De docta ignorantia Liber tertius Capitulum XI.
Capitulum XI.
Mysteria fidei.
Maiores nostri omnes concordanter asserunt fidem initium esse intellectus. In omni enim facultate quaedam praesupponuntur ut principia prima, quae sola fide apprehenduntur, ex quibus intelligentia [2] tractandorum elicitur. Omnem enim ascendere volentem ad doctrinam credere necesse est hiis, sine quibus ascendere nequit. Ait enim Isaias: «Nisi credideritis, non intelligetis.[3]» Fides igitur est in se complicans omne intelligibile. Intellectus autem est fidei explicatio. Dirigitur [4] igitur intellectus per fidem, et fides per intellectum extenditur. Ubi igitur non est sana fides, nullus est verus intellectus. Error principiorum et fundamenti debilitas qualem conclusionem subinferant, manifestum est. Nulla autem perfectior fides quam ipsamet veritas, quae Iesus est.
152.10[5] Quis non intelligit excellentissimum Dei donum esse rectam fidem? Apostolus Iohannes ait fidem incarnationis Verbi Dei nos in veritatem ducere, ut Dei filii efficiamur; et hanc in primordio simpliciter aperit, deinde multa Christi opera enarrat secundum ipsam fidem, ut intellectus illuminetur in fide. Quapropter hanc finaliter conclusionem [6] subinfert dicens: «Haec quidem scripta sunt, ut credatis, quoniam Iesus est Dei Filius.[7]»
Kapitel XI.
Die Geheimnisse des Glaubens
Alle unsere Vorfahren bezeugten einstimmig, daß der Glaube der Anfang des Erkennens sei. In jedem Gebiet des Könnens werden gewisse Dinge, die allein durch den Glauben begriffen werden, als erste Prinzipien vorausgesetzt; aus ihnen gewinnt man die Einsicht in das, was behandelt werden soll.
Jeder, der zum Wissen aufsteigen will, muß notwendig an das glauben, was ihm diesen Aufstieg ermöglicht. Isaias sagt: «Wenn ihr nicht glaubt, werdet ihr nicht erkennen.» Der Glaube also schließt in sich alles einsichtig Erkennbare ein. Das vernünftige Denken aber ist die Entfaltung des Glaubens. Es wird vom Glauben geleitet und der Glaube von ihm ausgebreitet. Wo also kein gesunder Glaube ist, ist keine wahre Erkenntnis. Zu welchen Schlußfolgerungen der Irrtum in den Prinzipien und die Schwäche im Fundament führen, ist offenbar. Kein Glaube aber ist vollkommener als die Wahrheit selbst, Jesus Christus.
Wer würde nicht einsehen, daß ein richtiger Glaube das herrlichste Geschenk Gottes ist? Der Apostel Johannes sagt, daß der Glaube an das fleischgewordene Wort Gottes uns in die Wahrheit einführe, so daß wir Söhne Gottes werden; dies erschließt er im Prolog schlicht und einfach; dann zählt er, dem Glauben gemäß, viele Werke Christi auf, damit der Intellekt im Glauben erleuchtet werde. Daher schließt er am Ende und sagt: «Dies ist geschrieben worden, damit ihr glaubet, daß Jesus der Sohn Gottes ist.»Potest autem Christi sanissima fides, in simplicitate constanter firmata, gradibus ascensionum extendi et explicari secundum datam ignorantiae doctrinam. Maxima enim et profundissima Dei mysteria [9] in mundo ambulantibus, quamquam sapientibus abscondita, parvulis et humilibus in fide Iesu revelantur, quoniam Iesus est, in quo omnes thesauri sapientiae et scientiarum absconditi sunt, sine quo nemo quidquam facere potest. Nam est Verbum et potentia, per quam Deus fecit et saecula, super omnia, quae in caelo et in terra [10] sunt, potestatem habens solus altissimus. Qui cum in hoc mundo non sit cognoscibilis, ubi ratione ac opinione aut doctrina ducimur in symbolis per notiora ad incognitum, ibi tantum apprehenditur, ubi cessant persuasiones et accedit fides; per quam in simplicitate rapimur, ut supra omnem rationem et intelligentiam in tertio caelo simplicissimae [11] intellectualitatis ipsum in corpore incorporaliter, quia in spiritu, et in mundo non mundialiter, sed caelestialiter contemplemur incomprehensibiliter, ut et hoc videatur, ipsum scilicet comprehendi non posse propter excellentiae suae immensitatem. Et haec est illa [12] docta ignorantia, per quam ipse beatissimus Paulus ascendens vidit se Christum, quem aliquando solum scivit, tunc ignorare, quando ad ipsum altius elevabatur.
