheit und Menschheit Jesu und die Einung der Kirche der Verherrlichten mit der Gottheit Jesu und der Seligen findet. Die absolute Einung ist nicht größer oder kleiner als die Einung der Naturen in Jesu oder der Seligen im Himmelreich; sie ist die größte Einung, die Einung aller Einungen, das, was jede Einung ist, und wird nicht mehr oder weniger; sie geht, wie im ersten Buch gezeigt wurde, aus der Einheit und Gleichheit hervor. Auch die Einung der Naturen in Christus ist nicht größer oder kleiner als die Einheit der Kirche der Verherrlichten; als die größte Einung der Naturen wird sie nicht mehr oder weniger.Unde omnia diversa, quae uniuntur, ab ipsa maxima unione naturarum Christi suam unitatem sortiuntur; per quam unio ecclesiae est id, quod est. Unio autem ecclesiae est maxima unio ecclesiastica. [36] Quare ipsa, cum sit maxima, coincidit sursum cum unione hypostatica naturarum in Christo. Et illa unio naturarum Iesu, cum sit maxima, coincidit cum unione absoluta, quae est Deus. Et ita unio ecclesiae, quae est suppositorum cum illa, quae licet non videatur adeo una sicut hypostatica, quae est naturarum tantum, aut prima [37] divina simplicissima, in qua nihil alietatis aut diversi existere potest, resolvitur tamen per Iesum in unionem divinam, a qua etiam ipsa initium habet. Et hoc profecto clarius videtur, si advertitur ad id, quod saepe superius reperitur. Unio enim absoluta Spiritus sanctus est. Unio autem maxima hypostatica cum ipsa unione absoluta [38] coincidit; propter quod necessario unio naturarum in Christo per absolutam, quae Spiritus sanctus est, et in ipsa existit. Unio autem ecclesiastica coincidit cum hypostatica, ut praefertur; propter quod in spiritu Iesu est unio triumphantium, qui in Spiritu sancto est. Ita ait ipsa Veritas in Iohanne: «Claritatem, quam dedisti mihi, dedi eis, ut sint [39] unum, sicut nos unum sumus, ego in eis, et tu in me, ut sint consummati in unum[40]»; ut sit ecclesia in aeterna quiete, adeo perfecta, quod perfectior esse non possit, in tam inexpressibili transformatione luminis gloriae, ut in omnibus non appareat nisi Deus. Ad quam tanto affectu cum triumpho aspiramus, ipsum Deum Patrem supplici corde [41] exorantes, ut per Filium suum, Dominum nostrum Iesum Christum, et in ipso per Spiritum sanctum ipsam nobis sua immensa pietate largiri velit, eo aeternaliter fruituri, qui est in saecula benedictus.
Daher erlangt alles Verschiedene, das geeint wird, seine Einheit aus der größten Einung der Naturen Christi. Durch sie ist die Einung der Kirche das, was sie ist. Die Einung der Kirche aber ist die größte Einung innerhalb der Kirche. Daher koinzidiert sie als die größte mit der hypostatischen [p.515] Einung der Naturen in Christus. Und jene Einung der Naturen in Christus koinzidiert als die größte mit der absoluten Einung, mit Gott. Wenn auch die Einung der Kirche, die eine Einheit ihrer Teile ist, nicht so tiefgreifend wie die hypostatische Einung der Naturen zu sein scheint oder wie die erste, einfachste, göttliche Einung, in der es keine Andersheit oder Verschiedenheit geben kann, so wird sie dennoch durch Jesus in die göttliche Einung, von der sie ausgegangen ist, aufgenommen. Das wird deutlicher, wenn man beachtet, was oben oft wiederholt wurde: die absolute Einung ist der Heilige Geist.
Die größte, hypostatische Einung aber koinzidiert mit dieser, darum muß die Einung der Naturen in Christus in und durch die absolute Einung, den Heiligen Geist, geschehen und in ihr bestehen.
Die kirchliche Einung aber koinzidiert mit der hypostatischen, wie schon erwähnt; deshalb ist die Einung der Verherrlichten im Geiste Jesus, der im Heiligen Geist ist, vollzogen. So sagt die Wahrheit bei Johannes: «Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf daß sie vollkommen eins seien»; auf daß die Kirche in einer so unsagbaren Verwandlung zum Lichte der Herrlichkeit in ewiger Ruhe und in letzter Vollendung so vollkommen sei, daß in allem nur Gott erscheint. Danach trachten wir sieghaft mit großem Verlangen. Demütigen Herzens flehen wir zu Gott dem Vater, er wolle uns in seiner unermeßlichen Huld durch seinen Sohn, unsern Herrn Jesus Christus, und in ihm durch den Heiligen Geist verleihen, daß wir uns ewig dessen erfreuen, der in Ewigkeit gepriesen ist.
Ende von De docta ignorantia.
Einzelnachweise
- ↑ 157.15
- ↑ 157.20
- ↑ 157.25
- ↑ [p.158]
- ↑ 158.5
- ↑ [p.505]
- ↑ 158.10
- ↑ 158.15
- ↑ 158.20
- ↑ 158.25
- ↑ 158.30
- ↑ [p.159]
- ↑ 159.5
- ↑ 159.10
- ↑ 159.15
- ↑ fol.33v
- ↑ 159.20
- ↑ 159.25
- ↑ [p.509]
- ↑ [p.160]
- ↑ 160.5
- ↑ 160.10
- ↑ 160.15
- ↑ 160.20
- ↑ 160.25
- ↑ 160.30
- ↑ [p.161]
- ↑ 161.5
- ↑ 161.10
- ↑ 161.15
- ↑ 161.20
- ↑ 161.25
- ↑ fol.34r
- ↑ [p.162]
- ↑ 162.5
- ↑ 162.10
- ↑ 162.15
- ↑ 162.20
- ↑ 162.25
- ↑ Ioann. 17,22-23.
- ↑ [p.163]