Der heilige Glaube an Christus, der in Einfachheit fest begründet ist, kann der dargelegten Lehre der wissenden Unwissenheit gemäß stufenweise immer weiter entwickelt und entfaltet werden. Die größten und tiefsten Geheimnisse Gottes bleiben denen verborgen, die in der Welt wandeln, mögen sie noch so weise sein, und werden den Kleinen und Demütigen im Glauben [p.495] Jesu offenbar: denn Jesus ist es, in dem alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft verborgen sind und ohne den niemand etwas tun kann. Denn er ist das Wort und die Macht, durch die Gott die Zeiten schafft, allein der Höchste und mächtig über alles, was im Himmel und auf Erden ist.
Da er in dieser Welt, in der wir durch Verstand, Meinung oder Wissen in Symbolen von Bekanntem und Unbekanntem geführt werden, nicht erkennbar ist, wird er nur dort begriffen, wo die Wortbeweise aufhören und der Glaube beginnt. Durch diesen werden wir zur Einfachheit emporgeführt, auf daß wir jenseits jedes Verstandes und jeder Einsicht im dritten Himmel einfachster Geistigkeit ihn im Körper, aber unkörperlich, weil im Geiste, und in der Welt, aber nicht weltlich, sondern himmlisch in unbegreiflicher Weise schauen und auch erkennen, daß wir ihn seiner alles überragenden Unermeßlichkeit wegen nicht begreifen können. Dies ist jene wissende Unwissenheit, durch die der heilige Paulus zu der Erkenntnis kam, daß er von Christus, den er einstmals nur kannte, weniger wissen würde, wenn er höher erhoben würde.Ducimur igitur nos Christifideles in docta ignorantia ad montem, qui Christus est, quem tangere cum natura animalitatis nostrae [13] [14] prohibiti sumus; et oculo intellectuali dum inspicere ipsum conamur, in caliginem incidimus, scientes intra ipsam caliginem montem esse, in quo solum beneplacitum est habitare omnibus intellectu vigentibus. Quem si cum maiori fidei constantia accesserimus, rapiemur ab oculis sensualiter ambulantium, ut auditu interiori voces et tonitrua et [15] terribilia signa maiestatis eius percipiamus, de facili percipientes ipsum solum Dominum, cui oboediunt universa, pervenientes gradatim ad quaedam incorruptibilia vestigia pedum eius, quasi ad quosdam divinissimos characteres, ubi vocem non creaturarum mortalium, sed ipsius Dei in sanctis organis et signis prophetarum et sanctorum [16] audientes clarius ipsum quasi per nubem rariorem intuemur.
Wir Christgläubigen werden in wissender Unwissenheit zu dem Berg geführt, der Christus ist; aber ihn zu berühren hindert uns unsere tierische Natur; und sobald wir versuchen, ihn mit unseren geistigen Augen zu sehen, geraten wir in Dunkelheit, wissend, daß in ihr jener Berg ist, auf dem allein es für alle, die starken Geistes sind, schön ist zu wohnen. Wenn wir ihm mit der Standhaftigkeit größeren Glaubens nahen, werden wir den Augen jener, die im Sinnlichen verweilen, entrückt; dann vernehmen wir mit innerem Ohr die Stimme, den Donner und die furchterregenden Zeichen seiner Majestät und erkennen sogleich, daß er allein der Herr ist, dem das Universum gehorcht; allmählich gelangen wir zu den unvergänglichen Spuren seiner Füße, als zu den Zeichen des Göttlichen. Dort hören wir nicht mehr die Stimme sterblicher Geschöpfe, sondern in heiligen Werken und Zeichen von Propheten und Heiligen vernehmen wir die Stimme Gottes selbst und sehen ihn wie durch eine weniger dichte Wolke deutlicher.Deinde ardentiori desiderio fideles continuo ascendentes ad intellectualitatem simplicem rapiuntur, omnia sensibilia transilientes, quasi de somno ad vigiliam, de auditu ad visum pergentes; ubi ea videntur, quae revelari non possunt, quoniam supra omnem auditum sunt et [17] vocis doctrinam. Nam si dici deberent ibi revelata, tunc non dicibilia dicerentur, non audibilia audirentur, sicut invisibile ibi videtur. Iesus enim in saecula benedictus, finis omnis intellectionis, quia veritas, et omnis sensus, quia vita, omnis denique esse finis, quia entitas, ac omnis creaturae perfectio, quia Deus et homo, ibi ut terminus omnis [18] vocis incomprehensibiliter auditur. De ipso enim omnis vox prodiit [19] et ad ipsum terminatur; quidquid veri in voce est, ab ipso est. Omnis vox ad doctrinam est; ad ipsum est igitur, qui ipsa sapientia est. «Omnia quaecumque scripta sunt, ad nostram doctrinam scripta sunt.[20]» Voces in scripturis figurantur. «Verbo Domini caeli firmati sunt[21]»; [22] omnia igitur creata signa sunt Verbi Dei. Omnis vox corporalis verbi mentalis signum. Omnis mentalis verbi corruptibilis causa est Verbum incorruptibile, quod est ratio. Christus est ipsa incarnata ratio omnium rationum, quia Verbum caro factum est. Iesus igitur finis est omnium.
[23] Dann werden die Gläubigen, die in brennendem Verlangen unaufhörlich emporstreben, zur vollkommen einfachen Geistigkeit entrückt, indem sie alles Sinnliche überschreitend, vom Schlaf zum Wachen, vom Hören zum Sehen gelangen; dort schauen sie, was nicht geoffenbart werden kann, da es jenseits allen Vernehmens und aller Belehrung der Sprache steht. Denn wenn das dort Geoffenbarte gesagt werden sollte, würde das Unsagbare gesagt, das Unhörbare gehört, wie dort das Unsichtbare gesehen wird. Jesus, der in Ewigkeit gepriesen sei, und der als die Wahrheit das Ziel jeder Einsicht, als das Leben, das Ziel allen Sinnes, als die Seiendheit das Ziel jeden Seins, als Gott und Mensch die Vollkommenheit jeder Kreatur ist, wird dort als die Ziel-Grenze jeden Wortes auf unbegreifliche Weise vernommen. Jede Sprache nimmt von ihm ihren Ausgang und findet in ihm ihr Ziel. Was an Wahrheit in ihr ist, stammt von ihm. Jedes Wort ist auf Wissen hingeordnet: also auf den, der die Weisheit selbst ist. «Alles was geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben.» Die Worte werden mit Hilfe der Schrift dargestellt.
«Im Wort des Herrn sind die Himmel begründet.» Alles Geschaffene ist also Zeichen von Gottes Wort. Jeder körperliche Laut ist Zeichen des geistigen Wortes. Der Grund jeden geistigen Wortes, das vergänglich ist, ist das unvergängliche Wort, der Bestimmungsgrund und Wesenssinn. Als fleischgewordenes Wort ist Christus der inkarnierte Wesenssinn aller Bestimmungsgründe. Er ist das Ziel von allem.[24] Talia quidem ascendenti ad Christum per fidem manifestantur gradatim. Cuius fidei divina efficacia inexplicabilis est; nam unit credentem cum Iesu, si magna fuerit, ut supra omnia sit, quae in unitate cum ipso Iesu non sunt. Hic enim, si integra est fides in virtute Iesu, cui unitur, supra naturam et motum potestatem habens etiam [25] spiritibus malignis imperat; et mirabilia non ipse, sed in ipso et per ipsum Iesus operatur, ut sanctorum gesta exempla tradunt. Oportet autem perfectam Christi fidem esse purissimam, maximam, formatam caritate, quanto hoc fieri potest efficacius. Non enim patitur quidquam sibi commisceri, quoniam est fides purissimae [26] veritatis potentis ad omnia. Saepissime in antehabitis replicatum reperitur minimum maximo coincidere. Ita quidem et in fide, quae simpliciter maxima in esse et posse; non potest in viatore esse, qui non sit et comprehensor simul, qualis Iesus fuit. Viatorem autem tantum etiam, quoad se, actu maximam Christi fidem habere volentem [27] necesse est, ut fides apud ipsum ad tantum certitudinis indubitabilis gradum elevata sit, ut etiam minime sit fides, sed summa certitudo absque omni haesitatione in aliquo quocumque.
Derartiges wird dem, der im Glauben zu Christus emporsteigt, stufenweise offenbar. Die göttliche Wirksamkeit dieses Glaubens ist unerklärbar; denn sie eint den Glaubenden, wenn der Glaube groß genug gewesen ist, mit Christus, so daß er über alles das erhaben ist, was sich nicht in der Einheit mit Jesus befindet. Ist sein Glaube in der Kraft Jesu, dem er vereint wird, unversehrt, so befiehlt er auch den bösen Geistern und hat Macht über das Naturgeschehen. Und das Wunderbare vollbringt nicht er selbst, sondern Jesus, der in ihm und durch ihn wirkt. Dies zeigen die Taten der Heiligen.
[p.499] Der vollkommene Glaube an Christus muß ganz rein, groß und, soweit dies nur möglich ist, in der Liebe erwachsen sein. Denn da er der Glaube an die reinste, allmächtige Wahrheit ist, duldet er nicht, daß irgend etwas mit ihm vermischt wird. Im Vorhergehenden wurde wiederholt bedacht, daß das Kleinste mit dem Größten koinzidiert. Ebenso verhält es sich auch im Glauben; er ist das einfachhin Größte in Sein und Können. Er kann nicht in einem Wanderer sein, der nicht zugleich auch wie Jesus das Ziel erreicht hätte.
Bei diesem Wanderer, der den tiefsten Glauben an Christus wirklich besitzen will, muß der Glauben zu einem solchen Grad unbezweifelter Gewißheit erhoben sein, daß er zugleich auch der geringste Glaube ist, jedoch als höchste Gewißheit und ohne irgendwelches Schwanken.Haec est potens fides, quae ita est maxima quod et minima, ut [28] omnia complectatur credibilia in eo, qui est veritas. Et si forte fides unius hominis ad gradum alterius non attingit propter impossibilitatem aequalitatis, sicut unum visibile in aequali gradu a pluribus videri nequit, hoc tamen necesse est, ut quisque, quantum in se est, [29] actu maxime credat. Et tunc is, qui in comparatione aliorum vix ut granum sinapis fidem sortiretur, adhuc immensae virtutis illius fides est, ut etiam in montibus oboedientiam reperiret, cum ipse in virtute Verbi Dei, cum quo – quantum in se est – maxime per fidem unitur, imperet; cui nihil resistere potest.
Das ist der mächtige Glaube, der so der größte ist, daß er auch der kleinste ist und daß er alles, was man glauben kann, in dem vereint, der die Wahrheit ist. Und wenn etwa, da völlige Gleichheit unmöglich ist, der Glaube des einen Menschen nicht die Stufe des andern erreicht – wie auch ein sichtbarer Gegenstand von mehreren nicht im selben Maße gesehen werden kann –, so ist es dennoch notwendig, daß jeder, soweit es an ihm liegt, den tatsächlich größten Glauben hat. Und dann ist der Glaube desjenigen, der im Vergleich mit andern kaum einen Senfkornglauben erlangte, von solch unermeßlicher Kraft, daß er auch in den Bergen Gehorsam findet, wenn er befiehlt; denn er steht in der Kraft des Wortes Gottes, dem er, so weit er vermag, durch den tiefsten Glauben geeint ist. Ihm kann nichts widerstehen.[30] Vide, quanta est potentia tui intelle|ctualis spiritus in virtute [31] Christi, si sibi super omnia adhaereat, ita ut per ipsum vegetetur, quasi in ipso per unionem – salvo numero suo – ut in vita sua suppositatus. Hoc autem cum non fiat nisi per conversionem intellectus, cui sensus oboediant, ad ipsum per fidem maximam, tunc [32] hanc necesse est esse formatam per unientem caritatem; non enim maxima esse potest fides sine caritate. Nam si omnis vivens diligit vivere et omnis intelligens intelligere, quomodo potest Iesus vita ipsa immortalis credi ac veritas infinita, si non summe amatur? Per se enim vita amabilis est; et si maxime creditur esse Iesus vita [33] aeterna, non potest non amari. Non est enim viva fides, sed mortua et penitus non fides, absque caritate. Caritas autem forma est fidei, ei dans esse verum, immo est signum constantissimae fidei. Si igitur propter Christum omnia postponuntur, corpus et anima eius comparatione pro nihilo habentur, signum est maximae fidei.
Beachte, daß in der Kraft Christi die Macht deines verstehenden Geistes, wenn er ihm über alles anhangt, so groß ist, daß er durch ihn lebt und durch jene Vereinigung in ihm, obwohl die Individualität gewahrt bleibt, als in seinem Leben grundgelegt ist. Da dies nur geschieht, wenn sich der Geist, dem die Sinnlichkeit gehorcht, im größten Glauben zu ihm hinwendet, muß dieser in einigender Liebe erwachsen sein. Denn wenn jeder Lebende zu leben und jeder [p.501] Erkennende zu erkennen strebt, wie könnte man an Jesus, das unsterbliche Leben und die unendliche Wahrheit glauben, ohne ihn am tiefsten zu Heben?
Das Leben ist durch sich liebenswert. Und wenn man an Jesus, als an das ewige Leben ganz glaubt, ist es unmöglich, ihn nicht zu lieben. Denn ohne Liebe gibt es keinen lebendigen Glauben, sondern einen toten, der überhaupt kein Glaube ist. Die Liebe aber ist für den Glauben die Gestalt, die ihm wahres Sein verleiht, sie ist das Zeichen des festen Glaubens. Wenn man also um Christi willen alles hintansetzt, Leib und Seele im Vergleich mit ihm für nichts achtet, ist das das Zeichen des tiefsten Glaubens.
[34] Nec potest fides magna esse sine spe sancta fruitionis ipsius Iesu. Quomodo enim quis fidem certam haberet, si promissa sibi a Christo non speraret? Si non credit se habiturum aeternam vitam a Christo fidelibus promissam, quomodo credit Christo? Aut quomodo ipsum veritatem esse credit? Si in promissis spem indubiam non habet, [35] quomodo eligeret pro Christo mortem, qui immortalitatem non [36] speraret? Et quia credit, quod sperantes in eum non deserit, sed sempiternam eis beatitudinem praestat, hinc pro Christo omnia pati ob tantam mercedem retributionis pro modico fidelis habet.
Ohne die heilige Hoffnung, Jesus selbst zu genießen, kann der Glaube nicht groß sein. Denn wie könnte jemand Christus glauben, daß er die Wahrheit sei, ohne das Vertrauen zu besitzen, daß er das von Christus seinen Getreuen versprochene, ewige Leben erlangen werde? Wie könnte einer für Christus den Tod wählen, wenn er kein unbezweifeltes Vertrauen auf die Verheißung hätte und die Unsterblichkeit nicht erhoffte? Weil er aber glaubt, daß Christus jene nicht im Stiche läßt, die auf ihn hoffen, sondern ihnen die immerwährende Glückseligkeit verleiht, achtet es der Gläubige für gering, um einer so großen Verheißung willen alles zu erdulden.Magna est profecto fidei vis, quae hominem Christiformem efficit, [37] ut linquat sensibilia, exspoliet se contagiis carnis, ambulet in viis Dei cum timore, sequatur vestigia Christi cum laetitia et crucem voluntarie acceptet cum exultatione, ut sit in carne quasi spiritus, cui hic mundus propter Christum mors est et ab eo tolli, ut sit cum Christo, vita est. Quis, putas, hic spiritus est, in quo habitat Christus per [38] fidem? Quale est hoc admirandum Dei donum, ut in hac peregrinatione constituti in carne fragili, ad illam potestatem in virtute fidei elevari valeamus supra omnia, quae Christus per unionem non sunt? Age, ut successive mortificata carne sensim per fidem gradatim ad unitatem cum Christo quis ascendat, ut in ipsum profunda unione, [39] quantum hoc in via possibile est, absorbeatur. Omnia hic, quae visibilia et in mundo sunt, transiliens perfectionem completam naturae assequitur.
Wahrlich, groß ist die Macht des Glaubens, der den Menschen Christus ebenbildlich macht, so daß er das Sinnliche verläßt, sich des verderblichen Einflusses des Fleisches entäußert, mit Furcht auf den Wegen Gottes einherschreitet, mit Freuden den Fußstapfen Christi folgt und das Kreuz in Freiheit mit Entzücken annimmt, so daß er, obwohl im Fleisch, gleichsam Geist ist; diese Welt bedeutet ihm Tod um Christi willen, und von ihr Weggenommenwerden, um mit Christus zu sein, Leben. Wer, glaubst du, ist dieser Geist, in dem Christus durch den Glauben wohnt? Was ist das für ein wunderbares Geschenk Gottes, daß wir, in hinfälligem Fleisch gebildet, auf dieser Pilgerreise in der Kraft des Glaubens über alles, das nicht mit Christus geeint ist, zu jener Macht erhoben werden können?
[p.503] Durch Abtötung des Fleisches steigt man durch den Glauben allmählich und stufenweise zur Einheit mit Christus empor, um durch tiefe Einung, soweit es auf diesem Wege möglich ist, in ihn aufgenommen zu werden. So überschreitet man alles, was sichtbar und in dieser Welt ist und erreicht die vollendete Vollkommenheit der Natur.Et haec est ipsa natura completa, quam in Christo, mortificata carne et peccato, transformati in eius imaginem consequi poterimus; et non [40] illa phantastica magorum, qui hominem ad quandam naturam spirituum influentialium sibi connaturalium quibusdam operationibus mediante fide ascendere dicunt, ut in virtute spirituum talium, quibus per fidem uniuntur, plura et singularia mirabilia aut in igne aut in aqua aut scientiis harmonicis apparentiis transmutationum, [41] manifestatione occultorum et similibus efficiant. Manifestum est enim in hiis omnibus seductionem esse et recessum a vita et veritate. Propter quod tales ad foedera et pacta unitatis cum malignis spiritibus taliter [42] astringuntur, ut id, quod fide credunt, opere ostendant in thurificationibus et adorationibus Deo tantum debitis, quae spiritibus, quasi potentibus implere petita, et devocabilibus istis mediantibus magna cum observantia et veneratione impendunt. Consequuntur [43] aliquando per fidem ipsa caduca petita, uniti sic spiritui, cui etiam a Christo aeternaliter divisi in suppliciis adhaerebunt. Benedictus Deus, qui per Filium suum de tenebris tantae ignorantiae nos redemit, ut sciamus omnia falsa et deceptoria, quae alio mediatore quam Christo, qui veritas est, et alia fide quam Iesu, [44] qualitercumque perficiuntur! Quoniam non est nisi unus Dominus Iesus potens super omnia, nos omni bene|dictione adimplens, omnes [45] nostros defectus solus faciens habundare.
Das ist die vollkommene Natur, die wir in Christus, dem Fleisch und der Sünde gestorben und in sein Abbild umgestaltet, werden erlangen können. Und nichts sind jene Hirngespinste der Magier, die behaupten, der Mensch könne mittels gewisser Handlungen durch den Glauben zu einer bestimmten Natur von Geistern emporsteigen, die auf ihn Einfluß ausübten und von gleicher Natur seien, so daß er durch die Kraft dieser Geister, denen er im Glauben vereint sei, und durch Offenbarung geheimer Dinge, viele einzigartige Wunderdinge im Feuer oder im Wasser oder in den Wissenschaften harmonischer Veränderungs-Erscheinungen hervorzubringen vermöchte.
Es ist offenbar, daß in alledem Verführung und Verlassen von Leben und Wahrheit liegt. Deshalb verbinden sich solche Menschen mit den bösen Geistern zu Bündnis und Einheitsvertrag dergestalt, daß sie, was sie glauben, auch in Beräucherung und Anbetung, die Gott allein zukommen, tatsächlich zeigen. Das bringen sie in großer Verehrung und in Gehorsam den Geistern dar, als ob diese fähig wären, ihre Bitten zu erfüllen und sich durch solche Bannsprüche rufen ließen. Mitunter erhalten sie auch die in diesem Glauben erbetenen Güter, wenn sie auf diese Weise einem Geist vereint sind, dem sie dann in ewiger Trennung von Christus in der Verdammnis anhangen werden.
Gepriesen sei Gott, der uns durch seinen Sohn aus der Finsternis so großer Unwissenheit erlöst hat, daß wir erkennen: alles, was durch einen anderen Mittler als Christus, der die Wahrheit ist und durch einen anderen Glauben, als den an Jesus, in irgendeiner Weise vollbracht wird, ist falsch und trügerisch. Daher gibt es nur einen, der über alles mächtig ist, uns mit allem Segen erfüllt und allein alle unsere Mängel in Überfluß wandelt, Jesus den Herrn.Einzelnachweise
- ↑ 151.25
- ↑ [p.152]
- ↑ Isaias 7,9 (sec. versionem ant.).
- ↑ 152.5
- ↑ [p.152]
- ↑ 152.15
- ↑ cf. Ioann. 20,31.
- ↑ [p.493]
- ↑ 152.20
- ↑ 152.25
- ↑ [p.153]
- ↑ 153.5
- ↑ fol.32r
- ↑ 153.10
- ↑ 153.15
- ↑ 153.20
- ↑ 153.25
- ↑ 153.30
- ↑ [p.154]
- ↑ Rom. 15,4.
- ↑ Psal. 32,6.
- ↑ 154.5
- ↑ [p.497]
- ↑ 154.10
- ↑ 154.15
- ↑ 154.20
- ↑ 154.25
- ↑ [p.155]
- ↑ 155.5
- ↑ 155.10
- ↑ fol.32v
- ↑ 155.15
- ↑ 155.20
- ↑ 155.25
- ↑ 155.30
- ↑ [p.156]
- ↑ 156.5
- ↑ 156.10
- ↑ 156.15
- ↑ 156.20
- ↑ 156.25
- ↑ [p.157]
- ↑ 157.5
- ↑ 157.10
- ↑ fol.33r